Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Presleys erste Single Wie Elvis King wurde

Elvis Presleys Debüt-Single: Die Geburt des King of Rock'n'Roll Fotos
Corbis

Man kennt ihn als Sexsymbol, Rockstar, Lebemann im weißen Anzug. Aber wie begann 1954 eigentlich die Elviswerdung der Musikikone? Dank reinem Zufall - und einer Prise Rassismus. Von

Sam Phillips trommelte ungeduldig mit den Fingern auf seinem Mischpult. Es war bereits der zweite Abend in Folge, den der aufstrebende Musikproduzent für einen völlig unbekannten Sänger opferte. Für einen 19-jährigen Burschen mit schwarzem Hemd und schmieriger Haartolle, der ganz anständig singen konnte - mehr aber offenbar nicht. Auch Gitarrist Scotty Moore und Bassist Bill Black nippten an diesem Sommerabend genervt an ihrer Cola. Eigentlich hatten sie für ihre Band The Starlite Wranglers einen begabten Sänger gesucht, ihr Kandidat hatte sie bislang aber enttäuscht. Bislang.

Der Kandidat ließ den kollektiven Frust nicht an sich heran, blödelte rum - und schnappte sich kurzerhand eine herumstehende Gitarre. "That's All Right, Mama", sang er und improvisierte dabei den gleichnamigen Song des schwarzen Blues-Sängers Arthur Crudup, "that's all right for you…" Dann ergriffen auch Moore und Black ihre Instrumente, begleiteten den Sänger - bis Produzent Phillips den Kopf aus der Tür des Kontrollraums streckte: "Versucht, einen Anfang zu finden, und macht es noch einmal!" Sie spielten, und Phillips zeichnete es auf. Noch am Abend dieses 5. Juli 1954 soll der so entstandene Song erstmals im Radio zu hören gewesen sein: eine Minute und 53 Sekunden mit dem Gesang eines Teenagers, dessen Namen bald die ganze Welt kennen sollte: Elvis Presley.

Es war diese Szene, so geschildert von Elvis-Biograf Peter Guralnick in "Last Train to Memphis", in der aus dem Milchbubi Presley die Pop-Ikone Elvis wurde. Denn der Rockstar, der 23 Jahre später in Dekadenz und Ruhm versinken und viel zu früh sterben sollte, wurde erst durch diese Single überhaupt möglich. Das unerwartete Produkt jener Juli-Session in Memphis sollte sich als Urknall der Rockmusik entpuppen. Und als Startpunkt einer Jahrhundert-Karriere.

Mitschüler zerschnitten seine Gitarrensaiten

Dabei hatte das Leben des Ausnahmekünstlers so tragisch begonnen: Als Elvis Aaron Presley am 8. Januar 1935 im Städtchen Tupelo in Mississippi zur Welt kam, überlebte sein Zwillingsbruder Jesse die Geburt nicht. Zeit seines Lebens soll Elvis das Grab seines Bruders regelmäßig besucht haben - im Glauben, dass dessen Kraft auf ihn selbst übergegangen sei. Seine musikalische Begabung hatte er aber wohl weniger Jesse zu verdanken als einem Zufall.

Elvis war zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal eine Gitarre in Händen hielt. Und zwar wegen eines Tornados: Zu seinem Geburtstag im Jahr 1945 soll sich der kleine Elvis ein Fahrrad gewünscht haben. Seine Mutter Gladys plagte nach einem Wirbelsturm am Tag vor der Feier jedoch die Sorge, der Junge könne auf seinem Rad fortgeweht werden - ein Alternativgeschenk musste also her.

Zwei Tage später saß Elvis mit seiner neuen Klampfe in den Unterrichtspausen im Keller seiner Schule, klimperte munter darauf herum und sang dazu Songs aus dem Radio: Folk, Country, Blues - die Grundzutaten des Rock'n'Roll. Doch statt dem Zehnjährigen zuzujubeln, zerschnitten ihm Mitschüler die Saiten. Sie hätten es wohl gelassen, hätten sie gewusst, wessen Karriere sie da gefährdeten.

