Dwight D. Eisenhower "Nichts akzeptieren außer vollständigen Sieg"

1944 stürmten seine Soldaten die Normandie und halfen, Hitlers Reich zu stürzen. General Dwight D. Eisenhowers Triumph begeisterte die Amerikaner - die ihn prompt zum Präsidenten wählten. Im Oktober 1890 wurde der Kriegsheld geboren.

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Von Andreas Spinrath


Gegen drei Uhr in der Nacht griff Dwight D. Eisenhower zu Stift und Papier. "Mit unseren Landungen im Gebiet von Cherbourg-Havre haben wir es nicht geschafft, einen ausreichenden Brückenkopf zu bilden", schrieb er auf einen kleinen Zettel. Der amerikanische General bereitete sich auf eine Niederlage vor, obwohl der Kampf noch gar nicht richtig begonnen hatte.

Erst kurz nach Mitternacht waren die ersten alliierten Fallschirmjäger über der französischen Normandie abgesprungen, Tausende sollten ihnen in den nächsten Stunden folgen. Es war der Beginn der "Operation Overlord", der Landung der Alliierten in der Normandie.

An diesem 6. Juni 1944 stürmten rund 150.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien, Frankreich und anderen Nationen die Strände der deutsch besetzten Normandie - während Oberbefehlshaber Eisenhower weit weg vom Kampfgeschehen in seinem gepanzerten Wohnwagen im britischen Portsmouth mit ihnen bangte. An der Tapferkeit seiner Männer hegte er keinen Zweifel. Sollte die Invasion scheitern, sei dies "allein meine Schuld", notierte Eisenhower auf dem Zettel.

Er sollte ihn nicht brauchen. Am Ende des Tages war klar: Die Invasion war gelungen. Damit erreichte der 53-jährige Eisenhower den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Doch er sollte sie noch fortführen - 1952 wurde er zum 34. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

"Sendet sofort acht Coca-Cola-Anlagen"

Der Mann, den die Amerikaner wegen seines breiten Grinsens lieben lernen sollten, wurde am 14. Oktober 1890 als David Dwight Eisenhower in Texas geboren. Bald stellte seine Mutter seine beiden Vornamen zu Dwight David um. Zusätzlich nannte sie ihn "Little Ike" - was ihn in der Kurzform "Ike" sein Leben lang begleiten sollte.

Eisenhowers Geschichte ist die eines Durchschnittsamerikaners aus dem Mittleren Westen, der es bis ins Weiße Haus brachte. Seine Familie war streng religiös, der Vater Besitzer eines Molkereigeschäfts, die Mutter eine Pazifistin und leidenschaftliche Sammlerin von Geschichtsliteratur. Der junge Eisenhower vertiefte sich ausgerechnet in die Seiten über Kriegsgeschichte und besuchte später die Elite-Militärschule West Point. Dort spielte er im Football-Team und machte 1915 seinen Abschluss als Offizier. Im selben Jahr lernte "Ike" seine künftige Frau Mamie Geneva Doud kennen.

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Dwight D. Eisenhower: Kriegsheld, Golfer, Westernfan

Der joviale Offizier war bald ein begehrter Organisator. Im Ersten Weltkrieg leitete er die Ausbildung der ersten amerikanischen Panzerbesatzungen in Camp Colt. Mit dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg avancierte Eisenhower schnell zum ranghohen General. 1942 kommandierte er die Landung alliierter Truppen in Nordafrika. Eines seiner ersten Telegramme aus Marokko: "Sendet sofort acht Coca-Cola-Anlagen. Eisenhower!"

Sein britischer Offizierskollege Bernard Montgomery, der ebenfalls Truppen in Nordafrika kommandierte, spottete: "Bis zur Landung in Nordafrika hatte er noch keinen scharfen Schuss gehört und noch niemals Truppen im Kampf geführt." Doch der kettenrauchende "Ike" bewies "Monty" sein strategisches Geschick. Gemeinsam schlugen sie das Afrikakorps des deutschen Generalfeldmarschalls Erwin Rommel, genannt der "Wüstenfuchs". Berauscht vom Erfolg wettete Eisenhower mit dem Briten um fünf Pfund, dass der Krieg bis Weihnachten 1944 zu Ende sein würde.

"Chruschtschow ekelt mich an"

Diese Wette sollte er verlieren. Erst im Juni 1944 konnten die westlichen Alliierten die Front in Frankreich eröffnen - mit ungewissem Ausgang. "Ich würfelte mit dem Schicksal", erinnerte sich Eisenhower später im SPIEGEL-Gespräch. Aber das Glück war ihm hold. Seine Truppen überwanden den deutschen Atlantikwall und marschierten ins Deutsche Reich ein.

Nach Kriegsende umwarb die Demokratische Partei den hochdekorierten Offizier. Angebote, 1948 als ihr Präsidentschaftskandidat anzutreten, schlug Eisenhower jedoch aus, vertrieb sich die Zeit mit Golfen und wurde später der erste Oberkommandierende der Nato-Streitkräfte in Europa.

