Foto-Ikonen der Musikgeschichte Schnappschüsse auf Rockstars

Foto-Ikonen der Musikgeschichte: Schnappschüsse auf Rockstars Fotos
Jim Marshall - Schirmer/Mosel

Johnny Cash zeigt den Stinkefinger, Mick Jagger posiert in goldfarbenen Shorts: Manchmal sagt ein Foto mehr als tausend Akkorde - nach diesem Motto huldigt ein neuer Bildband den Ikonen der Rockgeschichte. einestages zeigt die schönsten Motive. Von

  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
  • Zur Startseite
    3.6 (88 Bewertungen)

Plötzlich erschien ein Elefant im Kinderzimmer. Anfang der fünfziger Jahre eröffnete sich für einen zehnjährigen Jungen aus dem englischen Arbeiterstädtchen Salford eine völlig neue Welt. Sein Vater hatte den Raum abgedunkelt und tauchte ein weißes Blatt in eine farblose Flüssigkeit - und wie von Zauberhand kam das Bild des Elefanten zum Vorschein, den die Familie erst kurz zuvor im örtlichen Zoo gesehen hatte. Es war ein prägender Moment für den kleinen Graham Nash. "In diesem Moment wurde ich von der Magie der Fotografie angefixt", erzählt er mehr als 50 Jahre später dem amerikanischen Musikmagazin "Crawdaddy".

Berühmt wurde der Brite dennoch durch eine andere Kunstrichtung: Nash gelangte als Sänger und Gitarrist seiner Bands The Hollies und Crosby, Stills, Nash & Young in den Sechzigern und Siebzigern zu Weltruhm. Nun konnte er seine Liebe zur Fotografie mit seiner Begeisterung für Musik verbinden. Er stellte einen Bildband mit den legendärsten Bildern der Rockgeschichte zusammen. In "Icons Of Rock" versammelte die Musikerlegende mehr als 90 Bilder aus fünf Dekaden.

Da posiert der "Junge" Mick Jagger in einer hautengen, goldfarbenen Badehose mit Plastikeimer und -schäufelchen in der Hand für den US-Modefotografen Francesco Scavullo. Peter Gabriel lässt sich von Mick Rock, der auch schon Queen und die Stooges, David Bowie und die Sex Pistols verewigte, mit einer Strumpfhose über dem Kopf ablichten. Und der Fotograf Charles Peterson knipste den Nirvana-Sänger Kurt Cobain, als dieser auf einem Konzert rückwärts in das Schlagzeug taumelt.

"Aus dem Weg, ich habe etwas zu sagen!"

So vereint der Bildband die großen Namen der Musikgeschichte mit den Stars der Fotografie. Er zeigt Bob Dylan, Brian Wilson und Elvis, mal auf der Bühne, mal backstage, im Tourbus oder zu Hause, fotografiert von namhaften Künstlern wie Richard Avedon, Annie Leibovitz und Dennis Hopper. Auch das eine oder andere Foto von Nash selbst hat Eingang in das Buch gefunden. So lichtete er 1969 das markante Profil der Country-Legende Johnny Cash ab.

Bald fing er auch an, Fotografien anderer Künstler zu sammeln: "Anfangs konnte ich meinen Appetit auf Bilder noch durch Bücher stillen, später begann ich, Originalabzüge zu kaufen." Zu Beginn der Siebziger erwarb er sein erstes Original. Das Porträt eines Jungen, der eine Spielzeuggranate in seiner Hand hält, aufgenommen von der legendären Fotografin Diane Arbus. Auf Tournee streifte er von da an in jeder Stadt durch Galerien und Antiquitätenläden, immer auf der Suche nach neuen Schätzen. So wuchs über die Jahre eine beeindruckende Kollektion von mehr als 2400 Werken an, darunter Arbeiten von Lichtbildpionieren wie Henri Cartier-Bresson und Paul Strand.

