Alternativgeschichtsforschung Als Hitler den Krieg gewann

Adolf Hitler auf der Terrasse des Berghofs: 1933 kaufte er das Anwesen in Obersalzberg und ließ es zu seiner Sommerresidenz umbauen Zur Großansicht

Adolf Hitler auf der Terrasse des Berghofs: 1933 kaufte er das Anwesen in Obersalzberg und ließ es zu seiner Sommerresidenz umbauen


Wie sähe die Welt aus, wenn der Erste Weltkrieg nie stattgefunden hätte? Wenn Kennedy noch leben würde? Oder wenn Attentäter Hitler getötet hätten? Mit Fragen wie diesen befassen sich Forscher der "Alternativgeschichte". Ihre Ergebnisse sind skurril, befremdlich - und oft grausig. Von

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"Aus der Sicht der achtziger Jahre leben wir in einer ziemlich unwahrscheinlichen Alternativ-Zukunft", meint der Historiker Karlheinz Steinmüller. "Wer hätte Anfang 1989 glauben mögen, dass Deutschland Ende 1990 vereint ist!" Sein Kollege Mark Almond pflichtet ihm bei: Der Zusammenbruch des Ostblocks nach 1989 sei das am wenigsten vorausgesagte Großereignis der modernen Geschichte gewesen.

Vieles hätte damals dafür gesprochen, dass die Dinge einen ganz anderen Lauf nehmen würden. So sah es damals auch der französische Staatspräsident François Mitterand, als er im Oktober 1989, kurz vor dem Mauerfall, verkündete: "Diejenigen, die über eine angebliche Wiedervereinigung Deutschlands reden, wissen nicht, wovon sie reden, verstehen offensichtlich die politischen Realitäten nicht." Und, so betont Almond: "Neben Mitterand wären auch alle anderen europäischen Regierungschefs sehr froh darüber gewesen, wenn die Sowjetunion eine deutsche Wiedervereinigung - notfalls auch mit Gewalt - verhindert hätte."

Eigentlich, so Almond, wäre zu diesem Zeitpunkt eine andere Zukunft weit wahrscheinlicher gewesen: Dass die Sowjetunion die Krise der Neunziger unbeschadet übersteht und Deutschland geteilt bleibt. Nur: Wie sähe die Welt heute aus, wenn es so gekommen wäre?

Was nach müßigen Gedankenspielen klingt, meinen Forscher wie Mark Almond und Karlheinz Steinmüller durchaus ernst: Weltweit wenden Wissenschaftler die vom Wirtschaftshistoriker und Nobelpreisträger Robert Fogel so benannte "kontrafaktische Analyse" an, indem sie eine simple Frage stellen: Was wäre passiert, wenn... ? Die Antworten darauf leiten sie mit Daten, Quellen und Argumenten her. Das Ergebnis ihrer Arbeit: die sogenannte Alternativgeschichte. Sie soll erklären, wie die Geschichte nach epochemachenden Weggabelungen anders hätte verlaufen können.

Ein umstrittenes Vorgehen, schließlich bestehen die Forschungsergebnisse aus bloßen Hypothesen statt aus Fakten. Doch die Vertreter der Alternativgeschichte verteidigen ihre Disziplin vehement: "Eine Treppe, die aufwärts führt, lässt sich auch abwärts begehen", schreibt etwa der Historiker Alexander Demandt in seinem Buch "Es hätte auch anders kommen können". Er folgert: "Daher haben Erwägungen über kontrafaktische Geschichte in der Wissenschaft Daseinsrecht."

So umstritten viele der Hypothesen der Alternativgeschichtsforschung sein mögen, so spannend sind doch ihre Überlegungen: Wie hätte Kennedy auf die Anschläge vom 11. September 2001 reagiert? Was wäre aus dem NS-Regime nach einem frühen Tod Hitlers geworden? Und wie hätte die deutsche Geschichte sich entwickelt, wenn die Wehrmacht in Stalingrad gesiegt hätte? Finden Sie es heraus - und reisen Sie mit einestages durch ein Jahrhundert ungeschehener Geschichte!