Bald überlegte Eisenhower es sich anders. Unter dem Slogan "I Like Ike" forderten Menschen im ganzen Land seine Kandidatur für das höchste Staatsamt. Seinen Anhängern ging es weniger um konkrete politische Inhalte, mehr um das Vertrauen in den alternden Kriegshelden. Der krisenerprobte "Ike" sollte als eine Art Vater der Nation fungieren. Gegen diese Sympathieoffensive konnte sich Eisenhower nicht wehren. Von beiden Parteien umworben, entschied er sich am Ende für die Republikaner und stürzte sich in den Wahlkampf. 1952 wählten ihn über 35 Millionen Amerikaner zum Präsidenten.

Die US-Bevölkerung erwartete von Eisenhower Frieden - und vor allem ein Ende des Krieges zwischen Nord- und Südkorea, in den die USA seit 1950 verwickelt waren. Noch vor seinem Amtsantritt reiste er im Dezember 1952 an die Front. Im Juli 1953 kam es zum Waffenstillstand; eine trügerische Ruhe sollte sich über Eisenhowers Präsidentschaft legen. Die Wirtschaft florierte, Eisenhower versuchte, Konflikte auf geheimen Kanälen oder in diplomatischen Runden zu lösen.

So hatten es die Wähler von dem alten Mann erwartet - einer, der das Land sicher hält. Dabei drohte die Sowjetunion die USA technologisch zu übertrumpfen. 1957 schickten die Sowjets den ersten Satelliten "Sputnik" ins All. Später empörte sich der friedfertige Eisenhower über den aggressiven Sowjet-Staatslenker: "Ich bin milde. Es ist widerwärtig. Chruschtschow ekelt mich an."

"Der große Kreuzzug"

Auch im Präsidentenamt änderte "Ike" wenig an seiner gewohnten Freizeitgestaltung, heuchelte kein Interesse an Hochkultur, ließ im Kino des Weißen Hauses Western laufen. Bereits im Wohnwagen, der ihm 1944 als mobile Kommandozentrale diente, hatten sich die Western-Romane neben seinem Bett gestapelt. Intensives Aktenstudium lag ihm nicht. Eingaben seiner Untergebenen akzeptierte er nur bis zu einer Länge von einer Seite.

Nach einer Wiederwahl 1956 schied Eisenhower 1961 schließlich aus dem Amt, mit 72 Jahren. Sein Büro im Weißen Haus bezog ein vergleichsweise jugendlicher Präsident: John F. Kennedy von den Demokraten. Doch "Ike" sollte seinen 1963 ermordeten Nachfolger überleben und starb am 28. März 1969 an Herzversagen in einem Krankenhaus in Washington, D.C.

"Ikes" Zeilen für den Fall einer Niederlage am D-Day waren da längst berühmt. Sein Adjutant Harry C. Butcher hatte den Zettel in der Geldbörse des Generals gefunden und später in einem Buch veröffentlicht.

An diesem wichtigsten Tag seiner Militärlaufbahn hatte Eisenhower bei den Soldaten vor der Invasion einen anderen Ton angeschlagen: "Ihr steht kurz davor, euch auf den Großen Kreuzzug einzuschiffen, auf den wir so viele Monate hingeeifert haben. Die Augen der Welt sind auf euch gerichtet", begann der General. Und machte klar, was er von seinen Männern erwartete: "Wir werden nichts akzeptieren außer einen vollständigen Sieg!"

Sie sollten ihn nicht enttäuschen.



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Bernd Walter, 14.10.2015
1. Randfigur
Mr.Eisenhower war von Anfang bis Ende des WW2 nur auf Neben-Kriegsschauplätzen unterwegs,Htler wurde von der Sowjetarmee gestürzt.
Mathias Völlinger, 14.10.2015
2. Zumindest...
...die goldenen Jahre von Forschung und Technik. Ohne Erbsenzählerei.
Peter BAuerbach, 14.10.2015
3. Tragisch
Wie der Name schon sagte ist Eisenhauer Deutscher Abstammung, tragisch, dass er ausgerechnet gegen das Land seiner Urgroßväter in den Krieg zog.
Mathias Völlinger, 15.10.2015
4. @1. Bernd Walter
Hallo Herr Walter. Grüße nach Moskau. Vergessen Sie in Ihrem Kommentar aber auch nicht, die massivsten Waffenlieferungen aus USA an die SU zu erwähnen, sowie die "logistischen" Unterstützungen durch die westalliierten Luftwaffen gegen die nazistische Militärindustrie.
Uli Schauer, 15.10.2015
5. @ Peter BAuerbach: Tragisch? Richtig!
Als Demokrat ist man verpflichtet, Nazis und Rassisten zu bekämpfen. Da geht es nicht um ein Volk, sondern um die Haltung der Menschen! Deutschland war unter Hitler und seiner Nazibande ein Verbrecherstaat und musste mit allen Mitteln bekämpft werden - so wie es auch viele deutsche Exilanten zu Recht getan haben, wenn sie das Glück hatten, rechtzeitig vor den Nazischergen zu fliehen.
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