Ich und mein Star Flippern mit Hendrix

Gitarrengenie trifft Fotografenlehrling: Als Rocklegende Jimi Hendrix im März 1967 im Hamburger Star-Club spielte, war der 17-jährige Robby Günther backstage und auf der Bühne mit der Kamera dabei - und wurde nach dem Gig vom Star zum Daddeln in die Spielhalle gegenüber geschleppt.

Robert Günther

Es war der 17. März 1967. Ich wollte an diesem Abend unbedingt in den Star-Club auf der Hamburger Reeperbahn. Seit dort ein paar Jahre zuvor die Beatles gespielt hatten, war der Club eine Legende. Alle britischen und amerikanischen Bands und Rockstars, die nach Deutschland kamen, traten hier auf: Little Richard und Ray Charles, die Everly Brothers und Black Sabbath - dazu auch bekannte deutsche Gruppen wie Rattles und die Screamers.

An diesem Abend sollte ein schwarzer Gitarrist spielen, der auf seiner Fender Stratocaster mit links nie gehörte Klänge erzeugen konnte: Jimmy Hendrix war erst 24 und schon der neue Gott am Gitarrenhimmel. Ich war Fotografenlehrling und nur sieben Jahre jünger. Allerdings war das ein Problem für mich. Denn mit 17 durfte ich eigentlich nicht abends in einem Kiezclub rumhängen. Die gute Seele des Star-Club war für mich Hilde Peters, eine dünne Brünette mit Kodderschnauze. Sie hatte mal gute Laune, mal schlechte Laune - und davon hing meine Chance ab, 'reinzukommen. Und Fotos meiner Stars zu machen oder eben nicht. Die Hintertür des Star-Club wurde eigentlich nie kontrolliert. Die Kellner kannten mich alle und ließen mich einfach rein. Aber wenn Hilde mich entdeckte, kam es auf ihre Stimmung an, ob mein Abend mit einem Rauswurf endete oder mit einer vollen Filmrolle.

Backstage mit der Kamera

Beim Auftritt von Hendrix lief alles bestens für mich. Es war 23.15 Uhr, als Jimi auf die Bühne kam, - eine Weile nachdem seine beiden Begleitmusiker von der "Jimi Hendrix Experience" begonnen hatten, ihre Instrumente einzuspielen. Ich hing da bereits seit zwei Stunden im Club herum, bewaffnet mit meiner DDR-Kamera, einer Exakta-Varex. Genau rechtzeitig war ich gegen 23 Uhr auf die Bühne geklettert. Vorher hatte ich natürlich auch schon im Backstage-Bereich herumgelungert.

Ich machte an diesem Abend insgesamt drei Filme voll. Viele Fotos verwackelten; schließlich hatte ich in dem schummrigen Laden herzlich wenig Licht und keinen Blitz. Aber es waren, im Nachhinein betrachtet, schon gute Bilder dabei. Einer von Hendrix' Mitarbeitern gab mir eine Adresse und sagte mir, ich solle meine Bilder dahin schicken. Tat ich auch - Geld sah ich dafür nie.

Nach dem Auftritt schlenderten Jimi, sein Schlagzeuger Mitch Mitchell und ich so gegen halb ein Uhr morgens gegenüber in einen Spielsalon an der Großen Freiheit. Dort daddelten wir am Flipper. Ich erinnere mich noch, wie Jim einen Bierdeckel unter den Apparat legte, damit die Kugel nicht so schnell ins Aus rollte. So konnte man länger spielen und Geld sparen. Diese Eigenart habe ich mir dann leider auch angewöhnt.

Viele Drogen, wenig Worte

Jimi war sehr schwierig in seiner Art. Vielleicht lag es auch an der Kommunikation. Sein deutscher Wortschatz umfasste vielleicht 20 Worte, mein Englisch nicht viel mehr. Aber auch so, im Ganzen gesehen, war Jimi ein ganz merkwürdiger Typ von Mensch. Seine Lieblingsmusiker waren die Rolling Stones, was überhaupt nicht zu seiner eigenen Musik passte. Er nahm Drogen - welche, weiß ich nicht - im Hinterzimmer des Star-Clubs. Ansonsten redete er nicht viel, hörte mehr den Anderen zu, als dass er selber das Wort ergriff. Ich hab Jimi als einen sehr zurückhaltenden Menschen in Erinnerung.

Als wir vom Flippern genug hatten, wollten Jimi, Mitch und Bassist Noël Redding mit einem mir Unbekannten aus seiner Truppe sowie meiner Wenigkeit zum Panoptikum, dem Wachsfigurenkabinett am oberen Ende der Reeperbahn. Natürlich war das um diese Uhrzeit - es war inzwischen 4 Uhr morgens - geschlossen. Also nahmen Jimi und Noël eine Taxe, um ins Hotel zum Pennen zu fahren, Mitch ging mit mir in die Große Freiheit zurück und wieder in die Spielhalle, in der wir vorher mit Jimi geflippert hatten. Wir daddelten dort noch etwa zwei Stunden am Automat, dann war auch dort Feierabend.

Zuhause bekam ich mächtig Ärger, weil ich die ganze Nacht weg gewesen war.



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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
Walter Manzey, 11.06.2008
1.
Die Bilder geben einen guten Blick darauf, wie es damals war im Starclub war - oder auch im Top-Ten, dem anderen und älteren Club auf dem Kiez (wo außerdem die schöneren Mädchen verkehrten) -, wenn auch nicht so, wie die von Fotograf Günter Zint. Heutige Großkonzerte können diese Clubatmosphäre eben niemals ersetzen. Eine Frage von mir: Wo war gegenüber vom Starclub eine Flipper-Bude? Ich kann mich dort an keine erinnern? Irrt der Autor oder ist nun auch schon mein Langzeit- so marode wie das Kurzeitgedächnis???
Robert Günther, 12.06.2008
2.
Lieber Walter ! Die Spielhalle war genau dort,wo heute eine kleine Disco ist. Also,wenn man damals aus dem Club rechts Richtung Reeperbahn ging,also gleich rüber auf die andere Strassenseite der Gr.Freiheit,dort war die 1. ! weiter runter zur Reeperbahn auf BEIDEN Seiten war die 2. und 3. . ps: Ich hab sogar Fotos in Action mit mir und einer Band am Flipper in genau DIESER 1.Spielhalle ! Gruss, Robby Günther >Die Bilder geben einen guten Blick darauf, wie es damals war im Starclub war - oder auch im Top-Ten, dem anderen und älteren Club auf dem Kiez (wo außerdem die schöneren Mädchen verkehrten) -, wenn auch nicht so, wie die von Fotograf Günter Zint. Heutige Großkonzerte können diese Clubatmosphäre eben niemals ersetzen. Eine Frage von mir: Wo war gegenüber vom Starclub eine Flipper-Bude? Ich kann mich dort an keine erinnern? Irrt der Autor oder ist nun auch schon mein Langzeit- so marode wie das Kurzeitgedächnis???
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