Hulk Hogans 60. Geburtstag Lieber Prügelknabe

Hulk Hogans 60. Geburtstag: Lieber Prügelknabe Fotos

Männer mit miesen Manieren, die sich in Strampelanzügen verprügeln, das ist Wrestling. Und der wohl größte Star: Hulk Hogan. Zumindest war er das, findet Denis Krick. Als Kind verehrte er den blonden Hünen, jetzt bedauert er ihn. Zum 60. Geburtstag des Hulksters hat er deswegen nicht nur Glückwünsche parat - sondern auch einen Rat.

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Herzlichen Glückwunsch, Hulk Hogan! Am 11. August 2013 feierst du deinen 60. Geburtstag. Eigentlich soll man ja im Voraus nicht gratulieren. Das bringt Unglück, heißt es. Allerdings hast du in letzter Zeit so viel Pech gehabt, dass voreilige Gratulationen wohl kaum noch einen Unterschied machen. Aber dazu später.

Im März 1987 sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Ich saß im Wohnzimmer meines Klassenkameraden Thomas, der schon früh mit dem Wunder des Kabelfernsehens gesegnet war, und du standest im Ring von Wrestlemania III. Dein Gegner hieß André The Giant, ein schier unbesiegbarer 240-Kilo-Blob. Lange Zeit sah es so aus, als hättest du keine Chance, aber dann pushte dich das Publikum so, dass du übermenschliche Kräfte bekamst, den Riesen in die Luft hobst und auf den Boden warfst. Der Sieg war dein. Ich war begeistert. Die Experten sagen heute, der Fight sei der beste deiner Karriere gewesen. Wir hatten also einen guten gemeinsamen Start.

Danach erlebten wir viele schöne Jahre miteinander. Ich wurde deinetwegen, dem Helden in der gelben Unterhose, zum Wrestling-Fan. Ständig warst du Weltmeister der World Wrestling Federation. Das imponierte mir.

Unsere platonische und wahrscheinlich höchst einseitige Liebesbeziehung endete jedoch im Jahr 1994.

Damals lief dein Vertrag mit der WWF aus, und eine Menge dreckiger Spandex-Wäsche wurde gewaschen. Dein Kumpel "Macho Man" Randy Savage verpasste dir ein Jahr zuvor ein echtes blaues Auge, weil du angeblich seine Ehe zerstört hattest. Du schriebst später in deinen Memoiren, das blaue Auge sei die Folge eines Jet-Ski-Unfalls gewesen. Ich war weder da noch bei deinem Abenteuer mit "Macho Mans" Frau dabei, kann also nicht sagen, was stimmt. Gleichzeitig mehrten sich aber die Hinweise, dass du kein ganz und gar rein strahlender Held warst.

Du eitler Sack

Deine Kollegen verbreiteten auch außerhalb der Wrestling-Märchenwelt, in der krasse Geschichten und persönliche Fehden das Salz in der Suppe sind, dass du ein ziemlich egozentrischer Superstar bist, der immer bestimmen will, was im Ring passiert - und wer dort gewinnt. Und darüber hinaus ein ziemlich eitles Arschloch.

Dass du es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmst, konnte ich immerhin selber überprüfen. Vor Gericht musstest du in einem Prozess gegen den WWF-Boss Vince McMahon deinen heftigen Konsum von Steroiden zugeben. Jahrelang hättest du illegale Pillen täglich genauso aus dem Postfach geholt wie deine Fanpost, sagtest du.

Das fand ich ziemlich enttäuschend, denn davor hattest du all deinen "Hulkamaniacs", wie du deine Fans nanntest, immer nur gepredigt, sie sollten trainieren, beten und viele Vitamine nehmen, um so wie du zu werden.

Geldgeiler Söldner

Danach verloren wir uns aus den Augen. Du hüpftest wie ein geldgeiler Söldner von Wrestling-Federation zu Wrestling-Federation. Und ich hatte keine Lust mehr auf den Sport, der plötzlich keiner mehr war, sondern nur eine große Verarsche. Wahrscheinlich wurde ich einfach erwachsen.

