Helden der Achtziger Als ich den Spaß erfand

Helden der Achtziger: Als ich den Spaß erfand Fotos
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Kalter Krieg, Waldsterben, Schwarz-Weiß-TV: Anfang der Achtziger war die BRD ein tristes Land - bis junge Musiker mit peppigen Melodien und fröhlichen Texten die Hitparaden stürmten. Die Hymne der "Neuen Deutschen Welle" schuf Popsänger Markus. Im neuen einestages-Heft erinnert er sich an die "geile Zeit". Von

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Für mich waren die Achtziger der absolute Knaller. Allerdings fingen sie alles andere als rosig an. Ich landete 1979 bei der Bundeswehr, nachdem ich vergeblich versucht hatte, den Wehrdienst zu verweigern. "Falls ein russischer Soldat versuchen würde, Ihre Schwester zu vergewaltigen: Würden Sie dann schießen?", fragte mich so´n Typ bei der Musterung. Ich Idiot! Meine Schwester hätte dem doch sowieso jeden einzelnen Knochen gebrochen. Es half alles nichts. Von nun an war ich Soldat.

Ein Tag vor dem Jahreswechsel wurde unsere Truppe zu einem Manöver versetzt, nach Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide. Das war ein Truppenübungsplatz mitten in der Pampa. Ich wurde als Wache eingeteilt. Noch heute frag ich mich, was es da zu bewachen gab. Die Russen waren ja gerade mal drei Tage vorher in Afghanistan einmarschiert und hatten sicher andere Probleme als ausgerechnet unser kleines Zeltlager in der Lüneburger Heide zu überfallen.

Mit Knarre, Parka und Springerstiefeln stand ich bis zum Morgen knietief im Schnee und fror wie ein Schneider. Lange Unterhosen fand ich immer uncool. Das hatte ich nun davon. Um nicht zu erfrieren, dachte ich mir im Geiste die tollsten Songs aus. "Ich möchte ein Eisbär sein!" war auch dabei, glaube ich. Um Mitternacht zündete der diensthabende Offizier eine Leuchtrakete. So endeten für mich die Siebziger.

Video: Packende Szenen aus einestages

Direkt nach dem Wehrdienst und zurück in meiner Heimatstadt Bad Camberg begann ich mit meiner Karriereplanung: ein finanziell abgesichertes Langzeitstudium auf Kosten von Vater Staat, um nebenbei stressfrei musizieren zu können. Leider schränkte ein kleines Handicap meine Wahlmöglichkeiten stark ein: der Numerus Clausus. Vielleicht hätte ich sonst nicht bei der Neuen Deutsche Welle mitgemacht, sondern wäre heute bei den Ärzten. Also begann ich eine kleine Abenteuerreise durch die interessantesten und exotischsten Studiengänge, die man sich nur vorstellen kann: Volkswirtschaft, BWL und Sachkunde auf Lehramt.

Zum Glück war ich wenigstens in der Camberger Musik-Szene etabliert. Schon früh erntete ich zusammen mit dem "Tiger" erste Lorbeeren in einer Coverband. Der "Tiger" war unser Camberger Lokalheld, hatte schon eine Platte rausgebracht, war im ZDF aufgetreten und hieß eigentlich Holger. Wir tingelten regelmäßig am Zahltag durch die Frankfurter Ami-Clubs. Das ging so lange gut, bis selbst den besoffensten GIs unser Englisch einfach zu schlecht war.

Doch ich hatte längst etwas anderes, total neues entdeckt. Während unserer Studienfahrt nach London war ich bei meinem ersten Punk-Konzert: The Clash spielten vor mehreren hundert Punks - alle in schwarzem Leder.

Wilde Prügeleien beim Pogo

Allerdings wurde ich vor der Bühne beim Pogo dermaßen verprügelt, dass ich eine klare Entscheidung traf: Nie wieder wollte ich unten stehen, sondern nur noch oben auf der Bühne. Aus London zurückgekehrt, gründete ich mit ein paar Kumpels die New Wave Formation "Nylon Euter". Keine Ahnung, wer auf diesen beschissenen Namen gekommen ist, mit unserer Sängerin Gunne hatte das jedenfalls nichts zu tun.

