Hitlers Traumschiff Das Ende der "Graf Zeppelin"

Hitlers Traumschiff: Das Ende der "Graf Zeppelin" Fotos
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Bei Bohrarbeiten in der Ostsee stieß 2006 eine Ölfirma auf ein gigantisches Wrack. Experten der polnischen Marine identifizierten den Riesen als "Graf Zeppelin", Hitlers ersten - und letzten - Flugzeugträger. Das Schiff war in den vierziger Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden.

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Mit seiner Flotte war Deutschlands oberster Marineoffizier alles andere als zufrieden: "In diesem Krieg", schrieb Großadmiral Raeder zu Kriegsbeginn an Adolf Hitler, "kann das wenige, was fertig ist oder noch kriegsbereit wird, nur anständig kämpfend untergehen." Auch das Prunkstück von Raeders Flotte, der 260 Meter lange Flugzeugträger "Graf Zeppelin" sollte nie fertig werden - und ging nach einer jahrelangen Odyssee doch unter. Wo, das war jahrzehntelang ein Geheimnis.

Schon 1936, drei Jahre vor Kriegsbeginn, hatten die Arbeiten an dem gewaltigen Schiff begonnen, das einmal der deutschen Kriegsmarine die Lufthoheit auch in fernen Gewässern erkämpfen sollte. Am 8. Dezember 1938 war die "Graf Zeppelin" in Anwesenheit Adolf Hitlers zu Wasser gelassen worden: Deutschlands erster Flugzeugträger maß 262 Meter Länge, 36 Meter Breite und war mit einer der weltweit stärksten Maschinenanlagen ausgerüstet, die den schwimmenden Kampfkoloss einmal auf 33 Knoten Geschwindigkeit anschieben sollte.

"Eine grandiose technische Leistung", sagt Militärhistoriker Ulrich Israel zu SPIEGEL ONLINE, "vor allem wenn man bedenkt, dass die Deutschen keinerlei Vorbilder für die Konstruktion eines solchen Trägers hatten." Israel war Mitarbeiter des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam und ist Autor eines Buches über die "Graf Zeppelin".

Mit mehr als 40 Flugzeugen und Dutzenden Geschützen sollte das Schiff ausgestattet werden - so lauteten zumindest die Planungen. Doch als der Krieg 1939 ausbrach, war die Riesenkonstruktion noch immer nicht fertig. Hastig änderten die Marineplaner ihr Konzept: Der U-Boot-Bau hatte nun Priorität, kostspielige Großprojekte mussten warten.

"Versenkung wäre Prestigefrage gewesen"

Die "Graf Zeppelin" wurde nach Danzig geschleppt und als Depotschiff verwendet. Zwei Jahre später sollten die Arbeiten in Kiel fortgesetzt werden, doch nach nur einem Monat und insgesamt rund 100 Millionen Reichsmark Entwicklungskosten befahl der neue Marinechef Karl Dönitz, das Mammutprojekt einzustellen - obwohl es zu 85 Prozent fertig war.

"Der deutschen Marine fehlte der Wille und die klare Linie", sagt Ex-Marineoffizier Israel heute. "Gott sei Dank!" Denn der Einsatz des Großkampfschiffs hätte seiner Ansicht nach keinerlei militärischen Nutzen gebracht, sondern nur zahlreiche Menschenleben gekostet. "Für die Engländer wäre die Versenkung der 'Graf Zeppelin' zu einer Prestigefrage geworden, ähnlich wie bei der 'Bismarck'." Das Schlachtschiff "Bismarck" war im Mai 1941 nach einer tagelangen Hetze von britischen Kriegsschiffen versenkt worden - rund 1500 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben.

Angeblicher Untergang mit Beutegut

So wurde die "Graf Zeppelin" 1942 wieder in die Ostsee zurückgeschleppt, wo sie schließlich in einem Seitenarm der Oder verankert wurde - ein deutscher Großmachtstraum auf dem Abstellgleis. Als schließlich die Rote Armee anrückte, sprengten die Deutschen Löcher in den Schiffrumpf, der im flachen Gewässer auf Grund lief. Nach Kriegsende setzten die Sowjets das Wrack jedoch wieder instand. Was dann passierte, darüber gibt es zahlreiche Geschichten: Bei der Überführung nach Russland sei der Pott auf eine Mine gelaufen, lautet eine Version, eine andere spricht davon, dass der Träger von den Sowjets derart mit Beutegut überfrachtet worden sein soll, dass er in einem aufkommenden Sturm irgendwo in der Ostsee schließlich untergegangen sei.

