Fehler im Film Pleiten, Pech und Puschel

Fehler im Film: Pleiten, Pech und Puschel Fotos
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Ben Hur mit Uhr: Seit es Kino gibt, passieren selbst den größten Filmemachern hanebüchene Schnitzer - Oscars ernteten Fehlersammlungen wie "Vom Winde verweht" oder "Herr der Ringe" trotzdem. Und ein Starregisseur weigerte sich gar, einen besonders absurden Fehler aus seinem Film zu schneiden. Von Sven Stillich

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Harry Potter hat eine Narbe auf der Stirn. Schnitt: Die Narbe ist verschwunden. Schnitt: Jetzt ist sie wieder da. Schnitt. Gandalfs Zauberstab leuchtet in den Minen von Moria - doch was ist das? Wer genau hinsieht, erkennt an dem Stab hängend ein Kabel.

Wer genau hinsieht, entdeckt in jedem Kinofilm und in jeder Fernsehserie solche Schnitzer. Ganze 257 Fehler sind es alleine im ersten Teil des "Herrn der Ringe", 289 in "Harry Potter und der Gefangene von Askaban", 391 in "Apocalypse Now". Und jeder wird von Fans im Internet penibel aufgelistet, diskutiert und überprüft.

Mehr als 80.000 finden sich auf der größten Lapsusliste moviemistakes.com, rund 10.000 Einträge verzeichnen jeweils die deutschsprachigen Sites dieseher.de und fehler-im-film.de. Letztere hat Marius Schäfer vor fast acht Jahren gegründet. Das Fehlerfinden ist ein Hobby des 34-Jährigen: "Das ist ein wenig wie Detektiv zu spielen", sagt er, "es geht darum, zu sehen, was andere übersehen. Und auf Dinge zu achten, die nicht im Fokus sind."

Axt, Schwert, Axt, Schwert

Zu sehen gibt es eine Menge: Im Blockbuster "Gladiator" zum Beispiel, der im alten Rom spielt, fällt während eines Rennens ein Wagen um, ein Tuch verrutscht, und überaus jetztzeitige Gasflaschen werden sichtbar. Im selben Film sieht man den Kaiser atmen, obwohl er eigentlich tot auf dem Bett liegt. In "Braveheart" hat Hauptdarsteller Mel Gibson bei einer Schlacht erst eine Axt in der Hand, dann nichts, nach dem nächsten Schnitt ein Schwert, dann wieder eine Axt und dann, Schnitt, wieder ein Schwert.

Tom Cruise hat im Fliegerepos "Top Gun" an einer Stelle plötzlich eine Sonnenbrille auf, einen Schnitt zuvor trug er noch keine. Im Science-Fiction-Hit "Blade Runner" sind die Seile sichtbar, an denen das Schwebefahrzeug hängt, und in Quentin Tarantinos Klassiker "Pulp Fiction" sind Einschusslöcher schon vor der Schießerei zu sehen.

Außerordentlich ist ein Fehler in "Drei Engel für Charlie": Da ruft Drew Barrymore während eines Kampfs nach einer gewissen "Lucy", obwohl die Figur im Film Alex heißt - dargestellt von der Schauspielerin Lucy Liu. Und immer wieder läuft das Filmteam ins Bild: In "Fluch der Karibik" steht ein Mitglied der Crew auf dem Schiff, in "Terminator 2" spiegeln sich Kameramänner in einer Autotür - und sogar der spätere Großregisseur Steven Spielberg zahlte am Anfang seiner Karriere Lehrgeld - in seinem Film "Duell" von 1971 hat er einen unfreiwilligen Auftritt als Reflektion in einer Telefonzelle.

Fehlersuche als Gehirnjogging

"Es gibt keinen einzigen Film ohne Fehler", sagt Marius Schäfer, "es gibt nur gute und schlechte Filme." Der Unterschied? "Gute Filme fesseln mich so sehr, dass ich nicht auf Fehler achte." Wenn eine Szene immer wieder gedreht wird, passiert es zum Beispiel unweigerlich, dass die Kerze auf dem Tisch eines Restaurants herunterbrennt und nach dem Schnitt im fertigen Film mal länger und mal kürzer auftaucht. Oder dass ein Rotweinglas mal links und mal rechts steht - oder sogar verschwindet und nach dem nächsten Cut wieder auftaucht.

