Desaströse Sport-Comebacks Ende Legende

Desaströse Sport-Comebacks: Ende Legende Fotos
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Alter Schwede! Vor zwanzig Jahren kehrte Björn Borg noch einmal auf die große Tennisbühne zurück. Aber das Comeback des Wimbledon-Königs wurde zur Farce und der Schwede zur Witzfigur. Anderen erging es allerdings auch nicht besser. einestages zeigt die peinlichsten Versuche der Stars, die Zeit auszutricksen. Von

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Björn Borg trägt einen weißen Tennispullunder, darunter ein weißes Shirt. Seine Füße stecken in weißen Socken und weißen Schuhen. Seine Hose ist weiß und sehr kurz, seine Haare sind sehr lang, sie werden von einem Stirnband gebändigt. In seiner Hand hält Borg seinen Schläger mit kleiner Schlagfläche. Es ist ein Schläger aus Holz.

In den siebziger Jahren war der Schwede Borg der beste Spieler der Welt. Aber jetzt steht er auf dem Sandplatz in Monte Carlo in seinem Siebziger-Jahre-Outfit mit seinem Siebziger-Jahre-Schläger und wirkt irgendwie aus der Zeit gefallen. Es ist der 23. April 1991. Gleich wird er gegen den Spanier Jordi Arrese spielen, der neben ihm auf dem Tennisplatz steht und in die Kameras schaut. Arrese ist 26, aber er wirkt gegen Borg wie ein junger Mann. Arrese hält ein leichtes Carbon-Racket in der Hand. Er trägt keinen Pullunder.

Nach dem Spiel gegen Arrese, in dem Borg so chancenlos ist, wie man es mit 36 Jahren und einem alten Schläger eben ist, spricht Arrese über seine Begegnung mit der gealterten Ikone. Der Spanier redet diplomatisch über die Vorteile des neuen Equipments, dann kommt ihm immerhin ein kleines Lob über die Lippen: Borgs Beine seien "sehr gut" gewesen. Die Beine. Alter Schwede! Dass der Durchschnittsspieler Arrese eben die Legende mit 6:2, 6:3 vorgeführt hat, sagt er nicht.

"Es ist traurig"

Borgs Niederlage gegen Jordi Arrese war der Auftakt einer Comeback-Tour, die zur vielleicht tragischsten der Sportgeschichte wurde. Zwölf Mal spielte er bei Turnieren auf der ganzen Welt, eingeladen von den Veranstaltern und erwartungsvoll beobachtet von den Fans. Zwölf Mal verlor Borg. "Es ist traurig. Er hatte seine Zeit vor zehn Jahren, und so will ich ihn in Erinnerung behalten", sagte Tennisprofi Stefan Edberg stellvertretend für die peinlich berührten Kollegen. "Es war, als wollte er die Uhr zurückdrehen", sagte Wimbledon-Legende John Newcombe.

Immer wieder haben Sportler das versucht: zurückzukommen, als sei nichts gewesen. Ob Boxer, Tennisspieler, Golfer, Läufer, Rennfahrer - die Sportgeschichte ist voll von Superstars, die irgendwann vom Rücktritt zurücktraten, um ihre Erfolgsgeschichten weiterzuschreiben und die Zeit auszutricksen. Die einen, weil sie abgebrannt waren und den schnellen Reibach machen wollten. Die anderen, weil sie den Kick suchten oder nicht loslassen konnten. Einzelkämpfer die meisten, die schon den Weg an die Spitze allein gegangen waren und dort nach eigenem Selbstverständnis auch nach ein paar Jahren Pause hingehörten. Und dann doch gnadenlos abstürzten.

Zwei Jahre brauchte Borg, um sich selbst zu demontieren. Michael Schumacher reichte schon eine Saison in der Formel 1. Der Deutsche, Rekordweltmeister, Rekord-Grand-Prix-Sieger und Rekordverdiener, kam vor anderthalb Jahren zurück und sieht seither in seinem Mercedes gegen die Konkurrenz und den eigenen Teamkollegen Nico Rosberg noch älter aus als er ist. Doch der 42-Jährige, der sich die Zeit nach seinem Rücktritt 2006 mit Motorradrennen und Fallschirmspringen vertrieb, kann einfach nicht von dem regelmäßigen Speedrausch lassen - und nimmt dafür sogar erhebliche Lackschäden an seinem Image in Kauf.

Ein letztes Mal schneller als die anderen

Immerhin: Schumachers Leistungen bis zum Rücktritt waren so bedeutend, dass sie auch die graue Episode im Silberpfeil überdauern werden. Anderen gelang nicht mal das. Der Sprinter Ben Johnson gewann 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul Gold über 100 Meter in Weltrekordzeit - und verlor die Medaille wenig später, als er des Dopings überführt wurde. Der Kanadier wurde gesperrt, kämpfte sich zurück und trat 1992 bei den Olympischen Spielen erneut an. Er schaffte es bis ins Halbfinale des 100-Meter-Laufs, wurde dort aber abgeschlagen Letzter. Er war aus dem Startblock gestolpert.

