Die hässlichsten HipHop-Hüllen Seid ihr noch zu rappen?

Die hässlichsten HipHop-Hüllen: Seid ihr noch zu rappen? Fotos

Kiffende Braunbären? BH-Ufos? Monsterfrauen mit Riesenkoteletten? So viele große HipHop-Stars machen auf gefährlicher Gangster. Dabei wurden die schwersten Verbrechen der Rap-Geschichte an Plattencovern verübt. einestages zeigt die schrägsten HipHop-Hüllen. Von

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Zwei nackte Frauen stehen unter der Dusche und können ihr Glück kaum fassen: Neben ihnen sitzt ein schlaksiger Typ mit Schnurrbart und Brille auf dem Klo und liest Zeitung. Bei diesem Anblick können die beiden Girls es vor Verlangen kaum aushalten. Doch sie schmachten den Kerl nicht deshalb an, weil er Luther Campbell ist, Rapper der legendären HipHop-Combo 2 Live Crew. Auch nicht, weil er eine dicke Goldkette und eine Rolex trägt. Sondern einfach, weil das im HipHop eben so läuft - ganz egal, wie schwachsinnig es aussieht.

Rap ist einer der Grundpfeiler der HipHop-Kultur, einer Subkultur, die geprägt ist von den Werten der Ghettos, in denen sie einst entstand: Härte, Stärke, Brutalität. Und die vielleicht noch mehr besessen ist von dem, was sie am Ende des Wegs aus dem Ghetto zu finden hofft: dicke Karren, dicke Klunker, dicke Silikonbrüste. Genau deshalb trägt der HipHop auch so dick auf wie kaum ein anderer Musikstil, mit seinen Posen, seinen Musikvideos - und nicht zuletzt seinen Plattencovern.

Mit Bescheidenheit kommt keiner weit im HipHop - einer Bewegung, deren wichtigstes Instrument seit jeher ein großes Mundwerk ist. Doch all die Prahlerei um Gangster-Ehre, Potenz und protzige Statussymbole kann natürlich nach hinten losgehen: zum Beispiel auf dem Cover von "The Wonderful World Of Cease A Leo", von Lil' Cease aus dem Jahr 1999. Der steht darauf nämlich nackt bis auf ein paar Goldketten und eingeölt vor einem kitschigen rosa Photoshop-Himmel wie aus einem Disney-Film, während die übermenschliche Anziehungskraft seines Geschlechts verdeutlicht wird, indem vier Frauenhände seinen Schritt verdecken. Irgendwie muss der Rapper da selbst lachen - vielleicht dämmerte ihm schon beim Fototermin wie gaga das Ganze am Ende aussehen wird.

Monsterfrauen und Mixtapes

Doch es geht noch härter: Eine Frau mit knallgelber Haut steht zwischen Wolkenkratzern. Sie ist so groß wie die umliegenden Gebäude, trägt Monsterkoteletten, Army-Hot-Pants und ein durchsichtiges Top, unter dem sich ihre gigantischen Monsterfrau-Brüste abzeichnen. Ach ja, außerdem verschleudert sie Feuerbälle mit ihren Händen. Kurzum: Die Zeichnung auf dem Cover von "The Hot Girl" von South Coast Shorty sieht aus wie von einem Achtklässler mit Buntstiften und Wachsmalern fabriziert.

Das hat einen guten Grund. Vieles, was auf Rap-Plattenhüllen so lächerlich wirkt, geht auf den Do-It-Yourself-Charakter der Mixtape-Kultur im HipHop zurück. Waren sie in den Siebzigern noch das Mittel der Wahl, mit dem DJs ihre Live-Sets konservierten und unter die Leute brachten, wurden sie immer mehr zum Karrieresprungbrett für aufstrebende Rapper. Bevor die nämlich zu den großen Plattenlabels vordrangen, mussten sie sich ihre Anerkennung zuerst mit selbstgemachten Demo-Kassetten verdienen, die sie auf der Straße verkauften. Eingepackt in selbstgemachte Kassettenhüllen, die oft ähnlich albern aussahen wie South Coast Shortys "The Hot Girl".

Mittlerweile sind aus den Kassetten längst CDs geworden, doch die Eigenbauästhetik der Cover lebt fort. Mehr noch: Sie ist gerade wegen ihrer Unbeholfenheit sogar so sehr zum Teil der im HipHop unentbehrlichen "Realness", der Glaubwürdigkeit auf der Straße, geworden, dass längst auch Designagenturen mit diesem provisorischen Charme liebäugeln. Ganz bewusst entwerfen sie schlecht gemachte HipHop-Hüllen für bekannte Rapper.

