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Kuriose Radarfallen-Fotos Vom Blitzer getroffen

Kuriose Radarfallen-Fotos: Vom Blitzer getroffen Fotos
DPA

Pferde überm Tempolimit, lebensmüde Jugendliche, Bundeskanzler im Geschwindigkeitsrausch: Seit 1959 bescheren Radarfallen deutschen Rasern jede Menge Ärger - aber auch so manches verrückte Foto. einestages zeigt die schrägsten Blitzer-Opfer. Von

Was zum Henker trieben die Polizisten da am Straßenrand? Mancher Autofahrer wird sich verwundert umgeschaut haben, als am 15. Februar 1959 Polizeibeamte an einer Straße zwischen Düsseldorf und Ratingen zwei große Kästen aus ihrem Wagen holten und sie auf Dreibeinen vor ihrem Transporter aufbauten. Was sollte diese sonderbare Apparatur, von der Kabel ins Wageninnere führten?

All nur jene, die mit überhöhter Geschwindigkeit an der Vorrichtung vorbeirasten, sollten es bald erfahren. Ein Stück weiter winkte sie nämlich ein Polizist heran und bat höflich aber bestimmt um Ausweis und Fahrzeugpapiere. Im Gegenzug bekam der ertappte Raser ein Beweisfoto, auf dem er das Heck seines Automobils samt Nummernschild bewundern konnte - sowie eine Geschwindigkeitsanzeige rechts oben in der Ecke, die sein Vergehen zweifelsfrei belegte.

Es war ein schwarzer Tag für alle deutschen Schnellfahrer - denn an diesem Februartag begann das Zeitalter der Radarfallen. Das Verkehrsradargerät VRG 2 der Firma Telefunken, das hier im Regierungsbezirk Düsseldorf zum ersten Mal in ganz Deutschland regulär zum Einsatz kam - und der Staatskasse schon allein an diesem Tag reichliche Einnahmen bescherte - sollte in den kommenden Jahren zum Schrecken der deutschen Raser werden.

Raserfang kinderleicht gemacht

Der Hersteller fand das natürlich alles andere als schrecklich: Als "zukunftssicher, genau, zuverlässig, vielseitig anwendbar" lobte Telefunken sein VRG 2, das mit rund 20.000 Mark nicht ganz billig zu haben war. Und auch die Presse war - ganz im Gegensatz zu vielen Autofahrern - voll des Lobes für die neuartige Art der Geschwindigkeitsmessung. "Unabhängig von den Beleuchtungsverhältnissen werden Wagen, Kennzeichen, Geschwindigkeitsanzeige und Verkehrssituation unter Ausschaltung aller menschlichen Fehlerquellen festgehalten", pries etwa die "Rheinische Post" die Blitzer-Box an.

Begonnen hatte diese technologische Revolution auf deutschen Straßen mit dem Wunsch nach mehr Verkehrssicherheit. Ende der fünfziger Jahre waren immer mehr Deutsche in immer schnelleren Autos unterwegs. Schließlich erreichte die Zahl der Verkehrstoten 1955 die traurige Ziffer von 15.000. Zwei Jahre später war deswegen bereits innerorts Tempo 50 eingeführt worden. Doch waren die Hilfsmittel der Polizei, Temposünder zu erwischen, eher kläglich: Mit Stoppuhren bewaffnet versuchten beispielsweise weit auseinander stehende Polizisten die Geschwindigkeit eines vorbeifahrenden Autos zu ermitteln. Und manchmal verfolgten sie Raser sogar mit dem Streifenwagen.

Das VRG 2 machte all dies viel einfacher: Die Beamten brauchten nur in ihrem Wagen sitzen, die Temposünder von dem Gerät "blitzen" zu lassen und den Raser einige Meter später anzuhalten. "Zum Bedienen und Ablesen ist nur eine einzelne Person erforderlich", schwärmte die Zeitschrift "Polizei-Verkehr-Technik" bereits 1958 über den damals noch kurz vor der Zulassung stehenden neuen Apparat. Den Rest erledigte das Gerät quasi von allein.

"Heimlich von hinten"

Bald blitzte es in ganz Deutschland. Begeistert von dem großen Erfolg der Kollegen im Rheinland orderten zahlreiche andere Städte und Bundesländer ebenfalls Radarfallen. Schnell merkten die Verantwortlichen, dass Radarfallen nicht nur der Verkehrserziehung und der Rettung von Menschenleben dienen konnten, sondern auch eine Menge Geld für die Staatskasse bedeuteten.

Ein Nebeneffekt, der den Hass vieler Autofahrer auf die Blitzgeräte schürte. "Die Rolle der Wegelagerer und Raubritter vergangener Zeiten als Bürgerschreck auf deutschen Straßen wird heute von der Polizei wahrgenommen" fasste einige Zeit nach dem Ersteinsatz der VRG 2 der SPIEGEL zusammen. "So wie einst Gesetzesbrecher, so liegen nun Gesetzeshüter, von Busch und Strauch getarnt, im Hinterhalt auf Lauer, um eilig passierenden Steuerzahlern, die in die Falle tappen, Geld abzunehmen." Passend zur Funktionsweise der VRG 2, die nur Heckfotos machte, titelte der Artikel: "Heimlich von hinten".

Mittlerweile blitzen die Radarfallen in der Regel "ehrlich" von vorne. Den Rasern wird es kaum ein Trost sein - aber wenigstens entstehen so mitunter kuriose Blitzer-Fotos: Etwa, wenn zwei Weihnachtsmänner mitten im Heiligabend-Stress erschrocken in eine Radarfalle rasen - oder wenn ein entlaufenes Pferd sich nicht ans Tempolimit hält.

Sehen Sie in der einestages-Galerie die besten, verrücktesten und lustigsten Blitzer-Fotos aus 55 Jahren deutscher Radarfallen-Geschichte.

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1.
Martin Falke Falke, 14.02.2014
Hier fehlt noch ein Blitzerfoto, wo ein Panzer vom "feindlichen" Radar erwischt wurde http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/panzer-17279915-mbhf-32891940/4,w%3D559,c%3D0.bild.jpg Der Kommandant des Panzer war mein Vorgesetzter beim Bund :D
2.
Andrea von Kopylow, 24.09.2015
Zu meiner Studienzeit haben Kommilitonen mal nachts um 2 oder 3 ein leeres Bierfass über die nahe große Ampelkreuzung gerollt. Es soll tatsächlich geblitzt haben, aber das Foto habe ich leider nie zu Gesicht bekommen!
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