Eines Tages gelang es unserem Bandchef Werner, uns einen Auftritt in der Hamburger Markthalle zu besorgen - dem Punk-Mekka der frühen achtziger Jahre. Wir freuten uns tierisch. Nylon Euter vor mehreren hundert Punks! Die Halle war voll mit schwarzen Lederjacken. Diesmal wurde ich tatsächlich nicht verprügelt. Allerdings wurden wir bespuckt, mit Bierdosen beworfen und von der Bühne gejagt. Wir redeten uns damals ein, das sei ein Zeichen großer Anerkennung. Im Nachhinein glaube ich, dass den Punks die Haare unseres Drummers Elmar zu lang waren oder die uns einfach wirklich nicht leiden konnten. Trotzdem nahmen wir mit unserer Truppe immerhin noch eine Platte auf.

Der "Tiger" war mittlerweile auch auf den Punkzug aufgesprungen. Er war Sänger der ersten deutschen Casting-Punkband: den Strassenjungs.

Irgendwann hatten die Strassenjungs ihr erstes Konzert in Berlin - an Weihnachten im Kantkino, dem angesagtesten New-Wave-Schuppen der Stadt. Der "Tiger" fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, im Bandbus mit zu fahren. Ob ich Lust hätte? Was für ´ne Frage. Ich war begeistert. Für meine Eltern war das natürlich eine Katastrophe: ihr Sohn an Heiligabend in Berlin. Wir feierten dann einfach einen Tag früher. Meine Mutter schenkte mir ein paar lange Unterhosen. Leider zu spät.

Freibier und billige Pornos für die Punks

Wir fuhren nachts mit dem Bus über die DDR-Transitautobahn. Am anderen Tag war das Konzert. Die Band spielte das, was sie für Punk hielt, dazu zeigten die Veranstalter auf einer Leinwand billige Pornofilme. Bei den Berliner Punks kam das echt gut an. Was wahrscheinlich daran lag, dass es auch einige Fässer Freibier gab.

Nach dem Konzert zogen wir gemeinsam durch englische Soldaten-Clubs und ließen uns vollaufen. So viele schräge Typen auf einem Haufen hatte ich noch nie gesehen. Die hatten die abenteuerlichsten Klamotten und wildesten Frisuren, die man sich vorstellen kann. In Bad Camberg, unserem kleinen Taunusstädtchen, gab's so was nicht.

In Berlin war alles anders. Irgendwie viel derber. Und es gab ein Problem. Ich hatte kein Hotelzimmer und kein Geld. Irgendwann zogen die anderen ab, und ich blieb allein zurück. Nach einer Weile kam ich mit zwei niedlichen Punkmädchen ins Gespräch. Ich hätte die beiden niemals von alleine angesprochen, dafür war ich viel zu schüchtern. Doch weil ich so hilflos ausgesehen hatte, spendierten mir die Mädels eine Cola und nahmen mich dann aus Mitleid mit nach Hause. Dort durfte ich auf dem Fußboden übernachten.

Als ich dann am anderen Morgen bei meinen Kumpels auftauchte, taten mir echt alle Knochen weh, aber der Jubel war groß. Alle dachten, da wäre was gelaufen. Da war natürlich nichts, aber ich ließ sie in dem Glauben und genoss meine neue Rolle als Weiberheld. Alle waren beeindruckt - auch der Produzent Axel Klopprogge, und wir freundeten uns an.

Ein rostiger Opel wird zum Maserati

Die Strassenjungs wurden dann doch ein kommerzieller Flop, und Axel gab die Geschichte auf. Er hatte anderes im Sinn. Eines Tages tauchte er bei Nylon Euter im Proberaum auf und hatte die nächste Geschäftsidee im Gepäck: die Neue Deutsche Welle. Er fand, die Zeit sei reif für kleine, flotte, deutsche Popsongs mit Witz und positiver Attitüde, und diesmal sollte ich der Sänger sein.

