Erfindung des Seitwärts-Smiley Ich bin :-)

Erfindung des Seitwärts-Smiley: Ich bin :-) Fotos
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Der Informatiker Scott Fahlman suchte 1982 ein Symbol, um Witze im Uni-Netz kenntlich zu machen. Nach tagelangen Debatten mit Kollegen erfand er das erste Emoticon, den :-). So lacht das Netz heute noch. Nur in Japan grinst man anders.

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Scott Fahlman forscht seit knapp 30 Jahren an der Carnegie Mellon Universität: künstliche Intelligenz, neuronale Netze, Spracherkennung. Doch weltweit bekannt ist der 59-jährige Informatiker für drei simple Zeichen, die er 1982 in ein paar Minuten zum ersten Seitwärts-Smiley kombinierte. Den :-) schlug er eines Mittags als Lach-Symbol vor, am Ende einer tagelangen Debatte über Humor und Physik-Experimente zwischen Informatikern in einem Onlineforum seiner Universität.

Es begann mit ein paar Informatikern, die sich über Physik-Experimente lustig machten. Einer phantasierte über diese absurde Versuchsanordnung: Eine Kerze brennt an einem Wandhalter in einem Fahrstuhl, ein Tropfen Quecksilber liegt auf dem Boden. Die Frage: "Das Fahrstuhl-Kabel reißt - was passiert mit dem Quecksilber?"

Die Informatiker witzelten weiter. Das Experiment habe wohl tatsächlich ein Physiker gemacht, der linke Fahrstuhl in ihrem Gebäudetrakt sei "mit Quecksilber verseucht", es gebe auch "leichte Brandschäden". Ein Witz. Doch den verstand nicht jeder damals, 1982. "Hier handelt es sich nicht um ein tatsächliches Problem", stellte ein Informatiker knochentrocken fest und mahnte, viele Leute hätten das ernst genommen.

Informatiker diskutieren über Humor

Und dann begann eine sehr profunde, sorgfältig argumentierte, extrem engagiert geführte und heute unglaublich komisch zu lesende Debatte über das richtige Symbol für Humor im Netz, wo man damals nur Text zur Verfügung hatte, um sich auszudrücken. Zwei Tage lang diskutierten die Wissenschaftler.

Nach etlichen Vorschlägen (vom Sternchen bis zum Und-Zeichen) stellte Scott Fahlman am 19. September lakonisch fest: "Ich schlage die folgende Zeichen-Sequenz als Witz-Symbol vor: ":-)". Lest es seitwärts. Und dann ein kleiner Seitenhieb auf die Humordebatte: "Es wäre angesichts des aktuellen Trends vielleicht ökonomischer, ernstgemeinte Beiträge zu markieren."

Fahlmans Vorschlag war so bestechend, dass er sich nicht nur an der Carnegie Mellon Universität durchsetzte. Einige US-Forschungsinstitute waren damals schon über das Arpanet vernetzt. So kam Fahlmans Seitwärts-Smiley an das Xerox-Forschungszentrum PARC in Kalifornien. James Morris - heute wie Fahlmann Informatik-Professor an der Carnegie Mellon Universität, schickte eine Nachricht an die Kollegen dort. Betreffzeile: "Kommunikations-Durchbruch".

Die Inflation der Grinse-Zeichen

Morris erklärte das Funktionsprinzip ausführlich: "Wenn man den Kopf seitwärts dreht, sieht man ein lachendes Gesicht." Und er begann schon, neue, auch Quatsch-Smileys zu erfinden. (:-) zum Beispiel, für "Nachrichten, die sich mit Fahrradhelmen beschäftigen."

Mit diesem Fahrradhelm-Smiley begann die Inflation der Seitwärts-Gesichter. Schon bald entwickelten sich die Seitwärts-Smileys von einem Symbol für den Kontext einer Nachricht, einem Behelfs-Ersatz für die damals in der Online-Kommunikation nicht vorhandene Mimik zum Spielzeug.

Emoticons für Fledermäuse (^^°-°^^) und Raucher (:-Q) entstanden. Scott Fahlman hat da nie mitgemacht, sagt er SPIEGEL ONLINE: "Die komplizierten Text-Smileys habe ich nicht gesammelt. Aber schön, dass das zu einem so unterhaltsamen Hobby für manche Menschen geworden ist."

Japan grinst anders

Die Symbole werden heute weltweit verstanden und benutzt. In Japan allerdings gibt es ein konkurrierendes Zeichensystem. Ein Lächeln sieht dort so aus: (^_^). Die wesentlichen Unterschiede der japanischen Emoticons: Sie müssen nicht seitwärts gelesen werden und sie drücken den Gefühlszustand stärker über die Augen aus. Die werden häufiger variiert.