Mallorca-Postkarten aus dem Ghetto

Eine der bekanntesten dieser Agenturen ist Pen & Pixel aus Houston. In den Neunzigern wurden die Designer bekannt für die Hüllen, die sie für das Plattenlabel No Limit Records entwarfen, auf dem Rapper wie Snoop Dogg oder Master P ihre Alben veröffentlichten. Schamlos verstießen sie dabei gegen jede Regel der Design-Etikette: Bildelemente wurden in völlig falschen Größenverhältnissen übereinander montiert, Himmel und Wasser koloriert wie auf den schlimmsten Mallorca-Postkarten. Zum krönenden Abschluss beschrifteten die Designer das Ganze stets mit knallbunten Typografiesünden voller 3D- und Hochglanzeffekte, wie man sie bisher nur von Spielautomaten, Angelverein-Websites oder Einladungen zu Grundschulelternabenden kannte.

Heraus kamen dabei Geschmacksunfälle wie das Cover des Snoop-Dogg-Albums "Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told" von 1998: Der Star-Rapper sitzt dort inmitten eines Photoshop-Alptraums aus wirr übereinander geklebten Wachhunden, giftgrün nachkolorierten Pflanzen und im Weichzeichner strahlenden Wolken, die jede Waschmittelwerbung öde und grau aussehen lassen. Alles von Snoop Doggs Goldkette über seinen Spazierstock bis hin zum Hundemaulkorb blinkt mit dem gleichen sternförmigen Photoshop-Glanzlicht. Und zu allem Überfluss sind die Proportionen des Rappers beim Reinmontieren auch noch so verzogen worden, dass er auf dem Cover genauso breit wie hoch ist.

einestages ist weit in die nachkolorierten Flammen der Photoshop-Hölle hinabgestiegen, knietief durch leicht bekleidete Tänzerinnen und schwer verständliche Motive gewatet und hat ungeahnte Gipfel der Geschmacklosigkeit erklommen, um die absurdesten, schlechtesten und unfreiwillig komischsten Cover der HipHop-Geschichte aufzuspüren. Sollten Sie also wirklich die gesamte Bildergalerie durchhalten, ohne die Nerven zu verlieren: Respekt!

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1.
Bob Thao, 10.05.2010
Welcher pseudo Witz sollte da denn rüberkommen? Alleine zu Bild 38: der Laser bezieht sich eher auf die Waffen der Polizisten, als auf "Laser T-Shirts"! Wenn der Autor sich über etwas lustig machen will, sollte der Autor auch wissen worüber er sich lustig macht und sich nicht selber als Lachnummer outen. Von den vielen Covers die hier gezeigt wurden, zeigt viel an Eigenironie des Hiphoppers/Rappers, welche dem Autor auch ganz gut zu Gesicht stehen würde. Setzen 6!
2.
Amin Josua, 10.05.2010
Neben den durchaus berechtigten satirisch-kritischen Kommentaren zu den jeweiligen Booklets, sind hier leider auch ein paar extrem lächerliche Beschreibungen dabei, die zu einer Diskreditierung der jeweiligen Alben und der Künstler führen, wobei die Korrelation von Albuminhalt und CD-Cover außer Acht gelassen wird. Dies führt hier zu teilweise ungerechtfertigten Urteilen, die entweder auf polemische Hetze oder Ahnungslosigkeit des Autors zurückzuführen sind.
3.
roberto suttora, 11.05.2010
Ich habe mich für diesen Seich sogar angemeldet. Aber ein " the Coup" nur nach dem Cover zu berurteilen ist arm. Die Bangers & Cash EP ist, einfach nur funny. Der Ganze Artikel deutet nur daraufhin, das der Vefasser nur Musik nach Covergestatltung hört.
4.
Steven Meiers, 11.05.2010
Ist schon echt ne Frechheit, dass der Spiegel sich anmaßt ein Thema anzufassen, wo er nicht im Geringsten Fachkompetenz besitzt. z.B. das Clipse-Cover, warum der Ofen Herr Redakteur? Die Jungs kochen Crack, alles klar! Hier scheint einer zu schreiben, der sich mal im 2 Stunden Kurs mit Hip Hop beschäftigt hat, ohne einen Scheiss von der Kultur zu wissen. So nen Typen hätten wir damals auf dem Schulhof in die Mülltonne gesteckt ein Foto gemacht und das ganze" Trashman Inferno "genannt! Wär bestimmt auch in der Top Ten! Ich will mich nicht weiter mit diesem Bericht befassen, wenn der Spiegel auch bei politischen Themen so schlammt na dann gute Nacht!
5.
Olaf Nyksund, 11.05.2010
Wie die "Musik", so auch die Covers, alles klar. Auf beides kann die Welt eigentlich verzichten: auf die Hip-Hop-"Beats" wie auf die dazugehörigen "Kunstwerke". Die Bilder sagen auch in diesem Fall jeweils mehr als 1000 Worte?*wobei zu hinterfragen wäre, wie viele Rapper über einen Wortschatz von über 1.000 Wörtern, geschweige denn Worten, überhaupt verfügen. Es dürfte meiner Ansicht nach eine erschreckende Minderheit sein. Wobei es natürlich sehr wohl sowohl ansprechende und innovative Alben auch auf dem Hip-Hop-Bereich gibt - die haben aber meistens auch passend dazu ansprechende Covers. Dumm, was? ;)
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