Zum Proben trafen wir uns in Axels Jugendzimmer im Haus seiner Eltern. Zwischen Teddybären, Fußballwimpeln und alten Micky-Maus-Heften komponierten wir die ersten Songs. Zuerst hatte Axel die Musik zu dem späteren "Ich will Spaß" fertig, aber wir hatten noch keinen Text. Anfangs sollte der Song "Ich will Tanz" heißen. Dazu hatten wir uns eine kleine, lächerliche Choreographie ausgedacht. Und anstatt der späteren Textzeile "Deutschland, Deutschland spürst Du mich?", gab es die Zeile: "Rosi, Rosi spürst Du mich?"

Weil aber die "Spider Murphy Gang" gerade "Skandal um Rosi" rausgebracht hatten, haben wir das wieder verworfen. Also musste eine neue Textidee her. Unsere geplante Tanzeinlage war damit auch hinfällig geworden - Gott sei Dank.

Einen Tag später, waren wir am Frankfurter Kreuz auf der Autobahn unterwegs und hingen mit unserem Ford Taunus hinter einem wahnsinnig lahmen LKW fest. Da überholte uns ein rostiger Opel Kadett. Der Fahrer, mit Sonnenbrille und Walkmankopfhörer, tuckerte lauthals singend an uns vorbei, war aber vielleicht maximal 4 km/h schneller als wir. Der Typ war verdammt gut drauf. "Hey, das isses" - sagte Axel "das ist unser Thema!" Im Song wurde der Wagen dann einfach auf 210 getunt, und aus dem Kadett wurde ein Maserati. Fertig! "Mein Maserati fährt 210, schwupp, die Polizei hat's nicht geseh'n."

Nachts heimlich Songs aufnehmen

Mittlerweile hatten wir in Frankfurt Oberrad ein Tonstudio aufgetan. Da hatte ein Typ das große Geld gewittert und mitten in seinem Garten unterirdisch ein Kellerstudio eingerichtet. Axel installierte ihm tagsüber die Technik, nachts nahmen wir heimlich unsere Songs auf. Dummerweise kam uns der Typ auf die Schliche, bevor wir die Aufnahmen fertig hatten, und präsentierte uns eine satte Rechnung über 15.000 Mark. Was tun?

Wir stiefelten also zu unserer lokalen Plattenfirma CBS, der heutigen Sony in Berlin. Ecki Ziedrich hatte uns einen Termin besorgt. Nur leider hatten wir ja keine vollständigen Bänder, nur lückenhafte Playbacks ohne Gesang.

Wir überspielten alles, was wir hatten, auf Kassette und dackelten mit Gitarre und dem Kassettenrekorder meiner Schwester zur CBS: Kassette rein, Axel mit der akustischen Gitarre live dazu gespielt und ich gesungen: "Ich will Spaß" - damals noch mit knallenger Hose und entsprechend hoher Stimme. Die haben uns ziemlich perplex angeguckt und sich dann zur Beratung zurückgezogen. Nach einer Weile kam der damalige Marketingchef Gerd Gebhardt, heute Chef der Deutschen Phono-Akademie, mit ernster Miene zurück und meinte: "Keine Ahnung, ob das irgendjemanden interessiert, aber wir nehmen das erst mal!" Jau! Das war's! Sieg! Die Welt stand uns offen.

Musikjournalisten fanden mich Scheisse

Mit einem großzügigen Vorschuss konnten wir das Studio bezahlen und unsere Aufnahmen fertig stellen. Nach einer Weile erschien dann das Album "Kugelblitze und Raketen" und auch die Single "Ich will Spaß".

Einen eigenen Look hatte ich auch kreiert. Ich stand total auf Hans Albers und auf Angus Young von AC/DC. Deshalb trug ich immer eine Kapitänsjacke und dazu kurze Hosen. Dieses Outfit war natürlich auch eine kleine Provokation für den Musikjournalismus. Songtexte waren damals ja eher negativ und emotionslos kalt. Spaß war nicht erlaubt. Manchmal erzählte ich in Interviews, meine Vorbilder wären Peter Alexander und Johannes Heesters. Musikjournalisten fanden mich scheiße.