"Solange ich Spaß daran habe, Tennis zu spielen, werde ich spielen. Auch wenn ich zwei Jahre lang nur verliere. Ich spiele für mich. Dies ist eine Herausforderung an mich selbst und niemanden anders." Das sagte Björn Borg 1991 im Interview mit dem SPIEGEL. Und es sollte tatsächlich zwei Jahre dauern, bis Borg keinen Spaß mehr hatte. Nach einer Niederlage gegen Alexander Wolkow in Moskau trat er endgültig zurück. Für die Öffentlichkeit war er komplett gescheitert. Borg selbst hatte nur gegen sich selbst verloren.

Heute spielt er auf der Seniorentour, und das sogar ganz erfolgreich. Doch es brauchte mehr als ein Jahrzehnt, bis die blamable Comeback-Tour aus dem Gedächtnis der Tennisfans verschwunden war und Borg wieder als das gesehen wurde, was er ist: eine Sportlegende der Siebziger.

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
Chris Kogler 09.09.2011
Michael Schumacher passt einfach nicht in diese Aufzählung. Sicher hat er den Zenit seiner Leistung überschritten, aber ich finde es gerade faszinierend, das er auch mit seiner neuen Rolle in der Formel 1 zurecht kommt und trotzdem weiter macht, wahrscheinlich weil er einfach gerne Rennen fährt. Er ist immer noch Rekordweltmeister und zwischendurch kann er auch heute noch seine Klasse zeigen, beispielsweise bei der grandiosen Aufholjagd in Spa, wo er vom letzten Platz gestartet noch fünfter wurde. Ich finde es toll, das er seine neue Rolle akzeptiert und weiter seine Runden dreht und ich hoffe das er noch einige Jahre der Formel 1 erhalten bleibt.
2.
Torsten Krahn 10.09.2011
@Chris Kogler: Das sehe ich ganz genauso. Zudem kommt es in der Formel 1 nicht unwesentlich auf das Auto an. Zwar gibt es unter den jungen neuen Fahrern einige, die in seiner fahrerischen Klasse spielen und vielleicht sogar besser sind, aber hätten sie alle das gleiche Auto, wäre Schuhmacher auch heute noch vorne mit dabei. Man darf nicht vergessen, dass auch zu seinen Zeiten bei Ferrari schlechte Jahre gab, weil sie das Auto nicht in den Griff bekamen.
3.
Rainer Kastner 10.09.2011
Gebe dem Vorredner hinsichtlich Michael Schumacher völlig Recht. Der Vergleich von Schumacher und Borg hinkt derart augenfällig..Borg war peinlich. Er hatte diese Peinlichkeit selbst zu vertreten, während Schumacher von der unterlegenen Technik seines Autos abhängig war. Wo bleibt die dann nur konsequente Forderung nach dem Rücktritt des erheblich jüngeren Nico Rosberg ? Es ist peinlich, wie manche vergeblich sich bemühen, eine Ikone zu demontieren, die uns viele Jahre lang wiederkehrend Freude gemacht hat. Und Schumacher macht immer noch Spaß. Gebt dem Mann endlich wieder eine ordentliche Karre ! Oder Red Bull schmeißt den Webber raus und lässt den Schumi in Kinky Kylie fahren. DAS wäre ein Spaß, den Altmeister mit dem Jungmeister in einem Team fahren zu sehen. Egal wie sympathisch Vettel rüberkommt - Schumi hat die Meriten und wird im Gegensatz zu Borg weder Ehren noch Sympathien verlieren. Er demontiert sich nicht, sondern zementiert einmal mehr die Tatsache, daß er der mit weitem Abstand beste Fahrer der Welt ist.
4.
Jürgen Wenzel 10.09.2011
Man muss gehen, bevor alle sagen: "Es wird Zeit, dass er geht." Und dabei muss man bleiben. Alternde Fußball-Nationalspieler wie Matthäus oder Ballack zählen auch in diese Kategorie. Lance Armstrong könnte man ebenfalls als klassischen tragischen Comeback-Fall in diesen Artikel aufnehmen. Die Beispiele zeigen eines: Auch wenn man in einer Sportart als weit überlegener Superstar anzusehen ist, hat man nach einem Rücktritt und einer Pause keinen Stich mehr, wieder in die Spitzengruppe zu gelangen.
5.
Moritz Dill 10.09.2011
@Chris Kogler: Erstens das und zweitens ist Schumacher's Comeback ja noch nicht beendet sondern läuft noch und vereinzelt blitzt sein Talent nach wie vor noch auf, wie dieses Jahr beispielsweise beim Grand Prix von Kanda und von Belgien. Vielleicht steigert er sich auch noch. Momentan sieht es danach aus.
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