einestages sucht Ihre Geschichte Wo waren Sie, als die Mauer gebaut wurde?

einestages sucht Ihre Geschichte: Wo waren Sie, als die Mauer gebaut wurde? Fotos
dpa

50 Jahre wäre die Mauer im August alt geworden, hätten nicht mutige DDR-Bürger sie 1989 niedergerissen. Aber sie stand lange genug, um das Leben von Millionen Menschen zu prägen - oder zu zerstören. einestages sucht Ihre Geschichte und fragt: Was verbindet Sie mit dem Mauerbau? Wie haben Sie die Tage um den 13. August erlebt?

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In der Nacht des 13. August 1961 stand Karl Burkhof auf einem Bürgersteig im Berliner Bezirk Tiergarten und war empört. SED-Betriebskampfgruppen mauerten unter dem Schutz der DDR-Volkspolizei seine Stadt ein - und West-Berlin half ihnen auch noch dabei. Der Senat ließ die Bogenlampen am Brandenburger Tor einschalten. Das Mauern konnte weitergehen.

Wie Burkhof standen viele West-Berliner sprachlos da und schüttelten die Köpfe ob des epochalen Ereignisses, das die Welt schockierte. Und auch auf der Ost-Seite sollte nach diesem Sommertag vor 50 Jahren nichts mehr so sein wie früher. Familien wurden für immer getrennt und das Bauwerk, das die SED-Propaganda zum "antifaschistischen Schutzwall" verklärte, wurde für Millionen DDR-Bürger zum Gefängnis.

Der Tag im August veränderte auch die Welt der Politik. Der US-Diplomat William Smyser kleidete das, was in Berlin passiert, in dramatische Worte: "Die Hoffnung stirbt hier", sagte Smyser. Im einestages-Interview erinnerte er sich auch an eine Aussage des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. Eine Mauer sei besser als Krieg mit den Sowjets, habe "JFK" gesagt.

Liebe, stärker als Beton

28 Jahre stand die Mauer und damit viel kürzer, als es von der DDR-Staatsspitze erhofft und geplant worden war. Doch sie stand lange genug, um das Leben von Millionen Menschen zu prägen - oder zu zerstören. Wie das von Kurt Lichtenstein, dem ersten offiziellen Mauertoten. Oder das von Chris Gueffroy, dem letzten, der an dem unmenschlichen Bauwerk starb.

Doch manchmal schafften es selbst die meterhohen Mauern nicht, Menschen zu trennen. Das zeigt auch die berührende Geschichte des Ehepaares Helga und Wolfgang Aue - deren Liebe stärker war als Beton.

Was haben Sie erlebt mit der Mauer? Wo waren Sie am 13. August? Haben Sie als Grenzschützer gedient? Oder Menschen zur Flucht verholfen? Vielleicht sind Sie auch im Jahr des Mauerbaus geboren? Oder haben damals Fotos gemacht?

einestages sucht die Geschichten, die noch nicht erzählt sind. Berührende oder dramatische Berichte von Menschen, die dabei waren, als sich ein Land einmauerte.

Die Redaktion von einestages freut sich auf Ihre Erzählungen.

