Drehort Hakeburg Idyll mit Gleitbomben

Ein herrschaftliches Gutshaus, umgeben von Wald und See - gleich mehrfach diente die Hakeburg bei Berlin als idyllische Filmkulisse. Doch die Geschichte des trutzigen Bauwerkes im mittelalterlichen Stil ist weniger romantisch. Sowohl die Nazis als auch das SED-Regime missbrauchten den Ort.

Das burgähnliche Anwesen, die Hakeburg, liegt in Kleinmachnow, einem Ort südlich von Berlin.
Silvia Friedrich

Das burgähnliche Anwesen, die Hakeburg, liegt in Kleinmachnow, einem Ort südlich von Berlin.


Krankenschwestern mit weißen Schuhen rennen die Treppe hoch, während die Ehefrau eines Stasi-Majors, gespielt von Anna Loos, vor dem Eingang auf ihre Familie wartet. Sie hat einen Alkoholentzug hinter sich und darf endlich nach Hause. Vom Gebäude sind nur das sozialistische Einheitsgrau, Löcher im Putz und ein übergroßer Blumenkübel zu sehen. Mehr nicht. In der nächsten Einstellung lässt sich noch ein kleiner Blick in den Hof erhaschen. An welch historischem Ort diese kurze Sequenz der ARD-Serie "Weißensee" gedreht wurde, ist nicht zu erkennen.

Trotzdem lohnt sich ein Blick zurück. Denn die Geschichte des Gebäudes ist mindestens so spannend wie die Serie. "Von märkischem Walde umgeben, am silbrig glänzenden See", wäre einem Theodor Fontane sicher entschlüpft, hätte er dieses Gebäude erblickt. Doch als der Dichter die Gegend am südlichen Rande Berlins besuchte, existierte die sogenannte "Neue Hakeburg" noch nicht. Angetan vom Dörfchen "Machenow auf dem Sande" beschrieb Fontane zwar die idyllische Gegend im Bäketal rund um die Neue Hakeburg als "reizend gelegen". Doch viel mehr als eine Dorfkirche, eine Wassermühle und die alte Burg gab es damals in Kleinmachnow, wie es heute heißt, noch nicht.

Man findet die "Neue Hakeburg", die vom Stil her tatsächlich an eine mittelalterliche Burg erinnert, auf dem sogenannten Seeberg in Kleinmachnow. Auch wenn sie alt aussieht, ist sie für eine Burg relativ jung. Der Monumentalbau, dessen Erstbesitzer Dietloff und Auguste von Hake hießen, entstand zwischen 1906 und 1908. Die Familie von Hake war schon viele Jahrhunderte in Kleinmachnow ansässig. Ursprünglich stand das Herrenhaus der Rittergutsbesitzer mitten im Dorf und beherbergte die Großfamilie. Da die so genannte "Alte Hakeburg" dann aber doch zu eng wurde, gab Dietloff von Hake dem Burgenbaumeister Bodo Ebhardt 1906 den Auftrag, auf dem Plateau des Seeberges ein mittelalterlich erscheinendes Gebäude zu errichten.

Zur gleichen Zeit teilten die von Hakes den Grundbesitz auf und verkauften ihn zum Teil. Das spülte Geld in die Kasse und erlaubte einen großzügigen, repräsentativen Neubau. Das Schloss bot mit seinem Innenhof, Terrassen, Stallungen, Garagen, Angestelltenwohnungen, einem Torbau, einer Gärtnerei, Sportplätzen, Bootshaus und Wildgatter allen nur denkbaren Luxus, den der Adel damals gern zur Schau stellte.

Doch schon bald überstiegen der überbordende Lebensstil und die Erhaltungskosten der Anlage das Budget des frisch gebackenen Burgherren. 1936 musste er das Gebäude und 44 Hektar Land verkaufen. Das Schloss diente fortan als Wohnsitz des Reichspostministers Wilhelm Ohnesorge, der in unmittelbarer Nachbarschaft ein gigantisches Forschungslabor für kameragesteuerte Gleitbomben, Abhörtechnik und Radargeräte errichten ließ.

1948 kam die SED in den Besitz der Hakeburg und richtete dort die "Parteischule Karl Marx" ein. Für den Normalbürger war das Areal fortan nicht mehr zugänglich. Lediglich die Hoffnungsträger der DDR durften die berühmte Kaderschmiede betreten. Jahre später nutzte Ost-Berlin das Gebäude als Gästehaus für hochkarätige Politiker wie Michail Gorbatschow, Fidel Castro und Yasir Arafat.

