Sturm der Fußballflegel Giorgio Chinaglia, Mann mit mafiösen Kontakten

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"Ein Kanonenrohr aus Muskeln und Sehnen" - mit diesen Worten wurde Italiens Stürmerstar der Siebzigerjahre von Nationalheld Guiseppe Meazza geadelt. Giorgio Chinaglia, Jahrgang 1947, taucht in dieser Liste auch deshalb auf, weil so ein Bösewicht-Image nicht immer nur zu aktiven Zeiten zusammengestümpert sein muss.

Nach seinen Erfolgsjahren bei Lazio Rom, inklusive Trophäe als Torschützenkönig, wechselte Chinaglia 1976 zu New York Cosmos und stieg an der Seite von Pelé und Franz Beckenbauer zum Popstar auf. In der italienischen Nationalmannschaft war es gar nicht gut für ihn gelaufen, nun traf der große und breitschultrige Angreifer in der nordamerikanischen Liga überragend - 193 Tore in 213 Partien, im Schnitt fast eines pro Spiel.

1983 kaufte er seinen früheren Arbeitgeber aus Rom und führte ihn als Lazio-Präsident prompt in die Pleite und die zweite Liga. Chinaglia stand erstmals vor Gericht, wegen Bilanzfälschung und betrügerischen Bankrotts.

2006 war er kurz davor, Lazio erneut zu übernehmen - diesmal allerdings als Strohmann für die Camorra: Zur neapolitanischen Variante der Mafia wurde ihm eine gefährliche und vor allem verbotene Nähe vorgeworfen, ebenso Kursmanipulationen sowie die Bedrohung und Erpressung des Lazio-Präsidenten. Als die italienische Justiz einen Haftbefehl gegen ihn ausstellte, floh er in die USA, wo er am 1. April 2012 starb.

So grandios seine Karriere als Spieler war - die zwei Jahrzehnte danach werden in ganz schlechter Erinnerung bleiben.

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