Historische Grußkarten Als Ostern noch die Post abging

Hasen tanzen um ein Riesen-Ei, Küken schultern die Gewehre, schöne Frauen schlüpfen aus Gelegen: Zur Jahrhundertwende wurden mitunter recht wunderliche Osterpostkarten verschickt - einestages zeigt die verrücktesten Motive.

H. George Meiners

Fröhliche Hasen tanzen um ein gigantisches Ei, auf dem lachende Babys sitzen. Küken rasen in einem Eier-Auto durch die Landschaft. Schöne Frauen schlüpfen aus Gelegen. Kinder in Hasenkostümen lugen aus dem Gebüsch.

Nein, dies sind keine Szenen aus "Alice im Wunderland", sondern Motive früher Osterpostkarten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zeugen einer Zeit, in der Ostergrüße noch nicht per MMS und Flash-Postkarten aus dem Netz verschickt wurden. Doch auch damals gehörte ein gewitzter Ostergruß zum guten Ton.

Heinrich von Stephan ahnte wohl kaum, was für einen Sturm von Kreativität er entfesseln würde, als er 1870 die Einführung der sogenannten Correspondenzkarte in Deutschland vorschlug. Nur 30 Jahre später kamen die Briefträger mit dem Austragen der Karten zu Festen wie Ostern oder Weihnachten kaum noch hinterher. Zu den Feiertagen quoll so mancher Briefkasten über.

Viele ließen es sich nicht nehmen, die Karten selbst zu basteln. Persönliche Ostergrüße wurden von Amateurfotografen mühsam und liebevoll in Heimarbeit angefertigt. Etwa, indem sie Bilder ihrer Liebsten in Eier oder in ein Osternest montierten.

Verrückte Bilder zu günstigen Preisen

Zum Erfolg der postalischen Grüße hierzulande trug auch die Qualität der deutschen Druckereien bei, die zu dieser Zeit weltweit gerühmt wurde. "Printed in Saxony" - gedruckt in Sachsen - stand für höchste Druckqualität. Während die Karten aus Dresdner Druckereien durch Qualität überzeugten, waren in Berlin die Großdruckereien angesiedelt, die durch riesige Auflagen zu günstigen Preisen und phantasievolle Motive bestachen. Mit modernster Bildtricktechnik wie Fotomontage und Retuschepinsel entstanden dort die verrücktesten Motive.

Die ebenso günstigen wie phantasievollen Druckerzeugnisse wurden weltweit vertrieben und trugen so zur Popularität des Osterhasen bei. Denn bevor deutsche Hasenkarten den Globus überschwemmten, war Meister Lampe noch nicht der österliche Eierverstecker Nummer eins. Vielerorts wurden vor dem Siegeszug des Hasen die Eier durch Störche, den Kuckuck oder Hähne überbracht.

Die Karten allerdings kamen immer vom Briefträger und brachten so manchen ihrer Empfänger zum Staunen. einestages zeigt eine Auswahl der schönsten, phantasievollsten und abwegigsten Ostergrüße.

zib



insgesamt 2 Beiträge
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Dieter Förster, 12.04.2009
1.
Bei dem "absurden Setting " von Foto 12 handelt es sich wohl um ein Steckkissen. Googlen Sie doch einfach mal.
Christophe Hinz, 05.04.2010
2.
Für diejenigen, die sich für historische Bildpostkarten (auch von Ostern!) interessieren, hier ein Link zu einem Forschungsprojekt von der Universität Osnabrück: http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/ Hier direkt zu den Karten zu Ostern: http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/thumbnails.php?album=search&type=full&search=Ostern
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