Nach der politischen Wende diente die Hakeburg regelmäßig als Drehkulisse, etwa für die ZDF-Telenovela "Wege zum Glück". Wer will, kann hier die alte Zeit Revue passieren lassen und in Gedanken dem märkischen Dichter zustimmen: Zeit ist Balsam und Friedensstifter.



insgesamt 8 Beiträge
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Volker Altmann, 18.09.2012
1.
?Sowohl die Nazis als auch das SED-Regime missbrauchten den Ort? Ohne Sympathie für eine der beiden Organisationen zu hegen, frage ich mich, worin der Missbrauch bestand. Zu beiden fallen mir da wesentlich schlimmere Dinge ein, als ein Wohnsitz für den Reichspostminister oder eine Parteischule der SED. Wenn Sie schreiben, dass ab dem Zeitpunkt der Nutzung als Kaderschmiede das Gelände nicht mehr frei zugänglich war, muss dort ja zu Zeiten der von Hakes und des Reichspostministers ein buntes Treiben geherrscht haben. Durfte zu diesen Zeiten die Dorfbevölkerung auf dem Gelände lustwandeln? Aktuell wird die Hakenburg von einer Event-Gesellschaft genutzt, der freie Zugang dürfte also auch aktuell so seine Schwierigkeiten mit sich bringen. Aber immerhin ? die Werbung ist angekommen.
Silvia Friedrich, 20.09.2012
2.
"frage ich mich, worin der Missbrauch bestand." KZ Häftlinge eines Außenlagers mussten dort Horrordienste leisten. Und fragen Sie mal Opfer der SED Zeit, wie angstbesetzt das Terrain war. Dieses Haus war auch Sinnbild für den Polizeistaat der DDR Ob man zu Zeiten derer von Hakes und des Nazipostministers dort herum laufen konnte, weiß ich nicht. Heute jedenfalls kann man. Zu jeder TAges und Nachtzeit.
Volker Altmann, 20.09.2012
3.
Vielen Dank für Ihre Antwort, Frau Friedrich. Sie haben es als Wohnsitz des Reichspostministers bezeichnet. Was auch korrekt ist. Von Frondiensten war in Ihrem Bericht nichts zu lesen. Dies bezieht sich ganz offensichtlich auf die Forschungsanstalt, die weiträumig an dieses Gebäude angrenzte. Leider fehlen mir da ein paar erklärende Worte in Ihrem Bericht. Durch meine Recherche im Internet habe ich jetzt in Erfahrung gebracht, dass der Herr Postminister auch intensiv den Bau einer Atombombe gefordert hat. Über Frondienste in seiner Anstalt habe ich nichts gefunden. Aber es ist leider durchaus denkbar, dass dort ? wie an so vielen anderen Orten ? Menschen zur Fronarbeit verdammt wurden. Vielleicht können sie da Näheres in Erfahrung bringen? Frau Friedrich, wenn Sie in Ihrem Bericht von Missbrauch sprechen, denke ich da nicht an eine Schule ? auch nicht, wenn es sich um eine Kaderschmiede handelt. Warum muss ich Opfer der SED nach der Hakenburg befragen? Wenn Sie in einem Bericht bestimmte Zustände erwähnen, wäre es für den geneigten Leser schon einfacher, wenn Sie Ihre Behauptungen auch untermauern würden. Es ist nicht so, dass ich Ihnen nicht glaube. Aber Sie rauschen sozusagen im Eilzug durch die Geschichte, geben ein paar Stichworte von sich ? und der Leser bleibt verwundert zurück. Fragen bleiben immer offen, wenn man man interessiert einen Artikel gelesen hat. Und es ist ja auch interessant, anschließend eigene Nachforschungen zu betreiben. Aber bei der Kürze Ihres Berichts wäre schon noch Raum für ein wenig mehr an Information gewesen.
Constanze Ferrari-Bergstein, 28.09.2012
4.
Constanze Ferrari-Bergstein, 28.09.2012
5.
Die Landeszentrale fuer Pol. Bildung Brandenburg hat übrigens ein Heft zur Geschichte der Hakeburg veröffentlicht: http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/hakeburg.pdf
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