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Karriere im Kalten Krieg Judenhasser auf dem Bischofssitz

Kalter Krieg: Karriere eines "eisernen" Gardisten Fotos
Getty Images

Im faschistischen Rumänien hetzte Viorel Trifa gegen Juden. In den USA machte er später eine steile Karriere in der Kirche - protegiert von J. Edgar Hoover. Bis seine dunkle Vergangenheit endgültig zum Vorschein kam. Von

"Es lebe Deutschland! Sieg Heil!", brüllten etwa zehntausend Mitglieder der faschistischen "Eisernen Garde", als sie am 20. Januar 1941 auf einem Protestmarsch an der deutschen Botschaft in Bukarest vorbeizogen. Ihr Zorn richtete sich gegen den rumänischen Staatsführer Ion Antonescu, der seinen von den Faschisten gestützten Innenminister wegen Unfähigkeit entlassen hatte. Am Tag zuvor war der deutsche Major Döring, Chef der Transportabteilung der deutschen Heeresmission in Bukarest, nahe seinem Dienstort erschossen worden.

Die "Eiserne Garde", auch Legion genannt, bildete seit September 1940 mit Antonescu die Regierung, war aber bereits seit Wochen mit ihm zerstritten. Bei den Kundgebungen tat sich vor allem der Führer des Studentenverbandes der Legion, der Theologiestudent Viorel Trifa, hervor. Die Demonstranten verteilten von Trifa unterschriebene Flugblätter. "Wir verlangen, dass das freimaurerische und verjudete Personal in der Regierung durch anderes ersetzt wird", war darauf zu lesen. "Wir verlangen eine legionäre Regierung."

Am 21. Januar begannen Schießereien zwischen Gardisten, die öffentliche Gebäude besetzt hielten, und Armeeangehörigen. Es kam zu Plünderungen jüdischer Geschäfte, etwa 120 Juden wurden bestialisch ermordet. Zwei Tage später ergaben sich die aufständischen Legionäre.

Asyl im KZ

Nachdem die Führer der Garde, darunter auch Trifa, im Haus des Bukarester SD-Chefs Otto von Bolschwing Unterschlupf gefunden hatten, flüchteten sie ins Deutsche Reich, wo sie politisches Asyl erhielten. Mit der Begründung, der Studentenführer sei einer der Urheber des Aufstandes gewesen und habe Kontakte zur sowjetischen Botschaft gehabt, wollte Antonescu ihm in Bukarest den Prozess machen. Die Reichsregierung verheimlichte jedoch ihrem Verbündeten, dass sich Trifa in Deutschland aufhielt.

Wie die anderen Legionsführer wurde Trifa zunächst in ein SS-Erholungsheim in Berkenbrück, einem Dorf 80 Kilometer östlich von Berlin, eingewiesen. Nach der Flucht des Legionärskommandanten Horia Sima nach Rom im Dezember 1942 wurden alle Gardisten in Konzentrationslagern inhaftiert. Nachdem Mussolini Sima an das Hitler-Regime überstellt hatte, kam der Kommandant in das KZ Sachsenhausen. Die übrigen Legionsführer wurden in das KZ Dachau verbracht, wo sie allerdings als "Ehrenhäftlinge" von den anderen Häftlingen getrennt waren, Taschengeld erhielten und aus der SS-Kantine verpflegt wurden. Als Antonescu im August 1944 in Bukarest entmachtet wurde, konnten die Legionäre das Lager verlassen.

Einige schlossen sich Sima an, der eine Exilregierung bildete. Nicht so Trifa. Er diente dem orthodoxen Bischof Visarion Puiu in Wien als Sekretär. 1945 wurde er Professor für Alte Geschichte an einer katholischen Hochschule in Rom. Fünf Jahre später emigrierte er in die USA und wurde 1952 Bischof der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Amerika, die sich von Orthodoxen Kirche Rumäniens abspaltete.

Freund der Feinde der Kommunisten

1955 durfte Bischof Trifa auf Vorschlag des damaligen Vizepräsidenten Richard Nixon das Eröffnungsgebet vor dem US-Senat sprechen. Trifa wurde Mitglied des Vorstands des Nationalrats der Kirchen in den USA und erhielt 1957 die US-Staatsbürgerschaft. 1970 wurde er schließlich Erzbischof der Rumänisch-Orthodoxen Diözese Detroit.

Wie hat der ehemalige Faschist das geschafft? Gegenüber der US-Einwanderungsbehörde gab er sich als "politischer Gefangener, inhaftiert von der Gestapo" aus. Die orthodoxen Gläubigen in den USA und Kanada nahm er durch seine theologischen Kenntnisse, seinen Fleiß und sein Redetalent für sich ein. Seine frühere Rolle als Agitator gegen das "verjudete" Rumänien verschwieg er.

