Waffentechnik im Ersten Weltkrieg Maschinelles Töten

450 Gewehrkugeln pro Minute. Tonnenschwere Granaten. Kanonen, die 130 Kilometer weit schossen: Der Erste Weltkrieg produzierte immer wahnwitzigere Waffen - und ließ eine anfangs technikbegeisterte Generation traumatisiert zurück.

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Es war der 23. März 1918, als der Krieg doch noch nach Paris kam. Die französische Metropole wähnte sich eigentlich in sicherer Entfernung von der Front. Doch an diesem Tag regneten plötzlich Dutzende 120 Kilogramm schwere Granaten aus großer Höhe auf die Hauptstadt nieder. Panik brach aus.

Als sich die erste Aufregung gelegt hatte, stellten die Franzosen erleichtert fest, dass sich die Verluste und Schäden in überschaubaren Grenzen hielten. Mit welcher bisher unbekannten Waffe die Deutschen sie auch gerade beschossen haben mochten - eines war ziemlich schnell klar: Ihre Granaten waren weder besonders zielgenau, noch ungewöhnlich zerstörerisch.

Was blieb, war der Schrecken darüber, dass das Bombardement überhaupt möglich war: Fast fünf Monate lang feuerten zeitweilig bis zu drei deutsche "Paris-Geschütze" auf die französische Hauptstadt - insgesamt 800 Granaten aus 131 Kilometern Entfernung. Technisch möglich war das nur, weil die Geschosse in 40 Kilometer Höhe durch die dünne und damit reibungsarme Luft der Stratosphäre flogen. Am bedeutendsten aber war die psychologische Botschaft der deutschen Angreifer: Vor unserer modernen Waffentechnik seid ihr nirgendwo mehr sicher!

Schneller und präziser töten

256 Menschen starben durch den Beschuss der 37 Meter langen und 125 Tonnen schweren Riesenkanonen. Rein militärisch betrachtet war das Bombardement damit eher unbedeutend und ineffektiv. Und doch war der Einsatz der Langrohrkanone symptomatisch für den zynischen Innovationsschub, den die Welt im Ersten Weltkrieg erlebte: In bis dahin ungekannter Masse und Geschwindigkeit wurden immer gewaltigere Waffen produziert.

Die Jahrhundertwende war noch eine Zeit der ungezügelten Technikeuphorie gewesen. Fortschritt war ein Zauber ohne bekannte Nebenwirkungen, er verhieß eine bessere Welt, ein besseres Leben. Jetzt, im Krieg, diente er nur noch der Optimierung des Tötens. Das Fernbombardement von Paris war da nur einer von vielen Schrecken dieses ersten mit Massenvernichtungswaffen geführten Kriegs.

An den Fronten schossen seit 1914 Geschütze ihre Granaten über Distanzen von bis zu 60 Kilometern. Die Sprengkraft der neuen, nun mit hoher Geschwindigkeit von hinten nachgeladenen Geschütze war apokalyptisch, vernichtete ganze Landschaften. Möglich waren diese verheerenden Bombardements über so große Distanz nur, weil man die Einschlagsorte der Geschosse beim "Einschießen" per Funk oder Feldtelefon an die Artilleriebatterien zurückmelden konnte - die Kanoniere selbst sahen ja nicht, wohin sie schossen. Wo diese Kommunikation misslang, starben unzählige Soldaten im eigenen Feuer.

Wertlose Friedensabkommen

Denn zwischen den Artilleriebatterien lagen sich in ihren Schützengräben die Soldaten gegenüber - "Weichziele", wie es im Militärjargon zynisch heißt. Mindestens sechs der fast zehn Millionen im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten starben durch Artilleriebeschuss. Nahezu eine Million davon verreckte in den Gasschwaden chemischer Kampfstoffe, die nun neben herkömmlichen Sprengstoffgranaten verschossen wurden.

Stand der Wind ungünstig, trieb diese tödliche Wolke den eigenen Soldaten entgegen. Mehr als je zuvor kalkulierten die Militärs nun mit solchen "Kollateralschäden": Opfer, die in Kauf genommen wurden, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Die Unerbittlichkeit der Materialschlacht machte die Truppen zu Menschenmaterial und Zivilisten zu Zielen. Ein Sittenverfall, den Generationen von Politikern und Aktivisten seit der ersten Genfer Konvention von 1864 und den viel gefeierten Friedenskonferenzen in Den Haag eigentlich hatten verhindern wollen.

In der Haager Landkriegsordnung von 1907, die erstmals zwischen Zivilisten und Kombattanten unterschied, hatte es noch geheißen: "Die Staaten haben kein unbegrenztes Recht in der Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes." Ein gewaltiger Fortschritt der Zivilisation, so schien es. Doch jetzt zeigte sich, dass trotz der Vereinbarungen bedenkenlos alles eingesetzt wurde, was technisch machbar war und zum Töten taugte.

Selbst der Rückzug in Bunker half nun nicht mehr: Der Mörser - eine eigentlich uralte Waffe, die entwickelt worden war, um geschützte oder in Deckung liegende Ziele von oben zu treffen - wurde weiterentwickelt und erfreute sich bei den Militärs plötzlich wieder großer Beliebtheit. Die Granaten der deutschen "Dicken Bertha" etwa waren zwischen 400 und 1160 Kilogramm schwer und enthielten bis zu 210 Kilogramm Sprengstoff. Beim Aufprall reichte schon die kinetische Energie, um die Projektile bis zu einem Meter tief in armierten Beton zu treiben. Die folgende Explosion erledigte den Rest.

Wo so ein Geschoss auftraf, wuchs buchstäblich kein Gras mehr - und zwar langfristig: Am Ende des Kriegs waren die Böden der Schlachtfelder mehrere Meter tief verbrannt und chemisch kontaminiert.

Durch solche Waffen prägte schon bald der massenhafte Tod den Kriegsalltag. 80 Prozent der nicht durch Artillerie getöteten Opfer starben durch Maschinengewehre, die bis zu 450 Kugeln pro Minute verschossen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kriege konnten einzelne Soldaten - zumindest theoretisch - in Minuten mehrere Hundert Gegner töten.

