"Generation Golf" und Co. Ein Auto, uns alle zu einen

"Generation Golf" und Co.: Ein Auto, uns alle zu einen Fotos

Sind Sie "Generation X"? Ein "Digital Native"? Oder doch "Generation Y"? Seit den Achtzigern werden ständig neue Etiketten für Altersklassen erfunden - eine davon war die "Generation Golf". Zur Vorstellung der neuesten Ausgabe des VW-Bestsellers erklärt einestages die populärsten Generationen-Begriffe. Von

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Der neue Golf ist ein wenig flacher und breiter als sein Vorgänger und hat eckigere Scheinwerfer. VW rühmt sich außerdem bei der siebten Auflage, rund hundert Kilo Gewicht gespart zu haben. Als Extras kann der Kunde Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent oder eine City-Notbremsfunktion dazuordern. Ein Extra, für das man nicht bezahlen muss, ist allerdings längst nicht mehr erhältlich: Der Golf VII stiftet kein Generationsgefühl mehr. Hat VWs Bestseller das eigentlich jemals getan?

Zwölf Jahre ist es schon her, dass Florian Illies' Erfolgsbuch "Generation Golf" erschien. Darin erhob der Journalist das Gefährt zum Synonym für eine ganze Altersstufe: den Teenagern der achtziger Jahre, dem laut Illies "langweiligsten Jahrzehnt". Er beschreibt eine Generation bequemer Hedonisten, für die Mode und Marken politische Einstellung und den Wunsch nach Revolution ersetzt haben. Der Golf ist schick, neu und der kleinste gemeinsame automobile Nenner. Ein Wagen, den Mama und Papa ihren Nachkommen gern zum Abitur schenken, weil er solide ist und sicher.

Illies machte damit den Begriff zwar populär, reagierte aber auch nur auf eine VW-Werbekampagne, die in den späten neunziger Jahren einfach selbst ihre Zielgruppe zur Generation Golf vereinte. Anfang 1998 blickte Illies in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein wenig ratlos auf die Werbespots von Volkswagen, in der hippe Twens, die ihr Leben mal so richtig selbst in die Hand nehmen, dank ihres VW Golf mobil und flexibel sind.

Die per Reklame ausgerufene Generation, so Illies damals, wirke, "als habe sie ein ratloser Werbetexter auf einen Zettel gekritzelt, irgendwann nachts, nach dem zwölften Prosecco". Trotzdem ist der Stempel vor allem dank Illies' Buch im Gedächtnis geblieben. Denn an die Spots kann sich heute kaum jemand erinnern. Na gut: Was in "Generation Golf" stand, weiß heute auch keiner mehr so genau. Die Wendung hat sich trotzdem eingeprägt. War man nicht auch irgendwie Generation Golf?

Heilloses Durcheinander der Generationen

Vielleicht passt eine andere Generation aber noch besser. Denn der schwammige Begriff der Golf-Geprägten ist nur ein Brocken in einem heillosen Durcheinander der Generationen.

Dabei wurde in den ersten 80 Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Generationenbegriff noch recht sparsam gehaushaltet. Da gab es etwa die "Verlorene Generation" (zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg), die "Skeptische Generation" (die im Zweiten Weltkrieg kämpfte) oder die 68er. Lange Zeit sah es so aus, als bräuchte es tiefgehende politische oder gesellschaftliche Einschnitte, um eine Generation zu prägen - und als würde eine Handvoll Begriffe ausreichen, um die Zeitgenossen eines ganzen Jahrhunderts zu ordnen. Dann kamen die Achtziger.

Privatfernsehen, Computer und bald darauf das Internet sorgten in den achtziger und neunziger Jahren dafür, dass die Welt immer weiter zusammenrückte. Informationen konnten plötzlich in Sekunden von einem Kontinent zum nächsten gesendet werden, Trends beschleunigten sich, ein gigantischer Wissensschatz wurde langsam aber sicher für jeden zugänglich - und die Gesellschaft veränderte sich immer schneller.