"So etwas zu suchen, ist wie Gehirnjogging", sagt Schäfer, "weil ich mir ständig Positionen und andere Details merken muss." Fast 5000 Gleichgesinnte lassen seine Datenbank immer weiter wachsen, junge und alte Hingucker sind dabei, Männer wie Frauen. Fehlersuchen ist ein Hobby für alle - "vom Kinovorführer bis zur Steuerfachgehilfin", sagt Schäfer, der selbst als Produktmanager bei einer Internetfirma arbeitet.

Hunderte Millionen Dollar gibt Hollywood für seine Blockbuster aus, am Set wachen Spezialisten, die einzig auf Kostüm-, Masken- und Anschlussfehler achten - und doch rutscht vieles durch. Und das war schon immer so. Denn "Goofs", so der englische Begriff für Fehler in Filmen, sind so alt wie das Kino selbst: Schon in dem 187-minütigen Stummfilmepos "Birth of a Nation" von 1915 bewegt ein toter Soldat seinen Fuß, und im Südstaaten- Melodram "Vom Winde verweht" von 1939, mit zehn Oscars gekrönt, ragen Mikrofone ins Bild. Charlie Chaplins Krawatte wird während seiner Rede als Diktator Hynkel in "Der Große Diktator" (1940) mal länger, mal kürzer.

Geklaut bei King Kong

Bei "Frankenstein" (1931) ist der Schatten eines Kameramanns im Bild, im Piratenfilm "Der Rote Korsar" mit Burt Lancaster ist im Hintergrund ein Ozeandampfer zu sehen, und in Alfred Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" hält sich ein kleiner Junge die Ohren zu, noch bevor ein Schuss fällt. Für seinen hochgelobten Film "Citizen Kane" hat Orson Welles für eine Dschungelszene Material aus "King Kong" benutzt, um Geld zu sparen - weswegen nun im Hintergrund vier Flugsaurier zu sehen sind.

Welles allerdings blieb cool: Trotz Aufforderung des Filmstudios weigerte sich der Regisseur damals sogar, sie aus seinem Meisterwerk zu tilgen. Bis heute gilt der Streifen für viele Kritiker als einer der besten Filme aller Zeiten.