Mehr als 800 Millionen Artilleriegeschosse

Der mörderische Innovationsschub der Waffen war einem Fortschritt in anderer Hinsicht geschuldet: Großindustrielle Fertigungstechniken schufen die Voraussetzungen für diesen Krieg der Quantitäten. Schätzungen zufolge verfeuerten die Artillerien aller Kriegsnationen zusammen etwa 850 bis 860 Millionen Geschosse. Wen das oft tagelange Trommelfeuer nicht tötete, den sollte es zumindest zermürben - die Masse sollte es richten, in jeder Hinsicht.

So wurde allein das Maschinengewehr MG 08/15 über 130.000-mal gebaut. Auch Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe entstanden zunehmend in Serienproduktion. Die Tötungsmaschinerie wurde in einem Maße industrialisiert, dass der Bedarf an Arbeitskräften kaum mehr zu decken war. Auch Frauen wurden nun in die Produktion eingebunden.

Und dennoch: Ab 1915 war der Krieg an den meisten Fronten zu einem Stellungs- und Grabenkampf geworden, und auch auf See hielten sich die feindlichen Flotten in Schach. Die bloße Steigerung von Feuerkraft allein reichte nicht, dieses Patt aufzulösen.

Strategien gegen den Stellungskrieg

Die Lösung für den erstarrten Stellungskrieg versprach ein neues Prinzip: Schnelle maschinelle Mobilität. Auf See etwa erwiesen sich nicht die prestigeträchtigen, waffenstarrenden Schlachtschiffe als entscheidend, sondern Verbände flinker kleiner Torpedoboote oder U-Boote. Im Glücksfall versenkten diese "Davids" selbst die mächtigsten "Goliaths" - und waren im Unglücksfall leichter zu ersetzen.

Ähnliche Umwälzungen gab es im Luftraum. Flogen anfänglich nur Zeppeline Bombardements, spielten sie gegen Kriegsende keine Rolle mehr. Ihre Stelle nahmen nun Flugzeuge ein. Zu Beginn des Kriegs verfügte Deutschland über rund 330 Maschinen meist leichter Bauart. Die meisten waren Doppeldecker, deren Flügel mit Stoff bespannt waren: Gedacht waren sie eigentlich nur als Aufklärer und Beobachter. Bei den ersten Scharmützeln am Himmel feuerten die Piloten noch mit Handfeuerwaffen aufeinander.

Vier Jahre später waren Militärflugzeuge massiv gebaut, schwer bewaffnet und hoch spezialisiert. Eingesetzt wurden sie nun als Jäger, Bomber, Panzerknacker mit Luft-Boden-Waffen oder Marinebomber mit Torpedos und Wasserminen. Bis zum Kriegsende war die deutsche Luftwaffe trotz aller Abschüsse auf rund 5000 Maschinen angewachsen.

Traumatisiert und ernüchtert

Auch am Boden spielten bald mobile Maschinen eine Schlüsselrolle. Setzte man zu Kriegsbeginn noch in fast allen Armeen auf Pferdegespanne für den Waffentransport, fuhren zu Kriegsende fast nur noch motorisierte Zugmaschinen. Die Kavallerie, die vor allem im Osten noch regelmäßig zum Einsatz kam, verlor ihre Rolle zuerst an der Westfront an die Panzertruppe: Die Briten fuhren in Schlachten bis zu 500 der stählernen Ungetüme auf. Noch zwei Jahre vor Kriegsbeginn hatten die militärischen Spitzen von Österreich und Deutschland Panzer als kriegsuntaugliches Konzept abgelehnt. Zu Kriegsende mussten sie sich unter anderem wegen der 5000 alliierten Panzer geschlagen geben.

Die einst technikbegeisterte Generation der Jahrhundertwende kehrte 1918 zutiefst ernüchtert und traumatisiert aus diesem industrialisierten Krieg zurück. Der Fortschritt hatte seine Unschuld verloren. Die Zukunft sollte nie wieder angstfrei sein.

Die Welt im Krieg
Die Fronten in Europa
1914
1915
1916
1917
1918
  • Mittelmächte
  • Verbündete
  • Entente
  • Verbündete
  • neutrale Staaten
 

August 1914 - Die Besetzung Deutsch-Neuguineas

Auf Betreiben Großbritanniens bemächtigten sich australische und neuseeländische Truppen ab August 1914 der Samoa-Inseln, des Bismarck-Archipels und des Kaiser-Wilhelms-Landes auf Neuguinea. Japan besetzte die Marianen, Karolinen, Palau, Nauru und die Marshall-Inseln. Es war das Ende der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

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August bis November 1914 - Belagerung von Tsingtau

Umkämpfter Handelsstützpunkt: "Die Zukunft liegt auf dem Wasser!", glaubte Kaiser Wilhelm II. schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und unterhielt deshalb unter anderem einen eigenen Hafen an der chinesischen Küste. Das 500 Quadratkilometer großes Pachtgebiet Kiautschou mit seinem Zentrum Tsingtau hatte schon seit längerem auch das Interesse Japans geweckt. Der Beginn des Krieges schien ein geeigneter Anlass, den Hafen unter Kontrolle zu bringen. Am 15. August 1914 stellte das mit Großbritannien verbündete Japan ein Ultimatum: Bis zum 23. August sollten die 180 Offiziere und 4550 Soldaten der deutschen Garnison das Gebiet geräumt übergeben. Das Deutsche Reich weigerte sich und riskierte eine Blockade - bis Briten und Japaner von der Landseite angriffen. Nach erbitterter Verteidigung kapitulierten die Deutschen am 7. November 1914. Rund 5000 Soldaten und Zivilisten gingen in japanische Kriegsgefangenschaft.

