Die peinlichsten TV-Patzer Ich glaub', ich seh' nicht richtig

Die peinlichsten TV-Patzer: Ich glaub', ich seh' nicht richtig Fotos
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Vertauschte Neujahrsansprachen, verpfuschte Lottoziehungen, nässende Meerschweinchen: Die ARD-Panne mit der Deutschlandfahne war peinlich - aber nicht das erste TV-Debakel. einestages zeigt eine Auswahl der absurdesten Ausrutscher im Fernsehen. Von

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Es war eines der größten TV-Desaster seit Jahrzehnten: Die ARD-Tagesthemen zeigten am Samstagabend 23 Sekunden lang eine deutsche Fahne, die keine war. Statt Schwarz-Rot-Gold prangte neben dem kahlen Haupt von "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow eine seltsame Trikolore in den Tönen Rot-Schwarz-Gold - und das, wo dieser Tage die originalen Nationalfarben landauf, landab millionenfach von Autodächern und Balkonbrüstungen grüßen.

Die Verantwortlichen warfen sich umgehend in die Furche: Eine "inakzeptable Panne" sei das, zitierte die "Bild"-Zeitung den stellvertretenden Chefredakteur der Tagesthemen. Ein Grafiker habe die Fahne gleich nach dem Sieg der Russen gegen die Niederlande per Hand erstellt und sich dabei bei den Farben "verdrückt". Gegen den fälligen Spott und Hohn hilft so eine Erklärung wie Kratzen gegen Sonnenbrand.

Unweigerlich weckt der Fahnenflop Erinnerungen an andere grandiose Fernsehfehlleistungen der Vergangenheit - und davon gibt es nicht gerade wenige. TV-Peinlichkeiten durch Ahnungslosigkeit und mangelnde Recherche, Dummheit oder lustlosen Umgang mit der Technik fallen dabei keineswegs nur bei kommerziellen Huschhusch-Sendern ins Auge, sondern sorgen auch bei den hochseriösen, gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten immer wieder für das eine oder andere blaue Auge.

Putzmann in der "Tagesschau"-Kulisse

Den Superhit auf der ewigen Bestenliste der Bildschirmblamagen leistete sich an Silvester 1986 die ARD: Zur Primetime nach der "Tagesschau" brachte das Erste die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers, nur leider die falsche. Anstelle der Kassette mit der zwei Tage zuvor aufgenommenen Aufzeichnung hatte ein Techniker das Band mit der Rede des Vorjahres über den Äther geschickt. Zwar bemerkten einige der 8,6 Millionen Zuschauer, dass Kanzler Helmut Kohl im Vorjahr dieselbe Krawatte getragen hatte. Doch erst als der deutsche Regierungschef den lieben Mitbürgern ein "friedvolles 1986" wünschte, flog die Verwechslung auf - mit einem nie wieder gehörten Getöse. Der Kanzler selbst äußerte sich "empört", andere Unionspolitiker witterten gar Sabotage sozialdemokratisch gesinnter Fernsehmacher.

Doch auch dieser Super-GAU für die Fernsehverantwortlichen blieb kein Einzelfall. Zum Jahreswchsel 2001/2 geriet der ARD-Anstalt MDR einmal mehr eine Neujahrsansprache mächtig durcheinander. Während Zuschauer auf dem Bildschirm Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reinhard Höppner sehen konnten, erschall aus dem Lautsprecher ihres Fernsehgeräts die Stimme Kurt Biedenkopfs, seinerzeit Ministerpräsident des - immerhin benachbarten - Freistaats Sachsen.

Auch durch Lappalien geraten gerade seriöse Sendungen immer mal wieder in schiefes Licht und süffisante Schlagzeilen - etwa wenn hinter "Tagesschau"-Sprecherin Susanne Daubner ein Putzmann in der Kulisse herumturnt, in einer Wissenschaftssendung ein Meerschweinchen dem Moderator auf die Hand pinkelt oder Wetterfee Claudia Kleinert nach einem logischem Lapsus ("Die Wolken kommen aus Osten und aus Westen") aus der Haut fährt ("Mensch gibt's denn das? Bin ich doof oder was?").

