Ikone Marilyn Monroe Vergöttert, vergiftet, verkauft

Ikone Marilyn Monroe: Vergöttert, vergiftet, verkauft Fotos
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Sexsymbol, Männertraum, Kunstprodukt, einsames Wrack: Marilyn Monroe wäre im Juni 2006 80 Jahre alt geworden. Doch die Hollywoodikone starb schon mit 36 Jahren. Um ihren Tod ranken sich seither viele Geschichten, die Marke "Marilyn" ist bis heute ein lukratives Geschäft.

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Für sie wurde irgendwann in den fünfziger Jahren der Begriff "Sexbombe" erfunden. Und obwohl sich die Moden und Geschmäcker seitdem vielfach geändert haben, hat Marilyn Monroe das Attribut noch immer okkupiert. Noch zur Jahrtausendwende wurde sie von den führenden Hochglanzmagazinen zur begehrenswertesten Frau des 20. Jahrhunderts gewählt.

Marilyn Monroe, geboren als Norma Jeane Mortenson, starb jung und schön in den frühen Morgenstunden des 5. August 1962 in ihrem Haus in Brentwood in Kalifornien. Seitdem schwebt sie nicht nur als unerreichbarer Prototyp der Sexgöttin über allen jungen Schauspielerinnen, Models und sonstigen Frauen - die Umstände ihres überraschenden Todes geben zudem Anlass zu allerhand Verschwörungstheorien. Selbstmord? Mord?

Gesichert ist nur, dass Marylin, 36 Jahre alt, tot von ihrer Haushälterin Eunice Murray gefunden wurde. Sie war nackt, hatte Unmengen verschiedener Schlafmittel im Körper und soll einen Telefonhörer umklammert haben. Die offizielle Erklärung lautet schlicht: Selbstmord durch eine Überdosis Schlaftabletten. Hier setzt bereits ein Vorwurf der Verschwörungstheoretiker an: Da das Szenario klar schien, sollen sich die Ermittler allzu schnell mit der Freitod-Version zufrieden gegeben haben - aus Nachlässigkeit oder Vorsatz.

Dass der blonde Hollywoodstar an einer Vergiftung starb, daran bestehen keine ernsthaften Zweifel. Doch wie es zu dieser kam, darüber streiten sich Experten und Fans auch vier Jahrzehnte nach Marilyns Tod.

Von vielen Theorien bleibt nur ein Geheimnis

Die strahlend schöne, fröhliche Monroe war ein Kunstprodukt Hollywoods, die Kamera ihr bester Freund. In Wahrheit hatte sie psychische Probleme, hielt dem Druck nur mit Alkohol und Tabletten notdürftig stand und war von einem erfüllten Privatleben so weit entfernt wie die echte Norma Jean vom Männertraum Marilyn auf der Leinwand. Von drei Ehemännern war sie geschieden, ständig wurden ihr gefährliche Liebschaften zu erfolgreichen, mächtigen und verheirateten Männern nachgesagt.

Auch Robert und John F. Kennedy sollen sich mit der Monroe vergnügt haben, diese Gerüchte halten sich hartnäckig. Auch dass beide erfolgreiche Politiker, öffentliche Vorbilder, tadellose Familienväter waren und sich daher keine Schlagzeilen von Affären mit einer liebeshungrigen Schauspielerin leisten konnten, liegt nahe. Belastbare Beweise für eine mittelbare oder gar unmittelbare Beteiligung der Kennedys an Marilyns Überdosis wurden bisher jedoch nicht gefunden. Hat sie zuletzt mit einem der Kennedys telefoniert? Hat dieser die heimliche Beziehung beendet, weil ihm die Sache politisch zu heiß wurde? Unklar. Angebliche Tagebücher wurden nie gefunden, kein Abschiedsbrief. Auch vor einigen Monaten spektakulär aufgetauchte Notizen zu angeblichen Tonbandaufnahmen aus den letzten Stunden des unglücklichen Superstars lieferten keine bahnbrechenden Erkenntnisse.

Auch Mafia-Theorien existieren über den Tod des amerikanischen Sexsymbols: Der damalige Mafia-Baron Sam Giancana soll demnach Killer auf Marilyn gehetzt haben und wollte den Mord danach Robert Kennedy anhängen. Angeblich aus Rache für die Bemühungen des damaligen Justizministers gegen die organisierte Kriminalität.

Eine andere Theorie wiederum legt enge Verbindungen des Kennedy-Clans zur Mafia zugrunde. Mit unfeinen Mafia-Methoden soll Marilyn danach im Haus des Sängers Frank Sinatra von ihrem Vorhaben abgebracht worden sein, über ihre pikanten Intimverbindungen zu höchsten amerikanischen Regierungsvertretern zu plaudern und damit die Karrieren der Kennedys zu gefährden. Wenig später soll Robert Kennedy sogar selbst zur Giftspritze gegriffen haben.

Der Stoff für Phantasien

Weniger abgehoben und staatstragend nimmt sich dagegen die Version aus, die Haushälterin und der Psychiater hätten der blonden Schönheit die Überdosis, die je nach Ansicht für mehr als ein Dutzend Menschen oder einige Pferde ebenfalls tödlich gewesen wäre, verabreicht. Das Motiv ist unklar, allerdings habe die Haushälterin in verdächtiger Umtriebigkeit mitten in der Nacht Bettwäsche gewaschen.

Jung, schön, tot. Diese Kombination regt die Phantasie an. Ähnlich wie bei der verstorbenen Prinzessin Diana ranken sich auch Jahre nach dem Tod unzählige Geschichten um das vermutete Opfer, angeblich tauchen laufend neue Indizien oder gar Beweise auf. Verschwörung, Vertuschung, Verdunkelung - die Wahrheit über die letzten Stunden von Marilyn Monroe bleibt ein Geheimnis.

Heute wäre sie 80 Jahre alt geworden, eine alte Diva, die sie nie sein durfte - und vielleicht nie sein wollte. Seit der ersten Ausgabe des "Playboy", die sie zierte, bis heute blieb sie denn auch ein ungreifbarer, unwirklicher Männertraum.

Unbestritten ist auch, dass sich mit der "Marke Marilyn" gutes Geld verdienen lässt. Das pinke Korsett aus "Manche mögen's heiß" kam unlängst für 11.400 Euro unter den Hammer, ein Telegramm von Marlon Brando an die Schauspielerin aus dem Jahr 1961 brachte 36.000 Dollar. Ein privates Telefonbuch erzielte den Liebhaberpreis von 90.000 Dollar, ein Büstenhalter 8000 Dollar. Insgesamt kam eine groß angelegte Versteigerung persönlicher Dinge von Monroe im vergangenen Jahr auf rund eine Million Dollar.

Florian Sailer

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 01.06.2006

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Seksan Ammawat 05.02.2011
Wirkliche Künstler sind keine Speichellecker der Herrschenden. Sie lassen sich nicht als Kriegstreiber missbrauchen.
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