Die echten Daltons Tödliche Witzfiguren

Die echten Daltons: Tödliche Witzfiguren Fotos
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In den "Lucky Luke"-Comics sind die Daltons die tolpatschigen, komischen Antihelden. Jeder kennt den cholerischen Joe und den immer hungrigen Averell. Was kaum jemand weiß: Im Wilden Westen gab es das Vorbild, die echten Daltons. Und die waren alles andere als lustig. Von Sven Stillich

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Wer ist das: Vier Männer stehen aufgereiht wie Orgelpfeifen und tragen gelbschwarz gestreifte Sträflingskleidung? Der kleinste heißt Joe und ist Choleriker, der größte ist Averell, er hat ständig Hunger? Richtig: Es sind die vier Daltons aus den "Lucky Luke"-Comics. Sie sind tollpatschig und als Kriminelle immens erfolglos. Die Daltons sind ein Witz, den jeder kennt.

Vor etwas mehr als einem Jahrhundert kennt im Wilden Westen der USA auch jeder die Dalton-Brüder, aber da sind sie gefürchtet - als Mörder, Bankräuber, Pferdediebe. Ihre Steckbriefe hängen in jeder Siedlung, die Dorfbewohner werden gewarnt, wenn es auch nur Gerüchte gibt, dass die Daltons in der Gegend sein könnten - die echten Daltons: Bill, Bob, Grat und Emmett.

Deren Verbrechensakte wird Ende des 19. Jahrhunderts aufgeschlagen, einige Jahre nachdem ihr älterer Bruder Frank im Dienst gestorben ist. Frank ist Marshall und wird 1887 von einem Pferdedieb erschossen, den er gestellt hat. Für seine Geschwister war Frank ein Idol. Emmett hatte mit ihm bereits Verbrecher gejagt, Bob und Grant waren nach seinem Vorbild ebenso Marshalls geworden. Grant lieferte seine Gefangenen bei Richter Isaac Parker ab, der als "Hanging Judge" berühmt wurde - 160 Todesurteile sprach er aus.

Kurze, aber heftige Verbrechenskarriere

Und auch die Daltons sind berüchtigt. 1890 jagen sie im Indianergebiet Alex Cochran, der einen Marshall getötet haben soll. Als sie ihn zu erkennen glauben, erschießt Bob Dalton den Flüchtigen aus fast 300 Metern. Doch es ist nicht Alex Cochran, sondern dessen Sohn. Bob ist der wildeste der Brüder. Er rühmt sich, bereits im Alter von 19 Jahren den ersten Mann erschossen zu haben. Im Dienst, wohlgemerkt. Dass der Mann gerade hinter demselben Mädchen her war wie er - ein Zufall, sagt Bob.

1890 beginnt schließlich die kurze und heftige Verbrechenskarriere der Brüder. Im Juli werden sie des Pferdediebstahls beschuldigt. Bob soll außerdem Alkohol an die Indianer geliefert haben. Beide Vorwürfe werden fallengelassen, aber Marshalls können und wollen die Brüder nun nicht mehr sein.

Stattdessen bauen sie ihre erste Bande auf. Zu ihnen stoßen unter anderem Bill Power, Dick "Texas Jack" Broadwell, dessen Leben gut verlaufen war, bis ein Mädchen ihm erst sein Herz und dann all sein Geld stahl, und "Blackfaced" Charlie Bryant, dem Schwarzpulver eine Wange weggebrannt hat. "Es gab sehr viele Gescheiterte da draußen", wird sich Emmett später erinnern, "unser Unglück hat uns zusammengeführt."

Flucht aus dem fahrenden Zug

Ihr erster Coup: ein Überfall auf eine Spielhalle in Silver City, New Mexiko. Dann, im Februar 1891, überfallen sie in Kalifornien einen Personenzug der Southern Pacific Railroad - mit gemischtem Erfolg: Sie erbeuten zwar eine erkleckliche Summe Dollar, aber Grat Dalton wird verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Auf der Zugfahrt in den Knast schläft sein Bewacher ein. Grat nestelt die Schlüssel aus dessen Tasche, öffnet die Handschellen und springt aus einem Zugfenster, landet in einem Fluss, taucht unter und lässt sich von der Strömung davontragen. Er muss gewusst haben, dass der Zug sich gerade auf einer Brücke befindet. Er überlebt seine Flucht und stößt wieder zur Bande.

