Historische Gebäude Mein Märchenschloss in Flammen

Historische Gebäude: Mein Märchenschloss in Flammen Fotos
Ferdi Keuter

Seinen Kindheitstraum vom romantischen Wasserschloss hatte er schon fast vergessen, da traf ihn der Schock: Ferdinand Philipp Keuter wurde Zeuge, als ein Brand das Meisterwerk am Rande der Rureifel zerstörte.

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Das im 12. Jahrhundert erbaute Schloss Merode am nördlichen Rand der Rureifel gilt als eines der schönsten Wasserschlösser des Rheinlandes. Mein Vater sagte früher immer, das Schloss habe so viele Fenster wie Tage, so viele Türe wie Wochen und so viel Türme wie Monate im Jahr. Ich stellte mir vor, wie ich als Bewohner dieses Schlosses an jedem neuen Tag aus einem anderen Fenster klettern könnte. Die Türen würde ich sogar an einem Tag schaffen, war ich überzeugt. Kindliche Träume waren das. Unsere Wohnung hatte gerade mal fünf Fenster und eine Tür. Eine Schuhschachtel im Vergleich zu dem erhabenen Schloss.

Als ich am 19. Juni 2006 mit dem Wagen unterwegs war, traf es mich wie der Blitz: Von der Straße aus sah ich das brennende Schloss. Alle Zufahrten waren weitläufig für jeden Verkehr gesperrt, Rettungswagen und Feuerwehr hatten absoluten Vorrang. Das Ausmaß der Katastrophe musste schrecklich sein. Während ich mir als Kind kaum vorstellen konnte, dass mein Märchenschloss jemals nicht mehr an Ort und Stelle sein könnte, stand nun das Ende eines architektonischen Meisterwerks zu befürchten.

Überall sah ich fassungslose Menschen. Die Feuersbrunst hatte den gesamten Dachstuhl und den Eckturm erfasst. Dem Schlossteich waren bereits viele tausend Liter Wasser entnommen worden, so dass der Pegel bereits rapide gefallen war. Der Versuch, Möbel und Wertgegenstände zu retten, scheiterte an der starken Rauchentwicklung im gesamten Schloss. Die komplette Inneneinrichtung wurde schwer beschädigt. Der Wohnsitz von Karl-Ludwig Prinz von Merode und seiner Familie würde auf Jahre hinaus unbewohnbar bleiben. Obwohl es die Feuerwehr - insgesamt 100 Mann waren angerückt - nach der Alarmierung sehr schnell an den Brandort geschafft hatte, konnte das Schlimmste nicht mehr verhindert werden: Für den Eckturm des Wasserschlosses und den Seitenflügel kam jede Hilfe zu spät. Löscharbeiten im Inneren des Schlosses mussten aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden, weil das Dach einzustürzen drohte. So beschränkte man sich darauf, den vorderen Eckturm zu erhalten, kämpfte drei Stunden gegen die Flammen - und hatte schließlich gewonnen.

Neuanfang nach der Katastrophe

Der Schlossbesitzer mutmaßte nach den Löscharbeiten, dass ein Kaminbrand im hinteren Eckturm das Feuer ausgelöst haben könnte. Über den Gesamtschaden ließ sich Prinz Merode, der mit seiner Familie bereits seit 20 Jahren in dem Schloss wohnte, nicht aus. Erst drei Monate zuvor war er nach Erbstreitigkeiten der alleinige Besitzer des Schlosses geworden, das über die Grenzen der Region hinaus bekannt war. Was für ein bitteres Schicksal in einer solchen Situation. Während in den Jahren vor der Brandkatastrophe das Schloss der Öffentlichkeit weitgehend verschlossen geblieben war - lediglich der Park wurde bisweilen zugänglich gemacht - hatte man sich für die Zukunft vorgenommen, das Schloss häufiger zum Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens zu machen. Und nun das.

Die Bevölkerung nahm großen Anteil am Schicksal der Schlossbewohner. Eine Ersatzwohnung war schnell gefunden. Die Spendenbereitschaft der Freunde des Schlosses kannte keine Grenzen, sodass bald außer Frage stand, dass es wieder aufgebaut werden würde. Die Versicherungen bekundeten schnell, dass sie die Schäden begleichen würden. Ein erster Hoffnungsschimmer nach der großen Katastrophe.

Die Wiederaufbauarbeiten dauern bis heute an. Um sie finanziell zu unterstützen, eröffneten der Prinz und die Prinzessin von Merode im Winter 2009 erstmals einen Romantischen Weihnachtsmarkt. Die Besucher zahlten gern fünf Euro Eintritt, denn jeder Cent sollte der Restaurierung und Erneuerung des Schlosses zu Gute. Auf dem malerischen Gelände des Schlosses erwarteten die Besucher liebevoll dekorierte Holzhäuschen. Fackeln und Laternen tauchten den Park und das Schloss in ein beschauliches Licht. Die Idylle ließ die noch stehenden Gerüste vergessen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis mein Märchenschloss wieder in altem Glanz erstrahlen wird.

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1.
Ferdi Keuter 21.06.2010
Gelebte Volksnähe des Hochadels Als Schloss Merode 2000 zum Teil ausbrannte, da hat das ganze Dorf beim Beseitigen der Trümmer geholfen. Die Prinzenfamilie und die Meroder standen gemeinsam im Schutt des Schlosses und am Abend saßen alle um einen großen Tisch in den Ruinen des Schlosses und aßen gemeinsam. Die Anteilnahme, sagt Prinz Charles-Adrien, war überwältigend
2.
Ferdi Keuter 26.07.2010
Der Adel reist nach Wenau, Prinzessen von Merode heiratet in St. Katharina Die Pfarrkirche St. Katharina in Wenau war am Samstag Treffpunkt des europäischen Adels. Prinzessin Blanche von Merode und Baron Philipp von und zu Bodman gaben sich in der ehemaligen Klosterkirche das Ja-Wort. Am Vorabend wurde auf dem Schloss der Prinzenfamilie bei einem ?Meet und Greet? gefeiert. Etwa 800 Gäste verfolgten die Zeremonie. Mit einer historischen Kutsche wurde das Brautpaar nach Merode gefahren
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