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8. Dezember 1914 - Seegefecht bei den Falkland-Inseln

Vernichtende Niederlage für das deutsche Geschwader: Bald nach Kriegsbeginn war für den Chef des deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien, Vizeadmiral Maximilian Reichsgraf von Spee, klar, dass der deutsche Stützpunkt in Tsingtau nicht zu halten war. Ohne Hafen wäre der Verband auch von einer Versorgung mit Kohle und Munition abgeschnitten. Der Kommandant entschloss sich daher zur Rückkehr nach Deutschland. Unterwegs versenkte der Kreuzerverband jedes alliierte Schiff, das in seine Nähe kam. Als das Geschwader am 7. Dezember die Falklands erreichte, plante Spee einen Angriff auf die britische Basis, um dessen Kohlevorräte zu übernehmen. Er merkte zu spät, dass die Briten Verstärkung bekommen hatten. Als der Kommandant abdrehte, nahm die Royal Navy die Verfolgung auf und holte die deutschen Kreuzer ein, von denen einzig der SMS "Dresden" die Flucht gelang. Rund 2200 deutsche Seeleute gingen mit den Schiffen unter, 215 wurden gerettet. Spee fiel im Gefecht auf dem Flaggschiff des Geschwaders, der SMS "Scharnhorst", mit ihm auch seine beiden Söhne Otto und Heinrich.

bpk

1916 bis 1918 - Feldzug in Ostafrika

Mit rund 220 weißen Offizieren und 2500 schwarzafrikanischen Soldaten hatte die kaiserliche Schutztruppe die Kolonie Deutsch-Ostafrika bis Ende 1915 erfolgreich verteidigt. Das änderte sich, als das isolierte Territorium im Frühjahr 1916 zeitgleich von britischen, belgischen und portugiesischen Truppen angegriffen wurde. Kommandant Paul von Lettow-Vorbeck sah sich einem gewaltigen militärischen Gegner gegenüber. Dennoch gelang es ihm, auch dank der Loyalität seiner Untergebenen, durch einen geschickten Guerillakrieg zumindest den Südosten der Kolonie bis zum November 1917 zu halten und auch danach einer offenen Niederlage zu entgehen. Die schließlich auf rund 150 Europäer und 1150 Afrikaner dezimierte Truppe - zuletzt ohne Kontakt zum Deutschen Reich - kapitulierte am 25. November 1918 nach Bekanntwerden des zwei Wochen zuvor in Europa geschlossenen Waffenstillstands.

Corbis

6. April 1917 - Kriegseintritt der USA

"Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten" - das war die Botschaft, mit der die Anhänger von US-Präsident Woodrow Wilson 1916 in den Wahlkampf für dessen zweite Amtszeit gingen. Ein Jahr später war diese Aussage nicht mehr zu halten: Das Deutsche Reich hatte im Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ausgerufen, womit potentiell auch jedem amerikanischen Schiff der Abschuss drohte. Am 6. April erklärten die USA, auch sie seien nun im Krieg mit Deutschland.

AP

28. Juni 1914 - Attentat von Sarajevo

Die Beziehungen unter den europäischen Großmächten waren längst angespannt, als sich die Krise auf dem Balkan noch verschärfte: In Bosnien-Herzegowina formierten sich nationalistische Gruppierungen, die die Herrschaft Österreichs über ihre Region beenden und einen Anschluss an Serbien erreichen wollten. Nach dem Attentat bosnischer Nationalisten auf den Thronfolger und Neffen des österreichischen Kaisers Franz Joseph, Erzherzog Franz Ferdinand, am 28. Juni 1914 in Sarajevo, eskalierte die Situation innerhalb weniger Wochen. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg. Bereits einen Tag später beschossen die Truppen der Habsburger Regierung die serbische Hauptstadt Belgrad. Es war der Beginn des Ersten Weltkriegs, in den bald darauf auch die bereits hochgerüsteten Bündnispartner beider Seiten eingriffen.

bpk

29. Juli 1914 - Mobilmachung in Russland

Auf die Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien reagierte Serbiens Bündnispartner Russland unmittelbar: Bereits am nächsten Tag, dem 29. Juli 1914, erreichte Deutschlands Diplomaten die Nachricht, dass Russland die Mobilmachung seiner Streitkräfte gegen Österreich-Ungarn beschlossen habe. Das Deutsche Reich wiederum verwies auf seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Habsburgern und erklärte am Abend des 1. August seinerseits Russland den Krieg.

4. August 1914 - Kriegseintritt Großbritanniens

Als Lord Herbert Kitchener am 5. August 1914 seinen Dienst als neuer britischer Kriegsminister antrat, hatte Großbritannien keine Wehrpflicht. Tags zuvor aber hatte das britische Empire dem Deutschen Reich gerade offiziell den Krieg erklärt. Zur Unterstützung der französischen Truppen konnte es deshalb nur rund 80.000 Mann entsenden - während das deutsche Heer zu diesem Zeitpunkt etwa vier Millionen zählte. Innerhalb kürzester Zeit musste Kitchener Freiwillige für die Waffen gewinnen. Er tat dies mit einem Plakat, auf dem der Slogan "Britons wants you" und das schnauzbärtige Konterfei des Lord samt ausgestrecktem Finger zu sehen waren, der direkt auf den Betrachter wies. Die Kampagne verfehlte ihre Wirkung nicht, Hunderttausende fühlten sich angesprochen und folgten dem Aufruf.

August 1914 - Eroberung von Lüttich

Es sollte ein Handstreich werden - doch es wurde ein Himmelfahrtskommando: Anfang August 1914 besetzten deutsche Truppen Luxemburg, in der Folge rückten sie in Belgien ein. Die Eroberung der Stadt und Festung Lüttich, damals ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, sollte den kaiserlichen Streitkräften den Weg auf das westliche Ufer der Maas öffnen. Zwei Tage waren für die Einnahme geplant; es wurden fast zwei Wochen. Der deutsche Generalstab hatte die Gegenwehr der durch zwölf Forts geschützten Stadt unterschätzt. Nicht nur die belgische Armee, auch die Bevölkerung Lüttichs leistete heftigen Widerstand. Erst am 16. August fiel das letzte Fort in die Hände der Besatzer.

bpk

26. bis 30. August 1914 - Schlacht bei Tannenberg

153.000 Mann auf der deutschen - 191.000 Mann auf der russischen Seite: Trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit gingen die Truppen des Kaisers am 26. August 1914 nahe Allenstein, dem heutigen Olsztyn in Polen, in die Offensive. Das Deutsche Reich drängte nach Osten. Vier Tage später zählte das Heer 12.000 Mann Verluste, das russische Reich aber hatte rund 50.000 Tote zu beklagen, darüber hinaus 92.000 Gefangene und Verwundete. Mit überlegener operativer Führung hatten die Deutschen diese Schlacht für sich entschieden - ihre Propaganda machte daraus einen historischen Sieg: Sie benannten das Gemetzel bei Allenstein in "Schlacht bei Tannenberg" um - um vergessen zu machen, dass die eigentliche "Schlacht bei Tannenberg" im Jahre 1410 dem Heer des Deutschen Ordens eine schwere Niederlage gegenüber dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen eingebracht hatte.