Trauer sieht zum Beispiel so aus: ó_ò. Gleicher Mund - andere Augen. Der Psychologe Masaki Yuki von der Hokkaido University hat die Gründe für diese Abweichung untersucht. Bei Experimenten legte er amerikanischen und japanischen Studenten Fotos und Emoticons vor, bei denen Mund oder Augen variiert wurden. Seine Ergebnisse: Japaner versuchen die Stimmung einer Person eher an den Augen zu entschlüsseln, Amerikaner an der Mundpartie.

Die Invasion der gelb blinkenden Grinse-Monster

Heute sind die Emoticons allgegenwärtig. In jedem Chat-Programm tauchen sie als meist animierte Minigrafiken auf - da gibt es Hundeaugen, Flaggen, Yin-Yang-Symbole. Langsam stirbt der textbasierte Seitwärts-Smiley aus - Programme wie Microsoft Word wandeln sie sogar automatisch in Grinse-Grafiken um.

Fahlman kann die meist gelben, blinkenden Monster-Grinser der Chat-Programme nicht ausstehen: "Ich hasse diese animierten Grafiken, die manche Firmen hundertfach ausspucken. Das macht doch den ganzen Spaß kaputt." Er sieht sie aber nicht zu oft. Der Informatiker chattet nicht: " Ich ziehe E-Mails vor, da kann man darüber nachdenken, was man schreibt. Außerdem tippe ich nicht schnell genug."

Aber die gelb-blinkenden Monster-Smileys der Chat-Programme sind auch nicht für Informatiker gedacht. Sie sollen den Massengeschmack treffen, schließlich ist das Web vom elitären Medium zu einem der Massen geworden. Und blinkende Grinse-Grafiken scheinen besser anzukommen als reine Text-Symbole.

Der Internet-Konzern Yahoo (bietet knapp 100 Emoticons in seinem Chat-Programm) rühmt sich, dass mehr als die Hälfte seiner Kunden in einer Umfrage angegeben haben, täglich solche animierten Emoticons nutzen. Fahlman selbst beschränkt sich in E-Mails nur auf die beiden Zeichenfolgen, die er vor 25 Jahren erfunden hat. "Ein paarmal am Tag tippe ich ein :-) oder ein :-(."

Etwas länger haben Fahlmanns klassische Seitwärts-Grinser in Handy-Kurznachrichten überlebt. Inzwischen machen zwar immer mehr Telefone aus den Zeichenfolgen animierte Symbole - doch längst nicht alle. Und so sieht man heute noch in vielen Nachrichten einen Doppelpunkt und eine geschlossene Klammer lachen. Nur Informatik-Professor Scott Fahlman nicht. Denn er benutzt Mobiltelefone nicht: "Ich schreibe und lese lieber an einem Computer mit einem großen Bildschirm und einer ordentlichen Tastatur." ;-)

Konrad Lischka

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 06.08.2007

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
Ronald Kunz, 30.10.2007
Ich habe mal eins für Frank Zappa erfunden: :-(- Habs nie gebraucht.
2.
Christian Stüben, 01.05.2008
Es gibt aber nicht nur die Smileys, sondern auch noch die Arschies ... http://www.kleinurl.de/krempel/arschies.aspx Zwar aus der gleichen Gattung wie die Smileys und Emoticons, aber dennoch nicht gerne gesehen, weil böse, politisch unkorrekt, hinterhältig.
3.
Ernst Pelzing, 29.06.2009
Papier-Witzgut in den 60ern und 70ern Herbes, auf der Schreibmaschine bzw. mit Zeichenstift in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrunderts zu Papier gebrachtes Wort- und Zeichenwitzgut war der Vorläufer des heutigen profusen digitalen Bildschirm-Humors. Es ging um Themen wie Alkohol, Arbeit und Beruf, Chefs, Frauen, Personal, Hauptschule, allzu Menschliches, Stellengesuche, (Spiegel-) Zitate etc. Die Multi-Kulti-Gesellschaft als Zielscheibe der Lachnummer einschlägigen Witzgutes war erst im Entstehen begriffen. Ein kleiner Ausschnitt aus dem, was seinerzeit auf die Humor-"Schüppe" genommen wurde, mag genügen, um an diese Zeiten zu erinnern. Ernst Pelzing
4.
Jochen Schräder, 03.02.2012
Hallo zusammen, man sollte auch an Harvey Ball denken der 1963 für seine 1959 gegründeten Werbeagentur den ersten Smily entwirft. Zu weiteren Informationen schaue man einfach unter http://de.wikipedia.org/wiki/Smiley nach. Gruß Jochen
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