Und so begannen Soziologen, Schriftsteller und Journalisten, Trendforscher und Werber plötzlich mit schwindelerregendem Eifer daran zu arbeiten, Altersstufen und Lebensgefühle zu labeln. Da hätten wir: "Generation Praktikum", "Digital Natives", "Generation C64", "Millenials", "Generation Facebook", "Generation Ecstasy" und natürlich "Generation X"… und Y… und Z. Zudem werden ständig neue Bücher auf den Markt geschmissen und rufen mit lächerlicher Halbherzigkeit die "Generation Pleite", "Generation Erfolg", "Generation Doof", "Generation Geil" oder gar "Generation Laminat" aus. Vielleicht guckt ja wer.

Nur: Wer in diesem Wust von Befindlichkeiten und Sozialisationen wozu gehört, weiß keiner mehr so genau. Deshalb hat einestages zum Erscheinen des Golf VII die wichtigsten Generationen in der Bildergalerie gesammelt und sortiert. Gehören Sie zur "Generation X", zur "Generation MTV" - oder liegen sie doch knapp dazwischen?

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1.
Stephen Phillips 05.09.2012
In der "Generation Golf" bekam man noch keinen von seinen Eltern zum Abitur geschenkt; allerhoechsens hatte man den gebrauchten Audi 50 von Mutti wie mein Kommilitone oder einen geerbten, fast neuen Ford Escort wie ich. Der einzige von uns, der als Erstsemesterstudent einen nagelneuen Golf GTI sein Eigen nennen konnte, hatte diesen schon damals nicht billigen Wagen von seiner Abfindung als Bundeswehroffizier bezahlt ...
2.
gerhart wiesend 05.09.2012
Ich kaufte mir um 1975 einen VW-Golf. Ein miserables Auto. Seitdem meide ich die Produkte dieses Konzerns. Nach mehreren Käfern vertraute ich dieser Firma, die noch dazu den neuen Golf als "Auto ohne Kinderkrankheiten" bewarb. Der Golf hatte zahlreiche davon, die auch nicht zu beseitigen waren. So riss zum Beispiel das Kupplungsseil immer wieder. Die Garantiezeit betrug nur ein halbes Jahr. Kulanz gab es nicht. Erfreulicherweise befreite mich ein nicht selbst verschuldeter Unfall von dieser Schrottkarre. Seidem fahre ich Saab.
3.
Eckart Milewski 05.09.2012
Obwohl in dieser Altersgruppe, empfinde ich die Bezeichnung "Generation Golf" für mich persönlich als Beleidigung. Ich selbst stand auf der anderen Seite und empfinde mich so eher der "Generation Kadett" zugehörig.
4.
Oli Misch 05.09.2012
>Ich kaufte mir um 1975 einen VW-Golf. Ein miserables Auto. Seitdem meide ich die Produkte dieses Konzerns. >Nach mehreren Käfern vertraute ich dieser Firma, die noch dazu den neuen Golf als "Auto ohne Kinderkrankheiten" bewarb. Der Golf hatte zahlreiche davon, die auch nicht zu beseitigen waren. So riss zum Beispiel das Kupplungsseil immer wieder. Die Garantiezeit betrug nur ein halbes Jahr. Kulanz gab es nicht. >Erfreulicherweise befreite mich ein nicht selbst verschuldeter Unfall von dieser Schrottkarre. >Seidem fahre ich Saab. Gings hart auf hart - hatte ein GTI keine Chance gegen Ritmo, 205 oder meinen Alfasud. Einzig auf der Autostrada gings mit knapp 5kmh Ueberschuss an den Anderen vorbei. Beim Rosten war er gleich schnell wie der Sud. Sound war erbärmlich im Vergleich zu Ritmo und Alfa. Noch grausliger war der Corrado. Da hat der ganze Vorbau sich verzogen ging man mal hart auf die Bremse. Der billigere Delta konnte das um einiges besser. Beim Corrado gingen regelmässig die vorderen Bremsklötze in Flammen auf. Golf III meiner Frau hat gerade mal 80k gehalten danach war einfach alles kaputt. Der Passat wurde glücklicherweise von einem Laster ins Nirvana befördert - ich hätt der Scheisskarre sonst den Gnadenschuss gegeben. Niemals wieder VAG. Die haben einen Kunden lebenslänglich verloren und das bedeutet viel Verlust.
5.
Udo Kaiser 05.09.2012
ich finde der golf ist, egal in welcher auflage, ein hässliches auto. ich verstehe nicht warum man die menschheit seit so vielen jahren mit diesem langweiligen eckigen auto nerven muss. nie wuerde ich mir so ein teil kaufen.
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