Dass der mittlerweile 68-jährige Musiker und Fotograf nun Bilder zusammengestellt hat, um die Geschichte des Rock'n'Roll lebendig werden zu lassen, ist geradezu folgerichtig. Seine Intention bei der Auswahl der Aufnahmen für "Icons Of Rock" sei es gewesen, etwas zu zeigen, was mit Worten schwer auszudrücken sei. Nämlich "dass der Geist des Rock'n'Roll im Wesentlichen eine Haltung zum Ausdruck bringen will: 'Aus dem Weg, ich habe etwas zu sagen!'"

So ist es dann auch trotz all der großen Namen die einzige Aufnahme, die keinen berühmten Musiker zeigt, die das Gefühl des Rock'n'Roll am besten rüberbringt: Sie zeigt einen kleinen Jungen, der auf den Straßen Londons mit der einen Hand eine selbstgebastelte Pappgitarre umklammert und die andere in Siegerpose gen Himmel reckt. Es ist nicht schwer zu erraten, warum Graham Nash das Motiv an den Anfang des Bildbands gestellt hat. Jede der Karrieren, die das Buch dokumentiert, hat wohl mit einem Traum begonnen. "Ich war dieses Kind", sagt der Brite, "voller Energie und Leidenschaft."

Zum Weiterlesen:

Graham Nash, Jasen Emmons: "Icons of Rock - Unvergessliche Photographien". Schirmer/Mosel Verlag, München 2010, 160 Seiten.

Artikel bewerten
3.6 (88 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Wilma Wupp 18.05.2010
Hallo, geht's noch? Ein Text über Fotoikonen der Musikgeschichte mit lauter Typen. Die einzige Frau darf sich an die Brust des Sängers schmiegen. Wie outdated und blind ist das denn? Frauen wie Patti Smith, Janis Joplin, Blondie und wie sie alle heißen sind aus der Musikgeschichte jawohl nicht wegzudenken. Es sei denn, man ist völlig blind durch eben diese gelaufen. Die Ladies (und einige nach ihnen) haben dafür gekämpft, um in dem Business unterzukommen. Aber eine Journalistin bringt es fertig, so eine Fotoreihe zu posten. Danke für den Schmalspurblick, der sich leider öfters in den Musikartikeln des Spon und der Rubrik eines tages wiederfindet. Warum nur?
2.
J. Larsson 18.05.2010
Aus gegebenem Anlass, zum heutigen 30.ten Todestag von Ian Curtis (Joy Division) hat Intro-Fotografin Katja Ruge eine Fotodokumentation über Orte, die mit dem verstorbenen Ian Curtis in Verbindung stehen, als Buch veröffentlicht. Anlässlich des 30. Todestages des Joy Division Sängers wird "Fotoreportage 23 - In Search Of Ian Curtis" nun in der Kulturreich Galerie in Hamburg als Ausstellung zu sehen sein. Ab 18. Mai läuft die Ausstellung und wird am 6. Juni beschlossen mit einem Konzert von Sarah Blackwood (Client) http://www.lastagenda.de/kulturreich-galerie_katja-ruge-fotoreportage23-in-search-of-ian-curtis/ http://www.katjaruge.de/
3.
Olaf Fiebig 19.05.2010
> >Frauen wie Patti Smith, Janis Joplin, Blondie und wie sie alle heißen sind aus der Musikgeschichte jawohl nicht wegzudenken. Es sei denn, man ist völlig blind durch eben diese gelaufen. Die Ladies (und einige nach ihnen) haben dafür gekämpft, um in dem Business unterzukommen. > Ausser Promo-Fotos sind mir von Debbi Harry und Janis Joplin keine sehr vorteilhaften Bilder bekannt. Koennte mir vorstellen, dass gerade aus diesem Grund die Damen nicht gezeigt wurden. Ein maennlicher Musiker mit Bierflasche und glasigem Blick wird im Gegensatz zu Frauen nicht als vulgaer etc. empfunden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH