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Ausgabe 20/2010

Gekapertes DDR-Flugzeug Entführt in die Freiheit

Von jetzt auf gleich mussten sie sich entscheiden: 1978 kaperte ein DDR-Bürger ein polnisches Linienflugzeug und zwang es zur Landung in West-Berlin. 50 Passagiere hatten die Wahl - dort bleiben oder in ihre Heimat zurückkehren? Nicht alle wurden glücklich mit der Entscheidung.

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DPA

Sie redet nicht gern über den Tag, an dem sie fort wollte und doch blieb. Barbara Galonska sitzt am Esstisch und blickt aus dem Fenster ihrer Wohnung in Berlin. Irgendwo dort draußen im Himmel fängt die Geschichte an. Sie hätte aus ihrem Land, der DDR, so leise verschwinden können wie aus einem schlechten Film im Kino.

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Als Frau, die nicht geflohen ist, muss sie sich erklären, auch 32 Jahre danach. Barbara, warum bist du nicht weg, als du konntest? Warum hast du deinen Sohn entscheiden lassen, einen Neunjährigen?

Der Tag, der ihr heute noch zu schaffen macht, ist der 30. August 1978. Am Morgen steigt in Danzig eine Tupolew mit 50 DDR-Bürgern in den Himmel und landet später - außerplanmäßig - in West-Berlin. Dort beginnen für Barbara Galonska und die anderen die Fragen. Soll man alle und alles verlassen, was man liebt, bloß um freier sein zu können? Wie schnell lässt sich so etwas entscheiden? Wie leicht kann man aus seinem Leben treten?

An diesem 30. August weiß Barbara Galonska rasch, was sie will, auch Ingrid Ruske, Bardame aus Ost-Berlin. Andere wie Constanze Schröder, Klinikangestellte aus Dresden, müssen überlegen.

Keine der drei Frauen ahnt im August 1978, dass die Mauer elf Jahre später zusammenbrechen wird und damit ihr Staat. Keine glaubt an die Möglichkeit, in Zukunft frei reisen zu dürfen. Es gibt Menschen, die ihre Flucht aus der DDR über Monate und Jahre planen; die davon nicht einmal träumen, mittels Fügung, Schicksal oder Glück nach Westen geschleudert zu werden, so wie Barbara Galonska, Ingrid Ruske und Constanze Schröder. Drei Bürgerinnen der DDR, die durch Zufall im selben Flugzeug sitzen, das eigentlich in Ost-Berlin landen soll.

Barbara Galonska ist eine zarte und sensible Frau, kunstverliebt. Sie ist mit ihrem neun Jahre alten Sohn nach Danzig an die Ostsee geflogen, um den Sommer zu genießen. Von ihrem Mann, einem Schauspieler, lebt sie getrennt, ihr Sohn sei ihr Vertrauter gewesen, ihr Verbündeter. Sie bleiben zwei Wochen, der Rückflug geht am 30. August. LO 165 soll um 8.40 Uhr nach Berlin-Schönefeld starten.

Constanze Schröder hat als Mutter von zwei Kindern, als Hausfrau und Krankenschwester kaum eine ruhige Sekunde. Sie ist immer in Bewegung, seit drei Jahren verheiratet, allerdings gibt es nicht viel, was ihre Ehe noch zusammenhält. Nur weil ihr Mann Freunden in Danzig seinen Sohn und seine Tochter zeigen will, verreisen sie ein letztes Mal gemeinsam und fahren mit dem Trabi von Dresden nach Danzig. Kurz vor dem Ziel kommt der Wagen von der Straße ab, überschlägt sich und bleibt mit Totalschaden liegen. Für die Rückreise bekommen sie Plätze im Flugzeug nach Berlin.

Ingrid Ruske verdient ihr Geld als Kellnerin, eine selbstbewusste Frau mit kurzen blonden Locken. In Danzig wartet sie auf ihren Geliebten, der nicht erscheint. Den Flughafen erreicht sie mit ihrer Tochter und einem Freund aus Ost-Berlin gerade noch rechtzeitig. Bei der Sicherheitskontrolle findet eine Zollbeamtin im Mäntelchen der Tochter eine Pistole, die Beamtin denkt, es sei Kinderspielzeug. Das Mädchen bekommt die Pistole zurück. Ingrid Ruske versucht, ihre Nervosität zu verbergen.

