Fiese Pop-Frisuren Der totale Verschnitt

Vokuhilas und Dauerwellen, Löwenmähnen und Haarschnitte, für die schlicht die Worte fehlen: Was Popstars ihren Fans zumuten, erschüttert selbst abgebrühte Musikliebhaber. Paul Zon hat die fiesesten Frisuren auf Plattencovern gesammelt. Jetzt zeigt er seine schlimmsten Schocker.


Es gibt genau zwei Gründe, einen Tonträger zu kaufen: den Ton und den Träger. Anders gesagt: die Musik und die Verpackung. Ersteres ist eine Frage des Geschmacks und damit jeglicher Objektivität entrückt. Das Andere ist im Zeitalter mickriger CD-Booklets sowie hüllen- und seelenloser MP3-Dateien praktisch bedeutungslos.

Mit der knappen Formulierung dieser niederschmetternden Einsicht könnte dieser kurze Text bereits zu Ende sein, wenn...

ja, wenn...

genau: wenn nicht die liebe-, kunst- und manchmal sogar ehrenvolle Gestaltung von Musik-Verpackungen dereinst in den sechziger, siebziger und vor allem achtziger Jahren zu einer der ersprießlichsten Kunstgattungen der Popkultur gehört hätte. Klarer Fall, die Rede ist von: Plattencovern. Das waren diese dünnen Papphüllen, in denen diese schwarzen, runden Scheiben mit dem Loch in der Mitte steckten, die man umdrehen musste, um alle Songs zu hören, und die durch eine unvorsichtige Bewegung derart zerkratzt werden konnten, dass der schönste Hit zur Dauerwiederholungsplage wurde (heute investiert man in solchen Fällen 99 Cent und lädt sich den Song nochmals aus dem Netz). Legendär waren damals Plattencover wie "Abbey Road" von den Beatles, "Sticky Fingers" von den Stones oder, ja, doch, auch Supertramps "Breakfast in America".

Weniger legendär, aber um so stimulierender für humorvoll geschulte Augen waren jene meist ebenso gutgemeinten wie schlecht gelungenen Exemplare, die sich nur mit Ächtungen wie "Tränen-Tüte" oder "Ekel-LP" schmähen ließen, nachdem man herzhaft über sie gelacht hatte: miserable Plattencover.

Der Online-Galerist Paul Zon hat mit seiner Kollektion dieser popkulturellen Super-GAUs, die er im Januar auf einestages vorstellte, für gehörigen Wirbel gesorgt - und sich anschließend über zahlreiche weiterführende Hinweise und Kommentare anderer einestages-Mitglieder gefreut.

Diese Zustimmung hat Paul Zon und die einestages-Redaktion ermutigt, den skurrilen Bilderreigen fortzuführen. Natürlich nicht einfach mit weiteren schlechten Plattencovern, sondern mit besonders superschlechten Plattencovern: Alben, auf denen sich die Künstler mit sagenhaft schlimmen, ja, in manchen Fällen gar fiesen Frisuren zum Gespött der Popwelt machen. Das Gruselkabinett reicht von Dauerwellen (für ihn) über Struwwelpeterföhnschnitte (für sie) und Vokuhilas (für ihn und sie) bis zu Haargebirgen, die sich schlicht nicht mehr in Worte fassen lassen.

Vorhang auf für die schlechtesten Plattencover-Frisuren der Popwelt!

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insgesamt 6 Beiträge
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Astrid Ehedy, 24.04.2008
1.
Schade, dass diese Sammlung seltsamer Frisuren hauptsächlich die gruseligsten Plattencover der anderen Reihe wiederholt. Zum Immortal-Cover (die finsteren Burschen in schwarz und weiß): was ist an deren Frisur so schlimm? Lange glatte schwarze Haare sind doch nichts außergewöhnliches oder hässliches? Allenfalls, dass die Haare nicht frisch gefärbt waren und man deutlich den Ansatz sieht. Vieles kommt uns durch den Wandel der Mode gruselig vor - solche natur-hässlichen Vögel wie auf einigen 70er-Jahre-Platten hätten heutzutage keine Chance auf Bühnenpräsenz. Das führt mich zur nächsten Frage: wieviel Zeit muss vergehen, ehe z.B. Tokio Hotel hier in der Galerie auftaucht oder der eine oder andere Dreadock-Träger?
Annika Kraul, 24.04.2008
2.
"Vieles kommt uns durch den Wandel der Mode gruselig vor" Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Denjenigen, die sich gar so sehr über Vokuhila und Dauerwelle amüsieren empfehle ich, ihre Birnen samt modischen Haarschnitten abzulichten und sich die Fotos dann in 25 oder 30 Jahren anzusehen. Sie werden entsetzt sein, welch scheußliche und antiquierte Frisuren dann ans Tageslicht kommen. Vielleicht schleicht sich aber auch die eine oder andere nostalgische Träne in müde Augen...
Daniel M. Porcedda, 25.04.2008
3.
Tja, nicht jeder kann eben mit einer perfekten Frisur à la Yul Brinner, Telly Savalas (Kojak) oder dem Sänger der ehemaligen Band "hot chocolate" aufwarten. Wenn ich diesen SPIEGEl-Artikel korrekt interpretiere, ist alles Haarige grausig. Ich überlege ernsthaft, mich freiwillig als lebendes Objekt in einem Gruselkabinett ausstellen zu lassen. Herr Zon: Heute schon den Schädel rasiert?
Bärbel Klaus, 27.08.2008
4.
Ach Leute, wer von den sich aufregenden hat denn die 60/70 erlebt?! Herr Zon, oder hat er nur mal gemeint sich in den Vordergrund stellen zu wollen? Diese Frisuren waren halt so. Wenn ich mich an die Beatles Cover der Singles oder ihrer ersten PILZKOPF Frisuren erinnere, die wären doch nach heutigem Geschmack auch durchgefallen. Alles eine Zeit/Ansichtssache. Mir erscheinen einige der heutigen PlattenSTARS jedenfalls recht gruselig, obwohl nicht immer wegen seltsamer Mützen oder Caps die Haare zu sehen sind. Lassen wir doch die Kirche im Dorf, wer weiß wie es in 30 Jahren aussieht.
Björn Beitter, 15.12.2008
5.
wie sang schon Bob Dylan (der auch gut in diese Sammlung gepasst hätte) 1964/65 ... the times they are a-changin'... Jede Epoche hat ihre ganz spezielle (Haar)Mode. Das kommt einem später immer etwas seltsam oder sogar gruselig vor. Was allerdings nicht ganz stimmig ist, Bild Nr. 30. Das Cover von Blind Faith zeigt ein - im Oberkörper - nacktes weibliches (junges) menschliches Wesen, mit einer auch noch heute häufig vorzufindenden Langhaarfrisur. Das dieses Cover in anderen Ländern nicht zu sehen war lag wohl bestimmt nicht an der Frisur...
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