Bis zum Juli 1892 überfallen die Daltons vier weitere Züge und werden zu gefürchteten Kriminellen. Bob ist intelligent und ein guter Schütze. Grat, der Älteste, ist zwar langsam und er trinkt zu viel, aber er ist gewitzt. Emmett ist das Küken, aber schon ein erfahrener Räuber. Doch nicht alles läuft glatt: In einem Fall schaffen sie es nicht, einen Safe zu öffnen und erbeuten nur ein paar hundert Dollar von den Passagieren.

70.000 Dollar verpasst

Bei einem anderen Überfall warten sie an einer Bahnstation auf einen Zug. Als der kommt, sehen sie, dass die Abteile dunkel sind. Sie beschließen, auf den nächsten zu warten, überfallen ihn, ihre Beute: 50 Dollar. Später erfahren sie, dass der erste Zug 70.000 Dollar an Bord gehabt hatte.

Kurz darauf wird "Blackfaced" Charlie Bryant geschnappt und auf der Flucht erschossen. Doch die Bande macht weiter und überfällt an der Grenze zu Arkansas einen weiteren Zug. Dieses Mal kommt es zum Schusswechsel. Ein Mann stirbt, die Daltons kommen unversehrt davon.

Die Brüder setzen sich zusammen. Bob Dalton sagt, es sei nun Zeit für etwas Legendäres, für etwas, dass sich nicht einmal Jesse James getraut hätte: Sie würden als nächstes nicht eine Bank überfallen, sondern zwei. Und zwar gleichzeitig. Und nicht in der Nacht, sondern am helllichten Tag. Und nicht irgendwo, sondern in Coffeyville, ihrer Heimatstadt. Niemand widerspricht.

Zu viel gewagt

Und so machen sie sich auf: Bob, Grat und Emmett Dalton (Bill ist gerade im Gefängnis) sowie Dick "Texas Jack" Broadwell und Bill Power reiten am 5. Oktober 1892 morgens um halb zehn in Coffeyville ein, in ein argloses Dorf, nicht einmal der Marshall ist hier bewaffnet.

Dennoch geht ab jetzt alles schief: Die Stangen, an denen sie ihre Pferde anbinden wollten, sind just an diesem Tag wegen Straßenbauarbeiten abgebaut worden. Die Daltons sind also gezwungen, ihre Pferde in einer engen Gasse abzustellen - einer Gasse, die heute Death Alley heißt. Emmett ist nun 21 Jahre alt, Grat zehn Jahre älter. Die Männer tragen falsche Bärte, um nicht erkannt zu werden.

Selbstsicher überqueren sie den Platz, an dem die beiden Banken liegen. Grat Dalton, Bill Power und Dick Broadwell nähern sich der C. M. Condon & Company's Bank, Emmett und Bob gehen zur First National. Einmal drinnen, ziehen sie ihre Winchester-Gewehre und werfen den Kassierern Getreidesäcke zu: "Geld her!". Die Kunden werfen sich auf den Boden.

Was die Ganoven nicht wissen: Sie waren schon erkannt worden, als sie in die Stadt ritten. Während sie die Banken überfallen, sammeln sich Männer in "Isham's Hardware", einem Krämerladen am Platz. Waffen und Munition werden ausgegeben, der Marshall ist informiert, alle Fluchtwege aus der Stadt sind bewacht.

Wilde Schießerei

Die ersten Schüsse fallen, als Bob und Emmett Dalton aus der First National treten. Sie schießen zurück, Bob tötet dabei einen Jugendfreund. Dann ziehen sie sich blitzartig wieder in die Bank zurück, rennen zur Hintertür und erschießen einen jungen Angestellten. Währenddessen hören Grat und seine Kompagnons in der anderen Bank die Schüsse. "Warum öffnet sich der Safe nicht?", schreit Grat. "Er hat ein Zeitschloss", antwortet der Banker, "er öffnet erst ab viertel vor zehn." Das sind noch drei Minuten. Und: Es ist eine Lüge. Der Safe ist bereits offen, aber Grat rüttelt nicht an der Tür. Kugeln schlagen ein, doch Grat beschließt zu warten.

Doch dann ist die Luft zu bleihaltig. Grat Dalton, Power und Broadwell stürmen aus der Bank, zu den Pferden hin. Sie schießen um sich, sie erschießen den Marshall, aber sie haben keine Chance: Power und Grat werden tödlich getroffen, Broadwell schwingt sich noch auf ein Pferd und fällt kurz darauf tot aus dem Sattel.

