Geld für "Hilfswerk Hausser" Kohl spendete an Waffen-SS-Veteranen

Als junger Politiker spendete Helmut Kohl Geld an ein Hilfswerk, das für inhaftierte NS-Verbrecher und deren Angehörige sammelte. Nach Informationen des SPIEGEL hielt er den Generaloberst der Waffen-SS Paul Hausser für einen "anständigen Mann".

Helmut Kohl (Foto von 1975)
AP

Helmut Kohl (Foto von 1975)


Kanzler Helmut Kohl (1930 bis 2017) hat als junger Politiker für NS-Verbrecher gespendet. Das zeigen jetzt aufgetauchte Unterlagen. Darin erzählt Kohl, er habe in etwa 200 Mark pro Jahr an das "Hilfswerk Hausser" gezahlt, das für inhaftierte NS-Verbrecher und deren Angehörige gesammelt habe. Gemeint ist das "Sozialwerk" der Hiag - des Traditionsverbands der Waffen-SS. Es wurde 1962 nach Paul Hausser benannt.

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Heft 6/2018
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Kohl hielt den Generaloberst der Waffen-SS für einen "anständigen Mann". Dabei hatten dessen Einheiten Kriegsverbrechen begangen. Hausser warb damals bei Politikern für die Altersversorgung seiner Kameraden und trug zur Verschleierung von NS-Verbrechen bei. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Noch als Kanzler zeigte Kohl Verständnis für die Waffen-SS. 1985 verursachte er einen Skandal, als er mit US-Präsident Ronald Reagan einen Soldatenfriedhof in Bitburg besuchte, auf dem auch Angehörige der Waffen-SS begraben liegen.

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insgesamt 54 Beiträge
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Eberhard Geier, 03.02.2018
1. Irgendwie passt das alles
zu der Figur Kohl. Was haben ihn seine Fans hochgejubelt, da war für solche Marginalien natürlich überhaupt kein Platz. Und im Nachhinein macht das die Bitburger Geschichte pikanterweise auch noch verständlicher. Aber das deckt sich mit Beobachtungen aus meiner eigenen Familie. Da wurde auch immer von "Anständigen" gesprochen von denen wir heute wissen, wie "anständig" sie in der Realität tatsächlich waren.
Urs Ziege, 03.02.2018
2.
...bin ich ja auf die Reaktionen aus der CDU gespannt. Den guten Günter Grass wollten Sie für seine Mitgliedschaft noch ans Kreuz schlagen. Da fragt sich, was ist schlimmer, als 17 Jähriger im Krieg der Waffen-SS beizutreten und keinen Schuss abzugeben oder 30 Jahre nach Kriegsende die Verbrecher noch immer mit Geldspenden zu unterstützen.
Frieda Fröhlich, 03.02.2018
3. was für einen Skandal ?
auf dem Friedhof lag ein 17 jähriger WaffenSS Mann. Ab 1944 wurden junge Männer auch in die Waffen SS gezogen, die Soldaten waren keineswegs alle glühende Nazis, denken wir nur an Günter Grass. Der Skandal liegt vielmehr darin, wie das offizielle Deutschland mit seinen Gefallenen und Veteranen umgegangen ist und umgeht. Dafür empfängt man selbst von ehemaligen Gegnern nur Verachtung.
Thorn Iteye, 03.02.2018
4. Kurzum
Ich bin kein Fan von Helmut Kohl aber das ist unterste Schiene.
Georg Dr. Beckers, 03.02.2018
5. Nie hätte dieser Kriminelle Kanzler werden dürfen
allein die zuletzt beachtete Doku "Bimbes - Die schwarzen Kassen des Helmut Kohl" in der ard ausgestrahlt macht es deutlich und fundiert auch, dass diese Figur zu recht ein Krimineller genannt werden darf. Ersparen werde ich mir die Hinweise darauf, wie oft und derb bei jeglicher Kritik an dieser vermeintlich doch so bedeutsamen Figur reagiert wurde (auch hier und gerade hier in SPON Foren] : 'wie könne man nur ... dieser Mann mit solchen Verdiensten ..' Ja. Ja. Ja. Solche Verdienste. Und was da alles noch nicht offen diskutiert wurde aber zwischen Helmshöfereien und Bonn/Berliner Abgründen noch schlummert. Kotzt mich an, wenn allein an seine so rühmlichen Engagements im Schleyer-/RAF-Komplex erinnert werden muss --- und ja doch, auch jene die nun, nach dieser Publikation hier bei SPON sich nicht zu helfen wissen und darauf hinweisen werden : was der verruchte Strauss, der gehasste Schmidt, und natürlich der Ex-Präsident Weizsäcker und sein Clan doch so alles verbrochen haben .. Nur die haben nicht als Kanzler von "moralischer Erneuerung" geschwätzt und haben auch nicht zu viele grausame Jahre als Kanzler in egomanischer Weise zu Viele gutgläubige Idioten in der Republik verarscht und ausgenommen.
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