Hollywood-Doubles Maske runter!

Hollywood-Doubles: Maske runter! Fotos
Lucasfilm

Darth war seine Rolle: Eigentlich sollte niemand erfahren, wer wirklich gegen Luke Skywalker gekämpft hatte. Doch durch einen Zufall wurde Bob Anderson enttarnt und berühmt - anders als die meisten seiner Stuntman-Kollegen, die für Hollywoods Superstars die Knochen hinhalten. Zeit, ihre wahren Gesichter zu zeigen. Von Christoph Gunkel und Christian Gödecke

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Als Bob Anderson den König der Menschen im Schwertkampf trainierte, war das für den König kein Spaziergang. Immer wieder musste dieser die Übungen wiederholen, bis sie saßen. Doch die harte Schule sollte sich auszahlen: König Aragorn schwang in der "Herr der Ringe"-Trilogie sein Schwert wie ein Meister und machte die fiesen Orks und Uruk-hai zu Hunderten nieder. Als "sehr strikt" charakterisierte der Schauspieler Viggo Mortensen seinen Coach später in einer Dokumentation, und es klang sehr respektvoll. Kein Wunder: Sein Trainer war damals schon fast 80.

Die Szene sagt eine Menge aus über Bob Anderson, der noch im hohen Alter das tat, was er am besten konnte: den Säbel schwingen. Der Engländer, 1922 geboren, hatte schon als Kind mit dem Fechten begonnen und duellierte sich auch, als er während des Zweiten Weltkriegs als Marinesoldat an Bord von Kriegsschiffen diente. Als er England ins Viertelfinale der Olympischen Fechtwettkämpfe in Helsinki führte, war er in seiner Heimat plötzlich bekannt.

Ein Jahr später war er bei Hollywoods Regisseuren sogar berühmt. Der Meister des Säbels war zum Fechttrainer der Schauspiellegende Errol Flynn geworden und zum "Mann, der auf Errol Flynn einstach", als er diesen während der Dreharbeiten zum "Master of Ballantrae" verletzte. Seinem Ruf konnte der Hieb nichts anhaben, im Gegenteil. Für die nächsten 50 Jahre sollte Anderson in der Traumfabrik einer der meistgebuchten Stuntmen und Fechttrainer überhaupt werden. Mitunter spielte er so viele Rollen gleichzeitig, dass er sich selbst zu Tode gemetzelt habe, zitiert ihn die "Washington Post".

Die Maske entrissen

Er trainierte die "Musketiere" Kiefer Sutherland und Charlie Sheen oder gab das Double von Sean Connery in "Highlander", zuletzt sorgte Bob Anderson dafür, dass Orlando Bloom und Johnny Depp im Blockbuster "Fluch der Karibik" gut aussahen. Ob Säbel oder Degen - Anderson führte stets eine feine Klinge, teilte aber das Los eines Stuntman: Name und Gesicht des Fechtmeisters blieben der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Berühmt wurde der Klingenkönig ausgerechnet, als er mit einem leuchtend roten Prügel aus Plastik fuchtelte.

1980 zog er sich einen schwarzen Mantel und eine schwarze Maske an und kämpfte als Darth Vader gegen Luke Skywalker. Das Lichtschwert-Duell in "Star Wars - das Imperium schlägt zurück" machte Anderson unsterblich, dabei war jahrelang gar nicht bekannt, dass dort der englische Fechtmeister kämpfte. Regisseur George Lucas wollte den Ruhm von Schauspieler David Prowse nicht schmälern.

Erst Mark Hamill, der Luke Skywalker spielte, verschaffte Anderson in einem Interview den verdienten Ruhm. "Es sollte eigentlich ein Geheimnis bleiben, aber ich habe George Lucas gesagt, dass das nicht fair wäre. Bob hat so schwer gearbeitet, dass er dafür auch Anerkennung verdient", sagte Hamill. Auch Andersons Assistent Leon Hill beschrieb im Rückblick den Beitrag des Fechtmeisters mit deutlichen Worten. "David Prowse konnte nicht mit dem Schwert umgehen. Zum Glück konnte Bob sich selbst das Kostüm anziehen und die Szene selbst spielen." Anderson war auch damals schon fast 60.

"Wir nannten ihn den mürrischen Bob, weil er so ein Perfektionist war", beschrieb "Zorro"-Regisseur Martin Campbell den Fechttrainer 2001 in der "New York Times". Die Stars hätten sich über Andersons hartes Training beschwert, Antonio Banderas, Catherine Zeta-Jones, Anthony Hopkins, aber Anderson habe sich geweigert, "sie wie Stars zu behandeln", so Campbell. Der fast 80-jährige Sturkopf konnte es sich leisten.

Am 2. Januar ist Bob Anderson gestorben - und wird doch ewig als der Mann weiterleben, der gegen Luke Skywalker kämpfte. Anderen Stuntman-Kollegen, die immer wieder ihre Knochen für die Superstars hinhalten, ist das nicht vergönnt. Oder kennen Sie Sean Graham? Oder Dave Lea? einestages entreißt den Superhelden die Maske - und zeigt die Gesichter der unbekannten Action-Doubles.

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1.
Justus Ackermann 03.01.2012
Aber auch David Prowse macht als Darth Vader letztlich keinen guten Schnitt, sieht man ihn doch - fast - nur in Maske. Und seine Stimme passte Lucas wohl auch nicht, denn die wurde von James Earl Jones eingesprochen. Es kann also kein Schauspieler für sich reklamieren, wirklich Darth Vader gespielt zu haben.
2.
Karsten Schramm 03.01.2012
Bei Darth Vader sollte man eines noch zusätzlich anmerken: David Prowse war der Mann, der Vaders Anzug in den normalen Szenen getragen hat. Aber auch im Englischen wurde Darth Vader "synchronisiert". Darth Vaders Stimme ist die von James Earl Jones ("Jagd auf Roter Oktober", "Der Prinz von Zamunda", "Conan der Barbar"). Als Luke ihm dann die Maske in "Jedi-Ritter" abnimmt, sieht man wiederum Sebastian Shaw, der quasi "Anakin Skywalker" spielt. Er ist es auch, der dann am Ende das Macht-Echo zusammen mit Yoda und Obi-Wan spielt. Letzteres gilt allerdings nur bis zur DVD-Veröffentlichung von 2004(?), als das Macht-Echo die Gestalt von Hayden Christiansen annimmt, der Anakin in Episode 2 und 3 gespielt hat.
3.
Lukas Köppen 04.01.2012
Dieser Herr sagte mir bisher leider nichts, aber dafür kenne ich das Stuntdouble und den Stuntcoordinator von Angel/David Boreanaz, der heißt nämlich Mike Massa. Bei gut gemachten DVD/Blu Ray-Veröffentlichungen gehören Making-ofs über diese und andere Leute für mich dazu. Und bei Angel und Buffy (mit meine Lieblingsserien) waren sie oft erwähnt und haben, finde ich, viel Respekt erlebt.
4.
Hannes Grübel 04.01.2012
Tom Cruise, hat er nicht herumgetönt das er die gefährlichen Stunts in Mission Impossible selbst macht. Naja, ist eh ein schauspielerische Lusche
5.
Scream Queen 04.01.2012
Mortensen mag Anderson in einer Doku zwar durchaus als "very strict" bezeichnet haben; auf gut Deutsch heißt das, zumal in Zusammenhang mit einem Lehrer, aber immer noch "sehr streng".
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