Die Flugstrecke von Danzig bis Berlin-Schönefeld beträgt Luftlinie 393 Kilometer, eineinviertel Stunden Flug. Barbara Galonska sitzt ihrem Sohn gegenüber rechts an einem Vierertisch, Reihe 2, Familie Schröder besetzt mit den beiden Kindern die Reihen 12 und 13 auf der rechten Seite. Ingrid Ruske sitzt mit ihrer Tochter links vom Gang in Reihe 6.

Unter ihnen zieht die Oder vorbei, sie erreichen den Luftraum der Deutschen Demokratischen Republik. Die Maschine geht in den Sinkflug, als ein Mann in Reihe 6 rechts aufsteht und nach vorn geht. Er heißt Detlev Tiede, es ist der Bekannte von Ingrid Ruske.

Die Tupolew Tu-134 bietet Platz für 72 Reisende, die während des Flugs die beiden Solowjew-Triebwerke deutlich hören. Es ist fast unmöglich, jemanden wenige Reihen weiter vorn zu verstehen, auch wenn er schreit. Die Maschine ist an diesem Tag nicht ganz ausgebucht, an Bord sind 50 Bürger der DDR, 10 aus Polen, ein Mann aus München und eine Frau aus West-Berlin. Die Besatzung besteht aus dem Kapitän, dem Co-Piloten, einem Mechaniker, einer Stewardess, zwei Stewards und einem Navigator, der in einer gläsernen Kanzel in der Nase der Maschine hockt. Obwohl elf Monate zuvor palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine "Landshut" in ihre Gewalt brachten und die halbe Welt vor Entführern Angst hat, steht die Tür zum Cockpit offen. Die LOT, die Polskie Linie Lotnicze, vertraut ihren Passagieren.

Detlev Tiede geht den Mittelgang entlang. Als er an Barbara Galonska vorbeikommt, sieht sie, dass er die Hände vor den Bauch presst. Jemand, dem übel ist und der aufs Klo will, denkt sie.

Barbara Galonska, Reihe 2, arbeitet als klinische Kosmetikerin in der Berliner Charité: Narben überschminken, Akne behandeln. Manchmal stellt sie sich vor, welche Staaten der Erde sie bereisen würde, wenn die Mauer verschwunden wäre.

Constanze Schröder, Reihe 12, arbeitet als Kinderkrankenschwester in Dresden. Mit 16 hat sie die Erweiterte Oberschule verlassen müssen, man unterstellte ihr zu viel Distanz zum System. Ihr Vater war Pfarrer, und obwohl sie dadurch Nachteile hat, will sie nicht weg. Ihr Mann dagegen drängt hinaus aus der DDR. Er würde, um endlich fort zu sein, sogar durch die Donau schwimmen.

Ingrid Ruske, Reihe 6, will nach West-Berlin wegen eines Mannes, der sie liebt, der Geld hat und einen westdeutschen Pass. Er lebt in einer Wohnung, die groß genug ist für zwei Menschen und Ingrid Ruskes Zwergpudel. Ihr Antrag auf Übersiedlung wurde jedoch abgelehnt.

Mit ihrem Geliebten organisiert sie ihr heimliches Verschwinden. Ein zweiter Mann soll ihr helfen, Detlev Tiede. Ingrid Ruske hatte mit ihm eine Affäre, sie sind befreundet. Tiede will in den Westen wegen einer Frau und wegen seines Sohnes.

Den Plan haben sie oft durchgespielt: Tiede fährt mit dem Zug nach Danzig, Ruske und ihre Tochter reisen per Flugzeug hinterher. Ruskes Geliebter besorgt im Westen falsche Pässe und übergibt sie ihnen am Bahnhof. In Danzig nehmen alle die Fähre nach Travemünde. Der Plan klingt simpel, doch der Westgeliebte und die Pässe kommen nie in Danzig an.

Die Stasi bekommt einen Tipp und leitet den Operativ-Vorgang "Fähre" ein: Hinweis auf ungesetzliches Verlassen der Republik. Eine Freundin hat Ingrid Ruske verraten. Zollbeamte durchsuchen ihren Geliebten im Zug an der polnischen Grenze, finden die gefälschten Papiere; die falschen polnischen Zollstempel stecken in seinen Schuhabsätzen. Als ihr Geliebter nicht erscheint und in seiner Berliner Wohnung nicht ans Telefon geht, wird Ingrid Ruske unruhig. Sind sie aufgeflogen? Was weiß die Stasi? Auf die Fähre nach Travemünde kommt sie ohne falschen Pass nicht. Nach Ost-Berlin können sie auch nicht mehr, weil dort vermutlich die Stasi wartet. Wohin also sonst? Sie brauchen einen Ersatzplan, einen Notausgang nach Westen gewissermaßen.

