Legenden zu Kinofilmen Die Wahrheit hinter den größten Filmmythen

Echte Sexszenen, Amputationen vor der Kamera, mysteriöse Todesfälle: Über den Dreh großer Filme entstehen oft wilde Gerüchte. Was verbirgt sich wirklich hinter den Legenden?

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Es ist tiefe Nacht. Steve und Diane Freeling liegen aneinandergekuschelt mit ihren Kindern Robbie und Carol Anne im Bett und schlafen fest, während gespenstisches Rauschen den Raum erfüllt. Der Fernseher läuft noch, Flimmern auf dem Bildschirm taucht den Raum in fahles Licht. Die sechsjährige Carol wacht auf, es scheint, also würde sie Stimmen im Rauschen hören. Langsam krabbelt sie auf den Fernseher zu, als eine geisterhafte Hand aus der Mattscheibe herausbricht. Wie aus Nebel geformt, wabert sie über die Körper der schlummernden Freelings hinweg - um plötzlich mit gleißendem Licht in die Wand hineinzufahren und das Haus zum Beben zu bringen. Carol Anne sagt nur: "Sie sind hiiiier!"

Als der von Steven Spielberg produzierte Horrorfilm "Poltergeist" 1982 Premiere feierte, lehrte er Kinofans das Schaudern. Er erzählt die Geschichte einer US-Familie, die nicht ahnt, dass ihr neues Vorort-Haus auf einem Friedhof steht. Doch schon bald rächen sich die Toten, die noch immer dort liegen, auf furchtbare Weise für die Störung ihrer ewigen Ruhe. Die Geister entfesseln ein Inferno im Eigenheim der Freelings: Möbel bewegen sich, im Garten erwacht ein Baum zum Leben und eine Clownspuppe greift den Sohn Robbie an. Carol Anne wird schließlich sogar durch den Wandschrank ins Jenseits gezogen. Immerhin: Nach eineinhalb Stunden Nervenkitzel und Schockmomenten kommt die Familie mehr oder weniger unversehrt davon.

So viel Glück hatte die "Poltergeist"-Filmcrew nicht gehabt: Sie mussten am eigenen Leib erfahren, was passieren kann, wenn man sich mit dem Jenseits anlegt - egal, ob vor oder hinter der Kamera.

Wer die Totenruhe stört

Schon während der Dreharbeiten kam das Gerücht auf, das Filmset sei verflucht. Die Crew berichtete von rätselhaften Unfällen: Ein Kulissenarbeiter brach sich den Knöchel, ein anderer die Rippe. Drehbücher verschwanden auf unerklärliche Weise, und ein gespenstischer weißer Streifen tauchte auf dem Filmmaterial auf und machte die Arbeit eines ganzen Tages zunichte.

In der US-Dokumentation "E! True Hollywood Story" hieß es, die Crew hätte den Zorn der Geister auf sich gezogen, weil sie die Totenruhe missachtete. So gab es eine Szene, in der Darstellerin JoBeth Williams versuchte, aus dem Matsch eines unfertigen Swimmingpools zu entkommen, während plötzlich Leichen dicht neben ihr aus dem Schlamm auftauchen. Williams bekannte in der TV-Sendung "I Love the 80s": Diese Skelette waren keine Attrappen, sondern echte Menschenknochen.

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Ein Requisit, das die Crew - laut Legende - am Ende teuer bezahlte. Insgesamt vier Hauptdarsteller der Filmreihe verloren während des Drehs und kurz nach der Premiere angeblich unter mysteriösen Umständen das Leben.

Lag ein Fluch auf der Filmcrew?

Als Erstes traf es die 22-jährige Dominique Dunne. Sie spielte in "Poltergeist" die Teenagertochter Diana Freeling. Nur fünf Wochen nach der Premiere wurde sie leblos auf ihrer Auffahrt vorgefunden.

Darsteller Julian Beck, der in "Poltergeist II - Die andere Seite" den unheimlichen Reverend Henry Kane spielt, erlebte nicht einmal mehr die Premiere des Filmes - Beck starb am 14. September 1985, noch während der Dreharbeiten.

Will Sampson, der in "Poltergeist II" einen Schamanen darstellte, soll bereits beim Dreh von der negativen Energie des Sets überzeugt gewesen sein. Auf Wunsch der Crew führte er angeblich sogar einen Exorzismus durch. Erfolglos, wie es scheint, denn auch Sampson starb vor seiner Zeit, mit nur 53 Jahren, am 3. Juni 1987, fast exakt ein Jahr, nachdem der Film in den USA angelaufen war.