In der erzkonservativen McCarthy-Ära erwarb sich Trifa Anerkennung. Denn die rumänisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft, die er führte, hatte sich vom Bukarester Patriarchat getrennt, das nach 1948 zunehmend ins kommunistische Fahrwasser geriet. FBI-Chef Edgar Hoover betrachtete ihn als "sehr wünschenswerten Teil der Landschaft" im Kalten Krieg. Männer wie er hielten Immigranten davon ab, mit kommunistischen Regierungen in ihren Heimatländern zu sympathisieren.

Als Erzbischof lange unangreifbar

Da schadete es auch nicht, dass die CIA 1953 in einem Dokument feststellte, der Geistliche sei einer der Anführer des Aufstands der "Eisernen Garde" im Januar 1941 gewesen. Rumänisch-orthodoxe Glaubensbrüder, die als Verbündete des Bukarester Patriarchats gegen das unabhängige Episkopat in Nordamerika ankämpften und Trifa einen "Kriegsverbrecher" nannten, fanden jedoch kein Gehör.

Der 1919 aus Rumänien in die USA eingewanderte jüdische Zahnarzt Charles Kremer, der im Holocaust Verwandte verloren hatte, versuchte 1952 vergeblich die Bischofsweihe Trifas zu verhindern. Auch in den folgenden Jahren konnte er ihn trotz wiederholter Eingaben an die US-Einwanderungsbehörde und unzähliger Schreiben an Politiker und Journalisten nicht zu Fall bringen.

Kremer begab sich sogar nach Israel und Rumänien, um Beweise für Verbrechen des Bischofs zu sammeln. 1971 schrieb er an Präsident Nixon, woraufhin ihm die US-Einwanderungsbehörde antwortete, alle Vorwürfe gegen Trifa seien im Einbürgerungsverfahren sorgfältig geprüft worden.

Jüdische Organisationen verlangen Ausbürgerung

Allmählich drehte sich der Wind. Der Vietnamkrieg ging zu Ende, die Medien entdeckten die Schrecken der Nazi-Zeit neu, und in Helsinki bemühten sich 1973 Ost und West um Entspannung. Die USA und Rumänien näherten sich einander an. Kremer und jüdische Organisationen legten der US-Einwanderungsbehörde umfangreiches - allerdings wenig neues - Material vor und beantragten 1975, Trifas Einbürgerung rückgängig zu machen.

Die New Yorker Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Elizabeth Holtzmann, in deren Wahlkreis viele Juden wohnten, machte Druck. Das Ausbürgerungsverfahren vor dem Bezirksgericht Detroit zog sich wegen ständigen Personalwechsels hin. 1980 schließlich gab Trifa, von ständigen Angriffen in den Medien zermürbt und infolge hoher Prozesskosten in finanzielle Not geraten, seine Einbürgerungsurkunde zurück. Jegliche Schuld an Verbrechen wies er jedoch entschieden zurück.

Anhand einer Postkarte, die Trifa 1942 während eines Kuraufenthalts in Bad Mergentheim an seine Kameraden in Berkenbrück geschrieben hatte, konnten die US-Ermittler durch einen Vergleich seiner Handschrift und seines Fingerabdruckes schließlich die Verbundenheit des Bischofs mit dem Naziregime nachweisen. Erst dann gestand Trifa ein, den US-Behörden seine faschistische Vergangenheit verschwiegen zu haben.

Als die Abschiebung drohte, lehnten die Schweiz, Italien und Deutschland seine Aufnahme ab. 1984 konnte er schließlich nach Portugal einreisen, wo er drei Jahre später starb. Sein Leichnam wurde in die USA überführt und fand am Sitz der Rumänisch-Orthodoxen Kirche im Bundesstaat Michigan seine letzte Ruhestätte.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Dass dieser 'Kirchenmann' so lange
Rolf Radicke, 29.06.2015
unbehelligt in den USA wirken konnte, haengt nicht nur damit zusammen, dass inzwischen der Kalte Krieg alles dominierte. Dass die Regierung Nixon Trifa schuetzte mit dem Argument, bei der Einbuergerung seien alle Vorwuerfe sorgfaeltig geprueft (und fuer unbegruendet befunden) worden, reflektiert nicht nur Nixons antisemitische Haltung sondern die auch heute noch in weiten Kreisen der Republikanischen Partei herrschende Geisteshaltung.
2. So what?
Rainer David Früh, 30.06.2015
Schlimm, dass eine solche Geschichte für den normalen Zeit-Genossen lediglich eines auszulösen scheint: Den Reflex, den Republikanern in offensichtlicher Unkenntnis jeglicher geschichtlichen Fakten eins ans Schienbein zu treten! Wer war denn vor Nixon im Weißen Haus? Richtig, es waren die Demokraten Kennedy und Johnson! Und warum die Republikaner (unter anderem vor dem aktuellen Hintergrund der Existenz einer hyper-antisemitischen Nancy Pelosi von dem Demokraten!) stark antisemitisch eingestellt sein sollen, liest man wohl auch nur in linken Postillen, in denen solche unhistorischen Behauptungen zwar Programm, jedoch kaum faktengestützt sind!
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