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Fußballtragödie von Hillsborough Tod am Zaun

Fußballtragödie von Hillsborough: Tod am Zaun Fotos
Getty Images/David Cannon/Allsport

Überlebenskampf im Mittelblock: Tausende Fußballfans stürmten am 15. April 1989 das Hillsborough-Stadion im englischen Sheffield, obwohl die Ränge längst überfüllt waren. 96 Menschen wurden zu Tode gequetscht - eine Katastrophe, die den Fußball für immer veränderte. Von Jannik Pentz und

Es ist, zumindest auf dem Papier, ein ganz normales Fußballspiel. Der FC Liverpool spielt am 15. April 1989 gegen Nottingham Forest um den Einzug in das Finale des FA Cups. Es ist die gleiche Partie wie vor einem Jahr, damals schlug Liverpool Forest mit 2:1 und zog ins Finale ein. Das Spiel im Hillsborough Stadion, der Heimat von Sheffield Wednesday, ist deshalb schon seit Wochen ausverkauft. Und doch reisen viele, viele Fans auch ohne Ticket nach Sheffield, in der Hoffnung auf dem Schwarzmarkt fündig zu werden.

Auch Gary Burns hat sich an diesem Samstag auf den Weg gemacht. Der 17-Jährige hat ein Ticket für die Leppings-Lane-Tribüne hinter dem Tor, mit Freunden aus Liverpool will er das Spiel sehen. Als er gegen viertel vor zwei das Stadion erreicht, herrscht dort eine heitere Atmosphäre. Die Sonne scheint, es ist nicht zu warm. Viele LFC-Anhänger warten bereits vor den Zäunen auf den Einlass, man singt sich ein, der Schwarzmarkt blüht, berittene Polizei verfolgt gelassen die Szenerie. Vor dem Stadion werden Programmhefte verteilt. Ein Foto ist im Innenteil abgedruckt. Leppings Lane, gefüllt mit gut gelaunten Anhängern aus Liverpool, ein Bild aus dem letzten Jahr. Dazu heißt es: "Wenn Sie sich in Hillsborough umschauen, werden Sie begreifen, warum es der perfekte Ort für jede Art von großen Spielen ist."

Schon bald jedoch strömen immer mehr Fans zum Stadion, mit Tickets, ohne Tickets. Und um 14.30 Uhr drängeln sich 10.000 Fußballfans aus Liverpool auf engstem Gebiet vor den Drehkreuzen und versuchen, ins Stadion zu gelangen. Gary Burns steckt mitten in der Menschenmenge. "Ich begriff, dass ich mich nicht bewegen konnte. Ich rief nach meinem Freund Geoff, er antwortete mir nicht", erinnert er sich. "Ich konnte nun nicht einmal mehr meine Schultern bewegen."

Ratlos versuchen sich die berittenen Polizisten ihren Weg durch die Menge zu bahnen, vergeblich. Auch Menschen ohne Ticket werden nun in Richtung der Eingänge gedrückt, ohne jede Chance, dem Strom zu entfliehen. Der Anpfiff rückt immer näher, mit der Angst die ersten Spielminuten zu verpassen wächst auch der Druck auf die Tore vor dem Stadion. Um ihn zu mildern, entscheidet sich der verantwortliche Polizeidirektor David Duckenfield, ein Beamter ohne nennenswerte Erfahrung mit solchen Großereignissen, schließlich dazu, das als Ausgang konzipierte "Gate C" zu öffnen. Durch das Gate, das nicht wie ein Eingangstor über Drehkreuze verfügt, gelangen Hunderte Fans in kürzester Zeit ins Stadioninnere. Ein fataler Fehler, während die Teams schon auf dem Platz auflaufen, strömen immer noch Fans auf die Ränge der überfüllten Liverpooler Fankurve.

Gary Burns ist von der Menge in einen langen, engen Tunnel geschoben worden, der die Aufgänge mit den Stehplätzen verbindet. Wie durch einen Flaschenhals drängen immer mehr Menschen von hinten nach. Burns kann nun nicht einmal mehr den Kopf bewegen. Von vorne dringen panische Rufe: "Geht zurück, geht zurück", die Fans im Tunnel brüllen nicht minder verzweifelt zurück: "Wir können nirgendwohin." Die ersten Fans verlieren die Nerven. Eine Frau schreit immer wieder: "Lasst mich raus, lasst mich raus!" Neben Burns bricht ein Junge zusammen. "Seine Augen waren geschlossen, sein Gesicht kalkweiß." Mit letzter Kraft wird das Kind aus der Menge gezogen und über den Köpfen hinausgereicht.

Obwohl die Polizei Bedenken hat, pfeift der Schiedsrichter die Partie pünktlich um 15 Uhr an, die Aufmerksamkeit der Menschenmasse richtet sich nun vollends auf das Spielfeld. "Beardsley hat die Latte getroffen", ruft einer von vorne. Hinten ringen die Menschen um Luft. Fans, die noch außerhalb des Stadions stehen und nicht noch mehr vom Spiel verpassen wollen, drängen nach. Sie merken nicht, welche dramatischen Szenen sich im unteren Teil der Tribüne abspielen. Durch den Druck von oben werden die Menschen gegen Gitter und Zäune gepresst, ringen nach Luft, kämpfen ums Überleben. Der mittlere Block direkt hinter dem Tor, der sogenannte "Pen 3", wird zum Todesblock. Er ist nach links und rechts durch hohe Zäune von den Nachbarblöcken getrennt. In ihm sterben schon kurz nach drei die ersten Fans, aufrecht stehend an Kreislaufversagen oder Atemstillstand inmitten ihrer Freunde.

Bemerkt wird dies zuerst nur von den Fans in direkter Umgebung. Erst als es den ersten Anhängern gelingt über den Zaun auf das Spielfeld zu klettern, wird der Ernst der Lage erkennbar. "Helft uns", rufen Fans über den Zaun zu den Fotografen. Doch die rangeln um den besten Platz für dramatische Motive. Auf Anweisung der Polizei wird das Spiel in der sechsten Spielminute unterbrochen. Schiedsrichter Ray Lewis schickt die Mannschaften in die Kabine. Kenny Daglish, der Trainer des FC Liverpool, erinnert sich: "Wir warteten im Korridor, als plötzlich einige Fans den Kabinengang hinauf gelaufen kamen und riefen: 'Kenny, Kenny, da draußen sterben Menschen!'"

Doch noch immer öffnen Polizisten und Ordner nur Tore im oberen Bereich der Tribüne, die Tore zum Spielfeld bleiben verschlossen, obwohl sogar das Fernsehen die qualvoll verzerrten Gesichter der Anhänger unten am Zaun einfängt. "Bloß kein Platzsturm", lautet die Order, die Masse soll um jeden Preis unter Kontrolle gehalten werden. Während die Fans im oberen Teil der Blöcke schließlich auf die immer noch halbleeren Nebenblöcke ausweichen können, geht das Sterben im unteren Teil des Mittelblocks weiter. Vom Oberrang herab recken sich Hände und ziehen einzelne Anhänger aus dem mörderischen Gedränge nach oben.

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Ute Thiemann, 16.04.2009
Leider handelt es sich bei diesem Artikel (wie so oft) primär um Zusammengestoppeltes aus anderen Internetquellen. Sicher, hier soll nur ein Überblick über die damalige Katastrophe gegeben werden, da muss das wohl reichen. Aber es wäre schon schön, wenn dann wenigstens keine peinlichen Übersetzungsfehler zeigen, wie wenig die Verfasser von der Materie wissen: "Währenddessen spielen sich im Gymnasium neben dem Stadion in Sheffield erschütternde Szenen ab" - wohl eher nicht! Das "Gymnasium" ist mitnichten eine Schule, sondern die Sport- und Trainingshalle des Sheffield Wednesday FC, dem das Hillsborough Stadion gehört (ebensowenig ist es eine "Turnhalle", wie sie sich gemeinhin in Schulen findet; dies lässt sich auch unschwer in den Quellentexten erkennen, zur Not mithilfe eines Englisch-Deutsch-Wörterbuches). Es sind Kleinigkeigten wie diese, die zeigen, wenn schlampig recherchiert wird.
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