Nichts anderes als Märchen seien diese Behauptungen, versichert Historiker Ulrich Israel dagegen. Seinen Recherchen und denen seiner Kollegen zufolge überführten die Sowjets die "Graf Zeppelin" bis nach Leningrad und schließlich nach Swinemünde, in ihren letzten Hafen.

Am 14. August 1947 wurde der unfertige Riese aus dem Hafen geschleppt. Die sowjetische Flotte wollte an dem Schiff testen, auf welche Weise sich feindliche Flugzeugträger, wie die amerikanische Navy sie schon zahlreich besaß, am besten versenken ließen. Mehrere Bomben wurden an Bord gezündet. Weil die "Graf Zeppelin" aber immer noch nicht untergehen wollte, feuerte man schließlich zwei Torpedos auf sie ab. Das Schiff verschwand von der Meeresoberfläche. Wo, darüber schwiegen sich die Militärs bislang aus.

Nun haben die Mitarbeiter der polnischen Erdölfirma "Petrobaltic" unbeabsichtigt das Rätsel gelöst. Vor wenigen Tagen entdeckten sie bei der Suche nach Öl- und Gasvorkommen in der Ostsee das Wrack. Es liege in etwa 80 Metern Tiefe, der Fundort befinde sich 55 Kilometer vom Hafen Wladyslawowo entfernt, teilte das Unternehmen danach mit.

Die polnische Marine entsandte umgehend ein Schiff zum Fundort. Bei Tauchgängen und Sonaruntersuchungen bestätigte sich die Vermutung, dass es sich bei dem Wrack um die "Graf Zeppelin" handelte, sagte ein Marinesprecher heute dem polnischen Rundfunksender "Radio RMF". Die Mannschaft, die die Identität des Schiffes nun bestätigte, hatte vor zwei Jahren bereits das Wrack des Flüchtlingsschiffs "Steuben" in der Ostsee entdeckt.

Internationalem Seerecht zufolge müsste die "Graf Zeppelin" jetzt in den Besitz der Bundesrepublik übergehen. Das kann jedoch noch eine Weile dauern: Im Bundesverteidigungsministerium hieß es auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp, man prüfe für diesen Fall noch die Zuständigkeiten.

