Fußballlegende Gerd Müller Als der "Bomber" abhob

Er galt als einer der besten Stürmer der Fußballgeschichte - doch als Gerhard "Gerd" Müller am 8. April 1967 mit der Nationalelf gegen Albanien antrat, musste er sich noch beweisen. Tanja Krienen sah zu - beim ersten Live-Fußballspiel ihres Lebens. Und erlebte hautnah ein Stück Fußballgeschichte.

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Gleich beim ersten Mal "müllerte" es so klassisch wie bei seinem letzten Tor im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1974 in München. Der gegnerische Abwehrspieler trat über den Ball, Gerd Müller stand "zufällig" richtig, brachte den verlängerten Rücken leicht ausgestreckt hinter den Ball und drückte diesen aus nur sechs Metern Entfernung über die Linie. Man schrieb den 8. April 1967. Die Deutsche Elf war gerade in der 6. Minute mit 1:0 in Führung gegangen. Am Ende hieß es 6:0 gegen den "Fußball-Zwerg" Albanien und Gerd Müller hatte in seinem zweiten Länderspiel gleich viermal getroffen!

Bis heute haftet Gerd Müller der Ruf des wohl legendärsten Stürmers an, der je für Deutschland - im Verein für den FC Bayern München - seine Fußballschuhe schnürte. Dabei währte seine Kernkarriere in der Nationalmannschaft nur rund sieben Jahre.

"Steinzeitkommunismus" in Dortmund

Ich hatte damals mein zehntes Lebensjahr noch nicht ganz vollendet, und war doch schon live im Stadion dabei. Schon im Jahr zuvor war mein erstes Interesse für den Fußballsport geweckt worden, als ich das Cup-Finale von Borussia Dortmund in Glasgow gegen den FC Liverpool am Fernsehschirm erlebte. Aber so ein Live-Spiel war etwas ganz anderes. Noch nie zuvor war ich inmitten einer Menschenmasse dieser Größenordnung, aber mein Vater war ja bei mir und so fühlte ich mich sicher. Auseinandersetzungen zwischen Fans waren ohnehin nicht zu erwarten, denn die Mannschaft aus dem "steinzeitkommunistischen Land" von Envar Hodscha, kam ohne Anhänger in das "Stadion Rote Erde" in Dortmund.

Eigentlich die Heimstätte Borussia Dortmunds, in der die Mannschaft im Jahre zuvor große Erfolge im "Europapokal der Pokalsieger" feierte und letztlich in Glasgow den Cup gegen den FC Liverpool gewann, war das Dortmunder Stadion an diesem Samstag, den 8. April 1967, erst zum zweiten Male in seiner Geschichte Schauplatz eines Länderspiels - nach einer Partie im Jahre 1935 gegen Irland. Müller hatte sein Debüt in der Mannschaft von Helmut Schön zwar schon im Oktober 1966 gegeben, doch er war beim 2:0-Erfolg der Deutschen in der Türkei nicht unter den Torschützen. Es sollte ein halbes Jahr und weitere vier Länderspiele dauern, ehe er wieder eine Chance erhielt, die er dann überragend nutzte.

Sieben Jahre später - mit nur 28 Jahren - erklärte Gerd Müller nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 seinen Abschied aus der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Vom Höhenflug zum Fußball-Debakel

Obwohl wir in Dortmund waren - der einzige Dortmunder, der an diesem Tag im April 1967 zum Einsatz kam, stand im Tor: Hans Tilkowski. Er absolvierte quasi sein Abschiedspiel in der Nationalmannschaft, denn es stand die "Ära Sepp Maier" vor der Tür und auch Horst Wolter vom werdenden Meister Eintracht Braunschweig setzte den Dortmunder Routinier unter Druck. Tilkowski stand nach diesem Tag nie mehr wieder im Tor der National-Elf. Helmut Schön hatte die Dortmunder Zuschauer brüskiert, da er sonst niemanden des amtierenden Europokalsiegers berief, weder Siggi Held, noch Lothar Emmerich, der sich nach dem Saisonschluss Anfang Juni 1967 die Torjäger-Trophäe (eine kleine Kanone) mit Gerd Müller teilte. Beide trafen in der Saison 1966/67 für ihre Vereine 28-mal.

Die Erwartungshaltung an jenem Tag war jedoch bei allen Fußballfans sehr hoch, schließlich hatte Deutschland rund acht Monate zuvor im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft gestanden und dort unglücklich gegen den Ausrichter England 2:4 nach Verlängerung durch das berühmte "Dritte Tor" verloren. Mit Tilkowski stand nun der Torwart, der das "Wembley-Tor" kassiert hatte, auf dem Platz - schon das flößte mir mächtigen Respekt ein. Durch das Länderspiel an jenem Tag leckte ich Blut: Fortan besuchte ich mit meinem Vater regelmäßig Spiele von Borussia Dortmund.

Das Rückspiel gegen den eingangs erwähnten "Fußballzwerg" Albanien, wurde übrigens alles andere als ein leichter Gang, sondern endete in der "Schmach von Tirana" - dem bis dato größten Fußball-Debakel Deutschlands: Als Vizeweltmeister scheiterte die Nationalelf schon in der Qualifikation zur EM 1968. Kein Wunder: Gerd Müller fehlte bei diesem Spiel.



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