Heidi Klum wird 40 Germany's Next Frührentnerin

Heidi Klum wird 40: Germany's Next Frührentnerin Fotos
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Den Aufstieg von Heidi Klum vom Supermodel zum Supermogul musste in Deutschland jeder mitverfolgen. Auch einestages-Autorin Fabienne Hurst . Weil sie sich um die Bergisch-Gladbacherin sorgt, hat sie ihr zum 40. Geburtstag einen Brief geschrieben. Ein Plädoyer für die Rente mit 40.

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Liebe Heidi Klum,

herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstag, endlich bist Du alt genug für die Rubrik "einestages". Wenn ich mir so anschaue, was Du in den vergangenen Jahren geleistet hast, kann ich mir die Bewunderung nicht verkneifen. Du warst mal mehr, mal weniger nackt auf etlichen Illustrierten und Versandhauskatalogen abgebildet, hast wahnsinnig viel Geld verdient, noch dazu vier Kinder auf die Welt gebracht, trotzdem runde Brüste und einen flachen Bauch behalten. Und deswegen sage ich Dir jetzt zu Deinem Geburtstag: Es ist einfach der perfekte Zeitpunkt, um aufzuhören.

Deine Karriere dauert nun schon über 20 Jahre, angefangen hat sie bei "Gottschalk Late Night", eine Show an die sich keiner mehr erinnern kann. Danach bist Du in die USA gegangen, wo du als "Deutschlands schärfster Export" genau so deutsch warst, wie Amerikaner es sich vorstellen. Jodeln, Dirndl, Sauerkraut. Wen kümmert es dort schon, dass man in Bergisch Gladbach gar nicht jodelt?

Wenn Du jetzt in Rente gehst, behalten wir Dich vielleicht noch in eingermaßen guter Erinnerung. Wir denken an das Badeanzugfoto, mit dem Du 1998 die "Sports Illustrated" geschmückt hast, Deine Strandmiezen-Outfits und glamourösen Laufstegauftritte mit Strapse und Flügel. Wir erinnern uns auch an den verzückten Moritz von Uslar, der Dir vor zehn Jahren 99 Fragen stellen durfte, davon ganze zwölf über Deine Brüste, ohne dass Du ihm eine geklebt hast. Damals, als noch gefühlte 95 Prozent aller Heteromänner mit Dir schlafen und alle Frauen Victoria's-Secret-Schlüpfer tragen wollten.

Damals, als wir uns Gummibärchen mit Joghurtgeschmack gekauft haben, weil Du sie Dir in der Werbung zwischen die Zehen gestopft hast. Liebe Heidi, Du hast unser Leben maßgeblich verändert: Durch Dich wurde McDonald's weniger fettig und Birkenstock fast schon schick. Durch Dich wurde der "Als wie"-Komparativ irgendwie okay und peinliche Halloween-Verkleidungen auch.

Dafür waren wir Dir auf eine gewisse Weise dankbar und deswegen hatten wir Mitleid, als dieser Schuft von Flavio Briatore Dich samt Baby im Bauch betrog, und freuten uns, dass der liebe Seal Dich daraufhin tröstete.

Du machst "drrrrmmmm" und "dindindindin", lachst ein gluckerndes Lachen

Vielleicht hat Dich dieses Erlebnis verändert, denn kurze Zeit später begannst Du, uns die dunkle Seite Deiner Macht zu zeigen. 2006 startetest Du mit Deiner TV-Sendung in Deutschland. Du wolltest unter den Augen eines Millionenpublikums junge Frauen zu Models ausbilden. Das hast Du zumindest behauptet. Tatsächlich warst Du aber so gemein wie dieser italienische Stelzbock zuvor zu Dir.

Diese jungen Dinger mussten sich in Deiner Show fast nackt ausziehen, von Dir als zu dick bezeichnen und öffentlich bloßstellen lassen. Alles unter dem sonnigen Strahl Deines perfekten Grinsens. Das Schlimmste war: Ich habe dabei zugesehen. Es war wie bei einem Verkehrsunfall: Man will nicht hingucken, tut es aber trotzdem. Ja, deinetwegen habe ich mich richtig schlecht gefühlt.

So richtig verwirrt hat mich dann Dein

Backstage-Video im Jahr 2007. Darin spielst Du mit Deinen Brüsten, die Du angeblich "Hans und Franz" getauft hast, machst "drrrrmmmm" und "dindindindin", lachst ein gluckerndes Lachen, natürlich jodelst Du auch. Du warst mir zum ersten Mal richtig peinlich. Und ich habe mich gefragt: Wie konnte das passieren?

Du bist ja nicht weg, nur woanders

Vielleicht hast Du Dich einfach übernommen. Du warst plötzlich nicht mehr nur Model, Mutter und Moderatorin, sondern auch Schauspielerin, Unternehmerin und Modelscout. Du hast Dich verausgabt, ohne Rücksicht auf Deine eigene Gesundheit und Privatsphäre. Als würdest Du der Welt nicht schon genug von Dir geben, hast Du dann auch noch in Oprah Winfreys Talkshow erzählt, warum Du Dich ausgerechnet in Schmusesänger Seal verliebt hast: Damals, in der Hotellobby, als er nur in Radlerhosen vor Dir stand und Du "das ganze Paket sehen" konntest.

