Berühmte Filmduos Zwei für die Ewigkeit

Dick ohne Doof? Winnetou ohne Old Shatterhand? Unmöglich! Die Karrieren mancher Schauspieler sind untrennbar miteinander verschweißt. einestages erinnert an die unvergesslichsten Duos der Filmgeschichte.

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Mit Mühe hält der Dünne seine Hose fest, dem Dicken reicht sie gerade bis an die Knöchel. Obenrum platzt sie beinahe. Panisch zwängen sich die beiden in den Aufzug der Baustelle, ziehen die vertauschten Kleidungsstücke aus. Beim Ausbruch aus dem Gefängnis und der Flucht vor der Polizei haben Stan Laurel und Oliver Hardy ihr Beinkleid verwechselt. Jetzt lehnt sich Hardy, erst halb wieder in der richtigen Hose, zurück - und drückt den Hebel des Aufzugs, der sich sofort in Bewegung setzt.

Sekunden später stehen die beiden Witzfiguren halbnackt auf einem Stahlträger hoch über der Stadt. Panisch wackeln die beiden über den schmalen Grat, gehen in die Hocke, taumeln und schwanken. Währenddessen fährt der Aufzug wieder nach unten. Die Bloßgestellten haben nun gar nichts mehr, um sich festzuhalten. Nur den jeweils anderen.

Als der Stummfilm "Freiheit" 1929 gedreht wurde, waren Laurel und Hardy schon zwei Jahre als Komikerduo etabliert. Beide hatten schon Dreharbeiten an Dutzenden Streifen hinter sich. Doch diese Szene verlangte den beiden Filmprofis alles ab.

Schwindelerregende Höhe

Unter den Regieanweisungen von Leo McCarey hatten Laurel und Hardy den zwölf Meter hohen Rohbau erklommen und sollten dort ihre stumme Bewegungskomik vollführen. Doch Laurel war vor Panik fast gelähmt. Sein stattlicher Partner, von Freunden liebevoll Babe genannt, versuchte, Laurel zu beruhigen. Schließlich war viereinhalb Meter unter dem Abgrund eine Sicherheitsplattform installiert. Doch auch die war Laurel nicht geheuer.

1954 erinnerte sich Leo McCarey in der TV-Show "This Is Your Life", wie Hardy seinem Kollegen die Angst nehmen wollte. "Babe sagte: 'Schau, ich beweise dir, dass es ganz sicher ist, ich zeige es dir.' Damit sprang er runter. Es war nicht sicher. Die Plattform hielt ihn ein bisschen auf, aber fiel sechs Meter und dann nochmal sechs Meter, bis auf den Boden."

Acht Jahre zuvor hatten Stan Laurel und Oliver Hardy das erste Mal gemeinsam vor einer Kamera gestanden - in "Der glückliche Hund", der um 1921 entstand. Sie waren von Anfang an ein ungleiches Paar: Stan Laurel, ein in Ulverston, England, geborener Komiker, der zeitweise mit Charlie Chaplin Theater gespielt hatte. Oliver Hardy aus Harlem, Georgia, der bereits in über 250 Filmen hauptsächlich kleinere Nebenrollen gespielt hatte. Der schlaksige Laurel, hibbelig, mit entwaffnendem Kindercharme und der voluminöse Hardy, imposant in seiner Erscheinung, der zugleich aber tollpatschig durchs Leben stolperte. Produzent Hal Roach sah das Potential dieser beiden Antipoden - und baute sie systematisch zu einem der erfolgreichsten Duos der Filmgeschichte auf.

Das Ende der Freiheit

Ganze 106 Filme sollten die beiden zusammen drehen. Anfangs noch in Schwarz-Weiß und stumm, nur auf ihr grandioses Spiel mit Mimik und Gestik beschränkt, später garniert mit Wortwitz und in Farbe. Ihr anarchischer Stil, Hardys die vierte Wand durchbrechender Blick in die Kamera und ihre Improvisationen prägten später Generationen von Komikern. Doch wo Hardy vor der Kamera verantwortungsbewusst auftrat und sich über den träumerischen Laurel ärgerte, waren am Set die Aufgaben vertauscht. Die treibende Kreativkraft hinter den Filmen des Duos war Laurel.

Der Exil-Brite mischte sich sowohl in die Skripte ein, half bei der Regie mit und war sogar am Schnitt beteiligt. Hardy begnügte sich, mit seinem Freund zu improvisieren. "Ich fand, es war Arbeit genug, die Gags zu spielen", sagte Hardy über seine Beteiligung an den gemeinsamen Filmen. "Besonders wenn man so viele Stürze hinter sich hat und in so viele Schlammlöcher geschubst wurde, wie ich. Ich glaube, ich habe mein Geld verdient."

