Erstaunliche Bilderserie Das Rätsel des roten Ford Taunus

Erstaunliche Bilderserie: Das Rätsel des roten Ford Taunus Fotos
Andreas Möller

Über Jahrzehnte hat ein Autofan jeden Schnipsel zu seinem Traumwagen gesammelt - und dabei einen skurrilen Fund gemacht: Auf mehr als 20 Ansichtskarten aus den Niederlanden, Belgien und Dänemark entdeckte er ein und denselben roten Ford. Wie kann das sein? Und wo ist das Auto heute? Von

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Eigentlich ist es nur ein Stapel vergilbter Ansichtskarten: Es sind idyllische Aufnahmen, die den Betrachter auf eine Zeitreise in die sechziger Jahre mitnehmen. Sie zeigen Landschaften und Stadtansichten wie aus einem Bilderbuch. Da sind Backsteinkirchen zu sehen, kleinstädtische Einkaufsstraßen und romantische Hotels in ganz unterschiedlichen Orten in den Niederlanden, Belgien und Dänemark. Da sind Männer mit Schiebermützen und Kinder in Ringelshirts.

Aber da ist noch etwas: Auf jede Karte hat sich ein und derselbe knallrote Ford Taunus mit Hamburger Kennzeichen verirrt.

Diese erstaunliche Entdeckung hat einestages-Leser Andreas Möller gemacht, der seit mittlerweile 25 Jahren jeden Schnipsel zum Ford Taunus 12m P4 sammelt. Seit er den Wagen 1987 als 19-Jähriger am Straßenrand in seiner Heimatstadt Herford zum ersten Mal sah, ist er von dem Modell fasziniert, das zwischen 1962 und 1966 im Kölner Ford-Werk gebaut wurde. Das Design des Zweitürers zog ihn sofort in den Bann, ein anderes Auto kommt für ihn seither überhaupt nicht mehr in Frage. "Es gibt schönere Wagen als den 12m P4, aber bei mir hat es damals sofort klick gemacht."

Schon wenige Monate später kaufte sich Möller vom Angesparten aus seinem Zivildienstsold für 2.500 D-Mark den ersten Ford Taunus 12m.

Doch das reicht ihm längst nicht mehr: Inzwischen besitzt er verschiedene Modelle seines Lieblingswagens. Über eine Sammlerbörse im Internet hat der 44-Jährige sogar Dutzende Postkarten erworben, auf denen sein Traumauto abgebildet ist. "Betriebsanleitungen, Prospekte und alles andere über den Wagen hatte ich ja schon", sagt Möller. Zu Hause hat er ein eigenes Zimmer, in dem er die Erinnerungsstücke sammelt. "Auf der Jagd nach neuen Motiven mit dem Taunus habe ich Wochen im Internet verbracht - sehr zum Leidwesen meiner Frau." Der Sammler erinnert sich: "Irgendwann habe ich mir die Ansichtskarten dann mal mit der Lupe angeschaut, und da fiel mir auf, dass derselbe Wagen immer wieder abgebildet ist."

Nummernschild HH-KX 942

Auf mehreren Postkarten parkt das Auto ganz allein inmitten der Natur. Auf einem Bild steht außerdem der Kofferraum des Wagens einen Spalt offen. "Ich gehe deshalb davon aus, dass der rote P4 dem Fotografen gehörte, der vermutlich gerade eben noch seine Ausrüstung aus dem Fahrzeug geholt hat", sagt Möller. Anders ist diese Häufung wohl auch kaum zu erklären. Der Fotograf hat das Auto offenbar gezielt eingesetzt, um in seine Bilder einen markanten Farbklecks zu setzen.

Die Postkartenmotive wurden wohl Ende der sechziger Jahre zumeist in den Niederlanden und in Belgien aufgenommen. Auf der Rückseite sind die Orte vermerkt, an denen die Aufnahmen gemacht wurden. Egal ob an einem Kanal in Delft, vor einer Kirche in Oostduinkerke oder in einer nächtlichen Einkaufsstraße in Zandvoort - stets ist der knallrote Ford im Bild. Der war ursprünglich wohl mal weiß und wurde irgendwann umlackiert. "Auf einer Karte ist zu erkennen, dass eine Tür von innen unterhalb des Fensters noch in der alten Farbe gehalten ist", erzählt Möller.

Er will den Halter des roten Ford Taunus mit dem Nummernschild HH-KX 942 ausfindig machen. Seine Hoffnung: "Allein mit den wenigen Postkartenmotiven kann der Fotograf nicht reich geworden sein. Er muss also noch mehr Bilder gemacht haben, auf denen vielleicht auch der Wagen zu sehen ist. Die will ich haben."

Doch die Hamburger Zulassungsbehörde hat alle Daten aus der damaligen Zeit vernichtet. Daher fragen wir die einestages-Leser: Kennt jemand den Fotografen aus Hamburg oder weiß, wo sich der Wagen heute befindet?

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insgesamt 41 Beiträge
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1.
Dragisa Dugic, 19.02.2013
Name und Anschrift des Halters bis mind. Ende 2001 sind mir bekannt
2.
viktor bucher, 19.02.2013
-finde das manchmal fast penetrant wirkende ins-Bild-setzen d roten Auto überflüssig weil störend bzw. wirkt der Kübel nachkoloriert?
3.
Hans Reinhardt, 19.02.2013
Nichts besseres zu tun als einer alten Ford-ruine nachzusteigen ? Hoffentlich werde ich als Rentner nicht auch so.
4.
Peter Lebensmittel Zeitung, 19.02.2013
Leider keinen Hinweis, aber das muß ich loswerden: Wirklich eine schöne Geschichte! Und wie leer und ruhig die Straßen damals noch waren, als ein Auto noch ein echtes Statussymbol war und die Individualmotorisierung noch ganz am Anfang stand. Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht.
5.
Peter Herzog, 19.02.2013
der Halter muss ein Hamburger sein der das Tor zur Welt sucht: viel Glück!
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