Ingrid Ruske besitzt ein Rückflugticket für den 30. August nach Ost-Berlin. Detlev Tiede bekommt einen Platz in der selben Maschine. Auf einem Flohmarkt kauft er eine Pistole der Marke Mondial, wie sie beim Start von Wettläufen abgefeuert wird, ungefähr 80 Jahre alt, man muss Zündplättchen hineinlegen, damit es kracht. Abends kniet sich Ingrid Ruske in Danzig auf eine Kirchenbank und bittet Gott um Beistand.

Am nächsten Tag, gegen 9.30 Uhr, packt Detlev Tiede die Stewardess von hinten an den Haaren und drückt ihr die Mündung der Pistole an den Kopf. Er brüllt, die Maschine solle in Tempelhof landen, in West-, nicht Ost-Berlin, er brüllt auf Deutsch, auf Polnisch, auf Englisch. Der Kapitän beobachtet ihn durch die Cockpittür, ruft ins Funkgerät, ein Terrorist sei an Bord, er will aber nicht das Leben der Stewardess gefährden. Niemand sieht, dass Tiede nur mit einer uralten Schiedsrichterpistole herumfuchtelt.

Um 10.04 Uhr setzt die Tupolew in Tempelhof auf. Tiede, Ingrid Ruske und ihre Tochter haben ihr Ziel erreicht. Mit ihnen landen insgesamt 50 Bürger der DDR auf westdeutschem Boden.

Ziemlich peinlich für die Stasi, die sich in den folgenden Stunden fragt, wie zur Hölle jemand, der beschattet wird, ein Flugzeug entführen kann. Wo waren die Leute vom polnischen Geheimdienst? Hätte die Crew den Entführer nicht überwältigen können? Erst Tage später wird die Abteilung X im Ministerium für Staatssicherheit feststellen, dass die Polen die Observation abbrachen, nachdem Ruske und Tiede im Flugzeug saßen. Sie rechneten nicht mit der Entführung.

Nach der Landung wirft Tiede die Pistole aus der Flugzeugtür. Amerikanische Soldaten begrüßen ihn mit den Worten: Willkommen im freien West-Berlin. Für sie ist er ein Held. Er ruft in die Kabine: Wer aussteigen will, kann raus! Zusammen mit Ruske und ihrer Tochter verlässt er das Flugzeug. Eine Frau aus Reihe 15, eine Radiologieassistentin aus Erfurt, läuft kurzentschlossen hinterher.

Zurück bleiben 46 Bürger der DDR. In Reihe 12 zischt der Mann von Constanze Schröder: Komm, wir steigen auch aus. Er wird keine Flüsse durchqueren müssen, um in den Westen zu gelangen. Er muss nur durch die Tür.

Seine Frau zögert. Sie denkt, wenn ich jetzt aussteige, sehe ich meine Eltern nie wieder. Sie wollte sich von ihrem Mann trennen. Hat sie noch den Mut dazu im Westen? Sie kennt niemanden. Was soll sie dort? Aber: Ist das nicht alles eine riesige Prüfung, die Chance des Lebens? Drei, vier, fünf Minuten überlegt sie. Dann springt sie auf und eilt mit ihrem Mann und den Kindern zum Ausgang.

Barbara Galonska bleibt sitzen, genau wie die anderen Passagiere. Die amerikanischen Soldaten führen sie später in eine Wartehalle im Flughafengebäude. Jeder dürfe im Westen bleiben, sagen die Amerikaner, sagen die westdeutschen Polizisten, sagen die Diplomaten. Für sie ist die Entführung ein Beweis dafür, dass niemand gern im Sozialismus lebt, zudem ist es eine hübsche Provokation des Feindes im Osten. Die Amerikaner sind davon überzeugt, dass ein Mensch im Jahr 1978, der die Wahl hat zwischen West und Ost, zwischen Freiheit und Unfreiheit, nicht lange nachdenkt.

