Hemingway und die Dietrich "My little Kraut"

Hemingway und die Dietrich: "My little Kraut" Fotos
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Der Poet und die Diva - die Beziehung von Ernest Hemingway und Marlene Dietrich war jahrzehntelang geheimnisumwittert: nur Freunde oder innig Liebende? Dutzende Briefe von Hemingway an die Dietrich tauchten im März 2007 auf und gaben einen kleinen Einblick in die Beziehung der beiden.

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Ein Museum in Boston hat erstmals 30 Briefe von Ernest Hemingway an Marlene Dietrich veröffentlicht, die neues Licht auf die zärtliche Beziehung der beiden Künstler werfen. In den von 1949 bis 1959 geschriebenen Briefen nannte Hemingway die von ihm verehrte Freundin liebevoll-spöttisch "my little Kraut" - in Anlehnung an den damals weit verbreiteten Spitznamen für die Deutschen.

Die Korrespondenz gibt Vermutungen neuen Auftrieb, dass es eine Liebesbeziehung zwischen Hemingway und Dietrich gab. Zwar bezeichnet Hemingway die zwei Jahre Jüngere gelegentlich als Tochter - und diese ihn als "beloved Papa". Dann aber fügt Hemingway der Abschiedsformel das eindeutige Bekenntnis hinzu: "I kiss you hard". Im Mai 1950 verteidigte Hemingway seine Freundschaft zu der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman und versichert dann: "There is only one of you in the world, nor will there ever be another, and I get very lonely in this world with you angry at me" (Jemand wie Dich gibt es nur einmal auf der Welt, und es wird auch nie eine andere geben, und wenn Du verärgert über mich bist, werde ich in dieser Welt sehr einsam sein."

Hemingway und Dietrich lernten sich 1934 auf dem Ozeankreuzer "Ile de France" kennen. Hemingway schrieb einmal seinem Freund A.E. Hotchner, dass er sich in Marlene Dietrich verliebt habe, dass sie aber nie zusammen geschlafen hätten. "Erstaunlich, aber wahr", fügte Hemingway hinzu.

"Es war zu heiß, um sich zu lieben"

In einem der auf Schreibmaschine getippten Briefe berichtet Hemingway über seine Arbeit am Roman "Der alte Mann und das Meer", für den er 1954 den Literaturnobelpreis erhielt. Damals lebte er auf Kuba, während Marlene Dietrich eine Wohnung in New York hatte.

In dem Brief vom 21. November 1951 schrieb er, dass er seine vierte Frau Mary wegen der großen Hitze weggeschickt habe und fügte hinzu: "Es war zu heiß, um sich zu lieben, wenn Du Dir das vorstellen kannst, es sei denn, man macht es unter Wasser, und darin bin ich nie gut gewesen." Die Briefe, Karten und ein Telegramm sind im Besitz der Ernest-Hemingway-Sammlung des John-F.-Kennedy-Museums (John F. Kennedy Presidential Library and Museum) in Boston. Dessen Direktor Tom Putnam benutzte Hemingways eigene Worte, als er Hemingway und Dietrich als "Opfer einer ungleichzeitigen Leidenschaft" bezeichnete. Die Briefe wurden dem Museum 2003 von Dietrichs Tochter Maria Riva vermacht - unter der Bedingung, dass sie erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der Autor des Romans "Der alte Mann und das Meer" erschoss sich im Juli 1961 in Ketchum im US-Bundesstaat Idaho. Die Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich lebte danach noch fast 31 Jahre und starb im Mai 1992 in Paris.

David Weber, AP

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 30.03.2007

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