Corbis

5. bis 12. September 1914 - Schlacht an der Marne

Frankreich-Plan gescheitert: Eine eilig zusammengestellte französisch-englische Gegenoffensive stoppte am 5. September 1914 den deutschen Vormarsch zwischen Paris und Verdun. Der überraschende Angriff riss eine etwa 40 Kilometer breite Lücke in die deutsche Front, in die die Alliierten vorstießen. Deutschen Truppen drohte die Einkesselung. Der Generalstabschef gab deshalb den Befehl zum Abbruch der Schlacht, seine Soldaten zogen sich hinter die Aisne zurück. Die Niederlage war ein erster Wendepunkt des Krieges: Der Plan der Heeresleitung, Frankreich in kurzer Zeit niederzuringen und die Kräfte danach im Osten zu konzentrieren, war nicht aufgegangen. Frankreich und England gewannen Zeit, ihre Truppen zu verstärken und die zahlenmäßige Überlegenheit der Deutschen auszugleichen. Die Front im Westen erstarrte zum Krieg in den Schützengräben.

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Oktober/November 1914 - Erste Flandernschlacht

Schüler und Studenten an die Front: Nachdem der Versuch, Frankreich zügig einzunehmen, an der Marne gescheitert war, versuchten die deutschen Truppen ab Mitte Oktober 1914 immer wieder, die Verteidigungslinie der Gegner zu durchbrechen. Der Stellungskrieg konzentrierte sich im nordfranzösisch-niederbelgischen Grenzraum zwischen Nieuwpoort und Ypern. Bei den Vorstößen kamen schlecht ausgebildete Reservekorps aus jungen Kriegsfreiwilligen zum Einsatz. Die Zahl der Opfer war entsprechend hoch. Traurige Berühmtheit erlangte dabei besonders ein Gefecht nördlich von Ypern nahe der Ortschaft Bixschoote. Bei einem Sturmangriff auf gegnerische Stellungen starben allein am 10. November mehr als 2000 junge Soldaten - für einen nur geringen Geländegewinn. In der deutschen Propaganda aber las sich das verlustreiche Unterfangen so: "Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange 'Deutschland, Deutschland über alles' gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie." Weil Langemarck offenbar gewichtiger klang als Bixschoote und außerdem an Bismarck erinnerte, ging das Ereignis als Schlacht von Langemarck in die Geschichte ein. Die Kämpfe um Flandern indes brachten in diesem Herbst keine Endscheidung mehr und endeten mit einem militärischen Patt.

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7. bis 25. Februar 1915 - Winterschlacht in den Masuren

Eisiger Gegner: Nachdem der deutsche Vorstoß nach Osten im Herbst 1914 mit einem militärischen Patt an der deutsch-russischen Front geendet hatte, begann das Deutsche Reich am 7. Februar 1915 eine neue Offensive. Seine Armeen waren verstärkt worden, wie eine Zange sollten sie die russischen Truppen südlich der Memel umschließen. In den zweiwöchigen Kämpfen drängten sie die russischen Verbände aus Ostpreußen - so schnell, dass sich rund 100.000 russische Soldaten nicht mehr rechtzeitig zurückziehen konnten und in Kriegsgefangenschaft gerieten. Doch viel weiter kamen die Deutschen nicht: Regen und Schneestürme behinderten ein schnelles Vorrücken mit schweren Geschützen. Russland blieb derweil Zeit, eine neue Frontlinie aufzubauen.

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März 1915 bis Dezember 1915 - Schlacht um Gallipoli

Kein Durchkommen: Ein Bündnis mit dem Osmanischen Reich hatte den Mittelmächten einen strategisch bedeutsamen Vorteil beschert - die Kontrolle über die Meerenge der Dardanellen. Sie konnten damit sowohl der russischen Schwarzmeer-Flotte den Zugang zum Mittelmeer abschneiden, als auch verhindern, dass die Alliierten Russland auf diesem Weg zu Hilfe kamen. Die Entente wollte dies ändern: Im März 1915 griff die britisch-französische Flotte an und versuchte, den Durchbruch zu erzwingen. Doch das Unternehmen scheiterte unter hohen Verlusten an deutschen Minensperren und U-Booten. Am 25. April wagten die Alliierten einen neuen Versuch - unterstützt von der Schiffsartillerie landeten sie diesmal mit einem massiven Truppenaufgebot auf der felsigen Halbinsel Gallipoli. Mit dabei: Tausende Freiwillige aus Australien und Neuseeland. Für das Australian and New Zealand Army Corps (Anzac) war es die Feuertaufe in diesem Krieg, die sie mit hohen Verlusten bezahlten. Es begann zermürbende Grabenkämpfe, die über Monate Tausenden Soldaten das Leben kostete. Sie verbluteten oder gingen in der Hitze des Sommers an Ruhr- und Fieberepidemien zugrunde. Im Dezember gab die Entente ihr Vorhaben auf, weitere Kräfte wurden nun an der Westfront benötigt. Zu diesem Zeitpunkt zählte sie rund 140.000 Tote und Verwundete, die Verluste auf osmanischer Seite beliefen sich auf mehr als 200.000. Gallipoli blieb in der Hand ihrer Verteidiger.