Inzwischen begegnen wir uns allerdings ständig wieder. Nicht im Ring (auch wenn du noch immer dort auf die Fresse kriegst), sondern in den Klatschspalten. Dein Leben ist irgendwann rapide bergab gegangen. Du hast peinliche Reality-Formate gedreht, in denen man immer zwischen Fremdschämen und ehrlichen Mitleid für dich pendelte. Deine langjährige Ehefrau hat sich von dir geschieden, deine Konten abgeräumt und dir die Trennung über die Presse mitgeteilt. Und dann wurde auch noch ein Sextape veröffentlicht, das dich beim roboterhaften Beischlaf mit der Frau eines deiner besten Freunde zeigt. Deine Kämpfe waren besser choreografiert.

Ich würde dich gerne als großartigen Catcher in Erinnerung behalten. So wie du damals bei Wrestlemania III aufgetreten bist. Doch das fällt mir zurzeit schwer. Deshalb möchte ich mir zum Geburtstag etwas von dir wünschen. Um der alten Zeit willen.

Lieber Hulk Hogan, gehe bitte in den Ruhestand. Schmeiß den Künstlernamen, die Kunstfigur und das Starsein über Bord, nenn dich wieder Terry Bollea und genieße deinen Lebensabend in Ruhe. Das ist für alle besser. Für deine alten Fans, deinen kaputten Rücken und dein Image.

Danke. Und feier schön.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
J. Schäfer 09.08.2013
Wie findet soetwas auf Seite 1 beim SPON o.O Was habe ich da gerade für einen Mist gelesen :(
2.
Dennis Schneider 09.08.2013
Na ja was denkt man denn was für Leute diesen "Sport" Wrestling ausüben. Das ist nur Show und so verhalten sich die "Sportler" auch in ihrem Privatleben. Wer so etwas schaut, kann meiner Meinung nach nicht ganz dicht sein, abgesehen von 10 Jährigen Kindern dich noch nicht durchblicken können, was Wrestling für ein Unsinn ist. Traurig ist nur, dass solche Leute wie Hulk Hogan und die Funktionäre mit diesem Mist Reich geworden sind.
3.
Berni Kirkheim 09.08.2013
schreibt Franz Josef Wagner auch schon in einestages? Bernd Kirchheim
4.
Christoph Herzog 10.08.2013
>Na ja was denkt man denn was für Leute diesen "Sport" Wrestling ausüben. Das ist nur Show und so verhalten sich die "Sportler" auch in ihrem Privatleben. Wer so etwas schaut, kann meiner Meinung nach nicht ganz dicht sein Dann hoffe ich für Sie, dass Sie zum Beispiel keine Filme, Fernsehserien oder Theaterstücke schauen. Dort sehen Sie nämlich auch gar nicht das richtige Leben, sondern wie im Wrestling nur Schauspieler, die Rollen verkörpern. Und wer so etwas schaut, der kann schließlich Ihrer Logik nach nicht ganz dicht sein.
5.
Marcel Herrmann 10.08.2013
>Na ja was denkt man denn was für Leute diesen "Sport" Wrestling ausüben. Das ist nur Show und so verhalten sich die "Sportler" auch in ihrem Privatleben. Wer so etwas schaut, kann meiner Meinung nach nicht ganz dicht sein, abgesehen von 10 Jährigen Kindern dich noch nicht durchblicken können, was Wrestling für ein Unsinn ist. Traurig ist nur, dass solche Leute wie Hulk Hogan und die Funktionäre mit diesem Mist Reich geworden sind. Ja, das hätten sie mal dem französischen Kulturkritiker Roland Barthes sagen müssen, der Ignoranten wie ihnen mit folgendem Satz entgegnete: Manche Damen und Herren halten Catchen für einen unwürdigen Sport. Catchen ist kein Sport, sondern ein Schauspiel, und es ist nicht unwürdiger, einer Darstellung des Schmerzes beim Catchen beizuwohnen als den Leiden des Arnolphe (in Molières "Die Schule der Frauen") oder der Andromache. Aber selbst für sie, Herr Schneider, gäbe es im modernen Wrestling jemandem, dem sie zujubeln könnten, würden sie sich denn für diese Unterhaltungsart interessieren: Einen äußerst geschwätzigen , snobistischen Intellektuellen , der sich selbst als "intellektuellen Retter / Erlöser der ungewaschenen Massen" (Intellectual Saviour of the unwashed Masses) bezeichnet und nichtswissende Menschen als Ignoramusse. Vielleicht wäre dieser Herr etwas für Sie? You're welcome!
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