Hotpants Rückkehr der Schocker-Shorts

Hotpants: Rückkehr der Schocker-Shorts Fotos
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Knapp, knapper, Hotpants: In superkurzen Hosen schockierte Mutti einst die Moralapostel - dann verschwanden die heißen Höschen in der Mottenkiste. Töchter und Enkelinnen haben die ultraknappen Dinger inzwischen als lässiges Lifestyle-Statement wiederentdeckt - einen Schuss Verruchtheit inklusive. Von Corina Kolbe

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Zum Video: Schräge Airline-Werbung mit Hotpants-Stewardessen aus den Siebzigern.

Sie sind die burschikose Variante des Minirocks, und sogar noch etwas sexier: Hotpants. In den "heißen Höschen", wie das knappe Kleidungsstück seinerzeit noch ungelenk eingedeutscht wurde, lässt sich viel Bein zeigen und trotzdem noch ohne Blamage Fahrrad fahren. In Hotpants kann man breitbeinig sitzen, sportlich über Zäune springen und sich bücken, ohne dass andere gleich die Wäsche zu Gesicht bekommen. Und die Stoffstückchen, die in ihrer extremsten Form nicht einmal ganz den Allerwertesten bedecken, haben etwas herrlich Verruchtes und wunderbar Ordinäres.

Genau diese Mehrdeutigkeit machte die die superengen Ultra-Shorts Anfang der Siebziger zum Verkaufsschlager in westlichen Metropolen. Der Minirock war längst salonfähig, und längere Midi-Röcke verkauften sich schlecht. Modemutige mussten sich also etwas Neues einfallen lassen.

Die eigentlichen Erfinder der Hotpants waren Boutiquenbesitzer, die bald auch extravagante Modelle aus Samt, Satin, Leder oder sogar Pelz anboten. Couturiers wie Yves Saint Laurent griffen die Idee auf und präsentierten schon kurz darauf Designer-Hotpants in ihren Kollektionen. Manche Frauen griffen aber auch selbst zur Schere, um langweilig gewordene Hosen im Do-it-yourself-Verfahren zu kürzen.

Stewardessen in neckischen Hosen

Von Europa aus gelangte der Trend zu Hosen ohne Hosenbeine mitten im Winter 1971 auch in die USA und begeisterte dort Teenager und Twens. Aber auch die über 30-Jährigen schlüpften gerne in die knappen Dinger, ergänzt durch Strumpfhosen, Stiefel und lange Mänteln, wie sich Zeitzeugen in der "New York Times" erinnerten. Gern wurden die kurzen Hosen auch unter langen geschlitzten Röcken getragen, die nur ganz oben zugeknöpft waren.

US-Modekritiker rechneten bereits mit Protesten von Restaurantbesitzern, die einige Jahre zuvor noch nicht einmal Frauen in langen Hosenanzügen einlassen wollten. Doch so viel Aufregung um die Hüftgürtel mit Schritt wäre gar nicht nötig gewesen - nach wenigen Monaten hatten die New Yorkerinnen die Hotpants nämlich schon satt. Dafür wurden die neckischen Hosen bald von Stewardessen der Southwest Airlines als Dienstkleidung getragen - womit die Airline auch gleich in mehreren TV-Spots warb.

In Deutschland lagen Hotpants länger im Trend, bis sie auch dort irgendwann aus dem Straßenbild verschwanden. Als Winzigkeiten aus Lurex und anderem Glitzermaterial tauchten sie in den achtziger Jahren ab und an noch in Vorstadt-Discos auf. Ansonsten sank das knappe Kleidungsstück zum Berufsdress der Damen auf dem Straßenstrich herab - modetechnisch wurde erstill um den verführerischen Fetzen. Das lag wohl auch am abnehmenden Skandal-Potenzial. Kein Sittenwächter stieß sich mehr daran, wenn Frauen lange Beine zeigten und den Po betonten.

Hotpants im Museum

Das Comeback der Knackärsche zeichnete sich um die Jahrtausendwende ab. In Musikvideos tauchten Hotpants zunehmend nicht mehr nur in den Clips testosterongesteuerter Gangsta-Rapper als sexy Verpackung für Hintergrundtänzerinnen auf. Weibliche Megastars von Madonna bis Mariah, Beyoncé bis Britney machten aus den Hotpants ein Statement selbstbewusster Weiblichkeit. Kylie Minogue etwa zeigte sich bei ihrem umjubelten Comeback im Jahr 2000 in goldenen Hotpants - im vergangenen Jahr wurde das gute Stück im Londoner Victoria&Albert-Museum ausgestellt.

Strenge Stilkritiker empfinden zu kurze Hosen an Frauenbeinen allerdings weiterhin als Geschmacksentgleisung. Supermodel Kate Moss fing sich im Sommer 2006 jedenfalls einen Rüffel der britischen Presse ein, nachdem sie beim Glastonbury Festival in Hotpants und Gummistiefeln erschienen war - vielleicht einfach eine zu kontrastreiche Kombination. Der "Guardian" mutmaßte jedenfalls, dass der Mode-Fauxpas dem schlechten Einfluss des "Babyshambles"-Sängers und damaligen Moss-Freunds Pete Doherty zu verdanken sei. Moss ließ sich nicht beirren: Hotpants waren im vergangenen Jahr Teil ihrer ersten eigene Kollektion für die britische Modekette "Topshop".

Für Kylie Minogue dagegen soll kein Geringerer als Modemacher Jean-Paul Gaultier jüngst eher damenhafte Bühnenoutfits entworfen haben. Ob dieser Imagewandel damit zusammenhängt, dass die australische Popdiva Ende Mai 2008 die 40 erreicht? Hoffentlich nicht. Kollegin Madonna jedenfalls hat auch als Fortysomething kein Problem damit, ihre Beine vorzuzeigen. Als die mittlerweile 49-Jährige im vergangenen Monat in New York in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen wurde, trat sie in einem transparenten Kleid auf. Darunter waren äußerst knappe, schwarze Hotpants zu sehen.


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