Roman Heflik

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 27.07.2006

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1.
Nils Holstein, 02.04.2012
Die Bemerkung, ein Flugzeugträger hätte der deutschen Seite nichts gebracht, scheint aus der Luft gegriffen zu sein. Allein schon die "Bismarck"-Unternehmung hatte den immensen Vorteil seegestützter Luststreitkräfte gezeigt. Auch ist der U-Boot-Krieg in wesentlichen Teilen von Trägerflugzeugen entscjiedem worden. Und der Pazifik-Seekrieg ist allein von Trägerkampfgruppen geführt. Wenn man weiß, welchen immensen Aufwand die Royal Navy allein für die Bismarck getrieben hatte (die ohne jegliche Luftaufklärung und daher oft nur auf Vermutungen agieren mußte), den man auch nur dank eigener Flugzeugträger verantworten konnte, kann man vermuten, daß ein deutscher Flugzeugträger die Seekriegsstrategie deutlich zugunsten der deutschen seite verändert hätte. Die Stärke von Flugzeugträgern wurde insbesondere von deutscher Seite nicht wirklich begriffen, hingegen zunächst von der Royal Navy (welche auch den weltweit ersten Tärgerangriff auf ein ganze Flotte führte: Tarent). Viele andere Admirälstäbe, wie die US Navy taten sich ebenfalls schwer, bis der japanische Admiral Yamamoto mit Flugzeugträgen allein Schlachtschiffe im allgemeinen alt aussehen ließ, neben den US-Schiffen u.a. auch englische wie "Repulse" und "Prince of Wales".
2.
Steffen Jonda, 28.10.2013
Die Zeppelin war ein "Testbau". Neben der Strasser (zweiter Träger) sollte später noch die Seydlitz (unfertiger schwerer Kreuzer der Hipper-Klasse) umgewandelt werden. Das 3.Reich wusste also schon, dass Träger relevant waren. Die Probleme (Goerings "alles was fliegt gehört mir", die fehlerhafte Katapult-Anlage (idee toll, aber nicht prakikabel) sowie die Auslegung AUCH als Kreuzer (man beachte die wirre Idee, dass ein SCHWER gepanzerter Flugzeugträger Artilleriegefechte mit leichten Kreuzern bestehen sollte)) waren aber sehr groß. Das Schiff war weder "Stolz Raeders" noch der Marine. Die wusste, dieses Schiff ist an sich unnütz. Auch deshalb wollte man sie nicht wirklich weiterbauen. Bezüglich der Genauigkeit: Der Autor hat leider keine Ahnung - bei der Bismark verloren NICHT 1500 Menschen ihr Leben sondern deutlich mehr. Warum nur fühlen sich so viele Menschen berufen auf Spiegel Artikel zu verfassen wenn sie eindeutig keine Ahnung haben? Ist das so ein Zwang? Ich verstehe nicht wieso solche Artikel veröffentlicht werden. Jeder 10jährige kann leicht im Internet Fakten recherchieren die eindeutig machen dass der Autor kompletten Blödsinn schreibt. Schade.
3.
Steffen Jonda, 28.10.2013
>Die Bemerkung, ein Flugzeugträger hätte der deutschen Seite nichts gebracht, scheint aus der Luft gegriffen zu sein. Allein schon die "Bismarck"-Unternehmung hatte den immensen Vorteil seegestützter Luststreitkräfte gezeigt. Auch ist der U-Boot-Krieg in wesentlichen Teilen von Trägerflugzeugen entscjiedem worden. >Und der Pazifik-Seekrieg ist allein von Trägerkampfgruppen geführt. >Wenn man weiß, welchen immensen Aufwand die Royal Navy allein für die Bismarck getrieben hatte (die ohne jegliche Luftaufklärung und daher oft nur auf Vermutungen agieren mußte), den man auch nur dank eigener Flugzeugträger verantworten konnte, kann man vermuten, daß ein deutscher Flugzeugträger die Seekriegsstrategie deutlich zugunsten der deutschen seite verändert hätte. > >Die Stärke von Flugzeugträgern wurde insbesondere von deutscher Seite nicht wirklich begriffen, hingegen zunächst von der Royal Navy (welche auch den weltweit ersten Tärgerangriff auf ein ganze Flotte führte: Tarent). Viele andere Admirälstäbe, wie die US Navy taten sich ebenfalls schwer, bis der japanische Admiral Yamamoto mit Flugzeugträgen allein Schlachtschiffe im allgemeinen alt aussehen ließ, neben den US-Schiffen u.a. auch englische wie "Repulse" und "Prince of Wales". Fast richtig. 1.) man erkannte den Wert des Flugzeuges als Waffe durchaus. Schon Mitchell bewies es. ABER: man glaubte, Schiffe auf See seien nicht versenkbar. Die Repulse und PoW zeigten dann, dies ist falsch. 2.) Tarent war nicht der 1. Trägerangriff. Es war aber die Vorlage für den japanischen Angriff auf PH. Und extrem erfolgreich wegen Inkompetenz italienischer Offiziere. 3.) Nein, ein oder fünf deutsche Flugzeugträger hätten alle nichts verändert. a.) man braucht für Flugzeugträger Einsatzverbände (sogenannte Task-Forces). Ohne die Flotte zu haben welche die Trägergruppe begleitet sind sie sinnlos. Die dt. Marine hatte - selbst ohne die Norwegen-Verluste - keine vernünftigen Begleitschiffe. Man hätte neben den Trägern auch noch ca. 10 Flakkreuzer, 10 Langstrecken-Leichte-Kreuzer, 50-70 Langstrecken-Zerstörer und 10-20 schnelle Tanker/Tross-Schiffe bauen müssen. Also ein Vielfaches dessen, was man im 3.Reich wirklich bauen wollte. Die U-Boote die man stattdessen baute waren 1000x effektiver
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