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100 Jahre Panamakanal Teddys Traum

Eröffnung des Panamakanals 1914: Teddys Baggerträume Fotos
AFP/ Library of Congress

Die Franzosen waren am Bau des Panamakanals gescheitert, doch US-Präsident Roosevelt ließ Berge versetzen, Moskitos bekämpfen - und zettelte sogar eine Revolution an, um das Mammutprojekt im August 1914 zu vollenden. Von

Der Tag, an dem Präsident Theodore Roosevelt, Spitzname Teddy, sich wie ein kleiner Junge fühlt, ist ein warmer Tag im November des Jahres 1906. Roosevelt steht am Culebra Cut, einem 95 Meter hohen Felsmassiv in Panama, an der Grenze zwischen Atlantik und Pazifik. Der Präsident trägt einen Tropenanzug und auf dem Kopf einen Hut aus Bast. Roosevelts Augen starren mit faszinierter Ungläubigkeit auf die riesige Dampfmaschine, die sich vor ihm in den Fels gräbt.

Obwohl seine Berater ihm abraten, klettert der Präsident auf die Maschine, auf der karibische Arbeiter sitzen. Er ignoriert alle Sicherheitsbedenken und testet selbst den Löffelbagger, fachsimpelt mit den Arbeitern. Abends telegrafiert der Präsident noch immer ganz begeistert an seinen Sohn: "Die riesigen Dampfbagger sind mächtig am Werk; sie schaufeln Massen von Fels und Schotter und Erde auf. Sie fressen sich stetig in den Berg hinein und tragen ihn immer weiter ab."

Roosevelt ist mit seinem Schiff "Mayflower" zur Besichtigung der Bauarbeiten am Panamakanal gekommen. Es ist seine erste Auslandsreise, und alle auf dem Schiff bemerken eine seltsame Wandlung: Der Präsident mit dem sonst so strengen Blick hinter der akkuraten Brille schwärmt plötzlich vom Regenwald, er bewundert Baumaschinen und Arbeiter. Der Kanal wird sein Spielplatz. Er verliebt sich in die gigantischen Ausmaße des Bauwerkes, in Technik, Logistik und den beinahe militärischen Drill, mit dem die Amerikaner hier unten alles regeln. Roosevelt ist früher mit seinem Vater viel gereist, er ist ein Outdoortyp, Haudegen und Cowboy, alles, was er in Washington nicht leben kann, wird hier wahr.

Weltmeere vereinen

Sieben Jahre später löst ein Telegrafensignal aus Washington eine gigantische Sprengung aus und fegt den letzten Sperrdeich in Panama fort. Weltmeere zusammenführen, die Gott getrennt hat, das gefällt Roosevelt. Umso enttäuschter ist er am 15. August 1914, als der Dampfer "Ancon" mit 200 Personen an Bord den fertigen Panamakanal eröffnet und kaum eine Zeitung Notiz davon nimmt.

Gerade ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Die Journalisten schauen auf die Orte, an denen sich der Konflikt entzündet. Roosevelt aber denkt an seinen Besuch am Culebra Cut: Was war das für ein Kanal! Gebaut, um nicht den gefährlichen Weg um das berüchtigte Kap Hoorn nehmen zu müssen. Nun sparte man mit dem Schiff rund 15.000 Kilometer, ungefähr zwei bis drei Monate Seereise.

Was den Präsidenten insgeheim noch mehr freute: Die Franzosen hatten sich am Panamakanal schon die Zähne ausgebissen. Der smarte Graf Ferdinand de Lesseps war bereits 1880 angerückt. Er hatte 17 Kinder gezeugt und den Suezkanal gebaut. Diesem Mann, der Autodidakt und zudem 74 Jahre alt war, trauten die Menschen in Panama alles zu. Doch Lesseps wusste nicht, welche Tücken ihn erwarteten. Malaria, Gelbfieber und die feuchte Hitze ließen seine Arbeiter dahinsiechen, sieben Männer starben im Schnitt pro Tag. Täglich fuhr ein Leichenzug in den Dschungel. Man wusste kaum, wo man noch Grabkreuze aufstellen sollte.