Für mich war das eine klassische Übersprungshandlung, die auf zu großen Stress zurückgeht - ich kann das verstehen. Was ich nicht verstehe: Dass ich jetzt lesen muss, dass Du Deinen Vertrag mit ProSieben gleich um "mehrere Jahre" verlängern willst und glatt "noch zehn Jahre" weitermachen könntest. Aber Heidi, denk doch mal nach: Eine Rente mit 40 wäre viel besser. Für Dich, für uns, für alle.

Du müsstest Dich nicht mehr mit diesen nervigen Anfängerinnen herumschlagen, die sich nicht anständig unter den Achseln rasieren können und immerzu herumjaulen, wenn sie mal ein bisschen sexy sein sollen. Du könntest endlich aufhören, immer nur das Gleiche zu sagen, zum Beispiel: "Zieh den Bauch ein!" Du müsstest nicht mehr 25-Jährigen das Laufen beibringen, ihnen Pommes, Rotwein und Rauchen verbieten. All die Lovelyns, Saras und Sabrinas dieses Landes könnten direkt Tierärztin, Grundschullehrerin oder OP-Schwester werden, ohne Umweg über eine modische Kurzhaarfrisur, die du ihnen bezahlst und die ihnen dann noch nicht einmal steht.

Du wärst auch schlagartig von der Last befreit, allen vorgaukeln zu müssen, nur eine "ganz normale" Frau zu sein, die sich selbst "gar nicht so schön" und ihre Falten "völlig okay" findet. Dein Leben wäre so viel einfacher, ehrlicher, besser.

Du wärst ja nicht ganz weg, nur woanders. Zu Hause, im Supermarkt, am Pool. Du hättest endlich Zeit, so tiefschürfenden Gedanken nachzuhängen, wie Du sie neulich im "Stern" postuliert hast. "Das Leben ist wie eine Straße mit Löchern und roten Ampeln." So lange Du diese Weisheiten nicht wie alles andere an den Mann bringen willst, wäre das vollkommen in Ordnung.

Also, liebe Heidi, Rente mit 40! Denk doch mal drüber nach.

Viele herzliche Grüße

Deine Fabienne Hurst

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1.
Stefan Noack 31.05.2013
Danke Fabienne, besser (und vor allem netter) hätte ich es auch nicht formulieren können. Ich bezweifle zwar, daß das etwas ändern wird, aber immerhin hat man es (ihr) gesagt. Wir werden also wohl noch weitere Jahre mit diesem Import aus Bergisch-Gladbach und ihren unsäglichen Sendungen leben müssen - wenn nicht irgendwann der Sender wieder Erwarten ein Einsehen haben sollte, und uns erlöst. So ein ähnliches Deja Vu Erlebnis hatte ich bei Paris Hilton (Gott sei Dank 'out' und nicht mehr oft in den Gazetten) und leider auch bei der bayerischen Dauerserienheldin Christina Neubauer. Die Ferres lasse ich jetzt mal außen vor, die hat sich ja Gott sei Dank durch ihre aktuelle Partnerschaftswahl selbst etwas in Bildschirmabseits befördert. Irgendwann isses auch mal Zeit, etwas kürzer zu treten ....
2.
Ursula Hertel 31.05.2013
Ich bin auch kein Fan vom all diesen Castingshows und ihren Machern, aber ich verstehe nicht, warum Frau Hurst soviel Gift und Galle gegenüber Heidi Klum versprüht. Was kreidet sie ihr eigentlich an? Dass sie so erfolgreich ist? Dass sie sich im Leben nicht unterkriegen lässt? Dass sie sich nicht über einen Ehemann definiert (wie so viele andere Frauen, auch "Prominente", hierzulande? Ich finde es widerlich, wie in Deutschland mit erfolgreichen Frauen umgegangen wird, sei es damals Romy Schneider,später Ute Lemper oder heute eben Heidi Klum. Die Liste ließe sich noch fortführen. Kleingeistige Neidlinge bestimmen leider immer wieder die öffentliche Debatte. Armes Deutschlan.
3.
Moles Harding 31.05.2013
Gekonnt geschrieben, und nicht platt. Kompliment. Allerdings gewichtet jeder Artikel eine solche Lady noch mehr. Mehr in Google, mehr in den Köpfen der Leser, der Artikel so schön er ist und von einer schweizerisch neutralen Bosheit (existent aber nicht angreifbar) bewirkt wie alle anderen Medienberichte eher das Gegenteil. Heidi Klum wird weiterhin ein PR KLUMpen bleiben der uns die News vollstopft. Liebe Grüße.
4.
Hans Hansen 31.05.2013
Danke für diesen Beitrag ... Klasse und richtig! :-)
5.
Jo Ludwig 31.05.2013
Der blond gefärbte laufende Kleiderständer nervt mächtig - bitte ein anderes Schaf durchs Dorf treiben!
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