Ein US-Offizier kündigt an, dass die Rückkehrwilligen mit einem Bus nach Ost-Berlin gefahren werden. Den Passagieren bleibt nicht viel Zeit. Kein ganzer Nachmittag, um alles zu verlassen: Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde. Ein paar Stunden, um ein Leben abzustoßen.

Eine Herausforderung des Schicksals, denkt Barbara Galonska. Sie geht mit ihrem Sohn zur Damentoilette, setzt ihn auf den Klodeckel und kniet sich vor ihn.

Wir bleiben hier, sagt sie, wir werden bald fliegen können, wohin wir wollen.

Sascha ist neun. Er mag Flugzeuge, er reist so gern wie seine Mutter. Er mag aber auch die Wohnung in Prenzlauer Berg. Er freut sich auf daheim, auf sein Kinderzimmer, die Bücher, die Spielsachen, auf Oma und Opa. Im gleichen Haus wohnen Zwillinge, bei denen er öfter übernachtet und die so alt sind wie er.

Sascha sagt: Ich will nach Hause.

Seine Mutter redet auf ihn ein, verpasst ihm eine Ohrfeige. Er wird trotzig, wehrhaft, quengelig. Seine Mutter will fort von zu Hause, er will bleiben. Sie hat die Macht, sie könnte entscheiden, dass er mit ihr geht. Sie hätte ihn gar nicht fragen müssen, einen Neunjährigen, schon gar nicht hätte sie tun müssen, was er fordert.

Sechs Tage nach der Entführung wird Barbara Galonska, immer noch Bürgerin der DDR, immer noch sehnsuchtsvoll, von Beamten des Ministeriums für Staatssicherheit vernommen, Hauptabteilung Untersuchung. Welchen Verlauf nahm der Aufenthalt des Flugzeugs auf dem Flughafen in Berlin-(West)-Tempelhof? Welchen Verlauf nahm Ihr Aufenthalt in Berlin (West)? Sie antwortet sechs Stunden und 15 Minuten lang, redet von dem Entführer, von der Familie, die ausstieg und nicht zurückkam, vom Verhör auf dem Flughafen durch Westbeamte. Von ihrer Sehnsucht, dem Fernweh und den Zweifeln sagt sie nichts.

Von allen DDR-Bürgern an Bord der Tupolew sind neun im Westen geblieben: Ingrid Ruske, ihre Tochter und Detlev Tiede; Constanze Schröder, ihr Mann und ihre beiden Kinder; dann noch ein Ehepaar aus Leipzig. 9 von 50. Die Radiologieassistentin aus Erfurt steht am Tag darauf am Übergang Berlin-Friedrichstraße vor den DDR-Grenzbeamten.

32 Jahre später sitzt Ingrid Ruske, die inzwischen Maron heißt, in einem Wirtshaus im Westen Berlins. Nach der Entführung wurde sie wegen Angriffs auf den Luftverkehr angeklagt, das Verfahren aber eingestellt. Ihr Geliebter, den die Stasi im Zug abgefangen hatte, wurde in der DDR wegen bandenmäßig organisierter Verbrechen sowie Fälschung von Personal- und Grenzübertrittsdokumenten zu acht Jahren Haft verurteilt. Er entschied sich erst Jahre später, Ingrid Ruske zu heiraten. Sie trennten sich nach elf Jahren, er starb 2006.

Heute sagt Ingrid Ruske: "Ich hatte keine Erwartungen an den Westen, und auch die wurden noch untertroffen." Ihr Leben in Ost-Berlin war glücklicher gewesen. Sie ließ sich zur Heilpraktikerin ausbilden und führt in ihrer West-Berliner Wohnung Akupunkturmassagen und Hypnosen durch. Termine nach Vereinbarung.

Detlev Tiede kam nach wenigen Monaten aus dem Gefängnis und spricht über die Entführung nur für Geld. Es gibt zwei Romane, einen Film und ein Theaterstück über den 30. August und die Zeit danach. Tiede lebt von seiner Geschichte. RTL zeigt dieses Jahr einen Spielfilm.

