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Geänderte Filmenden Stuss am Schluss

Geänderte Filmenden: Stuss am Schluss Fotos
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Alles hat ein Ende, nur der Film - hat zwei! Um den großen Kinohit zu landen, lässt Hollywood oft in letzter Sekunde noch einen völlig neuen Ausgang drehen - auch wenn der gar nicht zum Film passt. einestages verrät, wie "Pretty Woman", "Rambo" und Co. eigentlich ausgehen sollten. Von

Erinnern Sie sich noch an die romantische Komödie des Jahres 1990? Das beschwingte Hollywood-Märchen "Pretty Woman" mit Julia Roberts in der Rolle der Prostituierten Vivian, die am Wegesrand in Hollywood zufällig von Richard Gere aufgelesen wird? Wissen Sie noch, wie sie den gutaussehenden Millionär verzauberte, als sie im Sternerestaurant aus Versehen die Weinbergschnecken durch die Luft schleuderte oder lauthals in der Badewanne sang? Wie er sie im Abendkleid zur Oper ausführte, und "La Traviata" das leichte Mädchen zu Tränen rührte?

Und erinnern Sie sich auch noch, wie er ihr offenbarte, dass sie ihren neuen Pelzmantel jetzt zurückgeben muss und er sie zurück zum Straßenstrich fährt? Wie er sie aus dem Auto zerrt und zu Boden stößt, weil ihn ihr Geheule nervt? Wie er ein paar Geldscheine neben sie aufs Pflaster schmeißt und einfach wegfährt? Nein? Das liegt daran, dass die Produzenten des Films beschlossen, das ursprünglich geplante Ende von "Pretty Woman" durch ein zuckersüßes Happy End zu ersetzen.

Ursprünglich sollte die Romantik-Schmonzette "Pretty Woman" ein hartes, realistisches Drama über eine drogenabhängige Hure werden, die ein eiskalter Geschäftsmann in das Leben der oberen Zehntausend einführt und anschließend wieder fallen lässt. Drehbuchautor Jonathan Lawton hatte etliche Interviews mit Prostituierten geführt, sich ihre Geschichten über Missbrauch, Drogensucht und Perversionen angehört, um ein ungeschöntes Bild von ihrem Leben zu zeichnen. Dann kaufte Disney die Rechte.

Sitcom-Spezialist Garry Marshall wurde als Regisseur verpflichtet - und verwandelte das Drehbuch in eine luftig-leichte "Cinderella"-Neuauflage mit FSK-12-Altersfreigabe.

Vom Freier zum Märchenprinzen

Lawton war entsetzt darüber, wie Disney sein Prostituiertendrama mit Zuckerguss überzog. Und nicht nur er: Eine Schauspielerin nach der anderen lehnte die Rolle der Vivian ab, weil sie ihnen sexistisch und verlogen erschien: Meg Ryan und Michelle Pfeifer gefiel der Tonfall des Scripts nicht, Daryl Hannah schimpfte, die Rolle sei "eine Erniedrigung für alle Frauen", und Jennifer Jason Leigh explodierte förmlich vor Wut, als der Regisseur ihr erläuterte, Vivian mache "den Job erst ein paar Wochen, darum hat sie dabei noch richtig Spaß". Am Ende entschied man sich aus der Not heraus für Julia Roberts, die hartnäckig um die Rolle gebuhlt hatte - obwohl die Produzenten sie eigentlich gar nicht wollten: Sie glaubten nicht, dass man Roberts zur feinen Dame aufhübschen könnte.

Das Publikum jedoch liebte das rosarote Märchen um den Freier, der eine arme Hure zur Dame von Welt macht und durch sie ein besserer Mensch wird: "Pretty Woman" spielte weltweit an den Kinokassen mehr als 463 Millionen Dollar ein, machte die unbekannte Julia Roberts zur bestbezahlten Darstellerin Hollywoods, verhalf Richard Gere zu seinem Comeback und wurde eine der erfolgreichsten Liebeskomödien der Kinogeschichte.

Selbstmord im Mutterleib

Sie denken, Sie wurden um einen großen Filmklassiker betrogen? Das dicke Ende kommt erst noch: Etliche Filme, die wir seit Jahren lieben, immer und immer wieder gesehen haben, im Schlaf mitsprechen können, sollten eigentlich völlig anders enden.

Manchmal, weil ein Studiochef verärgert war, dass er das Ende nicht verstand. Oft, weil ein Produzent um seinen Gewinn besorgt war. Meistens aber, weil das Testpublikum, das den Film zuerst zu sehen bekam, einen anderen Schluss verlangte. Nicht selten trieben die Last-Minute-Änderungen Regisseure und Schauspieler zur Verzweiflung - aber oft wurden die auf Stromlinie getrimmten Blockbuster anschließend tatsächlich Hits an der Kinokasse.

Doch um welchen Preis? Was wurde uns alles dafür vorenthalten? Nie durften wir zum Beispiel miterleben, wie Sylvester Stallone 1982 als traumatisierter Vietnam-Kriegsveteran John Rambo am Ende von "Rambo" weinend zusammenbricht - und dann etwas Unfassbares tut. So viel tragischer und erschütternder hätte der ganze Film mit diesem Ende sein können. Aber das Testpublikum fand es zu deprimierend.

Um wie viel Dramatik uns die in Hollywood wie ein Gottesurteil behandelten Testvorführungen schon gebracht haben, kann man nur erahnen. Fest steht: Ohne sie hätten wir am Ende des Eifersuchtsdramas "Eine verhängnisvolle Affäre" 1987 erlebt, wie Michael Douglas von seiner Geliebten in eine letzte, unfassbar perfide Falle gelockt wird, die ihn seine Freiheit kostet. Oder wie Ashton Kutcher 2004 als Zeitreisender am Ende des Mystery-Thrillers "Butterfly Effect" zurück in die Fruchtblase seiner Mutter reist, um als Embryo Selbstmord mit der Nabelschnur zu begehen und so seine Freundin zu retten. Doch die Erstzuschauer machten nicht mit - und bescherten uns stattdessen massentaugliche Enden von der Stange.

Vor diesem radikalen Kurswechsel in letzter Sekunde scheint kein Genre sicher zu sein, von der Teeniekomödie bis zum Science-Fiction-Klassiker - selbst manchem Zombiefilm wurde ein schmalzigeres Ende verpasst. Und sollten Sie sich jetzt fragen, ob Ihr Lieblingsfilm wirklich endet, wie er schon von Anfang an enden sollte: Schauen Sie einfach selbst nach - in der einestages-Bildergalerie.

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1.
Peter Werner, 29.05.2012
Schade, dass einer der hier genannten Filme - "Dawn of the Dead" - Deutschland nach wie vor in seiner Normalfassung einem Totalverbot (auch für Erwachsene) unterliegt. Offiziell erhältlich ist lediglich eine grauenhafte, sinnentstellende Zensurfassung. In dieser ist nicht mehr enthalten, was den ursprünglichen Film ausmacht. Dann ja, es lebe das "zensurfreie" Ausland.
2.
Michael Stiewe, 29.05.2012
Sommerloch? Kam doch erst, dieser Beitrag.
3.
Rüdiger Kohl, 29.05.2012
Nicht zu Vergessen: Der Herr der Ringe! Solch einen Stuss am Schluss hab ich selten gesehen. Herr Tolkien würde "sich im Grab umdrehen".
4.
Klaus Garms, 29.05.2012
Zumindest bei Blade Runner wurde letztlich doch noch die originale Version veröffentlicht (erst als "Director's Cut" und dann sogar noch ein "Final Cut"), die tatsächlich viel stimmiger ist als die zuerst veröffentlichte "kastrierte", die ich auch damals schon merkwürdig und atmosphärisch inkonsistent fand. Auch bei manchen anderen Filmen finden sich alternative Abschlüsse oder Szenen zumindest auf der DVD/BluRay, was ganz interessant sein kann.
5.
Klaus Garms, 29.05.2012
>Nicht zu Vergessen: Der Herr der Ringe! >Solch einen Stuss am Schluss hab ich selten gesehen. >Herr Tolkien würde "sich im Grab umdrehen". Weshalb? Gerade der Schluß ist da ziemlich nah am Buch. Tolkien hatte noch zu Lebzeiten selbst mit dem Gedanken einer Verfilmung gespielt und Vorgespräche mit Interessenten geführt. Dabei war ihm immer klar gewesen, daß für eine filmische Umsetzung wahrscheinlich erhebliche Änderungen notwendig gewesen wären, natürlich vor allem damals noch im Hinblick auf die stark beschränkten optischen Trick-Möglichkeiten, aber auch auf die Notwendigkeit von Kürzungen. Mit Jacksons Realisierung wäre er wahrscheinlich sogar ziemlich zufrieden gewesen; Und zumindest ich fand die Handlungs-Modifikationen der beiden Drehbuch-Autorinnen Frances Walsh & Philippa Boyens in vielen Punkten geradezu genial*und teils deutliche Verbesserungen geenüber dem Buch.
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