Lesseps wollte den Kanal ohne Schleusen bauen. Als das nicht funktionierte, beauftragte er Gustave Eiffel in Paris mit dem Bau von Schleusen, doch da war es schon zu spät. Die Kosten für den Kanal waren explodiert, kurzfristig versuchte man mit einer Lotterie zur Finanzierung gegenzusteuern. Doch das Ganze endete im Fiasko. In Frankreich löste der Kanalbau eine wahre Gesellschaftskrise aus, denn Kleinsparer, die in die Lotterie investiert hatten, waren pleite. Rund 22.000 Mann hatte das Unternehmen insgesamt das Leben gekostet. Lesseps gab auf.

Insektizid und Weihwasser

Und dann kam er ins Spiel: Roosevelt hatte das Drama bei den Franzosen eine Weile interessiert beobachtet. 1902 kaufte er die französische Konkursmasse auf. Für 40 Millionen Dollar. Baumaschinen und Bauruinen waren dabei. Schon zuvor hatten die Amerikaner mit Kolumbien über eine Wasserstraße verhandelt. Die Gespräche mit den Kolumbianern verliefen zäh, Roosevelt förderte kurzerhand eine Revolution der unabhängigen Provinz Panama. Flugs wurde der souveräne Kleinstaat Panama ausgerufen und von den Amerikanern anerkannt. Mit diesem Partner schloss er einen Vertrag, der den Amerikanern auf ewig die Souveränität über einen 15 Kilometer breiten und 81 Kilometer langen Streifen, die Kanalzone, sicherte. Ein cleverer Schachzug.

Doch auch die Amerikaner hatten mit Hindernissen zu kämpfen. So versuchten sie, die Mücken auszurotten, indem sie Insektizid in rauen Mengen versprühten. Roosevelts Leute erklärten jeder Wasserpfütze den Krieg, und die Arbeiter mussten drei Mal am Tag Chinin gegen Malaria schlucken. Weihwasser wurde bei den pingeligen Amis täglich gewechselt.

Durchstoß am Culebra Cut

Schließlich gelang es, die Malaria einzudämmen. Schwierig aber war auch der Durchstoß durch die Berge der kontinentalen Wasserscheide, der sogenannte Culebra Cut oder Gaillard-Durchstich. Der parallel zur Pazifikküste verlaufende Culebra-Bergrücken musste über eine Strecke von rund 13 Kilometern von rund 80 Metern Höhe auf zwölf Meter abgetragen werden. Die schwere Arbeit erledigten Schwarze aus Jamaika, Trinidad und Barbados.

Außerdem wurden drei riesige Doppelschleusen gebaut, deren Tore 730 Tonnen schwer waren. Künstliche Stauseen entstanden. Roosevelt prahlte später, dass er die Panama-Kanalzone, seinen privaten Abenteuerspielplatz, "mit sanfter Stimme und einem dicken Knüppel genommen" habe.

Der Kanal war schließlich 82 Kilometer lang. Gut 15 Stunden dauert die Durchfahrt, abhängig von Schiffsaufkommen und dem häufigen Nebel. Ein Schiff auf dieser Strecke darf maximal 294,3 Meter lang und 32,3 Meter breit bei einem Tiefgang von 12,04 Meter sein. "Panamax" ist heute eine Standardgröße in der Schifffahrt.

Jährlich rund 15.000 Schiffe durchfahren mittlerweile die Passage, ungefähr acht Prozent des Bruttoinlandproduktes verdient Panama mit der Kanalgebühr, die individuell berechnet wird. Am günstigsten war die Passage wohl für Richard Halliburton: Für 36 US-Cent durchschwamm der Reiseschriftsteller Anfang des vergangenen Jahrhunderts den Kanal.

Mehrfach kam es zu Unruhen in der von den Amerikanern kontrollierten Kanalzone. Vor allem Bewohner der Armenviertel, die den Kanal selbst miterbaut hatten, rebellierten. 1977 schließlich gelang eine Einigung, wonach die USA den Kanal Ende 1999 an den Kleinstaat Panama übergaben. Seit 2007 arbeitet man dort daran, noch größeren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.

Präsident Roosevelt aber hatte auf seiner Reise übrigens auch Modegeschichte geschrieben: Nach seinem Auftritt auf dem Löffelbagger wurde der Panamahut weltweit bekannt.