Auch international wurden die beiden zu Stars. El Gordo und El Flaco, Crick und Crok, Sisman und Zaif hießen sie, hierzulande wurde sie als Dick und Doof bekannt. Ihr Erfolg kannte kaum Grenzen, bis sie sich von ihrem Produzenten und Förderer Hal Roach trennten, um für die großen Studios Metro-Goldwyn-Mayer und 20th Century Fox zu arbeiten. Doch die erhoffte kreative Freiheit gab es dort nicht. Das erste Mal in ihrer gemeinsamen Karriere mussten sie auch vor der Kamera Dienst nach Vorschrift leisten und sich streng an die Drehbücher halten.

Tränen der Rührung

Bis 1944 produzierten sie dennoch gemeinsam acht Spielfilme, die trotz der eingeschränkten Gestaltungsfreiheit des Darstellerduos Millionen einspielten. 1951 erschien schließlich ihr letzter gemeinsamer Spielfilm "Dick und Doof erben eine Insel" - und wurde von den Kritikern verrissen.

Zwei Jahre später reisten die beiden noch einmal mit ihrem Sketchprogramm durch Europa. Als sie mit dem Boot am 9. September 1953 im irischen Cobh ankamen, bot sich ihnen ein unvergessliches Bild: Menschenmengen schrien ihre Namen, die im Hafen ankernden Schiffe bliesen die Dampfpfeifen. "Wir verstanden überhaupt nicht, was da los war. Doch plötzlich geschah etwas, das ich niemals vergessen werde. Alle Kirchenglocken von Cobh begannen gleichzeitig den 'Dance of the Cuckoos' zu spielen, unsere Titelmelodie. Babe schaute mich an, und wir weinten. Ich werde diesen Tag niemals vergessen. Niemals."

Bereits zwei Jahre später hatte Hardy auf Anraten seines Arztes beinahe 45 Kilogramm abgenommen. Mehrere Schlaganfälle kosteten ihn sein Sprachvermögen und schränkten ihn in der Bewegung ein. Er musste sein Haus verkaufen, um die Arztkosten tragen zu können. Am 7. August 1957 starb Oliver Hardy an einem weiteren Schlaganfall. Der ehemals stattliche Komiker war da nur noch ein Schatten seiner selbst.

Sein Freund und Partner Stan Laurel durfte die Beerdigung seines Freundes nicht besuchen - da er selbst schon zu schwer von Krankheit gezeichnet war. "Nach 30 merkwürdigen Jahren enger Freundschaft und glücklicher Zusammenarbeit fühle mich verloren ohne ihn", sagte der am Boden zerstörte Laurel. Nur acht Jahre später, am 23. Februar 1965, starb Stan Laurel selbst im Alter von 75 Jahren. Alle Angebote für einen Auftritt ohne Babe hatte er nach dem Tod seines Partners abgelehnt.

Stan Laurel und Oliver Hardy waren nicht das einzige Leinwand-Duo, das gemeinsam durch dick und dünn ging. erinnern Sie sich in der einestages-Bildergalerie an die unzertrennlichsten Leinwand-Zweier - von den Blues Brothers bis zu den Supernasen.



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Michael Habersath, 20.02.2015
1. unvergesslich???
unvergessen
Thomas Reier, 20.02.2015
2. Die Überschrift ist ein Volltreffer. Zwei für die Ewigkeit! Großartige Menschen und großes Kino.
Wer sie noch nicht gesehen hat, muss sich unbedingt diese 2-teilige Doku anschauen. Man lernt dort zwei Menschen kennen, über die Generationen Tränen gelacht haben und noch lachen werden. Einen dicken Großen und ein kleinen Großen. https://www.youtube.com/watch?v=xjiBeHSdWF4 https://www.youtube.com/watch?v=XqXmsjUjQiw
Anke Wauker, 20.02.2015
3. Einiges an Schrott dabei...
Dick und Doof auf eine Stufe mit Gottschalk und Krüger zu stellen ist schon ziemlich daneben. Da liegen doch, wie bei einigen anderen Paaren, Welten dazwischen; nicht nur was die Popularität angeht. Vor allem sehe ich auch immense Qualitätsunterschiede; z.B. zwischen Newman/Redford einerseits und Cheech und Chong, Starsky und Hutch (Plagiat) andererseits
Herbert Brahms, 20.02.2015
4. Unvergessen
Ich liebe die beiden und ich hoffe sie werden auch noch im 22.Jahrhundert geliebt.
Travis McIntyre, 20.02.2015
5. Vergessen?
Starsky & Hutch / Doyle & Body / Sonny und Rico von "Miami Vice" / Faye Dunaway und Warren Beatty in "Bonnie & Clyde" / Paul Newman & Robert Redford "Butch Cassidy and The Sundance Kid" / Tony Curtis and Jack Lemmon in Manche mögen's heiß ...
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