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22. April bis 25. Mai 1915 - Zweite Flandernschlacht

Die Westfront war im Stellungskrieg erstarrt. Weder der Entente noch den Deutschen gelang ein Durchbruch. Im April 1915 versuchten es die Deutschen erneut - mit einer neuen Waffe. Der Französische Leutnant Jules-Henri Guntzberger, damals im Frontsektor nahe der Ortschaft Langemarck, erinnerte sich später so:

"Am 22. April gegen 17 Uhr machte mich einer meiner Soldaten auf Dampfwolken aufmerksam, die 70 bis 80 Meter vor der vordersten deutschen Grabenlinie aufstiegen. Ich entdeckte dann eine rund zehn Meter hohe grüne Wolke, die unten dicker war und am Boden haftete. Diese Wolke trieb der Wind auf uns zu. Fast augenblicklich glaubten wir zu ersticken (…). Wir mussten uns zurückziehen, wurden aber von der Wolke verfolgt. In diesem Moment sah ich mehrere Männer fallen. Einige standen wieder auf und liefen weiter, fielen erneut hin und gelangten so mit vielen Unterbrechungen bis zur zweiten Grabenreihe hinter dem Kanal. Dort hielten wir an, und die Männer ließen sich einfach fallen. Bis 3 Uhr morgens hörten sie nicht mehr auf zu husten und sich zu übergeben."

Auf einer Breite von sechs Kilometer hatten die Deutschen rund 180 Tonnen Chlorgas auf die französischen Stellungen abgeblasen - der erste Giftgaseinsatz des Krieges. Während die Franzosen flohen, rückten die Deutschen nach. Doch auch die zweite große Schlacht um Ypern wurde kein Durchbruch. Die Entente hielt mit massivem Aufgebot an Maschinengewehren, Handgranaten und Flammenwerfern dagegen. Als die Offensive am 25. Mai endete, betrugen die Verluste der Deutschen rund 35.000 Mann, auf alliierter Seite lag deren Zahl etwa doppelt so hoch.

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7. Mai 1915 - Versenkung des Luxusliners "Lusitania"

Als Reaktion auf die von den Briten verhängte Seeblockade hatte das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärt. Schiffe der Feindstaaten, so hatte die Marineleitung am 22. Februar 1915 ihre Kapitäne angewiesen, seien ohne Vorwarnung zu torpedieren. Walter Schwieger, Kapitänleutnant auf U-20, entdeckte ein solches Schiff am 7. Mai 1915 um 14.20 Uhr vor der Südküste Irlands und nahm die Verfolgung auf. In sein Kriegstagebuch notierte er:

"Es erfolgt eine ungewöhnlich große Detonation mit einer sehr starken Sprengwolke weit über den vorderen Schornstein hinaus. Es muss zu der Explosion des Torpedos noch eine zweite hinzugekommen sein (Kessel oder Kohle oder Pulver?). Die Aufbauten über dem Treffpunkt und der Brücke werden auseinandergerissen. Es entsteht Feuer, der Qualm hüllt die hohe Brücke ein. Das Schiff stoppt sofort und bekommt sehr schnell große Schlagseite nach Steuerbord, gleichzeitig vorn tiefer tauchend. Es hat den Anschein, als wollte es in kurzer Zeit kentern (…). Das Schiff bläst ab; vorn wird der Name 'Lusitania' in goldenen Buchstaben sichtbar."

Als Kapitänleutnant Walter Schwieger gegen 16.15 Uhr erneut durch sein Periskop sah, war der aus New York kommende englische Passagierdampfer "Lusitania" verschwunden. Mit dem Untergang des Luxusliners starben 413 der 702 Besatzungsmitglieder und 785 der 1257 Passagiere, darunter auch viele Amerikaner. Der Vorfall verschlechterte die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und den USA nachhaltig.

DER SPIEGEL

2. bis 4. Mai 1915 - Schlacht von Gorlice-Tarnów

Seltener Durchbruch: Dem vierstündigen Trommelfeuer am Morgen folgte der Sturmangriff der Infanterie auf die russischen Stellungen. Für die große Offensive am 2. Mai 1915 bei Gorlice-Tarnów in Galizien hatten sich die österreich-ungarischen und deutschen Truppen auf eine gigantische Materialschlacht eingestellt. 963 Geschütze und 96 Minenwerfer kamen zum Einsatz, während die gegnerische Seite über gerade einmal 350 Geschütze verfügte - und nach kurzer Zeit den Rückzug antrat, der eher einer Flucht ähnelte. Die Truppen der Mittelmächte drängten die russische Armee bis Mitte Juni rund 480 Kilometer zurück, doch trotz deren erheblicher Verluste - 100.000 Tote und 240.000 Gefangene - konnte von einem Sieg keine Rede sein.

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31. Mai/1. Juni 1916 - Seeschlacht am Skagerrak

Einmal und nie wieder: Der Ausgang war ungewiss, dennoch wagte es die deutsche Hochseeflotte Ende Mai 1916, die überlegende britische Grand Fleet herauszufordern - in der Hoffnung, die bedrückende und seit zwei Jahren währende britische Seeblockade zu beenden. Schauplatz dieser größten Seeschlacht des Ersten Weltkriegs war der Skagerrak, jener Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands und der Südküste Norwegens. Der Plan der Deutschen sah vor, die Briten zu provozieren, um sie mit Hilfe von U-Booten zu vernichten. Mit rund hundert Schiffen - vom Torpedoboot bis zum Schlachtschiff - und mehr als 45.000 Mann Besatzung war die Hochseeflotte von der Basis Wilhelmshaven ausgelaufen. Am 31. Mai 1916 um 15.48 Uhr eröffneten die deutschen Schlachtkreuzer das Feuer. Was man auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der erwartete Gegner war dank Luftaufklärung vorbereitet. Die Briten schickten ihrerseits 150 Schiffe mit rund 60.000 Mann Besatzung - und trafen auf einen schlagkräftigen Gegner. Am Ende hatten die Deutschen elf Schiffe und 2500 Mann verloren, die Briten rund 6000 Tote und den Verlust von 14 Schiffen zu beklagen. Von einer Vernichtung des Gegners konnte auf keiner Seite die Rede sein - doch mied man bis zum Ende des Krieges jede weitere Begegnung dieser Art in der Nordsee.