goe

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1.
Sebastian Annies 18.07.2011
Günter Liftin war das erste Maueropfer (ganz in der Nähe des Grenzübergangs Invalidenstraße 300m vom heutigen Hauptbahnhof entfernt), Kurt Lichtenstein ist später als erster an der innerdeutschen Grenze umgekommen.
2.
Bernhard Rais 18.07.2011
Ungerechtigkeit Ich hatte und habe keinerlei Beziehung zu den den neuen Bundesländern aber der Tag hat sich bei mir "eingebrannt". Ich war 12 Jahre alt und bei meiner Tante zu Besuch, als ich die Nachricht im Radio hörte. Spontan sagte ich, dass ich das ungerecht finde und dafür sorgen werde, dass die Mauer wieder eingerissen wird. Das Leben hatte anderes mit mir vor und ich habe keinen Beitrag dafür leisten können. Aber mich hat der Mauerfall persönlich sehr gerührt und ich bin heute noch stolz auf die Menschen, die dafür gesorgt haben. Mein Beitrag war nach dem Fall der, dass ich nach dem Fall die Ankömmlinge beim Roten Kreuz betreut habe. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht auf Freiheit und auf Glücklichsein hat.
3.
Peter Oldenburg 18.07.2011
Ich war in einem Kinderheim in der Rhön. Uns wurde abends erlaubt die Fernsehnachrichten zu schauen, nachdem die Betreuer uns verständlich die Hintergründe des Geschehens erklärt hatten. Damals empfand ich Angst und Wut. Und hatte seitdem einen offensichtlich unerfüllbaren Wunsch: mich einmal von innen an das Brandenburger Tor anlehenen. Diesen Wunsch habe ich mir im Januar 1990 dann doch erfüllen können, mit einem dicken Kloß im Hals.
4.
Jürgen Schmierer 18.07.2011
Ich war damals pfadfinderisch hinten am Lemmenjoki (Lappland). Als wir in die Zivilisation zurückkamen, erfuhren aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nur phragmentarisch. In Stockholm fanden wir eine deutsche Zeitung und kriegten mehr mit. In Hamburg dann wurde uns klar(er), was da passiert war. Nach 5 Wochen wieder zu Hause in Stuttgart hatte meine Mutter nur Sorgen, ob ich wiederkomme, wegen 'der Russen' nicht wegen der Wildnis dort oben. Ich sehe seit Jahren diesen Mauerbau sehr kritisch, denn wir verschuldeten den mit; dennoch weinte ich im November 1989 vor Freude, als sie sich öffnete. Jürgen Schmierer.
5.
Peter Müller-Kania 18.07.2011
Wir verlebten die Ferien im August 1961 in Berlin-Lichterfelde. Meine Eltern und kleine Schwester aus Mecklenburg und mein Bruder und ich, minderjährige Lehrlinge, aus Hamburg. Das Missonsheim der Morgenländischen Frauenmission war dem mecklenburgischen Pastor und seiner getrennten Familie seit ein paar Jahren schon Ferien-Zufluchtsort. Berlin war -nachdem der Flüchtlingsstrom stark anschwoll- in der Zeit schon hermetisch abgeriegelt. Reisende aus der DDR konnten im Allgemeinen nur mit Sondererlaubnis direkt nach Berlin einreisen. Eine solche Sondergenehmigung hatte meine Schwester, die wir am Sonntag, dem 13. August -zusammen mit Ihrem Mann- aus Plau (Meckl.) erwarteten. Diese Sondergenehmigung wurde ihr von ihrem vorgesetzten Chefarzt (sie war im DDR-Gesundheitswesen beschäftigt) in Form einer Einweisung in die Charité, mit ihrem Mann als Begleitperson, ausgestellt. Der eigentliche Grund: Schwester und Schwager wollten ihr Zuhause verlassen und haben ihre Wohnungseinrichtung schon Wochen vorher weggegeben. Vom Mauerbau (zunächst ja als Stacheldraht-Absperrung) erfuhren wir in Lichterfelde, als wir aus dem Sonntagsgottesdienst kamen. Es war ein folgenreicher Schock: Meine Eltern, die mit zwei Koffern in die Ferien fuhren, standen vor der Entscheidung: Zurück oder Bleiben. Sie blieben, weil nicht klar war, ob die Familie sich anderenfalls jemals wieder sehen würde. Ost- und Westkirchen hatten vereinbart, Pastoren, die ohne Erlaubnis ihres Bischofs ihre Schäfchen verließen, nicht mehr in den Kirchendienst aufzunehmen. Eine dreijährige Odyssee begann, bis wieder Boden unter den Füßen war. Schwester und Schwager, die am 12. August in Ostberlin einreisten und dort übernachteten, wollten am Sonntagmorgen durchs Brandenburger Tor zu Fuß nach Westberlin, wo sie dann mit Bajonetts zurückgetrieben wurden. In ihrer fast leeren Wohnung zurückgekommen, machte sich schon die Stasi breit. So oft wir konnten, haben wir Schwester und Schwager besucht, was immer natürlich von den DDR-Behörden genehmigt werden musste. - Die Hoffnung, dass die innerdeutsche Grenze irgendwann mal fallen möge, hatte keiner von uns aufgegeben. Mein Vater erlebte den Mauerfall leider nicht mehr. Er starb in seinem Pensionierungsjahr 1980. Meiner Schwester aus Mecklenburg war es nicht gestattet, zu seiner Beerdigung zu kommen.
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