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1.
Karl Kopp, 10.12.2013
"Alternativgeschichtsforschung" - Welch grausig Wort! Das gehört wie Astrologie doch eher in den Bereich der Pseudowissenschaften oder der Kaffeesatzleserei. Mit Geschichtswissenschaft hat es jedenfalls nichts zu tun.
2.
Johannes Höper, 10.12.2013
Andere Alternative: Was, wenn die Rote Armee ihre Vorbereitungen für einen Vorstoß nach Westen vor dem 22. Juni beendet hätte und der Wehrmacht zuvorgekommen wäre?
3.
Sebastian Bath, 10.12.2013
Das Hitler den Krieg gewinnt ist eine dämliche Hypothese. Stalin hat die Industrie verlagert und hätte auch ohne Moskau weiter kämpfen können. Hitler hätte einige Schlachten mehr gewinnen können. Vor allem aber wären die Atombomben der USA dann auf Deutschland gefallen. Der Krieg hätte nur wenige Monate länger gehen müssen, damit diese Option wahr geworden wäre. Deutschland hatte Glück.
4.
Jens Johannsen, 10.12.2013
Ein monarchisches Deutschland ein Garant für Frieden und Wohlstand, ein Land, das sich langsam zur parlamentarischen Demokratie wandelt? Da spricht ja nun jedes Handeln der militaristischen Kriegstreiber in den Jahren vorher dagegen. Die hätten den nächsten Krieg gesucht und das Parlament weiter kleingehalten, insbesondere der letzte Kaiser, der sich vor seiner Verantwortung vor Gericht ja gedrückt hat (und nicht etwa vor der Revolution) ist da ja ein Paradebeispiel. Die deutsche Armee hat 1914, direkt nach Kriegsbeginn, barbarisch im vorher neutralen Belgien gewütet, die Jungendlichen bei Langemarck sind schon 1914 verheizt worden. Das waren keine Verzweiflungstaten nach jahrelangem Abnutzungskrieg und Verrohung. Das war im System angelegt. Von einer solchen Führung kann man keine Besserung erwarten. Und Österreich-Ungarn als friedliches Commonwealth? Nachdem der Erste Weltkrieg genau deswegen ausbrach, weil das eben nicht funktioniert? Schon die Voraussetzung des Erschöpfungsfriedensangebots durch England ist mehr als fragwürdig. So war ja die militärische Lage 1915/16 nicht. Deutschland in militärischer Blüte, die Alliierten wartend auf den amerikanischen Erlöser? Da fehlt nur ein kleiner Schritt zum falschen "im Felde unbesiegt". Deutschland ist zweimal im letzten Jahrhundert durch verlorene Kriege von autoritären Regimes befreit worden. Ohne die Kriege gab es keine ernsthaften inneren Bewegungen zur Bekämpfung. Zu konstruieren, dass eines dieser Regimes sich auf einmal wandelt, friedlich wird, dem Krieg als Mittel der Politik abschwört, ist nur noch eine monarchistische Fantasie, nichts weiter. Eine Rechtfertigung bestimmter Kreise, dass doch alles gar nicht so schlimm gewesen sei und nur aufgrund der äußeren Umstände in die Katastrophe führte. Dass man es ja eigentlich doch nochmal versuchen könnte... Solche "Alternativgeschichte" taugt als Grundlage für spannende Trivialliteratur, aber nicht zur ernsthaften Beschäftigung. Und es gibt eben jene bestimmten politisch eindeutig gelagerten Kreise, die solchen Käse als Basis für Relativierungen nutzt.
5.
Helge Pfeiffer, 10.12.2013
"Kennedy: In der Kuba-Krise hatte er 1962 der Sowjetunion ihre Grenzen aufgezeigt, indem er den Rückzug ihrer Atomsprengköpfe aus der Karibik erzwungen hatte. " Hallo. Die Stationierung der Atomsprengköpfe in Kuba war lediglich eine Reaktion der Sowjetunion auf die Stationierung der US-amerikanischen Atomsprengköpfe in der Türkei. Als Resultat der Kubakrise wurden dann die Atomsprengköpfe aus Kuba UND!!! aus der Türkei entfernt. Die Situation endete nicht mit einem "Sieg" Kennedys, sondern in einem klassischen Patt. Bitte besser recherchieren.
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