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Februar bis Dezember 1916 - Schlacht bei Verdun

Frankreich ausbluten: Im mittlerweile dritten Kriegsjahr suchte die Oberste Heeresleitung nach einer Entscheidung an der festgefahrenen Westfront. Ihr neuer Plan war der Angriff auf einen Ort, den die Franzosen mutmaßlich unter Ausschöpfung aller Reserven verteidigen würden: die Festungsbastion Verdun. Schon in den ersten Tagen des Angriffs im Februar 1916 befeuerten die deutschen Truppen die mit modernen Kanonen- und Maschinengewehrtürmen ausgebauten Forts mit rund zwei Millionen Granaten.

"Nun sind wir mitten drin in diesem ungeheuerlichsten aller Kriegstage. (…) Von der wahnsinnigen Wut und Gewalt des deutschen Vorsturmes kann sich kein Mensch einen Begriff machen, der das nicht mitgemacht hat. (…) Wir sind heraußen wohl genau wie Ihr fiebrig gespannt auf den Ausgang dieses riesigen Kampfes, den Worte nie werden schildern können. Ich zweifle keine Minute an dem Fall von Verdun und dem darauf folgenden Einbruch in das Herz des Landes." Das schrieb Franz Marc, Mitbegründer der Malergruppe Blauer Reiter, in einem seiner letzten Briefe an seine Frau. Er fiel am 4. März 1916.

Die Verluste auf beiden Seiten während der ersten Monate der Schlacht waren so enorm, dass Kronprinz Wilhelm das Unternehmen eigentlich abbrechen wollte, die Heeresleitung jedoch nicht. Um die Deutschen wenigstens zu einem Teilabzug zu bewegen, starteten Briten und Franzosen im Juni parallel eine Offensive an der Somme. Tatsächlich zogen die Deutschen daraufhin ihre Reserven von Verdun ab, was den Franzosen die Gegenwehr erleichterte. Im Dezember war der anfängliche Frontverlauf beinahe wieder hergestellt und die Festung Verdun zurück in französischer Hand. Rund 143.000 Deutschen und 163.000 Franzosen hatte das sinnlose Unternehmen das Leben gekostet, einschließlich Verwundeter und Gefangener betrugen die Verluste insgesamt rund 700.000 Mann.

DPA

24. Juni bis 26. November 1916 - Schlacht an der Somme

Die größte und verlustreichste Schlacht des Krieges begann am 26. Juni 1916 an der Somme: Sie sollte die Verteidiger Verduns entlasten und die Mittelmächte bei gleichzeitigen Offensive im Osten zwischen den zwei Fronten zermürben. Dem siebentägigen Dauerbeschuss mit rund 1,5 Millionen Granaten seitens der Entente folgte der Angriff der britischen und französischen Truppen. Doch sie kamen nur langsam und mit hohen Verlusten vorwärts: Während der zwei Jahre, in denen die Deutschen an dieser Front ausharrten, hatten sie ihre Stellungen massiv ausgebaut. Die Vorwärtsdrängenden empfing Maschinengewehrfeuer. Selbst der erste britische Panzerangriff brachte keinen Durchbruch, und auch der letzte Großangriff der Franzosen im regnerischen November blieb erfolglos. Die Bilanz der vergangenen fünf Monate, während denen sich 2,5 Millionen Alliierte und 1,5 Millionen Deutsche gegenübergestanden hatten: Mehr als eine Million Soldaten waren tot, verwundet oder wurden vermisst.

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Juni bis September 1916 - Brussilow-Offensive

Mittelmächte in der Mangel: Parallel zu den Kämpfen an der Westfront startete die russische Armee am 4. Juni an der Ostfront einen Großangriff auf rund 300 Kilometer Länge. Während der Hauptvorstoß im Norden erfolgte, sollte die Truppen des Generals Alexei Alexejewitsch Brussilow die österreich-ungarische Armee in Schach halten. Das tat sie aus militärischer Sicht sehr erfolgreich: Es gelang den Russen, die Ostfront der Mittelmächte im Süden um 50 bis 125 Kilometer zurückzudrängen - allerdings zu einem hohen Preis: Mit fast zwei Millionen Soldaten lagen die Verluste auf russischer Seite etwa doppelt so hoch wie auf der des Gegners.

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September bis Dezember 1916 - Feldzug gegen Rumänien

Ermutigt vom Erfolg des russischen Generals Brussilow und dessen Sieg über die österreich-ungarischen Truppen gab Rumänien im August 1916 seine Neutralität auf und schloss sich der Entente an. Für die Mittelmächte eröffnete sich damit eine neue Front: Die Rumänen überquerten die Karpaten und drangen in das von Ungarn verwaltete Siebenbürgen vor. Die deutschen und habsburgischen Verbände nutzten die Zwischenzeit, um eine neue Armee aufzustellen. Sie drängten die rumänischen Truppen schließlich bis weit in deren eigenes Territorium zurück und griffen zugleich von Bulgarien aus an. Ende 1916 war Rumänien zur Hälfte vom Feind besetzt, einschließlich der Hauptstadt Bukarest.

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31. Juli bis 10. November 1917 - Dritte Flandernschlacht

Das Ziel war weit gesteckt: Um Bewegung in das erstarrte Kräftemessen zu bringen, starteten die Briten im Juni 1917 den Versuch, deutsche U-Boot-Stützpunkte an der belgischen Küste zu zerstören. Mit einem Großbombardement eroberten sie die deutschen Stellungen nahe der Ortschaft Messines. Die Einnahme eines dortigen Höhenzuges verschaffte ihnen den nötigen Überblick zur Vorbereitung einer weiteren Offensive. Die Schlacht, die am 31. Juli begann und als Dritte Flandernschlacht in die Geschichte einging, sollte drei Monate später mit nicht viel mehr enden, als der Eroberung des Dörfchens Passchendaele. Für den lächerlichen Bodengewinn opferten die Briten rund 250.000 Mann.

