Grundschulzeugnisse damals "Hat sich stets bemüht"

Grundschulzeugnisse damals: "Hat sich stets bemüht" Fotos

Diese "Giftzettel" erzählen Geschichten: In der Grundschule verpassen uns Lehrer keine anonymen Noten, sie versuchen die Leistungen ihrer Schüler in Worte zu fassen. Auf einestages zeigen Leser ihre ersten Zeugnisse - und freuen sich über die kuriosen Kommentare von einst.

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An ein paar Orten muss man schon suchen, bis es man es endlich wiederfindet: im Schrank, in Aktenordnern, bei den Eltern - und vor allem in der Erinnerung. Dann liegt es da, ordentlich abgeheftet und von Klarsichtfolie geschützt. Und wie das immer noch glänzt! Wie früher! Vom Leben außerhalb der Plastikhülle hat es allerdings nur für kurze Zeit etwas mitbekommen, als es in mühevoller Kleinarbeit geschrieben, von zitternden Kinderhänden entgegengenommen und nachher stolzen Eltern vorgezeigt wurde.

Die ersten Grundschulzeugnisse sind schon immer etwas ganz Besonderes gewesen. Sie schenkten uns eine bizarre Form der Poesie mit Formulierungen wie: "Ihre Merkfähigkeit erstreckte sich meist nur über eine kurze Zeit." Oder: "Durch mehr Ernsthaftigkeit könnte auch in den Lernfächern eine Besserung erzielt werden."

Ausgedacht haben sich die sogenannten Berichtszeugnisse Bildungspolitiker. 1970 hat die Kultusministerkonferenz (KMK) den Bundesländern zum ersten Mal diese Art der Bewertung für die ersten zwei Schuljahre empfohlen. Zu Beginn der Schulzeit sei eine allgemeine Aussage über die Leistung des Kindes bedeutsamer als die Benotung einzelner Unterrichtsgebiete, so das Argument der Behörde damals.

Zwar gab es auch schon davor Schulen und Bundesländer, in denen kurze Texte auf die "Giftzettel" geschrieben wurden. Die KMK wollte mit ihrer Empfehlung aber eine flächendeckende Lösung schaffen.

Und so gab uns eine Ministerrunde so manches Rätsel mit auf den Nachhauseweg. Oder was soll es heißen, wenn ein Schüler seine sportlichen Leistungen "altersgemäß steigern" konnte oder wenn eine Schülerin "stets hilfsbereit" und "bei ihren Sitznachbarn beliebt" war?

Mittlerweile erstellen einige Pädagogen ihre Bewertungsbögen mithilfe von vorgefertigten Textbausteinen aus dem Internet. Umgekehrt helfen bestimmte Eltern-Foren bei der Dechiffrierung der Berichte. Für alle Seiten klar zu übersetzen, ist bis heute eigentlich nur der eher deprimierende Klassiker: "Er hat sich stets bemüht."


Sie haben auch noch Ihr Grundschulzeugnis und ein altes Kinderfoto zur Hand? Klicken Sie hier, um es mit den anderen einestages-Lesern zu teilen!

Einige Lehrer und Eltern würden die verklausulierten Formulierungen daher am liebsten aus der Grundschule verbannen und durch Zahlen ersetzen. Zu groß sei der Aufwand für die einen; zu schwierig zu enträtseln für die anderen, so lautet die Hauptkritik. Weil Bildungsfragen immer aber auch Länderfragen sind, ist der Umgang mit den Berichtszeugnissen bis heute nicht einheitlich geregelt. So werden in einigen Bundesländern kurze Texte mit Noten gemischt. An anderen Schulen kommt es auch vor, dass auch nach der zweiten Klasse ganze Berichte geschrieben werden.

Ob pro oder contra Berichtszeugnis: In jedem Fall erzählen die getexteten Bewertungsbögen spannende Geschichten. Sie sind so etwas wie die erste kleine Moment-Biografie eines Menschen mit Erzählungen vom Ernst des Lebens, von den Köpfen hinter den Zeilen, ihren Stärken - und natürlich auch ihren Schwächen.

Klicken Sie sich durch die kuriosesten Passagen ausgewählter Berichtszeugnisse! Und lesen Sie, was die längst erwachsen gewordenen Kinder heute über ihre ersten "Giftzettel" denken.

lab

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1.
Johann Pokenna 11.07.2013
An einigen Formulierungen erkennt man die Sadisten. Wie konnten erwachsene Männer und Frauen sich Kinder als Opfer für ihre misanthropische Grundhaltung aussuchen. Kinder,die ihnen vertrauten und sich nicht wehren konnten. Das waren menschliche Drecksäue. Die hätten nie unterrichten dürfen, weil sie Kinder für die Befriedigung ihrer psychischen Macken missbrauchten.
2.
Georg Schmidt 11.07.2013
meine Tochter hat nun das 4.Schuljahr beendet und geht aufs Gym, das Abgangszeugnis, ein etwas dickeres Papier mit Schriftzeichen, ein paar dürre Noten, kein Bem -kein Schulsiegel-Nachfrage beim Schulleiter und K Ministerium : das Zeugnis entspricht den Bestimmungen, keine Verabschiedung-kein Gruss für künftige Schulzeiten-dass man die SchülerInnen ohne Abschiedsfeier einfach laufen lässt-ist das andere -tja, entspricht den Bestimmungen-natürlcih wenn ein VIP verabschiedet wird gibts nen Festakt, aber das sidn nur Kinder Schmidt Georg-Lolar
3.
Folker Friedel 11.07.2013
Ist irgendwie schon witzig. Eltern möchten lieber Zahlen. Hatten wir das nicht schon? Achja. In der DDR gab es ab der 1. Klasse Noten. Und bei jedem Zeugnis am Ende des Schuljahres eine zusätzliche verbale Beurteilung. In der Regel war diese Beurteilung gut verständlich (auch für den Betroffenen) und zeigte auf, wo Verbesserungspotenzial ist und wo die Stärken liegen. Jetzt fehlt nur noch die Übernahme des Schulsystemes. Sprich, ein "Kollektiv" (gemeint sind die gleichen Schüler) von der 1. bis zur 10. Klasse. Danach Ausbildung oder 11. bis 13. Klasse mit anschließendem Studium.
4.
Solnzevo Wolkow 11.07.2013
Lustig das in Maschas Zeugnis kein Leerzeichen hinter den Satzzeichen folgt. Das ist ja fast scho schlimm wie plenken "Leerzeichen vor dem Satzzeichen" und stört den Lesefluss massiv. Toll das solche Leute Unterrichten dürfen!
5.
Alexander Dittrich 11.07.2013
>Lustig das in Maschas Zeugnis kein Leerzeichen hinter den Satzzeichen folgt. Das ist ja fast scho schlimm wie plenken "Leerzeichen vor dem Satzzeichen" und stört den Lesefluss massiv. Toll das solche Leute Unterrichten dürfen! Lustig, daß Sie die Konjunktion "daß" mit einfachem s schreiben und das Komma weglassen. Lustig, daß Sie "fast schon so schlimm" zu "fast scho schlimm" zusammenstauchen. Und besonders lustig, daß Sie den Fehler aus dem ersten Satz im letzten wiederholen und dazu noch die Groß- und Kleinschreibung mißachten. Das waren sicher tolle Leute, die Sie in deutscher Orthographie unterrichtet haben.
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