Kult-Kinderfilm "Die Goonies" Bälger des verlorenen Schatzes

Nichts weniger als einen Indiana Jones für die Kleinsten wollte Steven Spielberg vor 30 Jahren mit den "Goonies" erfinden. Doch der Chaos-Dreh mit nasebohrenden Kinderdarstellern brachte Regisseur Richard Donner an seine Grenzen.

DDP

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In der größten Tonhalle des Filmstudios Warner Brothers trieb die "Inferno" auf einem künstlichen See. Scheinwerfer tauchten den Dreimaster in helles Licht und ließen die höhlenartige Umgebung fast verschwinden. Regisseur Richard Donner wischte sich den Schweiß von der Stirn. Showtime.

An diesem Frühjahrstag 1985 stand eine der wichtigsten Szenen des Films "Die Goonies" an. Der Moment, in dem die titelgebende Bande von Jugendlichen das Piratenschiff zum ersten Mal erblickt. Donner wollte, dass die Schauspieler möglichst überrascht wirkten, deshalb hatte er den Schiffsnachbau vor den Teenagern geheim gehalten. Nun schwammen die sieben Darsteller mit dem Rücken zur "Inferno" im Wassertank und lauschten Donners Anweisungen. "Ihr taucht unter und wartet auf das Signal", sagte er bestimmt. "Wenn ihr mich aus den Lautsprechern rufen hört, schwimmt ihr hoch und dürft euch umdrehen."

Die Schauspieler tauchten ab. "Action", brüllte Donner und Wasser spritzte auf, als sieben Köpfe nach oben schossen. In seinen Kopfhörern vernahm Donner den so gar nicht kinderfilmgerechten Ausruf der verdatterten Jugendlichen: "Holy shit!" Kopfschüttelnd brach er die Szene ab.

"Der schwerste Film meines Lebens"

Filmaufnahmen mit Heranwachsenden gehören zu den größten Herausforderungen, denen sich ein Regisseur stellen kann. Trotzdem hätte Donner den Dreh von "Goonies" gar nicht ausschlagen können - denn kein Geringerer als Steven Spielberg wollte, dass er den Film dreht.

Spielberg hatte drei Jahre zuvor mit "E.T." bewiesen, dass Kinderfilme ihre jungen Zuschauer ernst nehmen und trotzdem Erfolg an den Kinokassen haben können. Nun wollte er mit den "Goonies" nachlegen. Eine Abenteuergeschichte im Stil seiner "Indiana Jones"-Filme über eine Gruppe Jugendlicher auf der Suche nach einem Piratenschatz. Statt eines cleveren Helden gab es hier gleich sieben Hobbydetektive - mit recht unterschiedlichen Charakteren.

Fünf Jungen, zwei Mädchen, eine Mission: das Schiff des gefürchteten "Einäugigen Willie" finden, das Diamanten und Gold lagern sollte. Zusammen kletterten sie durch unterirdische Höhlen, mussten herabstürzenden Felsen ausweichen oder auf einer Orgel aus Knochen spielen. Immer dicht verfolgt von den polizeilich gesuchten Fratelli-Brüdern und deren nicht minder krimineller Mutter.

Eigentlich wollte Spielberg den Film selber drehen, doch das Projekt "Die Farbe Lila" kam ihm dazwischen. Und so rief er Donner an, der mit "Superman" und "Das Omen" bereits zwei Kassenhits gedreht hatte. Wer einen Mann zum Fliegen bringt, der könne auch eine Gruppe Kids zügeln, dachte sich Donner. "Erst später merkte ich, dass es der schwerste Film meines Lebens werden sollte."

Nasebohren statt Konzentration

Um seinen jungen Darstellern die Orientierung zu erleichtern, ließ der Regisseur den Film in richtiger Reihenfolge drehen. Zwar bedeutete das mehr Drehtage, dafür konnten die Jugendlichen ihre Rollen Stück für Stück entwickeln. Für einige von ihnen war "Die Goonies" schließlich die erste Filmerfahrungen ihres Lebens.

Die ersten Szenen drehte Donner nicht im Studio, sondern in einer realen Stadt. Dafür reiste die Crew von Hollywood ins 1600 Kilometer entfernte Astoria, einen Küstenort in Oregon. Drei Wochen lang nahmen sie die Gemeinde in Beschlag. Immerhin: Für die Hafenstadt zahlte sich der Dreh aus - bis heute pilgern "Goonies"-Fans nach Astoria, um die Originalschauplätze zu erkunden.