Constanze Schröder kam mit ihrem Mann und den Kindern zunächst in das Notaufnahmelager Marienfelde für Flüchtlinge aus der DDR. Zwei Tage nach der Entführung leitete die Stasi den Operativ-Vorgang "Rückkehr" ein. Der Staat streckte seine Hände aus und wollte Familie Schröder und das Ehepaar aus Leipzig zurückholen ins Kollektiv. Die Stasi wollte wissen, weshalb die beiden Familien dem System entflohen waren, man schickte auch den Vater von Constanze Schröder vor, um seine Tochter zur Rückkehr zu bewegen - vergebens.

Constanze Schröder zog nach Mannheim. Ihre Ehe hielt länger als gedacht, sie habe sich von ihrem Mann abhängig gefühlt, sagt sie heute, und wäre sie in Dresden geblieben, hätte sie sich schnell getrennt. Vor elf Jahren reichte sie dann doch die Scheidung ein. Ihr Mann wohnt in derselben Straße wie sie in Mannheim. Manchmal sieht sie ihn im Auto an ihrem Wohnzimmerfenster vorbeifahren.

Barbara Galonska dachte lange, ihr Sohn habe die Entführung vergessen. Ende der Achtziger durfte sie einen Onkel in Hamburg besuchen, und als sie nach einer Woche wieder zurückkam, schaute sie ihr Sohn erstaunt an: Mami, du bist ja wieder da? Er war überrascht, dass seine Mutter ihre zweite Chance zur Flucht nicht genutzt hatte.

Nach der Wende bekam sie eine Stelle bei der Gauck-Behörde und überprüfte die Stasi-Vergangenheit von Lehrern. Sie fing an, ihrem Fernweh nachzureisen, nach Florenz und Rom, nach Mexiko, Andalusien und Thailand, nach Kuba, Bali, Ecuador, Indonesien. Ihr Lebensgefährte ist Musiker und stammt aus Ghana. Sie führt das globale Leben, von dem sie in der DDR immer träumte.

Sie schaute auch in ihre Akte, die die Stasi anlegte, weil sie Kontakt zu Künstlern hatte. Die Akte endet am 30. August 1978, dem Tag der Entführung. Der Staat hielt es nicht für notwendig, sie länger zu beobachten.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Reinhard Schröder, 25.05.2010
1.
Es gab viele besondere spektakuläre Fälle von Flucht, wer spricht da von denen, die wirklich unter Gefahr für Leib und Leben die ehemalige DDR verlassen haben? Mein Partner zum Beispiel ist am 17.05.1982 nachts bei Dömitz zusammen mit einem Freund durch die Elbe geschwommen.
Thorsten NYC, 25.05.2010
2.
Von den 47 Passagieren, die sich ungeplant in Tempelhof wieder gefunden hatten, entschlossen sich also vier Erwachsene zum Bleiben im Westen. Je nachdem, wie viele Kinder noch an Bord waren, also ca. bis gut 10, vielleicht 15%. Ist dieser Prozentsatz überraschend? Nach meiner Einschätzung nicht. Er reflektiert anscheinend recht genau den Anteil der Ostdeutschen, die nicht nur frei reisen wollten (davon träumten wir alle), sondern selbst bei Verlust der Familie, der Freunde und der (engeren) Heimat permanent »rüber gemacht« wären.
max muetze, 26.05.2010
3.
Nun gilt es noch den Prozentsatz derjenigen ehemaligen DDR-Bürger zu ermitteln, der nach der Wende "selbst bei Verlust der Familie, der Freunde und der (engeren) Heimat permanent" rüber machen musste, weil er sich in der Heimat nicht mehr von seiner Arbeit ernähren konnte bzw. erst gar keine fand.
Marec Béla Steffens, 26.05.2010
4.
Sehr interessant! Allerdings, wenn der Autor schreibt: "Ihr Mann dagegen drängt hinaus aus der DDR. Er würde, um endlich fort zu sein, sogar durch die Donau schwimmen" - dann sollte er doch mal eine Landkarte zur Hand nehmen.
Jens Ziegenbalg, 26.05.2010
5.
Hallo Herr Steffens, durch die Donau konnte man bei Bratislava nach Österreich schwimmen. Und das ist mehr als einem geglückt. Eifach mal auf die Landkarte schauen, die geht im Osten weiter, jedenfalls mein Exemplar. Was die gefeierte Entführung betrifft. War das nicht eine Straftat erster Klasse? Würden Entführer und Entführte auch mit "Willkomen in der Freiheit..." begrüßt wenn heute eine Inlandsmaschine aus Burundi in Tegel landen müßte...
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