Erfinder Nikola Tesla Meister der Blitze

Feuerbälle rollten über seinen Körper, aus seinen Händen schossen Flammen, Millionen-Volt-Spannungen überstand er ungerührt: Mit scheinbar waghalsigen Mutproben beeindruckte der Erfinder Nikola Tesla seine Zeitgenossen - angetrieben von einer Demütigung, die er als junger Mann erlitten hatte.

Von

Corbis

Vielleicht würde es seine letzte Nacht auf dieser Welt sein. Aus diesem Grund überließ Nikola Tesla an diesem Abend im Oktober 1899 nichts dem Zufall. Ein schwarzer Mantel, Handschuhe und eine Melone hätten ihn zumindest zu einer schönen Leiche gemacht, sollte sein Experiment schiefgehen. Falls die rohe Gewalt der Elektrizität, die Tesla an diesem Abend in unvorstellbarer Intensität auslösen wollte, überhaupt identifizierbare Leichen zurücklassen würde.

Voller Erregung machte sich der Erfinder auf den Weg zu seinem Labor nahe der Stadt Colorado Springs im US-Bundesstaat Colorado. Hier erwartete ihn bereits sein Assistent. Bei dem "Labor" handelte es sich indessen um nichts mehr als eine Art Scheune, aus deren Mitte ein gewaltiger Mast aus Eisenrohren bis in eine Höhe von fast 50 Metern emporwuchs. Gekrönt von einer großen Holzkugel, umwickelt mit Kupferfolie.

Im Inneren des Labors befand sich Teslas Ausrüstung für seine Versuche, darunter ein wahres Monstrum: ein Transformator mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern und einer Höhe von nicht ganz drei Metern - die Spule konnte mehrere Millionen Volt erzeugen. Künstliche Blitze sollten in dieser Nacht aus der Kugel an der Turmspitze die Dunkelheit erhellen. Teslas Ziel: Er wollte beweisen, dass Energie drahtlos übertragbar ist.

Der Hexenmeister

"Jetzt! Schalter schließen!" rief Tesla. Sein Helfer gehorchte. Der Boden vibrierte, als die Elektrizität durch die Spule schoss. Ein blaues Licht flutete die Bretterbude - und oben am Mast knisterte es. Der Assistent bekam es mit der Angst zu tun. Warum stoppte Tesla, der das Schauspiel von außen bewunderte, das Experiment nicht endlich? Doch Tesla stand einfach nur da, gebannt, fasziniert. Wie ein Hexenmeister beobachtete er, wie gewaltige Blitze, fast 50 Meter lang, aus dem Mast schossen.

Noch in 20 Kilometer Entfernung war der krachende Donner zu hören. Plötzlich jedoch war der Zauber vorbei. Am Telefon fuhr Tesla die Männer im Elektrizitätswerk an; er wollte wissen, was los ist.

"Sie haben unseren Generator aus dem Netz gehauen - er steht jetzt in Flammen!", lautete die Antwort. Colorado Springs versank in Dunkelheit.

Magier der Elektrizität

Es war nicht das erste spektakuläre Schauspiel, das der Erfinder Nikola Tesla gab. International genoss er bereits einen Ruf als Magier der Elektrizität. Für die High Society in New York inszenierte er in seinem Labor an der Fifth Avenue im wahrsten Sinne des Wortes spannungsgeladene Vorstellungen. Elegant gekleidet stieg er - ähnlich einem Zirkusdirektor - für alle Anwesenden gut sichtbar auf eine Plattform. Dann leitete er Millionen Volt in die Plattform, bis Blitze und Feuer aus seinen Händen schossen und die elektrischen Entladungen seinen Leib scheinbar knistern ließen.

Manch Zuschauer ergriff bei dem Anblick die Flucht. Doch dann schaltete Tesla den Strom einfach ab - und verließ unverletzt die Plattform, noch etwas bläulich glühend, bewundert und angehimmelt von allen, die mutig bis zum Ende der Vorstellung ausgeharrt hatten. Was diese Aufführung möglich gemacht hatte, war der sogenannte Skin-Effekt. Hochfrequente Spannungen wandern dabei bis zu einer bestimmten Höhe über den menschlichen Körper, ohne sein Inneres zu schädigen. Tesla ließ auch Feuerbälle über seinen Körper rollen oder hielt Glasröhren, die in seiner Hand wie mit Zauberkraft plötzlich aufleuchteten.