Mit unserer Band tingelten wir im Sommer 1982 durch Diskotheken und kleine Clubs und waren ständig auf der Autobahn. Dabei hörten wir immer Radio. Eines Tages waren wir auf dem Weg nach Hamburg, und es dudelte die NDR-2-Hitparade durch unseren Bus. Platz zwei waren Stevie Wonder und Paul McCartney mit "Ebony and Ivory". Dann erklangen die ersten Takte der Nummer eins aus den Auto-Lautsprechern. Ich stockte, drehte lauter und konnte es nicht fassen: "Ich will Spaß". Wir waren auf Platz eins! Vor Schreck hätte ich den Bus beinahe in die Leitplanke gesetzt. Als meine Kumpels hinter mir lauthals losjohlten, schossen mir Tränen in die Augen. Ich wusste, ich hatte es geschafft. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Eines Morgens stand ein abgewrackter Typ mit roter Lederhose, Fransenjacke und einem Drehbuch vor unserer Studiotür. Es war der Regisseur Wolfgang Büld. Das Drehbuch bestand aus sage und schreibe drei Seiten, und ich sollte der Hauptdarsteller sein. Den weiblichen Part sollte eine Frau übernehmen.

Bis über beide Ohren in Nena verknallt

Damals habe ich dann Nena kennen gelernt. Wolfgang Büld kannte sie aus Hagen und schlug sie für die Rolle vor. Nena war zu dem Zeitpunkt noch völlig unbekannt. Ich hatte ja immerhin schon eine Doppelseite in der Bravo und ein paar Schlangenlederschuhe. Aus Kunstleder - aber immerhin. Ich jedenfalls kannte Nena nicht und dachte, was wird das wohl für 'ne Künstlerin sein, wo der Künstlername nur aus einem Vornamen besteht? Wir wurden dann zu Probeaufnahmen auf das Münchner Oktoberfest eingeladen. Als Nena kam, war ich echt geplättet. Nena war der Hammer! Leider hatte ich die Wartezeit schon mit ein paar Maß Bier und einer fettigen Schweinshaxe überbrückt. Mir wurde nach einiger Zeit kotzübel, und ich kübelte quer über eine Wurfbude. Als Nena dann trotzdem lauthals lachte, wussten die Produzenten, dass wir perfekt zusammen passen. Mir war das übrigens noch früher klar.

Für die Dreharbeiten hatte ich von der Produktion einen Klappstuhl bekommen, auf dessen Lehne mein Name stand. Nena hatte das irgendwie besser im Griff und leierte dem Regisseur wegen der vielen Wartezeit ein eigenes Wohnmobil aus dem Kreuz. Dabei war ich doch der Star ("Bravo"-Doppelseite, Schlangenlederschuhe). Nachdem ich mich darüber beschwert hatte, bekam ich einen Regenschirm und durfte, wenn die Temperaturen mal unter Null sanken, mit in Nenas Wohnmobil. Zum Aufwärmen, denn ich trug ja immer noch die kurzen Hosen. Allerdings musste ich dafür auf Nenas Hund aufpassen. "Baby" hieß er. Nena schleppte ihn überall mit hin. Angeblich war er ein Schoßhund, doch als ich mich auf "Babys" Schoß setzen wollte, hat mich die Töle gebissen. Aber was soll's. Ich konnte Nena einfach nicht böse sein, dafür war ich viel zu verknallt.

Als der Film dann im Februar 1983 in die Kinos kam, hatte ich wegen einer innigen Kuss-Szene mit Nena halb Deutschland gegen mich - zumindest alle jungen Männer. Trotzdem wurde "Gib Gas, ich will Spaß" einer der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres.

Zu Besuch beim Kanzler

Ende des Jahrzehnts war ich mit Kai Böcking zu Besuch beim Kanzler. Genauer gesagt waren wir zunächst mal bei einem Briefing im Bonner Kanzleramt anlässlich des jährlichen Kinder-Kanzlerfestes. Das Spektakel war ein Fest für ausgesuchte Streberkinder mit Onkel Helmut als freundlichem Gastgeber. Kai sollte moderieren.

Das Kanzleramt war ein echt muffiger Bau. "Hier wird also die große internationale Politik gemacht", dachte ich. Der Boden war so abgetreten, als würde Helmut da heimlich Rollerblades üben. Die Vorhänge waren ausgeblichen, und alles war in einem allgemein abgenutzten, schlechten Zustand. Da war die Aula unserer Realschule in Bad Camberg besser in Schuss.