"Es war mit grauenhafter Klarheit zu erkennen, dass Dutzende Schwerverwundete notgedrungen in den frischen Granattrichtern in Deckung gekrochen waren und dass rings um sie das Wasser stieg. Da keine Chance bestand, aus den Löchern herauszukommen, ertranken sie langsam" , notierte der britische Offizier Edward C. Vaughan kurz nach Beginn der Schlacht in sein Kriegstagebuch.

Auf deutscher Seite erlebte der Schriftsteller Ernst Jünger das Ereignis und resümierte später:

"Wir hatten in diesen Tagen wieder erschreckende Verluste an jungen Offizieren gehabt. Diese (…) Flandernschlacht war eintönig; sie vollzog sich in einem zähen, schlammigen Element, aber sie hatte einen starken Verzehr."

Rund 170.000 Soldaten fielen dabei auf deutscher Seite.

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20. November bis 7. Dezember 1917 - Schlacht bei Cambrai

Die Stadt Cambrai, rund 200 Kilometer nördlich von Paris, galt als strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt - seine Anbindung ans Schienennetz erlaubte den Alliierten eine neue Art der Kriegsführung: Mit rund 400 herangeschafften Panzern wollten die Briten die deutschen Stellungen überrollen, um die Gräben des überraschten Gegners anschließend zu stürmen. Tatsächlich gelang es den britischen Sturmtruppen bei ihrem Angriff am 20. November 1917, innerhalb weniger Stunden auf 15 Kilometer Breite rund zwölf Kilometer tief in den deutschen Raum vorzudringen. Doch die Euphorie hielt nicht lange vor: Es fehlte an Personal und Material, die Geländegewinne zu verteidigen. Der Panzernachschub stockte. Bis zum 6. Dezember hatten die Deutschen das Gebiet zurückerobert. Die erste große Panzeroffensive der Geschichte kostete rund 41.000 deutschen und 45.000 britischen Soldaten das Leben.

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Oktober bis Dezember 1917 - Zwölfte Isonzoschlacht

Elf Angriffe hatte Italien seit seinem Kriegseintritt 1915 im Grenzgebiet am Isonzo-Fluss gegen die Südfront der Mittelmächte unternommen - sie alle waren weitgehend erfolglos geblieben. Am 24. Oktober 1917 griffen die Italiener erneut an - dieses Mal mit der Hoffnung auf den entscheidenden Durchbruch, denn die österreich-ungarischen Truppen waren infolge hoher Verluste geschwächt. Doch entgegen den Erwartungen der Italiener bekamen sie Unterstützung von der deutschen Obersten Heeresleitung. Die ursprünglichen Angreifer waren einer solchen Übermacht nicht gewachsen. Dem sechsstündigen Trommelfeuer samt Giftgas-Beschuss folgte ein Sturmangriff der Mittelmächte, der die Verteidiger förmlich überrannte. Die italienischen Soldaten stoben davon. Wer konnte, versuchte dem Tod oder der Gefangennahme durch Flucht zu entgehen. Erst an der Piave gelang es Italien mit Hilfe britischer und französischer Truppen, den Durchmarsch aufzuhalten. Es war die letzte Schlacht am Isonzo - in die Geschichte Italiens ging sie als "Katastrophe von Caporetto" ein. 10.000 Italienern hatte sie das Leben gekostet, 30.000 waren verwundet und 293.000 gefangengenommen worden. Die Zahl der Toten, Verwundeten und Gefangenen auf der Seite des Gegners betrug insgesamt rund 65.000.

bpk / Geheimes Staatsarchiv, SPK

3. März 1918 - Friedensvertrag von Brest-Litowsk

Die Russen hatten genug vom Krieg: Die über Jahre währende Materialschlacht hatte das Agrarland an den Rand seiner Kräfte gebracht. Den kommunistischen Bolschewiki, die 1917 mit der Oktoberrevolution an die Macht gelangt waren, lag daran, Frieden mit den Mittelmächten zu schließen. Sie waren bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen: Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk sah die Abtretung riesiger Gebiete vor. Russland würde weit nach Osten gedrängt und fast ein Drittel seiner Bevölkerung verlieren. Zuvor, am 9. Februar 1918, hatten die Mittelmächte bereits einen Friedensvertrag mit der Ukraine geschlossen, die sich darin zu Getreidelieferungen an Deutschland und Österreich-Ungarn verpflichtete.

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März/April 1918 - Michael-Offensive

Das letzte Aufgebot: Ermutigt vom Friedensschluss mit Russland und den Reserven aus dem Osten hofften die Mittelmächte, mit einer großen Frühjahrsoffensive den Krieg an der Westfront endgültig für sich zu entscheiden. Die Operation "Michael" sollte einen Keil zwischen die französischen und britischen Truppen an der Alliierten Front treiben. Bereits am Abend des 23. März jubelte Kaiser Wilhelm II: "Die Schlacht ist gewonnen, die Engländer total geschlagen." Doch der Vorstoß zwischen der Gemeinde Arras und dem Fluss Oise stoppte, bevor die deutschen Truppen den Eisenbahnknotenpunkt Amiens einnehmen konnten. Die Verluste auf deutscher Seite: 240.000 Mann, auf alliierter: 255.000.

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8. bis 11. August 1918 - Schlacht bei Amiens

Die deutsche Frühjahrsoffensive hatte ihr Ziel, die Einnahme der Stadt Amiens, verfehlt. Stattdessen konterte die britische Armee am 8. August 1918 ihrerseits mit einem Großangriff. General Ludendorff sollte danach von einem "schwarzen Tag des deutschen Heeres" sprechen. Seine Truppen wurden zurückgedrängt, verloren allein an diesem einen Tag 27.000 Mann. Obwohl die Alliierten ihre Angriffe fünf Tage später einstellten, war die Schlacht bei Amiens für die Mittelmächte der Anfang vom Ende. Für ihre Gegner war es der Auftakt zur sogenannten Hunderttageoffensive, die schließlich mit dem Waffenstillstand am 11. November endete.