Der gut aussehende Mann mit perfekt sitzender Frisur und energischem, selbstbewussten Blick wusste die Menschen zu bezaubern. Was ihm diese Gabe verlieh, war sein Wissen um die Elektrizität.

Heureka!

1875, mit 19 Jahren, hatte der in Kroatien als Sohn serbischer Eltern geborene Nikola Tesla ein Studium an der Technischen Hochschule Graz begonnen. Damals gehörte die Region zu Österreich-Ungarn. Die Elektrizität wurde seine Leidenschaft, doch erst die abschätzige Bemerkung eines Professors wurde zu seiner wahren Herausforderung.

Der Professor hatte seinen Studenten eine neuartige Erfindung vorgeführt: Die Gramme-Maschine, einen dynamoelektrischen Motor, der mit Gleichstrom betrieben wurde. Tesla nahm den Apparat in Augenschein - und erkannte ein Manko: Die Gramme-Maschine sprühte Funken und verschwendete damit maßlos Energie. Gleichstromgeneratoren produzieren Strom durch einen fixierten Magneten und eine im Geräteinneren rotierende Spule. Schleifende Kontakte nehmen den Strom an der Spule ab - und die Funken fliegen. Warum nicht einfach auf Wechselstrom umsteigen, fragte Tesla seinen Professor.

Dieser wies den ansonsten brillanten Studenten in die Schranken: "Herr Tesla mag große Dinge leisten, doch dies wird ihm niemals gelingen."

Gekränkt verließ Tesla die Hochschule und schlug sich mit verschiedenen Jobs durch. "Wie ein Blitz", würde er später sagen, durchschoss ihn nach Jahren die Lösung, während eines Spaziergangs 1882 im Budapester Park.

Die Idee: Der Magnet im Inneren des Motors musste sich drehen und erzeugte in den äußeren Spulen Strom. Da der Strom nun im äußeren Teil des Generators entstand, musste er nicht länger durch Kontakte abgenommen werden, die Funken werfen. Um den Motor nicht ruckeln zu lassen, verwendete man zwei versetzt asynchrone Stromkreise, so dass die Pole Plus und Minus ständig wechselten - der Motor würde auch mit Wechselstrom rundlaufen.

Kämpfer im Stromkrieg

Geld brachte der Geistesblitz Tesla zunächst nicht ein. Für ihn waren die "letzten 29 Tage des Monats die härtesten", wie er einmal beklagte. 1884, mit 28 Jahren, schiffte er sich schließlich nach New York ein. Und landete dort gleich mitten in einem Stromkrieg.

Die Unternehmer Thomas Alva Edison und George Westinghouse trugen den Kampf Gleichstrom gegen Wechselstrom aus. Mit der Elektrifizierung der Welt war ein Vermögen zu machen: Jeder wollte Strom, für das eigene Heim, zur Straßenbeleuchtung, für Fabriken.

Tesla kämpfte fortan an der Seite von Westinghouse, denn dieser hatte seine Patente erworben. Für den Wechselstrom sprachen zudem gewichtige physikalische Argumente: Gleichstrom ließ sich nicht verlustarm über längere Entfernungen transportieren, Wechselstrom in hoher Spannung aber schon. Tesla erhielt daher reihenweise Patente für neue Wechselstromgeräte.

Edison hingegen, immer verzweifelter, griff tief in die Schmutzkiste. In öffentlichen Veranstaltungen ließ er Hunde und Katzen auf metallenen Platten elendig mit Stromstößen töten - um zu beweisen, dass Wechselstrom gefährlich war.

Tesla hielt dagegen. Er machte sich selbst zum Objekt derartiger Vorführungen. Gegen so viel "Magie" hatte Edison keine Chance.

Geplagt von Phobien

Zum Bild des exzentrischen Magiers gehörten dabei auch die zahllosen Ticks des großen Erfinders. Tesla litt sein Leben lang an Phobien: Die Vorstellung, das Haar anderer Menschen zu berühren, ließ ihn schaudern. Frauenohrringe waren ihm ein Graus - vor allem wenn sie aus Perlen bestanden. Der Geruch von Pfirsichen verursachte ihm Übelkeit; und eine Mahlzeit konnte er nur zu sich nehmen, wenn er zuvor den Kubikraum berechnet hatte, den seine Nahrung einnahm.