Deshalb hatte ich wenig Hemmung, meinen Kaugummi heimlich unter den Konferenztisch zu kleben. Dann kam Helmut. Groß, breit, mächtig, eindrucksvoll. Wie aus einem Godzilla-Film. Roboterhaft ging er die Reihe der Gäste ab. "Hoffentlich hat er keinen Laserstrahl in seinem Atem wie Godzilla", dachte ich. Hatte er nicht. Dennoch hatte ich weiche Knie, als er mir gegenüberstand und seine bratpfannengroße Pranke ausstreckte. Was sein Lakai ihm zuflüsterte, weiß ich nicht, aber Helmut guckte etwas irritiert. "Sayonara" dachte ich und drückte die riesige Hand. Die Hand hatte keinerlei Druck. Sie fühlte sich total leblos an. Mit Godzilla hatte ich also falsch gelegen. Frankenstein wäre treffender gewesen. Zur eigentlichen Party konnte ich dann leider nicht kommen. Ich lag mit Sommergrippe im Bett.

Die Achtziger endeten für mich genauso frustrierend wie sie begonnen hatten. Eine kleine Konzerttournee wurde kurzfristig abgesagt, eine Platte hatte ich auch schon länger nicht mehr gemacht und der Produktmanager meiner Plattenfirma rief mich nicht mehr zurück. Mein Manager übrigens auch nicht. Ich versuchte, das alles nicht zu negativ zu sehen. "Wahrscheinlich haben die beiden meine Telefonnummer verlegt", redete ich mir ein. Kann ja mal passieren nach all den Jahren.

Aus die Maus

Aber man konnte es einfach nicht mehr übersehen: Die glorreichen Jahre waren vorbei, Glanz und Glamour verblasst. Aus die Maus. Ich dachte ernsthaft über ein neues Studium nach. VWL war doch eigentlich total aufregend gewesen. Ganze Tage verbrachte ich vor dem Fernseher - im Unterhemd mit Fernbedienung und Chipstüte. Vor die Tür ging ich kaum noch. Die pure Langeweile. Das einzig Spannende war der Mauerfall. Wahnsinn. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, und ich saß einfach nur da, mit offenem Mund und Tränen in den Augen: Ich aß gerade ein Mettbrötchen mit rohen Zwiebeln.

Dann kam die Jahreswende 1989/90. Ich war pleite und hatte eine einzige Rakete. Im Gegensatz zu Sylvester 1979 war das keine Leuchtrakete, sondern eine richtige, eine Feuerwerksrakete. Marke "Bombette Sternenboukett" Alle meine Wünsche und Hoffnungen wollte ich mit dieser Rakete gen Himmel schicken. Feierlich zündete ich die Lunte. Es zischte kurz, dann passierte nichts! Rohrkrepierer. Frohes Neues Jahr! Ich legte mich schlafen.

Am nächsten Morgen wurde ich schlaftrunken von meinen Anrufbeantworter geweckt. Eine männliche Stimme im breitesten Sächsisch sagte so was Ähnliches wie: "Hallooo. Mein Name ist Glindmayer, Komitee für Unterhaltungskunst der Stadt Chemnitz. Hätten Sie Zeit für eine Tournee?"

Ich war sofort total begeistert.

Markus Mörl, 49, lebt heute wieder in seiner Heimatstadt Bad Camberg. Mit "Ich will Spaß - die ultimative NDW-Show" tourt er seit Januar durch Deutschland.

Dieser Artikel stammt aus dem neuen einestages-Magazin. Darin finden Sie viele weitere spannende Geschichten.

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1.
Manfred Hutter 09.09.2008
Schwarz-Weiß-TV war allenfalls für die Sechziger und die frühen Siebziger "typisch", nicht aber für die Achtziger! Siehe z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Color-TVUnitsGermany.png
2.
Sylvia Götting 10.09.2008
Ehrlich gesagt: Bei all dem audio-visuellen Schrott, der mir heutzutage inflationär geboten wird (und man muss dazu wie ich keine Radiohörerin oder Fernsehschauerin sein, um das mitzubekommen), wünsche ich mir die 80er oder, noch lieber, die 70er zurück. Nach meinem Empfinden waren diese Zeiten übersichtiger und hatten mehr kreativen Freiraum als heute.
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