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11. November 1918 - Waffenstillstand von Compiègne

Ende September schien die Situation für die deutsche Oberste Heeresleitung aussichtslos. Die Alliierten starteten einen neuen Großangriff, Bündnispartner Bulgarien hatte kapituliert, und der Unmut in der deutschen Zivilbevölkerung wie im Heer war nicht mehr zu ignorieren. Doch statt die Verantwortung für die Niederlage zu übernehmen, sollte die zivile parlamentarische Regierung die Verhandlungen mit dem Gegner aufnehmen. Sie begannen am Morgen des 8. November in einem Salonwagen der Eisenbahn im Wald bei Compiègne. Doch zu verhandeln gab es nicht viel: Die Vertreter der Entente verlasen die Bedingungen für einen Waffenstillstand. Die deutsche Delegation hatte ihrerseits den Auftrag, den Krieg unter allen Umständen zu beenden. Drei Tage später stimmte sie dem Vertrag zu, der den Friedensschluss von Brest-Litowsk samt Russlands großzügigen Gebietsabtretungen zu nichte machte. Stattdessen sah er den Abzug des deutschen Heeres über den Rhein innerhalb von 31 Tagen vor, regelte den Schadensersatz und gestattete den Alliierten die Besetzung von Mainz, Koblenz und Köln. Die Vereinbarung trat noch am gleichen Tag in Kraft. Am 11. November um 11 Uhr vormittags ruhten die Waffen; die Gefechte waren eingestellt.

Quellen:
Bruno Cabanes/Anne Duménil: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe, Theiss 2013
Markus Pöhlmann/Harald Potempa/Thomas Vogel (Herausgeber): Der Erste Weltkrieg 1914-1918. Der deutsche Aufmarsch in ein kriegerisches Jahrhundert. Bucher Verlag, München 2014.
Deutsches Historisches Museum: Der Erste Weltkrieg
Martin Gilbert: Routledge Atlas of the First World War, Taylor & Francis 2008
Arthur S. Banks, A Military Atlas of the First World War, Pen & Sword 1997
Großer Historischer Weltatlas, Neuzeit, Bayrischer Schulbuch-Verlag, 1981
Der Große Ploetz Atlas zur Weltgeschichte, Vandenhoeck & Ruprecht, 2009



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Felix G., 23.07.2014
1.
>>>80 Prozent der nicht durch Artillerie getöteten Opfer starben durch Maschinengewehre, die bis zu 450 Kugeln pro Minute verschossen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kriege konnten einzelne Soldaten - zumindest theoretisch - in Minuten mehrere Hundert Gegner töten.
Hendrik Ehlers, 23.07.2014
2. Anstand
Es gälte hier zu ergänzen, dass der Brasilianer Alberto Santos=Dumont (persönliche Namensschreibweise), der Erfinder der Armbanduhr und “Vater der Aeronautik” (Bill Clinton) sich aus Protest gegen die Nutzung von Flugzeugen als Waffenträger während der konstitutionellen Revolution in Sao Paulo, sich am 23 Juli 1932 an seiner Krawatte erhängte. Er ließ keine seiner tausenden Erfindungen patentieren weil er daran glaubte, dass frei zugängliche Innovation die Menschheit nach Vorne bringen würde. Die Nutzung des Flugzeugs als Waffe war der Beweis, dass er das Wesen des Menschen falsch verstanden hatte. R.I.P.
werner dechent, 23.07.2014
3. wahn-witzige Waffen ?
Das man die neuen Massenvernichtungsmittel des ersten Weltkrieges oder, wie er ausserhalb Deutschlands genannt wird, des Grossen Krieges mit Wahn in Verbindung bringt mag sehr verständlich sein, aber wo bei dieser Sache das witzige sein soll erschliesst sich keinen humanistischen Leser. Es ist eher erschreckend, dass in einem nicht der voyeuristischen yellowpress zurechnenden Nachrichtenmagazin Witz und Waffen in Verbindung gebracht werden dürfen. Ob ein deutscher Stahlhelm modisch ist oder eine französische Uniform dem aktuellen Modeschnitt entspricht, dass mag geschmacksache sein, bei Massenvernichtung erübrigen sich die Fragen.
Haste Nichgesehn, 23.07.2014
4.
Fundierter und interessanter Bericht. Nachhaltig beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang Ernst Friedrichs Buch 'Krieg dem Kriege' von 1924, das schonungslos grauenhaft verstümmelte Überlebende zeigt. Angesichts der heutigen Entwicklung der Waffentechnik können wir nur hoffen, dass uns ein dritter 'Weltkrieg' erspart bleibt.
JF Fbauer, 23.07.2014
5. der erste Einsatz von Gas im Krieg
erfolgte 1914 durch Frankreich. Nur dass das verwendete Bromessigsäureethylester nicht gut wirkte und im offenen Gelände zu schnell verteilt wurde. Statt Brom wurde später Chloraceton ersetzt. Der erste "wirksame" Einsatz von Giftgas erfolgte 1915 durch die deutsche Seite. Es wurde Chlorgas "abgeblasen" und mit dem Wind auf den Feind zugetrieben. Erst später wurde das Gas in Geschosse verpackt. Soweit bekannt waren alle Kriegsparteien bis auf Russland ungefähr zum gleichen Zeitpunkt technisch in der lage gas einzusetzten und haben es auch getan. Im zweiten Weltkrieg spielte Giftgas nur in den Überlegungen der Aliierten eine Rolle. 1939 wurde von Polen Senfgas freigesetzt (beim Sprengen einer Brücke). England plante den Einsatz von Giftgas gegen deutsche Städte. 1943 wurde ein amerikanischer Frachter in Bari getroffen und die Ladung von 540 Tonnen Senfgas freigesetzt Soldaten und Zivilisten starben. Das Gas sollte von Foggio aus mit Bombern gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden. Die Aliierten rechneten mit 5,6 Millionen Toten und 12 Millionen durch Gas Verwundete. Noch heute wird Giftgas eingesetzt und wer weiß wieviele Opfer es im Irak und Iran gefordert hat. Bei allem, was der Mensch bisher erfunden hat um Menschen auszulöschen ist Giftgas wohl eins der grauenerregendsten Mittel. Dabei sind nur die Chemikalien und Methoden raffinierter geworden, wie der fehlgeschlagene Einsatz von chemischen kampfstoffen in Beslan gezeigt hat.
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