Bizarre Begräbnisse Was berühmten Leichen so passiert

Hunter S. Thompson trat mit einem Kanonenschlag ab. Im August 2005 ließ der Skandalschriftsteller seine Asche in die Luft schießen. Exzentrisch - doch bei Weitem nicht das absurdeste Schicksal, das einer Berühmtheit nach dem Tod widerfuhr.

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imago/ ZUMA Globe

Trommelwirbel hallten durch die Nacht. In perfekter Choreografie schlugen acht japanische Musiker mit Stöcken auf ihre Instrumente. Trotz der lautstarken Aufführung blickten die meisten Gäste an diesem Abend allerdings nicht auf die Bühne. Die Augen der mehr als 200 Anwesenden auf der Owl Farm im US-Bundesstaat Colorado waren an diesem 20. August 2005 auf ein Objekt in fast 50 Meter Höhe gerichtet. Dort oben ruhte auf einer riesigen Säule eine gewaltige Faust. Mit ihren zwei Daumen umschloss sie einen Peyote-Kaktus, für seine halluzinogene Wirkung bekannt.

Es handelte sich um ein riesiges Exemplar der sogenannten Gonzo-Faust. Das Enfant terrible des amerikanischen Journalismus, Hunter S. Thompson, verwendete dieses Symbol als sein persönliches Markenzeichen.

Plötzlich schossen Raketen in einem Ring um die Säule heraus, während die Trommler auf den Höhepunkt ihrer Vorstellung zusteuerten. Und auch aus der "Gonzo-Faust" selbst krachte es immer wieder lauthals in die Nacht. Feuerwerk erhellte die Dunkelheit mit farbigen Lichtern. Statt Trommelwirbeln hallten nun die sanfteren Töne von Bob Dylans "Mr. Tambourine Man" durch die Luft: "Ich bin bereit, überall hinzugehen, ich bin bereit, zu verblassen."

Verblichen war die Person, die alle Details dieser Feier akribisch geplant hatte. Der 67-jährige Hunter S. Thompson hatte sich am 20. Februar 2005 mit einer seiner zahlreichen Waffen das Leben genommen. Sechs Monate später schoss nun eine im Inneren der "Gonzo-Faust" installierte Kanone seine in die Patronen gemischte Asche unter dem Jubel der Zuschauer und dem Lärm der explodierenden Feuerwerkskörper in den Himmel. Hunderte Freunde und Bekannte, darunter der Schauspieler Bill Murray und der frühere Präsidentschaftskandidat John Kerry, waren zu der außergewöhnlichen Beerdigungsfeier erschienen. Thompsons Witwe Anita war begeistert: "Er liebte Explosionen."

Nach der Zeremonie öffnete die Bar, und das allgemeine Besäufnis konnte beginnen - genau wie Thompson es sich gewünscht hatte. Für die Kosten der mehr als zwei Millionen Dollar teuren Beerdigung kam übrigens Trauergast Johnny Depp auf, der gut mit dem Journalisten befreundet gewesen war. Der Schauspieler machte sich bereits Gedanken über seine eigene Bestattung. "Vielleicht in einem Whisky-Fass, aus dem jeder einen Schluck trinkt", sagte Depp 2011 in einem Interview.

"Mit der Leiche des anderen"

Wie Hunter S. Thompson führten zahlreiche Berühmtheiten nach ihrem Tod ein bizarres Nachleben. In ihrem Buch "Rest in Pieces. Die unglaublichen Schicksale berühmter Leichen" schildert die amerikanische Journalistin Bess Lovejoy die absurdesten Schicksale prominenter Leichname - etwa die Geschichte des geraubten Gehirns von Albert Einstein oder das der entwendeten Hände von Che Guevaras Leiche.

Während Che Guevera nach seinem gewaltsamen Tod wenig Einfluss auf die Art seiner Beerdigung nehmen konnte, hatte der amerikanische Musiker Gram Parsons, wie Hunter S. Thompson, genaue Vorstellungen davon, wie seine Bestattung ausfallen sollte. Aus diesem Grund lenkten seine Freunde Phil Kaufman und Michael Martin im September 1973 schlingernd ihren kirschroten Leichenwagen in einen Hangar des Flughafens von Los Angeles.

Beide hatten sich ordentlich Mut angetrunken, immerhin wollten sie eine Leiche stehlen. Mit 26 Jahren hatte sich der Musiker Gram Parsons, der Bands wie die Rolling Stones oder The Byrds beeinflusst hatte, am 19. September 1973 eine tödliche Überdosis Morphium gespritzt. Nun sollte die hier ansässige Fluggesellschaft die sterblichen Überreste nach New Orleans überführen. Kaufman schwindelte den Mitarbeitern der Airline vor, dass die Familie ihre Pläne geändert habe.

Weder sein Gestank nach Whiskey, noch seine Unterschrift "Jeremy Nobody" ließen den Verdacht aufkommen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehe. Auch als Martin mit dem Leichenwagen das sperrangelweit geöffnete Tor des Hangars verfehlte und die Wand touchierte, erhob niemand Protest.

Entführt, verbrannt, in Kartons vergessen

Eilig machten sich die beiden Leichendiebe auf den Weg in den Joshua-Tree-Nationalpark im Südosten Kaliforniens. Sie stoppten nur kurz, um Bier, Hamburger und reichlich Benzin zu kaufen. Schließlich plante Kaufman eine ganz besondere Bestattung für seinen toten Freund: Er und Parsons hatten sich gegenseitig versprochen, dass der jeweils Überlebende "mit der Leiche des anderen raus nach Joshua Tree fahren, sich ein paar Drinks genehmigen und sie verbrennen" sollte.

Jetzt erfüllte Kaufman seinen Teil der Abmachung: Auf einem Parkplatz in der Wüste wuchteten er und Martin den Sarg aus dem Wagen, überschütteten ihn mit reichlich Benzin und ließen Parsons' Körper in meterhohen Flammen in der Dunkelheit aufgehen.

Entführt und verbrannt, zerstückelt und geschändet, tiefgefroren oder in Kartons vergessen, ins Weltall geschossen oder für die Ewigkeit konserviert: Wir erinnern an die absurdesten Schicksale, die berühmten Menschen nach ihrem Tod zuteil wurden - hier in der Fotostrecke:

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Bizarre Begräbnisse: Ruhe in Unfrieden
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Seite 1
Karl Lauer, 19.02.2015
1.
Laut einer Meldung im Kölner Stadtanzeiger zu Hunter S. Thompsons Beerdigung, gelungenerweise mit "Depp als Kanonier" übertitelt, wurde die betreffende Kanone von Johnny Depp selbst abgefeuert.
Johannes Vogelgesang, 19.02.2015
2. RIP Hunter.
Ich kann den Film "The Life and Death of Dr. Hunter S. Thompson" nur empfehlen. Dort wird am Ende übrigens das -meiner Meinung nach sehr schöne und würdevolle - "Begräbnis" gezeigt inklusive dem abfeuern der Gonzo Faust :)
Hans Heckenhauer, 20.02.2015
3. Ich persönlich möchte zu den beruhigenden Klängen von
Rammstein eingeäschert werden. Entweder das Lied Benzin oder Feuer frei
Marcus Doebler, 22.02.2015
4. Die Faust
Eine Faust - zwei Daumen?
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