Erster Super Bowl Von null auf Held in drei Sekunden

Er war die Niete der Saison und noch morgens schlimm verkatert - dann erzielte Max McGee 1967 den ersten Touchdown der Super-Bowl-Geschichte. Die kuriosen Momente des größten US-Sportevents.

Sports Illustrated/ Getty Images

Max McGee, 34, musste eine aufregende Nacht verbracht haben. Trotz Ausgangssperre war er erst frühmorgens um 6.30 Uhr wieder bei seiner Mannschaft. Ausgerechnet am Tag des Super Bowl. McGees Footballteam, die Green Bay Packers, trafen am 15. Januar 1967 in Los Angeles auf die Kansas City Chiefs. Und dieser Spieler kam betrunken zurück.

McGees Aufgabe: Als Wide Receiver sollte er die Pässe des Quarterbacks zum Touchdown verwandeln. Doch die ganze lange Spielzeit über hatte der Mann mit der Nummer 85 lediglich vier Pässe gefangen. Im wichtigsten Spiel der Saison war er daher nur Ersatz. Bis Boyd Dowler, Nummer 86, mit einer Schulterverletzung recht früh vom Feld musste - und Vince Lombardi, der heute legendäre Packers-Cheftrainer, McGee einwechselte.

Super Bowl 1967: Touchdown von Max McGee

Er war verkatert, er hatte den falschen Helm auf dem Kopf, er ließ gleich den ersten Ball fallen. Niemand im Stadion rechnete mit einem Glücksmoment. Dann aber schnappte sich McGee einen etwas zu kurz geratenen Pass mit einem Arm und trug den Football 37 Yards in die Endzone. So gelang ihm der erste Touchdown der Super-Bowl-Geschichte.

Danach gewannen die Green Bay Packers das Endspiel deutlich mit 35:10, und Max McGee war unsterblich - er hatte seinen Platz in der Sportgeschichtsschreibung der Vereinigten Staaten für immer sicher, from zero to hero. Denn American Football ist neben Baseball der Nationalsport und der Super Bowl längst ein Ereignis mit monströsen Ausmaßen. Um die 100 Millionen Menschen allein in den USA schauen die Übertragungen. Der Finaltag kommt stets einem Feiertag gleich.

"Wer zum Teufel ist Kansas City?"

Beim Super Bowl 1967 war alles noch ein paar Nummern kleiner. Erstmals standen sich die Sieger zweier rivalisierender Ligen gegenüber: die National Football League (NFL) und die jüngere American Football League (AFL). In der Offensive durften die Mannschaften jeweils das in ihrer Liga übliche Spielgerät nutzen. Der AFL-Football war schmaler als der aus der NFL.

Die Packers traten für die NFL an und waren deutlich bekannter als die Chiefs (AFL). "Das war unser viertes Meisterschaftsspiel, für uns also keine Neuheit", sagt Jerry Kramer, 81, damals Offensive Lineman der Packers. "Aber wir hatten keine Ahnung, wer zum Teufel Kansas City war. Wir hatten sie nie gesehen."

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Super Bowl: Schräge Momente der Football-Geschichte

Zwei Sender übertrugen das Spiel, im Stadion sahen offiziell rund 62.000 Menschen den ersten Super Bowl. 30.000 weitere hätten hineingepasst, aber viele kamen nicht, obwohl sie eine Karte hatten. Darunter sei auch sein Neffe gewesen, erzählt der frühere Spieler Jerry Kramer: "Das waren teure Tickets. Zehn Dollar das Stück." Als seine Familie nicht erschien, verschenkte er die Karten.

Heute ließe kaum jemand so einfach seine Karten verfallen, denn die werden zu Mondpreisen gehandelt. Bis zum Massen- und Milliardenprodukt war es ein langer Weg: Vor 50 Jahren kosteten 30 Sekunden TV-Werbung bei der Partie 42.000 US-Dollar. 2016 waren es bereits 167.000 Dollar - pro Sekunde.

