Frühe Fotos von Robert Redford Herzensbrecher beim Abfahrtsrennen

Ein Hauch Hollywood in Tirol: Bei Dreharbeiten versetzte Robert Redford im Februar 1969 die Damenwelt von Kitzbühel in Aufruhr. Fotograf Hans Rudolf Uthoff stolperte rein zufällig in das Set und machte Aufnahmen des Schauspielers, der nur Monate später zum Mega-Star wurde. Von Johanna Lutteroth

Hans Rudolf Uthoff

Sie stand einfach da und lächelte. Ihren schweren Pelz trug sie mit lässiger Selbstverständlichkeit. Gebannt von ihrer Erscheinung griff Hans Rudolf Uthoff zur Kamera und begann zu knipsen. Durch reinen Zufall war der Fotograf 1969 in Kitzbühel mitten in den Dreharbeiten für den Hollywood-Streifen "Schussfahrt" gelandet und der bildhübschen Hauptdarstellerin Camilla Sparv über den Weg gelaufen. Fasziniert von ihr und dem Treiben am Set vergaß er für einen Tag, warum er eigentlich hierhergekommen war.

Eigentlich hatte Uthoff Landschaftsaufnahmen von dem Skiort machen wollen für den Bildband "Skiparadies Kitzbühel". Doch stattdessen mischte er sich unter die Filmcrew. "Ich habe sozusagen hinter der Kamera fotografisch gewildert", sagt Uthoff. Und das Beste: Niemand störte sich daran. "Überall durfte ich meine Nase hineinstecken", erinnert sich der Fotograf.

Entstanden ist eine hinreißende Fotoserie, die die Crew hautnah bei der Arbeit auf dem Berg zeigt. Das Charmante daran: Regisseur Michael Ritchie und Hauptdarsteller Robert Redford waren damals noch nahezu unbekannt und ließen sich vollkommen unbekümmert von Uthoff ablichten. So konnte er die entspannte und doch hochkonzentrierte Atmosphäre am Set authentisch einfangen. Erst ein halbes Jahr später sollte Redford mit "Butch Cassidy und Sundance Kid" seinen großen Durchbruch feiern und zum umjubelten Filmstar werden.

Das unwiderstehliche Redford-Lächeln

Auch Uthoff kannte Redford damals noch nicht. "Ich fokussierte mich auf ihn, weil er der Hauptdarsteller war", erinnert sich der Fotograf. Und weil er schon damals unverkennbar das Zeug zum Frauenheld hatte. Es ist das typische Robert-Redford-Lächeln, das einem auf den Bildern begegnet. Der souveräne, coole, gutaussehende Typ, der aber eben auch Kaugummi kaut und gelegentlich Blasen macht. "Das kann er besser als ich", erinnert sich Uthoff. "Wir haben aus Spaß einen kleinen Wettbewerb veranstaltet."

Redford spielte in "Schussfahrt" den US-Skirennläufer David Chappellet, der um jeden Preis olympisches Gold holen will. Es gelingt ihm zwar, doch der Triumph währt nicht lange: Chappellet muss bereits im Ziel erkennen, wie vergänglich der Ruhm ist. Gedreht wurde das entscheidende olympische Rennen auf der "Streif" in Kitzbühel, die als eine der schwersten und gefährlichsten Rennpisten der Welt gilt und seit jeher Ski-Fans fasziniert. Der Film fing die Strecke in atemberaubenden Bildern ein: Die Aufnahmen von der Strecke, die Redfords Stuntman Jay Joe Jalbert fahrend mit der Kamera am Mann aufnahm und die dem Film einen fast dokumentarischen Charakter verleihen, begeistern noch heute Wintersportler.

Im Zieleinlauf wartet Chappellets Geliebte Carole Stahl, gespielt von Camilla Sparv, inmitten der Menge der Zuschauer, die von Kitzbühler Komparsen gespielt wurden. Auch diesen Statisten schenkte Uthoff größtes Interesse und fing sie immer wieder in Bildern ein: Etwa den älteren Herren, der seinen Hund in der Tasche bei sich trägt, die Kinderskischule oder den einfachen Kitzbühler Bauern, der eigentlich nur durch den Hintergrund läuft und bei Uthoff auf einmal ganz groß zu sehen ist.

Redford verdreht den Damen den Kopf

Obwohl die Kritiker "Schussfahrt" als "besten Film, der je über Sport gemacht wurde", bezeichneten, war er wirtschaftlich betrachtet ein Flop. Er kostete 1,8 Millionen US-Dollar und spielte in den USA und Kanada gerade mal etwas über 1,9 Millionen US-Dollar ein. Eigentlich hätte Redford es ahnen müssen - denn von Anfang an war die Arbeit an dem Film mehr als holprig verlaufen. Paramount Pictures war schon 1966 an dem Stoff dran gewesen, hatte aber keinen Regisseur dafür begeistern können. Als schließlich Wunschkandidat Roman Polanski abgesprungen war, drohte das Projekt endgültig zum Rohrkrepierer zu werden.

Der einzige, der scheinbar uneingeschränkt für "Schussfahrt" gebrannt hatte, war Redford, der von Anfang an als Hauptdarsteller im Gespräch gewesen war. Um den Skifilm zu realisieren, hatte er schließlich selbst die Zügel in die Hand genommen - und dafür sogar die Hauptrolle in dem Horrorfilm-Klassiker "Rosemaries Baby" sausen lassen. Redford hatte es geschafft, eine junge, aber recht unerfahrene Truppe für sich zu gewinnen: Den Drehbuchautor James Salter und den Regisseur Michael Ritchie. Damit das Projekt ins Rollen kam, gründete Redford seine eigene Produktionsgesellschaft Wildwood, die er bis heute mit viel Erfolg betreibt. Paramount ließ den Debütanten vollkommen freie Hand, was zwar viele Vorteile hatte, aber auch einen gravierenden Nachteil: Genauso lax handhabte der Verleih den Vertrieb und das Marketing für "Schussfahrt", was ein wesentlicher Grund für den wirtschaftlichen Misserfolg war.

Obwohl Redford und der Rest der Crew damals also noch recht unbekannt waren, sorgte die insgesamt 80 Mann starke Crew in Kitzbühel doch für einigen Wirbel. Vor allem Redford, ob Star oder nicht, verdrehte den Damen mächtig den Kopf. Im Schlosshotel Münichau, wo ein Teil der Crew untergebracht war, sollen sich sogar die Kellnerinnen regelmäßig darüber gestritten haben, wer dem gutaussehenden Amerikaner das Essen bringen durfte.

Zum Hingehen:

Bis zum 19. April 2014 zeigt das Museum Kitzbühel die Sonderaustellung "Downhill Racer" mit Fotografien von Hans Rudolf Uthoff und Filmvorführungen.

Mehr Fotos von Hans Rudolf Uthoff:

- World Trade Center in den siebziger Jahren: "Im Bauch der Wundertürme"

- Historische Ruhrgebiet-Bilder: "Zwischen Zeche und Zechen"

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