Die hässlichsten Albumcover Gruselkabinett im Plattenschrank

Die hässlichsten Albumcover: Gruselkabinett im Plattenschrank Fotos

Heinos LP-Hülle ist kitschig, Manowars scheußlich, Abbas schauderhaft - aber es geht noch viel schlimmer: Online-Galerist Paul Zon hat die hässlichsten Plattencover aller Zeiten gesammelt. Vorsicht beim Angucken, ihre Augen könnten Schaden nehmen!

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Es gab eine Zeit, da bedeuteten 900 Quadratzentimeter die Welt. 30 Zentimeter hoch, 30 Zentimeter breit - und davon möglichst viele, möglichst schillernde. Eine ganze Industrie war abhängig von der außergewöhnlich schönen, besonders originellen, vor allem aber auffälligen Gestaltung dieser Fläche von der Größe eines Kuchenblechs: Plattencover.

Diese Mischkunstform aus Stillleben, Schnappschuss und Selbstvermarktung war lange Zeit mitentscheidend dafür, ob eine Langspielplatte floppte oder ein Toppseller wurde - und wenn es richtig gut lief, konnte sie sogar zur Ikone werden. So wie die Cover des Beatles-Albums "St. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von 1969, der Sex-Pistols-Scheibe "Never mind the Bollocks" (1977) oder des Nirvana-Schockers "Nevermind" (1991).

Die Ursprünge dieser Kunstform liegen in den Anfängen der Schallplattenindustrie um 1900, doch erst mit Rock 'n' Roll, Beat, später Pop und Punk entfaltete sich die Kunst der Covergestaltung zu ihrer vollen Größe. Zu den kreativen Höhepunkten zählen die Blues-Alben der Sechziger, die Glamour-Rock-Motive der Siebziger und die Heavy-Metal-Hüllen der Achtziger.

Nicht zu lange angucken!

Dann kam der Einbruch: Das Aufkommen der Compact Disc beraubte nicht nur wahre Plattenfans des subtil kratzenden Hörvergnügens einer ungefilterten Aufnahme, sondern nahm durch die Reduzierung des Verpackungs-Formats auf 12 mal 14 Zentimeter der Cover-Kunstform auch ihren Charme. Das heißt nicht, dass es keine guten CD-Booklets gibt, aber der wahre Genuss ist flötengegangen. Nur wer nie eine echte LP besessen hat, käme auf die Idee, sich im Wohnzimmer ein CD-Cover an die Wand zu nageln. Denn solch ein selbstgebasteltes Kunstwerk zu Ruhm und Ehren der Lieblingsband sah wirklich nur als LP-Cover gut aus. Die Jugendzimmer mancher Teenager in den Siebzigern und Achtzigern waren bis unter die Decke mit Plattencovern zugepflastert. Da konnte schon mal Led Zeppelin neben Samantha Fox hängen und Iron Maiden neben Duran Duran.

Manche Cover allerdings schafften es nie an die Wände. Das waren jene Motive, die es einfach nicht verdient hatten - weil sie abgrundtief hässlich sind. So hässlich, dass man beim Betrachten fast Pupillenkrämpfe bekommt und laut "aua!" schreien möchte. Der Londoner Online-Galerist Paul Zon hat seinen Ekel überwunden und solche Cover gesammelt. Auf seiner Website hat er sie ausgestellt, auf einestages zeigt er nun die 30 allerallerhässlichsten Exponate, die absoluten Tiefpunkte der Gestaltung, ach was: der Verunstaltung von Pop-, Rock- und Volksmusik-Alben.

Aber Vorsicht: Nicht zu lange angucken! Ihre Augen könnten Schaden nehmen.

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insgesamt 34 Beiträge
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1.
Georg Schönberg 25.01.2008
Die Sammlung ist beeindruckend, obwohl man bei manchen Covern durchaus geteilter Meinung sein kann, ob diese hässlich oder doch originell oder schön sind. Ein Cover fehlt in der Liste: Chumbawamba - Anarchy. Das Cover ziert die Grossaufnahme eines Kindes, was gerade geboren wird. Beeindruckend!
2.
Otto Normaluser 25.01.2008
Dann möchte ich doch gerne mal dieses wunderbare Cover vom Super-Mega-Star John Kincade beisteuern: http://www.fiese-scheitel.de/fiese-scheitel3.data/Komponenten/Bilder/Covergallery/Bilder/John%20Kincade2.jpg Die ganze Site http://www.fiese-scheitel.de ist für Freunde des schlechten Geschmacks ein warer Born der Freude. Es gab bis dato auch eine französische Sammlung unter http://www.gougoule.com/covers2/ mit wirklich abgrund-häßlichen Plattencovern zu sehen, die aber wohl wegen Verstoßes gegen die Genfer Konvention zur Ächtung der Folter nun doch aus dem Verkehr gezogen worden zu sein scheint. Beste Grüße, Otto P.S.: Noch mehr scheitel Cover: http://www.fiese-scheitel.de/fiese-scheitel3.data/Komponenten/Bilder/Covergallery/index.htm
3.
Thorsten Wollweber 25.01.2008
Ein Cover, das auf jeden Fall genannt und gezeigt werden sollte, ist das des Albums "Grönemeyer" von H. Grönemeyer aus dem Jahr 1979 http://hitparade.ch/cdimg/herbert_groenemeyer-groenemeyer_a.jpg
4.
Immo erik Hagemann 25.01.2008
ziemlich unschlagbar und - nein! - es befindet sich (leider!) nicht in meiner sammlung. band, titel, grafik - alles äußerst beispielhaft: http://www.angelheart.ch/sections/CDs/itrocks.jsp
5.
Olaf Nyksund 25.01.2008
Ganz übel, vor allem angesichts der heute als richtungsweisend geltenden Musik drauf, ist das Cover zu "An Ideal for Living" von Joy Division: http://www.pinkmoonrecords.com/extract/img45/joy45.jpg Ähnliche Poetik spricht die - technisch um Welten bessere - Aufmachung von "Gold und Liebe" der D.A.F.: http://wordpressblog.funkygog.de/wp-content/uploads/2007/01/daf-gold-liebe-cover.jpg Da bekomme ich wirklich Würgereflexe - auch wenn die Musik selbst Teil meiner "verschwendeten Jugend" war. Ähnlich wie die von Joy Division, wobei ich JD natürlich bis heute treu geblieben bin. Es gibt auch ganz übel gestaltete Plattencovers, deren Sinn sich erst mit dem zugehörigen Schlüssel begreifen lässt: http://www.rosaselvaggia.com/20_jazz_funk_greats.jpg Was der Hörer/Betrachter nicht weiß: Das Cover-Foto wurde auf dem Gelände der Gedenkstätte Oswiecim-Brzezinka aufgenommen. Ähnlich wie Ian Curtis spielte auch Genessis P-Orridge seinerzeit mit dem Feuer. Ich spreche hier nb. nur von Covers der Platten mit Musik, die ich hör(t)e, denn auf deutschen Schlagern oder auf Produkten der ein oder anderen Sängernation mit merkwürdigen Tonleitern (zu erwerben im Gemüseladen des geringsten Misstrauens) wäre genauso wirkungsvoll wie überflüssig. Och, ich mache eine Ausnahme: Covers von so Bombast-Bands wie YES oder EL&P waren immer so fürchterlich kitschig, dass sie mich wirksam davon abgehalten haben, mich mit der Musik dieser Bands zu beschäftigen.
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