Tod eines Boxers und "Schalke 05"

Es gibt kaum Programmbereiche, in denen Unfähigkeit oder Schluderei nicht dann und wann zu medialen Rohrkrepierern führen; der Sport dürfte aber vermutlich mit an der Spitze der Statistik liegen. Beim letzten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich etwa blamierte sich der Schweizer Sender SF2 nach Kräften: Er blendete "Deutschland, Deutschland, über alles" als angeblichen Text der bundesdeutschen Nationalhymne ein - dabei ist offizielle Hymne die dritte Strophe des Deutschlandliedes ("Einigkeit und Recht und Freiheit").

Mutter alle Sportreporterpatzer ist wohl das legendäre "Schalke 05" von Carmen Thomas, der ersten Moderatorin des ZDF-Sportstudios. Eigentlich eine Petitesse, leider aber auch ein verbales Eigentor, das der Sache der Frau nicht unbedingt förderlich war. Die krasseren Fehler leisten sich aber immer noch Männer. Unvergessen, wie ARD-Sportreporter Waldemar Hartmann im vergangenen Jahr 7,5 Millionen Zuschauern den Tod von Box-Europameister Jürgen Blin verkündete, obwohl der sich bester Gesundheit erfreute. Waldis Kollegen Jörg Wontorra gelang es einmal, sich in seiner DSF-Sendung "Doppelpass" vor laufender Kamera ein Tablett mit fünf gefüllten Weißbiergläsern über den Anzug schütten zu lassen.

Tückisch kann Fernsehen werden, wenn Technik ins Spiel kommt - was sich bei diesem Medium kaum vermeiden lässt. Live-Fehlschalten oder falsche Maz-Einspielungen, defektes Studiolicht und Mikrofone mit Wackelkontakt sind Alltagsgeschäft für gestandene TV-Redakteure. Manchmal hakt allerdings auch nur die simple Mechanik - wie im September 1996, als die ARD ein brandneues Format für die Ziehung der Lottozahlen einführte. Als vor laufender Kamera die Gewinnzahl für die "Super 6" ermittelt werden sollte, blieb die Kugel einfach im Gerät stecken.

Und bei der Auslosung der dritten Hauptrunde des DFB-Pokals 1999 kamen bei der vorletzten Paarung plötzlich unbeschriftete Kugelhälften zum Vorschein - das fehlende Los des Regionalligisten Eintracht Trier fand sich später im Abfallbehälter wieder.

Fernsehen kann eben mitunter zum Kugeln sein.

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1.
Andreas Tang 24.06.2008
Vielen Dank für diesen erfrischenden Beitrag. Gerade solch kleine (und große) Patzer verleihen den perfekt und glatt wirkenden Nachrichtensendungen ein bißchen Menschlichkeit :)
2.
stefan saxer 24.06.2008
Und wenn wir schon dabei sind... der Schweizer Sender, der die falschen Untertitel einblendete heisst "SF2".
3.
Karsten Füllhaas 24.06.2008
Wer über die Fehler anderer schreibt, sollte selber Fehler vermeiden: Der fragliche Schweizer TV-Sender heisst SF2 und nicht TV2, wie Sie schreiben.
4.
Joachim Wendenburg 24.06.2008
wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Wo unter Hochdruck gearbeitet wird erst recht. Das passiert und amüsiert. Deshalb ist die Häme dieses Artikels unverständlich, das Vokabular wie "Unfähigkeit", "Schluderei" oder gar "Gau" und "Desaster" hetzerisch. Fazit: wer im Medien-Glashaus sitzt sollte aufpassen, dass es nicht demnächst bei ihm "menschelt".
5.
Alexander Koker 24.06.2008
"Statt Schwarz-Rot-Gold prangte neben dem kahlen Haupt von 'Tagesthemen'-Moderator Tom Buhrow eine seltsame Trikolore in den Tönen [...]" Wenn man sich auch nur für einen kleinen Moment die Abbildung zum Text ansieht, stellt man hoffentlich fest, dass Moderator Tom Buhrow mitnichten ein kahles Haupt hat.
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