Für die Aufnahmen in den Warner Brothers Studios legte Donner ebenfalls größten Wert auf Authentizität. So ließ er etwa Willies Piratenschiff in voller Größe aufbauen und errichtete in Tonhalle 16 eine komplette Höhle inklusive Wasserfall. Doch trotz seiner Bemühungen lief die Arbeit alles andere als glatt. Nicht nur, weil die Darsteller aufgrund ihres Alters nur vier Stunden am Tag arbeiten durften und sich der Dreh so noch weiter in die Länge zog. Auch das Konzentrationsvermögen der Teenager brachte den Regisseur mitunter zum Verzweifeln: "Man konzentriert sich auf zwei Kids und währenddessen schauen die anderen im Hintergrund in die falsche Richtung, bohren in der Nase oder schlafen ein", klagte er 1995 im Interview.

Killerkraken und Auto fahrende Gorillas

Der Dreh verzögerte sich so sehr, dass schließlich sogar Produzent Steven Spielberg selbst mit einsprang. Als "Second-Crew-Director" übernahm er die Regie einiger Szenen und half beim Kürzen des Drehbuchs, das von "Gremlins"-Erfinder Chris Columbus verfasst worden war.

Columbus und Spielberg hatten einige schaurige Elemente in den Film eingebaut. So etwa die Figur des Sloth, eines furchteinflößenden Quasimodo-Wesens mit großen Segelohren und - wie sich später zeigen sollte - einem noch größeren Herzen. Für die Rolle wurde Football-Star John Matuszak engagiert, der mit seinen 2,03 Meter den nötigen Körperbau mitbrachte. Für sein entstelltes Gesicht mit dem herunterhängenden Auge und den falschen Zähnen musste er jeden Tag fünf Stunden in die Maske.

Spielberg träumte zudem von einem Riesentintenfisch, der beim Piratenschiff auf die Jugendlichen lauern sollte. Der Krake wurde sogar gebaut, die Szenen mit den Fangarmen wirkten jedoch so unrealistisch, dass Donner sie später aus dem Film entfernte. Ebenso sollten in einer Nebenhandlung zwei Gorillas aus einem Zirkus-Wagen ausbrechen und das Auto von "Goonies"-Gegner Troy klauen, dem reichsten Teenager der Stadt. Auch diese Szenen wurden zwar gedreht, aber später nie gezeigt.

Fortsetzung folgt?

Als der Film im Juni 1985 in die Kinos kam, spielte er mehr als das Dreifache seiner Kosten ein. Der Titelsong von Cindy Lauper, "Good Enough", hielt sich 15 Wochen in den Charts. Ein beachtlicher Erfolg für Donner - der nach Beendigung des Films erst einmal nach Hawaii flog, um sich vom Stress zu erholen.

Seit dem Kinostart haben die "Goonies" so viele Anhänger gefunden, dass immer wieder der Ruf nach einer Fortsetzung laut wurde. 2010 hieß es, dass ein Musical entstehen sollte. Erst 2014 versprach Richard Donner in einem Gespräch mit dem Boulevard-Blatt TMZ, dass ein "Goonies"-Sequel komme.

Für Josh Brolin, der im Film den jugendlichen Frauenschwarm Brand mimte, sind diese Ankündigungen nur Gerüchte. "Ich habe jetzt 30 Jahre auf eine Fortsetzung gewartet", sagte der Hollywood-Schauspieler 2014 im Gespräch mit Talkmaster Jimmy Kimmel. "Wenn es so weitergeht, werde ich Brand mit Rollator spielen müssen."

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insgesamt 13 Beiträge
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Dennis Fock, 05.06.2015
1. Der Film war super
Kam fuer mich genau im richtigen Alter. Zwei Stunden in der Welt einer netten Kleinstadt in fantastischer Kuestenlage, mit netten, witzigen, skurillen Charaktaeren vollgepackt mit Spannung, Abenteuer und Herzenswaerme. Toller Film :)
Oliver Burkhardt, 05.06.2015
2. Der Film ist super
habe den Film mehrfach mit meinen Kindern angeschaut, und bald kommt der Kleinste auch dran. Einfach grossartiges Kino für Kinder. Supèr Film.
Andreas Neumann, 05.06.2015
3. Astoria
gedreht wurde in Astoria (Oregon) an der US-Pazifikküste, eine absolut sehenswerte Region. (wie übrigens die gesamte Pazifikküste bis nach Kalifornien, nur hier lange nicht so überlaufen mit Touristen)
Sebastian Lac, 05.06.2015
4. Eines meiner Lieblingsfilme in meiner Kindheit
Die Goonies sind einer meiner Lieblingsfilme meiner Kindheit. Ich sah diesen Film als ich 10 Jahre alt war. Mein Sohn ist heute 10 und er kann seine Finger nicht von der DVD lassen.
Christian Kohnert, 05.06.2015
5. Astoria, die 2.
Da gebe ich Andreas Recht - eine sehr pittoresque Gegend, die oft für Filme genutzt wurde, neben den Goonies auch für "Kindergarten Cop", "Nr. 5 lebt", "Free Willy" und viele mehr.
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