Wenn nun am Sonntag die Atlanta Falcons gegen die New England Patriots antreten, zahlen Unternehmen für einen 30-Sekunden-Spot, extra für dieses Ereignis produziert, um die fünf Millionen Dollar. Und jeder Spieler des siegreichen Teams bekommt eine Prämie von 97.000 Dollar.

Nipplegate! Skandal!

Mitunter verblasst das Spiel gegenüber der spektakulären Halbzeitpause. Bis Anfang der Neunzigerjahre traten kaum bekannte Bands auf. Das änderte sich mit Michael Jackson in Pasadena (Kalifornien): 1993 ließ sich der "King of Pop" per Katapult auf die Bühne schießen und sang mit 3500 Kindern und reichlich Pathos die Hymne "Heal the World" - sein Auftritt gilt bis heute als beste aller Halbzeitshows.

Fortan bemühte sich die Liga um die Top-Stars der Musikbranche. Die Black Eyed Peas 2011 blieben für ihre miserable Performance in Erinnerung, Prince gelang 2007 ein musikalisches Feuerwerk. Beyoncé war schon zweimal dabei, zuletzt wies sie 2016 mit einem Song auf Polizeigewalt gegen Schwarze hin und hinterließ eine feministische Botschaft.

In der Nacht von Sonntag auf Montag tritt Lady Gaga ebenfalls bereits zum zweiten Mal beim größten Fernsehereignis des Jahres auf. Und viele Beobachter rechnen mit einem Eklat durch die Clinton-Unterstützerin, die bei den Proben ein Anti-Trump-Shirt trug. Die NFL soll ihr ein politisches Statement verboten haben.

Unvergessen blieb vor allem ein absichtliches Handspiel: als Justin Timberlake 2004 die leder- und metallbewehrte rechte Brust von Janet Jackson freilegte (siehe Fotostrecke). "Nipplegate"! Riesenaufregung! Seitdem wird der Super Bowl mit fünf Sekunden Verzögerung gesendet.

Viermal in Folge im Finale, viermal verloren

Auf "Nipplegate" folgten noch "Spygate" und "Deflategate", Skandale, die für Ärger unter den Teams sorgten. Aber auch die Werbespots waren nicht gerade arm an Aufregern. VW etwa brillierte 2011 mit dem Darth-Vader-Film "The Force" - und blamierte sich zwei Jahre später mit einem Spot, der eine kleine Rassismusdebatte auslöste.

Dieses Jahr erzählt die Budweiser-Werbung die Geschichte des Deutschen Adolphus Busch, der in den USA angefeindet wird ("Wir wollen dich hier nicht, geh zurück nach Hause!") und dennoch erfolgreicher Brauer wird - was den Furor gegen Trumps Einwanderungspolitik perfekt trifft und sich gerade rasant verbreitet.

Den Sport stellte die Show oft in den Schatten. Aber Football gespielt wurde stets auch noch. Die Profis erschufen Geschichten voller Sportheldentum und Ausgelassenheit, ebenso voller Enttäuschungen und menschlicher Abgründe. Zum Beispiel die Buffalo Bills, über lange Jahre eine der erfolglosesten und unbeliebtesten Mannschaften: Von 1991 bis 1994 erreichten sie stets das große Finale - verloren aber alle vier Partien.

Oder die Cincinnati Bengals: 1989 bemerkten sie 20 Minuten vor der letzten Teambesprechung, dass ihr Runningback Stanley Wilson fehlte. Man fand ihn schließlich auf der Toilette - völlig zugekokst. Oder Jim McMahon: Zwischen Ende der Saison 1984 und Anfang der Saison 1987 gewann Chicago immer, wenn er auf dem Feld stand. Vor dem Super Bowl 1986 hatte er sich das Hinterteil lädiert. Die ewige Fragerei nach seinem Po nervte ihn irgendwann so sehr, dass McMahon ihn beim Training vor versammelter Medienschar entblößte.