Elvis' Aufstieg zur Musikikone begann wenig später trotzdem: 1948 zogen die Presleys ins nur 60 Meilen entfernte Memphis, und doch in eine andere Welt. Ihr Sohn streifte nun in seiner Freizeit durch Immigrantenviertel und Straßen voller Bars, er hörte Italienisch, Russisch, Jiddisch - und viel Musik. Nicht weit entfernt von der Wohnung seiner Eltern lag auch jenes Haus, in dem sich sein Leben radikal verändern sollte: in der Union Avenue 706.

Ein gewisser Samuel Cornelius Phillips hatte dort zwei Jahre nach dem Umzug der Presleys mit seiner Assistentin Marion Keisker ein Plattenstudio eingerichtet. Im "Memphis Recording Service" nahm Phillips mit den Stars der jungen Rhythm-and-Blues-Szene Schallplatten auf. Das Geschäft lief, doch Sam Phillips hatte ein Problem, das er im vielleicht umstrittensten Satz der Rock-Geschichte zum Ausdruck brachte: "Könnte ich einen Weißen finden, der den Sound und das Feeling eines Schwarzen hat, dann könnte ich eine Million Dollar machen." Doch er fand nur Schwarze. Bis zum Juni 1953.

3,98 Dollar für die erste Aufnahme - plus Steuern

In diesem Sommer wurde ein 18-jähriges Einzelkind mit dunkelblondem Haar und pickeligem Gesicht auf Phillips' neugegründetes Label Sun Records aufmerksam: An einem Sonntagabend besuchte der Lastwagenfahrer Elvis Presley das Studio, unter dem Arm trug er eine billige Gitarre. Er wolle auf eigene Kosten ein paar Songs aufnehmen, sagte er Keisker und durfte sofort loslegen: Für 3,98 Dollar zuzüglich Steuern ließ sie ihn den Pophit "My Happiness" und die Schnulze "That's When Your Heartaches Begin" einspielen. Anschließend nahm der Nachwuchssänger die Aufnahmen direkt mit nach Hause. Zwar konnte er weder fehlerfrei Gitarre spielen, noch Noten lesen, doch Keisker machte einen Aktenvermerk: "Guter Balladensänger".

Im Januar 1954 stand Elvis wieder vor dem Mikrofon, diesmal saß Studiochef Sam Phillips persönlich am Mischpult. Die Session sollte allerdings dermaßen unbedeutend ausfallen, dass die Aufnahmen bis heute verschollen sind. Hobbymusiker Presley, der inzwischen seine charakteristischen Koteletten trug, bekam trotzdem eine weitere Chance: Am 26. Juni rief Keisker bei ihm an und fragte, ob er Zeit hätte. Den ganzen Nachmittag über versuchte Elvis sich am Song "Without You" - und scheiterte erneut. Trotzdem gab Phillips die Telefonnummer von Elvis an den Gitarristen Scotty Moore weiter, der einen Sänger für seine Band suchte.

Das war die große Chance.

Am 4. und 5. Juli probte die Gruppe mit Elvis, und wieder waren die Aufnahmen nicht berauschend - bis der 19-Jährige am zweiten Abend die Gitarre in die Hand nahm und sich spontan den Weg zum Jahrhundert-Musiker ebnete. "Als ich Elvis zum ersten Mal zuhörte, wusste ich, dass wir mit dem Talent in seiner Stimme sehr, sehr weit kommen könnten", sagte Phillips Jahrzehnte später in einem Interview. Und tatsächlich: Nachdem er die Presley-Aufnahme von "That's All Right, Mama" an den DJ Dewey Phillips weitergeleitet und der den Song in seiner Radioshow "Red Hot and Blue" gespielt hatte, überfluteten Anrufe den Sender: Unzählige Teenager wollten wissen, wer das Lied gesungen hatte.