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1. war letzhin im
Georg Schmidt, 15.08.2014
TV auch unter den USA starben viele Arbeiter, die meist aus der Karibikinseln kamen, es gab eine strenge Einteilung.Gold war alles was Weissen zu kam, die Entlohnung-die Unterkunft usw, Silber gabs für die angeworbenen Arbeter, die 10cent die Stunde verdienten, den Ruhm mag zwar Roosevielt gebühren, aber ohne die Arbeiter, die sich durch die Berge wühlten, gäbs keinen Kanal, zudem hat der letzte Chef, ein ehemaliger US Army Ing, ei ziemlches hartes Regime geführt, aber egal, man hat den Kanal geschaffen, und zudem den Durchbruch zur Weltmacht geschafft, niemand anderes hätte den Kanal bauen können Schmidt Georg, Lollar !
2. Verharmlosung
Oscar Maddison, 15.08.2014
Panama war Teil Kolumbiens. Die USA fuhren Truppen und Kriegsschiffe auf, um Kolumbien gewalttaetig zu zwingen, Panama als eigenen "Staat" den USA zu ueberlassen. Der deutschstaemmige Aussenminister hatte ca. 20 Jahre zuvor erklaert, die USA werden ab sofort aggressiver ihre Ausenpolitik vertreten. Das bedeutete, fuer die USA war und ist Mittelamerika der dreckige Hinterhof, in dem die Gringos sich alles erlauben was ihnen gefaellt. Nachdem die Franzosen viele Fehler gemacht haben, haben die USA diese Fehler benutzt, um es anders zu machen. Sie waren nicht etwa besser, sie haben nur parasitaer benutzt was andere vor ihnen versuchten. Keinesfalls haben die USA nun etwa die Souveraenitat Panamas anerkannt. Im Gegenteil, rechts und links des Kanals gab es eine Kilometertiefe Zone, in der die US-Flaggen hingen (wo eine US Flagge ist, ist US-Land) und kein Panamese durfte es wagen, dort eine panamesische Flagge zu hissen. Diese war also geraubtes US-Land. Und das war gueltig 99 Jahre lang, bis die Staaten den Kanal abgeben mussten, also noch in heutiger Zeit. In der mit US-Haeusern bebaupten Kanalzone durften sich keine Panamesen aufhalten, es sei denn sie hatten eine Sondererlaubnis weil ¨sie Hausmaedchen oder Gaertner
3. @Herrn Sitzmann
Christoph Koch, 16.08.2014
Roosevelt, einen der besten US-Präsidenten, mit Putin zu vergleichen ist schon abwegig, ihr Vergleich ist aber auch inhaltlich und sachlich nicht begründet. Seit der Unabhängigkeit von Spanien 1821 hat Panama mehrmals erfolglos versucht, sich für staatlich unabhängig zu erklären, erstmals 1830. Präsident Roosevelt hat Panama zur Unabhängigkeit verholfen, aber nicht zum Staatsgebiet der USA annektiert. Nach dem Wörterbuch des Völkerrechts (1960) ist die Annexion (der Krim) der gewaltsame Gebietserwerb eines Staates (Russland) auf Kosten eines anderen Staates (Ukraine). Präsident Putin hat mit der Annexion der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen, das seit 1919 die Annexion von Territorien verbietet (Art. 10 Satz 1 der Satzung des Völkerbundes). Vergleichbar wäre damit z.B. eine Annexion von Ostpreußen an Deutschland. Richtig ist, dass die "Anzettelung einer Revolution" in einem Land nach der Charta der Vereinten Nationen von 1945 mittlerweile auch völkerrechtswidrig ist.
4. Demokratiespiel zur Förderung von Revolution in Panama
Reynaldo Bustamante, 16.08.2014
Die Unabhängigkeit Panamas ergab sich aus den geopolitischen Interessen der USA. Diese kolonialistische Einstellung hat es ja oft gegeben und besonders bei diesen kleinen Republiken; siehe CIA gegen die Sandinisten Nicaraguas mit der Verminung der Häfen, die Invasion des klitzkleinen Grenada, den Überfall auf Panama um Noriega rauszuholen, usw. Trotzdem ist der Panama Kanal für den Welthandel vorteilhaft. Dasselbe kann man wahrscheinlich bei einer Nicaragua-Alternative nicht behaupten und erst recht nicht wenn man sieht wie sich die ehemals völlig miettellose Ortega-Familie dabei noch mehr bereichern will.
5. panamahut
Oliver Burkhardt, 17.08.2014
anzumerken sei noch dass der Panamahut aus Ekuador kommt
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