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1.
Torsten Dewi, 06.01.2009
Das ist sicher ein Thema, zu dem man sich endlos auslassen kann, aber ich ärgere mich ein wenig über die Beliebigkeit der Beispiele hier. Wie bei der "Sesamstraße": Eins dieser Dinge gehört nicht hierher... Der Fehler aus "Octopussy" ist inhaltlicher Natur, und hat mit der Produktion selbst nichts zu tun. Drahtseile wie in "Blade Runner" sind keine Fehler, sondern schlicht den technischen Möglichkeiten der Zeit geschuldet. Ein paar Jahre später, als es dann möglich war, hat Scott für die Special Edition ja auch die Seile wegretuschiert. Die Mikros im Bild, wie sie hier gerne hämisch aufgeführt sind, können auch zwei ganz andere Ursache haben: Meistens hängt das Mikro durchaus "ins Bild" dessen, was die Kamera aufnimmt (es muss ja so nahe wie möglich am Geschehen sein), wird aber später im Schnitt abgedeckt durch die Maske, die für das Bildformat (z.B. 16:9) über den Film gelegt wird. Erst wenn sich z.B. ein Videovertrieb entscheidet, die Maske "hochzuziehen", um mehr Bild auf den Fernseher zu bekommen, rutscht das Mikro wieder ins Sichtfeld. Das ist kein Fehler der Crew, denn dieser Bildausschnitt sollte eigentlich nie zu sehen sein. Ein schönes Beispiel: der abgeschossene Arm von Carl Weathers in "Predator" - man kann auf Video sehr schön sehen, wie sein echter Arm nach unten aus der Combat-Weste hängt. Fotos (nicht Screenshots!), die beweisen, dass ein Mikro ins Bild hängt, gehen gar nicht: Der Fotograf stand meistens an einem ganz anderen Ort als die Filmkamera, und hat Sachen fotografiert, die niemals im Film zu sehen waren. Insgesamt würde ich von den 21 Beispielen also vielleicht gerade mal eine Handvoll durchgehen lassen.
2.
Axel Wehrend, 06.01.2009
Im Bild 6 (mit Marlon Brando und den deutschen Mädels) soll die Beschriftung rechts nicht "Bayerischer Verein" lauten; es ist vielmehr ein Teil des Banknamens "Bayerische Vereinsbank", die es seinerzeit noch gab und die später mit der Bayerische Hypotheken- und Wechselbank fusionierte. - Trotzdem ist die Schreibweise hier falsch.
3.
Johann Braun, 06.01.2009
Im Film "Steiner 2" soll sich Marlon Brando (= Steiner) in einem Bunker melden. Anstatt einer Meldung wie bei der Wehrmacht mit Hackenschlagen, Hand zur Mütze oder Helm macht M.B. eine Meldung wie beim englischen Militär mit aufstampfen des rechten Fußes und Hand zur Mütze oder Helm.
4.
Peter Klewitz, 07.01.2009
Zunächst mal Gratulation an Torsten Dewi! Da schreibt endlich mal jemand, der Ahnung vom Film hat und das Thema mit den ins Bild hängenden Mikros (mir hängen sie mittlerweile zum Hals heraus) fachkundig abhandelt. Nichts gegen die Freaks, die in jedem Film nach Fehlern forschen - zum einen spornt das die Filmemacher an, besser acht zu geben (vermutlich verdanken wir den kritischen Betrachtern heute die Continuity), zum anderen belebt die Debatte das Geschäft. Schmunzeln musste ich allerdings über die Oberflächlichkeit, mit der da andererseits "beobachtet" wird. Das Bild zu unserem Film "Ekkelins Knecht" - Mann mit Kettenhemd, der die Arme hebt, im Hintergrund einer (nicht zwei!), der ein T-Shirt trägt - ist kein Screenshot, sondern ein Setfoto. Die Person im dunklen T-Shirt ist unser Kameramann Nico Michel. Das Bild des posenden Hauptdarstellers Philipp Sprongl (der im Kettenhemd) kommt im Film überhaupt nicht vor. Er hat nur am Set ein bisschen rumgealbert. Spannend wäre, ob die Freaks die tatsächlichen kleinen Fehler im Film entdecken. Denn natürlich gibt es auch in "Ekkelins Knecht" solche, wie in jedem Streifen. Da der Film inzwischen auf DVD unter dem Titel "Raubritter - die Geschichte von Ekkelins Knecht" im Handel erhältlich ist, kann sich jeder auf die Suche machen...
5.
Marius Schäfer, 07.01.2009
>Insgesamt würde ich von den 21 Beispielen also vielleicht gerade mal eine Handvoll durchgehen lassen. Es gibt sicher ein unterschiedliches und vor allem persönliches Empfinden von Filmfehlern. Manch einer ist empfänglicher, bzw. empfindlicher was dieses Thema angeht, andere sehen die Thematik beim Film schauen nicht so eng. Wenn ich das Thema möglichst objektiv abbilden möchte, kann ich das Zerstören einer "Filmillusion" durch Drahtseile allerdings nicht weg diskutieren. Diese Seile gehören dort nicht hin. Das Gleiche gilt für Mikros im Bild. Man sieht sie - das lässt sich nicht schön reden. Wer daran Schuld ist, ist eine ganz andere Frage. In diesem Fall kommen viele Personen als Fehlerquelle in Frage. Aber, um das nochmal zu betonen, mir als Zuschauer kann das egal sein, denn es ändert nichts an der Tatsache, dass es sichtbar ist. Wenn im neuesten James Bond in Bregenz ein Flugzeug landet, obwohl es dort keinen Flughafen gibt, mögen das viele tolerieren. Wenn es in einem Film heißen würde, dass sie gerade in Berlin gelandet sind und es wird statt dessen München gezeigt, sieht das schon wieder anders aus. Beides fällt in die gleiche Fehlerkategorie: Es werden "falsche Fakten" dargestellt. Wo soll man also die Grenze ziehen und falsche Fakten nicht als falsch ansehen? Ich denke das muß jeder für sich entscheiden. Und man sollte tolerieren, dass es Leute gibt, die da etwas genauer sind als andere.
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