Eine "sextraordinäre Persönlichkeit"

Elvis' Aufstieg war nun nicht mehr zu stoppen. Schon zwei Jahre später, nachdem Phillips den Vertrag mit dem Nachwuchstalent für 35.000 Dollar an die Plattenfirma RCA verkauft hatte, war der Rock'n'Roll zum Jugendkult und Millionengeschäft geworden - und Presley spätestens mit "Heartbreak Hotel" zum Idol einer Generation. Er war jetzt der "King of Rock'n'Roll" - für den SPIEGEL sogar eine "sextraordinäre Persönlichkeit".

Wahrscheinlich profitierte Elvis bei seinem Durchbruch auch von einer neuen Technik: Phillips ließ die Aufnahmen leicht zeitversetzt durch zwei Tonbandgeräte laufen und erzeugte damit ein wabbeliges Echo, den sogenannten "Slapback": Elvis' Stimme klang damit geradezu, als würde sie vor Emotionen vibrieren. In den kommenden Jahren sollte der Sänger diesen Effekt immer wieder einsetzen, indem er etwa viele Silben von "Blue Moon of Kentucky" möglichst abgehackt gluckste, statt normal zu singen. Künstler und Produzenten kopierten diesen Nachhall immer wieder, er wurde zum Markenzeichen des jungen Rock'n'Roll-Genres.

Elvis' Karriere war indessen nicht mehr zu bremsen und nahm nach seinem Militärdienst in der US-Army in den Sechzigerjahren noch einmal Fahrt auf. Mit körperbetonten Auftritten in Filmen und Fernsehshows wurde er zum Idol und stellte reihenweise Verkaufsrekorde auf. Als der 42-Jährige viele Jahre später am 16. August 1977 in seinem Badezimmer zusammenbrach und nach Jahren der Fresssucht, Tablettenabhängigkeit und Depressionen starb, endete eine einzigartige Musik-Ära. Wie genau diese mit einer spontanen Spielerei an einem Montagabend in Memphis begonnen hatte, war da noch gar nicht bekannt: Die "Complete Sun Sessions" mit den ersten Aufnahmen von Elvis Presley erschienen erst nach seinem Tod.

Artikel bewerten
3.8 (111 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Recherche ist alles....
Eva-Katharina Retkowski, 03.07.2014
oh man, den Artikel beim ersten Mal grob angelesen und beim Überfliegen schon leichte Brechreize bekommen... Das Ende sagt dann alles aus über den "Autor"... Elvis am 17. August 1977 zusammengebrochen... Ja, ja, todgesagte Leben länger... Elvis ist am 16.8.77 verstorben.... wofür braucht man derartige Artikel?
2. Tanzstil
Kai-Uwe Henker, 03.07.2014
Die Eingeweihten wissen natürlich, dass Elvis seinen hüftschwingenden Tanzstil bei Forrest Gump abgekupfert hat ;-)
3.
Gerd Kühlwein, 03.07.2014
Am 17. August im Badezimmer zusammengebrochen und am 16. August an Herzversagen gestorben. Donnerwetter, das kann nur der King!
4. That´s NOT alright, mama
Tom Sawyer, 03.07.2014
Zitat: "Im Januar 1954 stand Elvis wieder vor dem Mikrofon, diesmal saß Studiochef Sam Phillips persönlich am Mischpult. Die Session sollte allerdings dermaßen unbedeutend ausfallen, dass die Aufnahmen bis heute verschollen sind." Die beiden Songs "I´ll never stand in your way" & "It wouldn´t be the same without you" wurden bereits veröffentlicht, z.B. auf der CD "Sunrise". Und 1 1/2 Jahre vor Elvis´ Tod, im März 1976, erschien "The Sun Sessions", wo alle Sun-Aufnahmen zum erstenmal auf einer LP zu hören waren.
5. Na ja,,,,m,m,m,........
Siegfried Kropf, 03.07.2014
Ich bezweifle dass Elvis am 4. Juli 1954 mit einer Gruppe verschiedene Songs aufnahm. July 4th Unabhaengigkeitstag in U.S. ! Forget it ! Never !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH