Gruselige Werbung Fehlanzeige!

Gruselige Werbung: Fehlanzeige! Fotos

Neugeborene in Tiefkühlbeuteln, Enthauptete mit Weihnachts-Deko und ein drohender Schatten auf dem World Trade Center: Werbung will begeistern - doch oft bringt sie uns ungewollt zum Schaudern. einestages zeigt die unheimlichsten Motive aus mehr als hundert Jahren Werbegeschichte. Von Christoph Sydow

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Edwin Wiley Groves Erfindung war einfach geschmacklos - im wahrsten Sinne des Wortes: Ende des 19. Jahrhunderts brachte der US-Amerikaner sein "Grove's Tasteless Chill Tonic" auf den Markt und versprach, damit die Symptome der Malaria, die zu diesem Zeitpunkt in den amerikanischen Südstaaten noch immer weitverbreitet war, zu kurieren. Besonders gegen Kälteschauer (auf Englisch chills) sollte sein chininhaltiges Getränk helfen. Und das Beste daran: Grove versprach, den bitteren Chiningeschmack beseitigt zu haben. Damit sollten auch Kinder sein Tonikum anstandslos trinken können.

Doch nicht nur das Getränk war geschmacklos - die Werbung, mit der Grove um 1890 für sein Produkt warb, war es erst recht. Die Reklame versprach, sein Getränk werde Erwachsene und Kinder für nur 50 Cent pro Flasche "fett wie Schweine" machen. Dazu prangte auf der Anzeige ein riesengroßes Schwein mit dem Kopf eines Kleinkinds. Ein Werbemotiv, das nicht nur reichlich bizarr wirkte - sondern auch verdammt unheimlich.

Putzige Tierquälerei

Wie heute waren Kinder schon zu Beginn der öffentlichen Reklame Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Werbemotiv. Doch ganz anders als heutzutage wurden sie keineswegs als niedliche Wonneproppen dargestellt. Oft wirkten sie eher wie diabolische kleine Monster.

So zum Beispiel das Mädchen, das etwa um 1880 für das Färbemittel Diamond Dye warb. Wie ein kleiner Teufel tunkt das Kind seine Puppe in ein Gefäß voll blutroter Farbe. Doch damit nicht genug - nicht einmal vor Lebewesen macht sie Halt: Das sadistische Gör taucht auch ein süßes Kätzchen tief in die Farbe ein. Tierschutz? Fehlanzeige! Da kann auch die Mutter im Hintergrund nur noch entsetzt schreien.

Aufschreien möchte man auch beim Blick auf eine Anzeige des US-Waffenherstellers Iver Johnson aus dem Jahr 1913. Sie zeigt ein Kleinkind, das friedlich im Bett liegt - und mit einer echten Pistole hantiert. Auf seinem Nachthemd steht in verschnörkelter Schrift: "Papa sagt, sie wird uns nicht verletzen." Und das Unternehmen verspricht: "Versehentliches Auslösen unmöglich". Aber selbstverständlich, so führt die Werbung zugleich aus, würden die beworbenen Revolver "schießen und töten". Eine Erfahrung, die zwei namhafte US-Politiker am eigenen Leib machen mussten: 1901 schon war der damalige Präsident William McKinley von einem Attentäter mit einem Iver-Johnson-Revolver erschossen worden, 67 Jahre später tötete ein Schuss aus einer solchen Waffe den damaligen Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, Robert Kennedy.

Enthauptet für die Fest-Frisur

Ein fast genauso beliebtes Werbemotiv wie Kinder waren lange Zeit Frauen. Und auch sie wurden keinesfalls immer vorteilhaft dargestellt. Im günstigsten Fall steckten ihnen die Unternehmen Pralinen anstelle von Köpfen auf den Hals - wie im Fall des Bäckereiunternehmens Hostess, das so für ein Gebäck aus Marshmallows, Kokos und Schokoladenüberzug warb.