Emmett und Bob Dalton rennen um ihr Leben. Sie erschießen zwei Dorfbewohner. Dann fängt Bob eine Kugel. Emmett, schwer verwundet, aber schon auf einem Pferd und mit der Beute in der Hand, reitet zu Bob, dann trifft ihn eine Kugel des Friseurs, und er fällt zu Boden. Der Kampf ist vorbei, der Staub legt sich, Pferde verenden auf der Straße.

23 Einschusslöcher

Emmett liegt im Schmutz, ein Arm ist durchschossen, seine Leiste und seine Hüfte getroffen, in seinem Rücken: Wunden von 23 Gewehrkugeln. Doch er überlebt. Als er seine Brüder identifizieren muss, rinnen Tränen über seine Wange. Später wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. 1894 stirbt sein Bruder Bill bei einer Schießerei. Das endgültige Ende der Daltons.

Zumindest fast: 1907 wird Emmett Dalton begnadigt. Er zieht nach Kalifornien, heiratet seine Jugendliebe, die all die Jahre auf ihn gewartet hat, wird Makler und berät Hollywood bei Western-Filmen. 1931 erscheint seine Biografie, 1940 wird sie unter dem Namen "When The Daltons Rode" verfilmt. Drei Jahre zuvor war Emmett Dalton gestorben.

Er hat nicht mehr mitbekommen, wie der Zeichner Morris den Daltons Anfang der fünfziger Jahre ein Denkmal setzte. Da tauchen sie nämlich zum ersten Mal in dem "Lucky Luke"-Comic "Die Gesetzlosen" auf. Und zwar die echten Daltons: Bob, Grat, Bill und Emmett. Sie werden von Lucky Luke zur Strecke gebracht. Seit Ende der Fünfziger versuchen ihre Vettern sie dann zu rächen. Die sind keine berüchtigten Verbrecher, sondern Trottel in Sträflingskleidung. Und die kennt jeder: Joe, Jack, William und Averell.

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1.
Monika Meier 25.09.2012
Der Artikel is 1zu1 von Wikipedia kopiert. Gefaellt sich der Schreiberling als Dieb?
2.
Volker Altmann 25.09.2012
Es ist ein Titelfoto, das schon mitleiderregend herüberkommt. Liest man allerdings, wie schonungslos sich diese Bande ihren Weg freigeschossen hat, kann man die Zurschaustellung der Leichname nachvollziehen. Zumindest im Kontext der damaligen Zeit. Ein informativer Bericht, der interessant zu lesen ist. Beim Betrachten des Titelfotos drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier jemand das Bild manipuliert hat. Das quer liegende Gewehr schaut irgendwie aus, als gehöre es nicht zum Originalfoto. Hat man es nachträglich installiert ? eventuell weil es dem Kopf der Bande gehörte? Manipulieren konnte man Fotos ja schon lange vor Photoshop und Co. Was noch auffällt ? alle vier Tote sind gefesselt. Sollte das dem Fixieren der Arme für das Foto dienen ? oder haben sie noch gelebt, nachdem man sie gefesselt hatte?
3.
Peter Schmidt 25.09.2012
>Der Artikel is 1zu1 von Wikipedia kopiert. Gefaellt sich der Schreiberling als Dieb? Aus welcher Wikipedia denn? Die deutsche Ausgabe hat nur einen sehr kurzen Eintrag zu den echten Daltons (de.wikipedia.org/wiki/Dalton-Br%C3%BCder), die englische (en.wikipedia.org/wiki/Dalton_Gang) einen recht ausführlichen, der auch inhaltlich meist mit dem Artikel hier übereinstimmt. Aber "1zu1 kopiert" ist der Artikel mit Sicherheit nicht.
4.
Roland Jassenburg 25.09.2012
Zitat: ___________ (...) "Er hat ein Zeitschloss", antwortet der Banker, "er öffnet erst ab viertel vor zehn." Das sind noch drei Minuten. Und: Es ist eine Lüge. (...) ___________ Gab es denn *damals*, im Jahre 1892, schon Zeitschlösser für Banktresore? Ich war bisher immer der Überzeugung, dass Zeitschlösser eine moderne Erfindung des 20. Jahrhunderts sind.
5.
Martin Bitdinger 26.09.2012
"Gab es denn *damals*, im Jahre 1892, schon Zeitschlösser für Banktresore?" Steht ja da: es war eine Lüge vom Bankdirektor ;-) Seltsam: Angeblich alle erschossen, aber die "Leichen" auf dem Photo sind ohne Blutspuren oder gar Einschusslöchern.
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