Die Frau an Hitlers Seite Braut des Bösen

Eva Braun war die Geliebte Adolf Hitlers und für knapp 40 Stunden seine Ehefrau. Sie galt als unpolitisch und unbedarft - die erste wissenschaftliche Biografie über Frau Hitler will das Bild vom dummen Blondchen an der Seite des Massenmörders jetzt korrigieren. Von Klaus Wiegrefe

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Die Feldforschung zu den Feinheiten im Verhältnis zwischen Adolf Hitler und Eva Braun begann noch zu Lebzeiten des Diktators. Der "Führer" war ein Langschläfer, und wenn er am späten Vormittag sein Schlafzimmer mit der Verbindungstür zum Gemach Brauns verlassen und das Personal die Bettwäsche abgezogen hatte, beugten sich die neugierigen Angestellten über Laken und Bezüge - auf der Suche nach Indizien für das Geschehen der vergangenen Nacht.

"Wir haben damals in den Betten herumspioniert", gestand Jahrzehnte später der Verwalter des Berghofs, Herbert Döhring, einem Fernsehteam. Man habe aber nichts gefunden - woraus Waffen-SS-Mann Döhring schloss, das Verhältnis des Diktators zu der 23 Jahre jüngeren Frau müsse ein platonisches gewesen sein.

Döhring zählte im "Dritten Reich" zu jenem kleinen Kreis Eingeweihter, die überhaupt von der Nähe Brauns zu Hitler wussten. Die Öffentlichkeit erfuhr erst nach Kriegsende, dass der Diktator über viele Jahre hinweg von einer attraktiven Blondine aus München begleitet worden war, die er Stunden vor dem gemeinsamen Freitod am 30. April 1945 im Berliner Führerbunker noch geehelicht hatte.

Die Geheimnistuerei beruhte auf politischem Kalkül. "Viele Frauen hängen an mir, weil ich unverheiratet bin", glaubte Hitler, "es ist so wie bei einem Filmschauspieler: Wenn er heiratet, verliert er für die ihn anhimmelnden Frauen ein gewisses Etwas, er ist nicht mehr so sehr ihr Idol."

Entsprechend groß war denn auch die Neugier des Publikums auf die Tochter eines Münchner Berufsschullehrers, die rund anderthalb Jahrzehnte an seiner Seite geweilt hatte - zumeist auf dem Berghof auf dem Obersalzberg, selten auch in Berlin. Doch bereits die ersten Antworten fielen ernüchternd aus. Der britische Historiker und Geheimdienstoffizier Hugh Trevor-Roper, der unmittelbar nach Kriegsende die Entourage Hitlers befragte, kam zu dem Schluss, Eva Braun sei "uninteressant". Und noch jeder bedeutende Hitler-Biograf hat diesen Befund bestätigt.

Aber stimmt er auch?

Die Berliner Historikerin Heike Görtemaker ist nun angetreten, das Bild zu korrigieren. Im renommierten Beck-Verlag legt sie die erste wissenschaftliche Biografie Brauns vor; populäre Darstellungen hatte es schon diverse gegeben.

Der streng akademische Ansatz lässt Görtemaker auf viele jener Anekdoten verzichten, über die sich das Publikum in den vergangenen Jahrzehnten gruselnd-schauernd amüsiert hatte. Etwa dass Eva Braun im Führerbunker angeblich geklagt habe, es gebe ständig Streit mit Adolf übers Essen. Der sendungsbewusste Vegetarier habe von ihr verlangt, ebenfalls nur noch Haferschleimsuppe oder Pilztunke zuzusprechen, was ihr zuwider gewesen sein soll ("Ich kann dieses Zeug nicht essen").

Oder die Episode von den heimlichen Fußtritten Brauns gegen Hitlers Schäferhund Blondie, die eine Sekretärin des Diktators überliefert hat. Eva Braun sei auf den Hund eifersüchtig gewesen und habe sich über Blondies Gejaule nach der Misshandlung diebisch gefreut ("Adolf wundert sich dann über das närrische Benehmen des Tieres. Das ist meine Rache").

Heike Görtemaker hält von solchen "Lindenstraßen"-Versionen aus Hitlers Umfeld so wenig wie von der Bettwäschen-Analyse Döhrings. Die Historikerin geht von einem normalen, intimen Verhältnis aus, wie es Freundinnen und Verwandte Brauns später berichteten. Angeblich soll Eva gekichert haben, als sie ein Foto sah, das den britischen Premier Neville Chamberlain 1938 in Hitlers Münchner Wohnung auf dessen Sofa zeigte: "Wenn der wüsste, welche Geschichte dieses Sofa hat!"

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insgesamt 4 Beiträge
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Ralf Lehmberg, 10.02.2010
1.
Nur eine kleine Bemerkung. Beim Film (letzer Teil der Photos) , muss es unbedingt eine Untermalung mit Musik von R. Wagner sein ? Das ist so Cliché !!!
Boris Lacht, 10.02.2010
2.
So viel ich weis, hatte Adolf Hitler ein sehr gestörtes Verhältnis zur Sexualität. Die Ursache: Als Junge hatte er versucht, einer Ziege ins Maul zu pissen, die schnappte zu - und seit dem hatte er nur noch einen Hoden und ein winziges, verstümmeltes Glied...
Werner Samjeske, 17.11.2011
3.
Bild 21: Nicht im Berghof- sondern im Teehaus am Mooslahner Kopf. Bild 26: Der Dienstgrad eines "Hauptsturmbannführers" existierte nicht. Entweder Hauptsturmführer(Hauptmann) oder Sturmbannführer(Major). Die Bemerkung von Boris Lacht ist völlig abwegig. Der Kammerdiener konnte jedenfalls nichts derartiges bemerken/feststellen.
Werner Samjeske, 19.12.2011
4.
Bild Nr. 8: Im Hintergrund erkennt man den Fußweg zum Teehaus am Mooslahner Kopf.
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