Genau umgekehrt machte es das Unternehmen Scotch, das für eine Werbekampagne augenscheinlich den abgetrennten Kopf einer Frau mit ein wenig Weihnachtsschmuck auf einem Podest drapierte. Slogan: "Früher war es wichtig, zu Weihnachten eine Puppe zu kriegen, heute ist es wichtig, selbst eine zu sein." Und die dazu erforderlichen aufwendigen Frisuren bekomme man nur mit einem speziellen Haarklebeband von Scotch richtig hin, so die sonderbare Werbebotschaft.

Ähnlich beunruhigend wirkt heute auch ein Poster, das während des Zweiten Weltkriegs auf Schiffen und in Stützpunkten des US-Militärs hing. Es zeigt eine nette junge Frau mit treuem Blick, konservativer Kleidung und ordentlichem Seitenscheitel. Doch hinter dieser unscheinbaren Fassade lauert laut dem Plakat eine schreckliche Gefahr: ansteckende Geschlechtskrankheiten. Das Bild der adretten Dame warnt nämlich vor Syphilis und Gonorrhö, "auch wenn sie sauber aussehen mag". Eine Werbeanzeige, die Angst machen soll - und es auch schafft.

Ganz anders die Anzeige, mit der die pakistanische Fluglinie PIA 1979 für ihre Direktflüge von Paris nach New York warb. In bester Absicht zeigte ihre ganzseitige Werbung den bedrohlichen Schatten eines Jumbo Jet auf den beiden Türmen des World Trade Center. Niemand konnte damals die Anschläge vom 11. September 2001 vorhersehen - die Jahrzehnte später zu allem Überfluss auch noch teilweise von Pakistan aus geplant wurden. Doch heute wird einem beim Betrachten der Werbung umso mulmiger.

Doch es geht noch viel schlimmer: Können Sie weder Babys in Tiefkühlbeuteln noch Schweine, die sich selbst zerhacken, zum Schaudern bringen? Finden Sie es heraus - in der einestages-Bildergalerie der gruseligsten Motive aus mehr als hundert Jahren Werbung!

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Detlef Tempel 25.04.2013
Bitte streichen Sie für die nächste Zeit das Wort "gruselig" aus Ihrem Repertoire!
2.
Jens Speh 25.04.2013
Also, das Bild mit dem Po-Operateur dürfte einen bei Operationen sicherlich nützlicheren Lates-Handschuh zeigen...
3.
Thomas Frank Henß 25.04.2013
Frank Delano: Ich kann an den Luftgewehrläufen nichts gruseliges entdecken. Die Dinger machen im Garten einen Riesenspass.
4.
Bodo Eggert 25.04.2013
#10: Seife unter Wasser suchen und dafür ganz lange brauchen ... Jaja, die Seife ... immer landet sie irgendwo genau zwischen den Beinen ... #2: Wer solche Werbung nicht abkann, der sollte tatsächlich Vegetarier werden. #15: Einfach nur schießen und nichts passiert macht mir keinen Spaß. Wahrscheinlich würde auch Präzisionsschießen auf Zielscheiben auf Dauer keinen Spaß machen. Und sinnlose Zerstörung oder gar zum Spaß auf Lebewesen Schießen kommt für mich nicht in Frage. Wer damit verantwortlich Spaß hat, dem will ich das aber nicht verderben. Auch die Jagd an sich ist nichts Schlimmes, wenn sie der Ernährung oder Populationskontrolle dient. Wildtiere sind wenigstens nicht ihr Leben lang eingesperrt. #18: Werbung und gleichzeitig Warnung vor zu großer Sorglosigkeit - finde ich gelungen. #20: Dann lieber bei Rasiermessern bleiben? #25: Siehe #10.
5.
Boris Wedel 26.04.2013
Die "Barrelsl full of fun" sind eigentlich eher "tons of fun", also "tonnenweise Spass" anstatt "Gewehrläufe voller Spass". Der "Spass" den sich der Gewehrhersteller macht ist die gleiche Schreibweise von "Gewehrläufen" = gunbarrels und "Tonnen" = Barrels (siehe Masseinheit für ÖL).
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