Ein besonders großer Schock war für "Poltergeist"-Fans der Tod von Heather O'Rourke. Das Mädchen mit den weißblonden Haaren und den großen Augen war seit dem ersten Teil der Star der Horrorserie. Steven Spielberg hatte sie persönlich für die Rolle der Carol Anne ausgewählt. Schon als Fünfjährige schrie sie so herzzerreißend, dass es einem Tränen in die Augen trieb. 1987 drehte O'Rourke "Poltergeist III - Die dunkle Seite des Bösen". Sie sollte die Uraufführung nicht mehr miterleben: Am Ende der Dreharbeiten brach sie eines Morgens zusammen und starb kurz darauf am 1. Februar 1988 im Krankenhaus. Sie war lediglich zwölf Jahre alt geworden.

Nüchterne Erklärungen

Vier Todesfälle in sechs Jahren. Lag wirklich ein Fluch auf der Crew? Gerüchte blühten. Doch tatsächlich waren keineswegs Poltergeister für die tragischen Todesfälle verantwortlich.

So war etwa Dominique Dunne am 30. Oktober 1982 in heftigen Streit mit ihrem gewalttätigen und eifersüchtigen Ex-Freund John Sweeney geraten. Dieser erwürgte sie auf ihrer Auffahrt vor den entsetzten Augen ihres Kollegen David Packert, der im Haus ebenfalls um sein Leben fürchten musste. Ein Beziehungsdrama, aber kein Angriff aus dem Jenseits.

Julian Beck wiederum war schon Jahre vor den Dreharbeiten zu "Poltergeist II" an Magenkrebs erkrankt. Der zuletzt schwer von seiner Krankheit gezeichnete Darsteller war so am Ende einem langjährigen Leiden erlegen.

Und auch Will Sampson war nicht negativen Kräften zum Opfer gefallen, sondern in Folge einer schweren Operation gestorben - nachdem an ihm eine Herz- und Lungentransplantation durchgeführt worden war, schied er am 3. Juni 1987 nach post-operativem Nierenversagen dahin.

Heather O'Rourke wiederum hatte im Januar 1987 einen Darmverschluss erlitten. In einer Operation hatten die Ärzte versucht, diesen zu beheben, doch O'Rourke war während der OP an einem Herzstillstand infolge eines septischen Schocks gestorben.

Gier nach Geschichten

Poltergeister, Dämonen, tödliche Mächte aus der Geisterwelt - am Ende war es vor allem die Gier der Menschen nach dramatischen Geschichten, die die Gerüchte über einen "Poltergeist"-Fluch am Leben gehalten hatte. Die Legende einer verfluchten Filmcrew, die wütenden Gespenstern zum Opfer fällt, war einfach zu faszinierend, um sie nicht weiterzuerzählen.

Und sie ist bei Weitem nicht die Einzige. Erinnern Sie sich mit einestages an die schaurigsten, traurigsten und schönsten Filmlegenden - und entdecken, was wirklich hinter den Gerüchten um "Blair Witch Project", "Dr. Schiwago" und "Der König der Löwen" steckt.



insgesamt 12 Beiträge
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Dirk Kämper, 04.12.2014
1. Aber klar hat Kubrick die Mondlandung inszeniert!
Und bekam von der NASA dafür das unbezahlbar teure Zeiss Planar 0,7/50 für seinen Film "Barry Lyndon" zur Verfügung gestellt. Das lichtstärkste Objektiv der Welt, das einzige, mit dem Kubrick Szenen nur bei reinem Kerzenlicht drehen konnte. Das ist doch mittlerweile bekannt.
Thomas Brandt, 04.12.2014
2. Was GANZ wirklich dahintersteckte...
Bilderstrecke, Bildunterschrift zu Bild 12: "Was wirklich dahintersteckte: Am 21. Juli 1969 landete die Apollo 11 mit drei Astronauten an Bord auf dem Mond. " Das stimmt natürlich nicht. Was ganz wirklich dahintersteckte: Am 21. Juli 1969 landete nicht Apollo 11, sondern das LM (Lunar Module) Eagle mit nicht drei, sondern zwei Astronauten an Bord auf dem Mond.
Marcel Lindner, 04.12.2014
3. Weltliche Erklärungen...
...sind ja kein Problem. Ohnehin, wer hat schon von der offiziellen Todesursache durch Geister gehört? Der Fluch besteht doch darin, dass all diese Leute nach bzw. während der Produktion der Filme starben. Und wer sagt denn, dass Geister und Flüche nicht für Beziehungsdramen oder septische Schocks sorgen können? Ist tatsächlich was dran? Nein. Wird eine Auflistung der Todesursachen die Geschichte vom Fluch verdrängen? Bestimmt nicht.
Stefan Stock, 04.12.2014
4. Dana - Diane
Die Tochter im Flim hiess Dana. Die Mutter hiess Diane. Und sie wurde zwar in der Auffahrt leblos aufgefunden, aber das nur, weil ihr Freund sie erwürgt hatte. Also nichts übernatürliches. ;)
Reinhold Prickartz, 04.12.2014
5. Tipfehler
So war etwa Dominique Dunne am 30. Oktober 1882 in heftigen Streit mit ihrem gewalttätigen und eifersüchtigen Ex-Freund John Sweeney geraten 1882????
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