Vor allem aber hatte es ihm die Zahl 3 angetan. Tesla wusch sich dreimal die Hände, ging dreimal um den Häuserblock, bevor er ein Gebäude betrat, und brauchte stets 18 Servietten, wenn er allein im Restaurant speiste. Denn auch Zahlen, die durch 3 teilbar waren, hatten es ihm angetan.

Aus Geld machte sich Tesla hingegen nicht so viel. Als Menschenfreund wollte er etwa ein weltumspannendes Energienetz errichten - stieß damit aber bei potentiellen Investoren auf Ablehnung, die ihre Probleme damit hatten, dass sich jeder Mensch daran umsonst bedienen können sollte. Ihm selbst schwatzte Westinghouse, den er für einen Freund hielt, eine Vertragsveränderung auf, wonach Tesla nur eine lächerliche Einmalzahlung erhielt statt einer Lizenzgebühr für all die Millionen Wechselstromgeräte, die auf seinen Patenten beruhten.

Seine treuesten Begleiter blieben seine Marotten. Bis an sein Lebensende blieb Tesla ihnen treu. Verarmt und allein starb der Meister der Blitze am 7. Januar 1943 in einem New Yorker Hotelzimmer. Es trug die Nummer 3327 - 3 mal 3 mal 3 gleich 27. Natürlich im 33. Stock.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Matthias May, 28.10.2013
1.
Gleichstrom kann man nicht transformieren. Deshalb musste man die Gleichspannungsnetze mit geringer Spannung und hohen Ströme betreiben. Bei nur 110V waren sehr hohe Ströme notwendig. Mit der heutigen Technik wird wieder vermehrt Gleichstrom für die Energieübertragung eingesetzt. Dies ist effizienter als Wechselstrom weil es keine Verluste durch Induktion und Skinneffekte gibt.
Dorian Stinghe, 28.10.2013
2.
Wenig Fakten und auch Teilweise falsche Aussagenen wie z.B. das er in eienem Stromkrieg geriet- er zettelte ihn mit an um genau zu sein. Naja nicht gerade Tesla-Würdig dieser Artikel. Schade da dieser Mann einen gewaltigen Beitrag für unser Leben geleistet hat und nie die Anerkennung bekommt die ihm zusteht. Noch heute lernt man über Edison mehr in der Schule als über Tesla obwohl dessen Beitrag bei weitem grösser war. Dorian Stinke
Klaus-Martin Bitter Solutions, 28.10.2013
3.
Was, zum Teufel, ist ein Kubikraum, den Tesla vor dem Essen berechnen musste? Eine neue Höllenmaschine, die er erfunden hat? Ich wette, der Schreiberling hat in der Schule in Physik eine "6" und muss sich ausgerechnet diesem Thema widmen!
Wilhelm Schul, 28.10.2013
4.
Der Artikel enthält zahllose Ungenauigkeiten und Entstellungen. Wikipedia: "1933 erklärte sich die Westinghouse Company bereit, Tesla einen monatlichen Betrag für seine beratenden Tätigkeiten zu zahlen. Am 1. Januar 1934 zog er in das Hotel New Yorker. Am Ende seines Erfinderlebens zog er sich mehr und mehr zurück und beschäftigte sich unter anderem um 1935 mit ?Strahlenkanonen?. Tesla wurde am Morgen des 8. Januar 1943 im Alter von 86 Jahren im Hotel New Yorker vom Personal tot aufgefunden;" Die billigsten Zimmer im New Yorker kosten noch heute 218 Dollar. Der lebte wie Lindenberg im Atlantic. Er war also durchaus nicht verarmt. Er hatte sich nur Zeit seines Lebens aus Geld nie viel gemacht. Er war auch als Mensch ein Solitär. Ganz anders als Edison, der ähnlich wie Gates ein genialer Vermarkter war.
Johannes Bachmann, 28.10.2013
5.
Wegen einer flapsigen Bemerkung seines Professors schmeißt Tesla sein Studium hin und verlässt die Hochschule. War er wirklich so ein cholerischer Hitzkopf oder ist die Geschichte einfach nur Kokkelores ?
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