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Deutsche Luftangriffe auf die Ukraine "Flugzeuge werfen Bomben und töten dich"

Deutscher Luftkrieg im Osten: Schutzlos ausgeliefert Fotos
Museum-Karlshorst.de

Als die Sturzkampfbomber kamen, waren die Menschen in Kamenez-Podolsk schutzlos. Die deutsche Luftwaffe zerstörte die Stadt 1941. Briefe aus der Ukraine zeigen das Grauen des Luftkriegs im Osten. Von

Der 35-jährige Bauer Pawel Gudima war erst seit Kurzem Soldat der Roten Armee, als die deutsche Luftwaffe am 30. Juni 1941 das Städtchen Kamenez-Podolsk in der heutigen Westukraine angriff. Gudima berichtete seiner Familie über das Inferno am Tag danach: "Verletzte lagen mitten auf der Straße und schrien. Niemand half ihnen, alle hatten Angst. Schließlich kletterte ich ins Obergeschoss, trieb eine Sanitätstasche auf und verband zwei Menschen, die dort mit Bein- und Handbrüchen lagen … Einem 12-jährigen Jungen waren beide Beine abgetrennt worden. Ich konnte ihm keinen Verband mehr anlegen, weil er im Sterben lag."

Gudimas Schreiben zählt zu mehr als 1200 Briefen, die der Wehrmacht nach der Eroberung von Kamenez-Podolsk in die Hände fielen. Jetzt zeigt eine gemeinsame Ausstellung des "Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg" in Kiew sowie des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst eine Auswahl.

Sie wurden zumeist unmittelbar nach dem Luftangriff verfasst und erinnern an ein wenig bekanntes Kapitel des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion: den Bombenkrieg der Luftwaffe im Osten.

"Mein Töchterchen, geh Mama und Oma nicht von der Seite"

Ihm fielen nach Schätzung von Historikern 500 000 Menschen zum Opfer. In den Briefen finden sich Beschreibungen des Grauens ("Kinder wurden auf die Telegrafsäulen geschleudert"), Rufe nach Hilfe ("Rettet uns aus Kamenez") und Hinweise an die Angehörigen. Der Soldat Grigorij Butschinski schrieb seiner Tochter Galina: "Mein Töchterchen, geh in dieser Zeit Mama und Oma nicht von der Seite. Du weißt doch, dass jetzt Krieg ist. Flugzeuge kommen angeflogen und werfen Bomben und töten dich."

Die Ausstellung erinnert daran, dass die Wehrmacht vielen Russen, Weißrussen oder Ukrainern zuerst in Form von Propeller-Dröhnen und des perfiden Jaulens der Jericho-Trompeten begegnete, mit denen die Sturzkampfbomber ihre Angriffe einleiteten.

Angriffskrieg: Am 22. Juni 1941 überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion ohne vorherige Kriegserklärung. Über drei Millionen Soldaten der Wehrmacht und verbündeter Staaten hatte der deutsche Diktator Adolf Hitler an der Grenze der Sowjetunion aufmarschieren lassen (Aufnahme einer Flussüberquerung deutscher Soldaten Anfang Juli 1941). Bei dem gnadenlos geführten Krieg starben rund 27 Millionen Sowjetbürger.

Der deutsche General Gotthard Heinrici schrieb in den Jahren 1941 und 1942 zahlreiche Briefen an seine Frau, Tagebucheinträge sowie Berichte an die Familie. So dokumentierte er das "Unternehmen Barbarossa" wie kaum eine andere historische Quelle.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 101I-152-1842-22
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Erschöpfung: Die Frontlinie erstreckte sich von der Ostsee bis ans Schwarze Meer. "Die russische Armee ist buchstäblich aus ihren Betten herausgeschossen worden", schrieb der Gotthard Heinrici zum Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion.

Fahrlässigkeit: Zahlreiche Warnungen hatte der sowjetische Diktator Josef Stalin zuvor ignoriert. Er hielt den deutschen Aufmarsch lediglich für eine Drohgebärde. So wurde die Rote Armee von der deutschen Attacke völlig überrascht. Mit Tausenden Geschützen hatte die Wehrmacht den Angriff eingeleitet, deutsche Kampfflugzeuge griffen sowjetische Flughäfen an und zerstörten zahlreiche Flugzeuge bereits am Boden. Als "Kindsmord" bezeichneten deutsche Jagdpiloten den Abschuss der überrumpelten sowjetischer Flieger, die überhaupt starten konnten. Das Foto vom 14. Juli 1941 zeigt zerstörte sowjetische Maschinen, im Hintergrund ein deutsches Flugzeug.