Sonnenplatz im Kanon des unnützen Wissens

Beim ersten Super Bowl 1967 war die Aufmerksamkeit noch viel geringer. Der Headcoach musste seine Green Bay Packers erst vorheizen: "Dies ist ein ernstes Spiel, und ich nehme es ernst - also solltet ihr es besser auch ernst nehmen", beschwor Vince Lombardi seine Männer. "Ich will, dass ihr stolz auf euren Beruf seid. Es ist ein toller Beruf."

Dennoch agierten die Green Bay Packers zu Beginn angespannt, wie auf Schlittschuhen. Erst Max McGees Touchdown löste die Verkrampfung. Die Chiefs blieben dran und hielten den Rückstand zur Halbzeit knapp (10:14). Danach packte die Packers-Defensive viel entschlossener zu, stieß immer wieder zum gegnerischen Quarterback durch und hinderte ihn an guten Würfen.

Packers-Quarterback Bart Starr brachte 16 seiner 23 Pässe an den Mann. Er durfte sich nach dem 35:10 über die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler freuen. Kansas City glückte in der zweiten Hälfte kein einziger Punkt mehr - aber McGee für die Packers ein weiterer Touchdown.

Max McGee starb 2007, als er sein Hausdach von Laub befreien wollte und stürzte. Der Mann, der 1967 damit rechnen musste, das Spiel auf der Ersatzbank zu verfolgen, werde "nun die Antwort auf eine der Fragen des unnützen Wissens sein: Wer erzielte den ersten Touchdown der Super-Bowl-Geschichte?", sagte Paul Hornung, McGees ehemaliger Teamkollege und Freund.

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Andreas Niklas, 03.02.2017
1. Naja
Es ist das größte Sportevent der USA aber nicht der Erde. Das ist nach wie vor die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gefolgt vom WM-Finale im Fussball. Und wenn man sich die Entwicklung anschaut wird in den nächsten Jahren auch das Champions-League Finale daran vorbeiziehen.
Sascha Raule, 03.02.2017
2. ... das größte ..... lächerlich
Nein, es ist nicht das größte Sportereignis der Welt. Über dies sich ständig wiederholende Aussage lacht sich jedes Fußball WM Endspiel schlapp!
Luis Wolf, 03.02.2017
3. Fußballer die Experten
Wir alle kennen die Fußballer die nichts von Sport verstehen (außer von Fußball ). Gut das sie darüber berichten. Der Super Bowl ist ein riesiges Sportevent und gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. Danke für diesen Bericht!
Thomas Reime, 03.02.2017
4. Der Fussball verliert an Bedeutung
Ganz einfach, weil es hier keine klaren Regeln gibt, was Nachwuchs, Sponsoring etc. angeht. Die Teams driften auseinander was die Qualität angeht, die Bonzenclubs sichern sich Rechte an hunderten Nachwuchsspielern, um sich die Rosinen rauszupicken. Fussball in Deutschland im TV nur für viel Geld via Pay TV. Der Gamepass der NHL kostete mich für die Saison 149€. Und während der Spielzüge wird keine Werbung eingeblendet wie von Sky dies mittlerweile wie selbstverständlich gemacht wird. Aber ja, die Amis feiern sich immer mehr als nötig. Aber der American Football ist perfekt inszeniert. Der Salary Cap macht es genau wie das Draftsystem möglich, das die Teams einigermassen gleiche Voraussetzungen haben. Da scheitert es dann am ehesten beim Coaching und Management. Wo ständen die Bayern, der BVB & Co., wenn es in der Bundesliga eine Begrenzung der Ausgaben geben würde und plötzlich alle Teams finanziell gleichberechtigt wären? Ja, wer Football nicht kapiert, mag es sowieso nicht. Wer sich mal 2-3 Minuten die Regeln anschaut und das Spiel verstanden hat, wird mehr als begeistert sein. Dann sind Tuchels "Taktikänderungen" etc. einfach nur noch "peinlich" unwichtig.
Bernd Sandmann, 04.02.2017
5. Sportsfreunde
Also ich mag beides, Fußball und Football. Wie überflüssig, diesbezüglich ideologische Grabenkämfpe auszutragen. Gleich kommt Bundeliga (geil!) und morgen der Superbowl (auch geil!).
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