Vormarsch: Im August 1939 hatte Adolf Hitler mit Stalin einen Nichtangriffspakt geschlossen. Auch deshalb wägte sich der Sowjetherrscher in Sicherheit. Das Abkommen beinhaltete ein Zusatzabkommen, das die Aufteilung Polens vorsah. Tatsächlich hatten das Deutsche Reich und die Sowjetunion das Nachbarland nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 vereinbarungsgemäß besetzt. Als Deutschland knapp zwei Jahre später die Sowjetunion angriff, sollten schnelle Panzerverbände vorstoßen und die Rote Armee einkesseln.

Mühsal: In endlosen Kolonnen folgte die Infanterie den Panzerverbänden. Zunächst ging die deutsche Strategie auf: In Kesselschlachten nahmen die Wehrmachtsverbände Hundertausende Rotarmisten gefangen und erbeuteten zahlreiches Kriegsgerät. Die Rote Armee kämpfte allerdings erfolgreicher, als die Deutschen es annahmen. "Erstaunlich ist für uns alle immer wieder die Zähigkeit, mit welcher der Russe kämpft", notierte Gotthard Heinrici im August.

Kriegsverbrechen: Der Angriff auf die Sowjetunion war von Anfang an als verbrecherischer Vernichtungs- und Ausbeutungskrieg geplant. Deutschland wollte "Lebensraum" erwerben, dafür sollten nach deutschen Planungen Millionen sowjetische Bürger verhungern. Die Wehrmacht requirierte beispielsweise gnadenlos Nahrungsmittel und Vieh der Bauern. Das Bild zeigt eine deutsche Behelfsbrücke im Juli 1941. Die ursprüngliche Brücke hatte die Rote Armee beim Rückzug zerstört.

Hungerkrieg: Die deutschen Plünderungszüge waren von vornherein einkalkuliert worden. Angesichts des schnellen deutschen Vormarsches konnte der Nachschub nicht mithalten, die Truppen sollten sich "aus dem Land" ernähren. Verzweifelt suchten diese Zivilisten Ende Juli 1941 nach Kartoffelschalen zum Überleben.

"Keine Kameraden": Rund 5,7 Millionen Rotarmisten nahm die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg gefangen, viele davon in den großen Kesselschlachten der ersten Kriegsmonate. Für die Versorgung dieser Menschen, wie hier links zu sehen, hatte die Wehrmacht allerdings entgegen dem Völkerrecht so gut wie keine Vorsorge getroffen.

Massenmord: Gefangene Rotarmisten vegetierten oft notdürftig bewacht auf offenen Feldern, ohne Nahrungsmittel oder ärztliche Versorgung. Millionen von ihnen starben unter der Verantwortung der Wehrmacht. Allein zwischen dem 22. Juni 1941 und dem Frühjahr 1942 kamen mehr als zwei Millionen Rotarmisten in deutscher Kriegsgefangenschaft um. Sowjetische Soldaten fielen auch anderen deutschen Verbrechen zum Opfer. Im Konzentrationslager Auschwitz erprobte die SS das Vergasen von Menschen als erstes an sowjetischen Kriegsgefangenen. Das Oberkommando der Wehrmacht hatte vor dem Angriff im "Kommissarbefehl" verfügt, dass Politische Kommissare der Roten Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern zu erschießen seien. Zuvor war bereits die Kriegsgerichtsbarkeit im sowjetischen Operationsgebiet aufgehoben worden. Demnach mussten Übergriffe deutscher Soldaten auf die Zivilbevölkerung nicht mehr verfolgt werden.

Völkermord: Hinter den Verbänden der Wehrmacht marschierten Einsatzgruppen der SS in die Sowjetunion ein. Sie brachten Hunderttausende Juden, Sinti und Roma und kommunistische Funktionäre um. Allein in der Schlucht von Babi Jar bei Kiew ermordete das Sonderkommando 4a über 30.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Später lobte die SS ausdrücklich die "gute Zusammenarbeit" mit der Wehrmacht. Das Foto einer Propagandakompanie zeigt zur Arbeit gezwungene Juden im weißrussischen Mogilew nach dem deutschen Einmarsch.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 101I-138-1084-09
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"Heldenstadt": Im September 1941 schnitt die deutsche Heeresgruppe Nord das sowjetische Leningrad von allen Landverbindungen ab. Die deutsche Strategie war ein Kriegsverbrechen: Statt die Stadt zu erobern, sollte sie ausgehungert werden. Bis die Rote Armee nach rund 900 Tagen den deutschen Belagerungsring sprengen konnte, war Schätzungen von Historikern zufolge über eine Million Zivilisten an Hunger, Seuchen, Kälte und deutschem Beschuss umgekommen. Sowjet-Diktator Stalin hatte Leningrad zur "Heldenstadt" erklärt.

Schweigen: Nach dem deutschen Überfall schien Stalin unter Schock zu stehen. Er zog sich auf seine Datscha zurück. Erst Anfang Juli wandte sich der Diktator an die Bevölkerung und rief zum absoluten Widerstand gegen die Invasoren auf (Aufnahme aus dem November 1941). Rücksicht auf die Zivilbevölkerung und seine Soldaten nahm auch Stalin nicht. Rotarmisten, die sich den Deutschen ergaben, und Zivilisten, die unter den deutschen Herrschaftseinfluss gerieten, galten Stalin als "Verräter". Sein eigener Sohn Jakob geriet als Offizier Mitte Juli 1941 in deutsche Gefangenschaft.

Guerillakrieg: Hinter den deutschen Linien formierten sich bald Partisanenverbände, die immer wieder Wehrmachtssoldaten angriffen und Sabotageakte verübten (hier Partisanen im August 1941). Die Deutschen reagierten unerbittlich. Partisanen und Menschen, die Landser für solche hielten, wurden kurzerhand hingerichtet. "Insgesamt 12 Partisanen erledigt", schrieb Gotthard Heinrici am 2. November 1941 in sein Tagebuch.

Überlegenheit: Bei Beginn des Überfalls hielten die deutschen Generäle die Wehrmacht überlegen. Den stalinistischen Säuberungen in den Dreißigerjahren waren zahlreiche Offiziere zum Opfer gefallen, auch das deutsche Kriegsgerät galt als technisch ausgereifter. Während der Kampfhandlungen erwies sich der sowjetische Panzer "T-34" aber als weitaus kampfstärker als vermutet (Aufnahme von 1941).

Mühsal: Im einsetzenden Herbst verwandelten Regenfälle die sowjetischen Straßen in Schlammbahnen. Bald versank der Vormarsch der Wehrmacht im Schlamm und dann im Eis.

Mangel: Die deutsche Generalität ging von einem schnellen Sieg über die Rote Armee aus. Vorbereitungen für einen Winterkrieg hatte sie nicht getroffen. Als sich der Feldzug immer länger hinzog, wurden in Deutschland eilig Kleiderspenden gesammelt (Aufnahme von Wehrmachtssoldaten in Witebsk im nordöstlichen Weißrussland).

Rassenhass: General Gotthard Heinrici war bestürzt über die Lebensbedingungen der Bevölkerung in der Sowjetunion, was zugleich seine rassistischen Überzeugungen befeuerte. "Dies Volk ist schon garnicht mehr mit unseren Maßstäben zu messen", schrieb er im Oktober 1941. Das Foto zeigt deutsche Truppen in einem eroberten sowjetischen Dorf zwei Monate zuvor.

Zermürbung: Die von den Deutschen als "hinterlistig" und "verschlagen" verurteilte Kampfweise der Roten Armee war äußerst effektiv. Gotthard Heinrici urteilte bereits Ende Juli 1941: "Die Truppe geht in den unaufhörlichen Waldgefechten kaput. Die Kampfesart der bolschewistischen Nadelstiche macht sie kaput, denn in diesem Wald u. Sumpfland kann sich der beste Mann des Überfalls nicht erwehren."

Kriegsziel: Die Einnahme der sowjetischen Hauptstadt Moskau sollte die Rote Armee zur Kapitulation zwingen. Angesichts des bevorstehenden deutschen Angriffs führte das sowjetische Oberkommando aber Divisionen aus Sibirien heran, die bestens für den Winterkrieg ausgerüstet waren. Das Foto zeigt eine Flakstellung in Moskau 1941.

Verzweiflung: Weil Hitler der Wehrmacht zunächst die Eroberung der Ukraine befohlen hatte, begann der Vormarsch auf Moskau viel zu spät im Jahr. Angesichts von Regen- und Schneefällen fiel die Versorgung der Truppen immer schwerer. Die Soldaten froren in ihren leichten Uniformen, angesichts der Tiefsttemperaturen fielen immer mehr Motoren aus.

Geschosshagel: Vorgeschobene deutsche Posten konnten aus ihren Ferngläser bereits den Kreml erkennen. Erbittert wurde vor Moskau gekämpft. Bei Temperaturen bei minus 30 Grad zeigte sich die sowjetischen Truppen überlegen, während die Wehrmachtssoldaten am Ende ihrer Kräfte waren. Die Rote Armee drohte die deutschen Einheiten zu umkreisen. Immer mehr Landser fielen. "In 4 Tagen haben wir an 1000 Mann verloren, 790 tot u. verwundet, 180 durch Erfrierungen", beklagte Heinrici bereits im November (Aufnahme sowjetischer Raketenwerfer 1941, die auch in der Schlacht um Moskau eingesetzt wurden).

Starrsinn: Erst im Januar 1942 erlaubte Adolf Hitler seinen Truppen vor Moskau einen Rückzug auf sicherere Stellungen. Das Foto zeigt Hitler (rechts), den italienischen Diktator Benito Mussolini (Mitte) und den deutschen Generalfeldmarschall von Rundtstedt 1941 bei einer Besichtigung der Ostfront.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1987-121-09A
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Anfang vom Ende: Mit der Niederlage vor Moskau war die deutsche Strategie zur Bezwingung der Sowjetunion endgültig zusammengebrochen. 1944 gelang der Roten Armee ihrerseits mit ihrer großen Sommeroffensive der Durchbruch durch die deutschen Frontlinien. Im April 1945 stand die Rote Armee vor Berlin, wenig später endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der deutschen Kapitulation. General Gotthard Heinrici hatte die Entwicklung vorausgeahnt. "Sie werden in 4 Wochen mit dem Verlust ihrer Armee vor Moskau und später mit dem Verlust des Krieges enden", hatte er Hitler und seinen Strategen bereits am Weihnachtsabend 1941 prophezeit (Aufnahme aus dem Dezember 1941 bei Wolokolamsk, nördlich von Moskau).

Adolf Hitler war mit fast 4000 Flugzeugen - Bombern, Sturzkampfflugzeugen, Jägern, Transportern - zum "Unternehmen Barbarossa" angetreten, wie der Code-Name für den Angriff am 22. Juni lautete. Die Piloten sollten Moskaus Luftwaffe ausschalten, was weitgehend gelang.

Dann unterstützten sie die Bodentruppen, indem sie Militärbasen, Artilleriestellungen und auch Städte bombardierten. "Der Russe", dröhnte Hitler, werde "versagen gegenüber dem Masseneinsatz von Tanks und Luftwaffe".

Die Einwohner konnten kaum entkommen

Die enge Kooperation zwischen Heer und Luftwaffe gilt Experten als ein wesentlicher Grund dafür, dass die Wehrmacht im Dezember 1941 vor Moskau stand, obwohl sie über weniger Truppen und Waffen verfügte als die Gegenseite. Die Menschen in Kamenez-Podolsk zahlten für diese Form der Kriegsführung mit Gesundheit und Leben. Der geschichtsträchtige Ort, der heute Kamjanez-Podilskyj heißt, war den Angreifern schutzlos ausgeliefert.

"Die Stadt wurde überhaupt nicht verteidigt, die Flugzeuge machten, was sie wollten", schimpfte ein Rotarmist im Brief an seine Familie. Andere hatten offenbar Angst vor dem Zensor und mischten Durchhalteparolen in die Zeilen an die Liebsten: "Es gibt nichts Unüberwindliches für unsere Armee."

Die Verzweiflung der Frauen, die gemeinsam mit den Kindern aus der Stadt zu entkommen suchten, erinnert an Berichte aus den deutschen Ostgebieten vier Jahre später, als die Rote Armee näher rückte. Sie komme nicht weg, schrieb etwa eine Mutter an ihre Eltern am 2. Juli. Es fahre nur alle zwei bis drei Tage ein Zug, es würden "keine Fahrkarten ausgegeben".

Die Katastrophe vor der Katastrophe

Vermutlich wären die Briefe verloren gegangen, wenn sie nicht 1942 dem Telegrapheninspektor Gustav Oelschläger in die Hände gefallen wären, der im "Generalpostkommissariat Ukraine" in Rowno diente. Oelschläger, überzeugter Nazi und promovierter Historiker, hatte vor dem Krieg in jener Abteilung der Wiener Reichspostdirektion gearbeitet, die für das Post- und Telegraphenmuseum zuständig war.

Er schickte die größtenteils ungeöffneten "Russenbriefe" an das ihm bekannte Museum. Historiker Oelschläger vermutete, die Dokumente würden "ein Bild über die Stimmung im russischen Volk vor Beginn des Krieges" abgeben.

Doch niemand interessierte sich für die Papiere, die Briefe landeten im Depot. Später wurde das Post- und Telegraphenmuseum dem "Technischen Museum" eingegliedert. Als man dort von 1998 an die Bestände auf NS-Raubgut untersuchte, fielen die Briefe auf. 2009 wurden sie dem ukrainischen Nationalmuseum übergeben. In zahlreichen Fällen gelang es den Kiewer Experten, Nachkommen der Adressaten ausfindig zu machen.

Die Briefe sind vor allem für die Verwandten von Holocaustopfern oft das einzige Erinnerungsstück. Für die Juden von Kamenez-Podolsk war der Luftangriff vom 30. Juni 1941 nur die Katastrophe vor der Katastrophe. Knapp zwei Monate später massakrierten deutsche Polizisten und SS-Leute über 20.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder, die sich in der Stadt aufhielten.

Es war die bis dahin größte Mordaktion der Deutschen an Juden.


"Juni-Briefe. Ungelesene Feldpost aus Kamenez-Podolsk 1941" - Ausstellung vom 30. Juni bis 28. August im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst

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Klaus Wiegrefe ist Redakteur im Deutschlandressort des SPIEGEL.

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1. Vernichtungskrieg
erwin fortelka, 26.06.2016
So war dieser Krieg von Hitler ja auch gedacht und befohlen worden. Es hatte ein Vernichtungs- und Ausrottungskrieg zu sein. Luftwaffe und Wehrmacht bereiteten vor. SS-Einsatzgruppen ermordeten anschließend die jüdische Bevölkerung, und Wehrmachtssoldaten schauten zu. Die deutsche Wehrmacht war im übrigen tiefer in die Kriegsverbrechen verstrickt als unmittelbar nach Kriegsende bekannt war, es wurde vielmehr fleißig an der Legende gebastelt, die Deutsche Wehrmacht habe in Russland fair gekämpft. In einem befohlenen Vernichtungskrieg gibt es keinen fairen Kampf. Erwin Fortelka (Klarname)
2. Irritation
Hildegard Katschmarek, 26.06.2016
Ich finde diese Überschrift sehr irritierend. Ist man doch spontan versucht sie in das aktuelle Zeitgeschehen einzuordnen. Ich habe mich daher total erschrocken und habe erst beim zweiten Blick gemerkt, dass es ein historischer Hintergrund zum zweiten Weltkrieg ist.
3. Ukraine?
Leif Trautvetter, 26.06.2016
Sollte es nicht UdSSR heißen?
4. Auch einmal an die ewigen Geschichtsrevisionisten: 500.000 tote Deutsche vs. 500.000 Tote in der Urkain, Russland, Weissrussland
Wilfried Huthmacher, 26.06.2016
und dabei sind z.B. die 1-2 Millionen tote Zivilisten in Leningrad nicht eingerechnet...oder die viele zivilen Opfer, die der "Partisanenbekämpfung" im Osten zum Opfer fielen... Nicht eingerechnet sind auch die Opfer der Luftangriffe auf Warschau 1939, auf Belgrad 1941 etc.etc.
5. Ussr
Siegfried Wittenburg, 27.06.2016
Es war die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepbulik.
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