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Begegnung mit Robert De Niro "Die haben vom Filmemachen keine Ahnung"

Hollywood-Megastar: Die vielen Gesichter des Robert De Niro Fotos
Alex Gernandt

Vor 20 Jahren bekam Alex Gernandt die seltene Gelegenheit, Robert De Niro zu treffen. Er erfuhr, wie der medienscheue Star über Hollywood und seine Heimat New York denkt - und warum Berlusconi ein "notwendiges Übel" ist. Von

"Keine Fotos bitte!" Die PR-Dame sagte es freundlich, aber mit Nachdruck. "Mr. De Niro möchte sich auf das Interview konzentrieren!" Ich war sowieso ohne Fotograf gekommen zu meinem Exklusiv-Termin mit dem öffentlichkeitsscheuen Schauspiel-Star im Juni 1994. Ich wusste, wie selten Robert De Niro Medien zur Verfügung stand und wollte auf keinen Fall die Gelegenheit vermasseln. Dennoch: Eine kleine Kamera in meiner Tasche hatte ich mir nicht verkneifen können.

Die PR-Frau und ich saßen in der Lobby des Hotels Vier Jahreszeiten in München und warteten auf De Niro, der in der Stadt war, um sein neues Werk beim Filmfest zu promoten: "In den Straßen der Bronx", ein Gangsterdrama über Moral und Werte, das im New York der Sechzigerjahre spielte. Ein italo-amerikanischer Junge, Calogero, ist in dem Film hin- und hergerissen zwischen seinem Vater Lorenzo, einem redlichen Busfahrer, und dem Mafiaboss Sonny. Er ringt mit den unterschiedlichen Werten, die ihm beide vermitteln - ein Konflikt, der auf die Frage hinausläuft, ob es besser ist, geliebt oder gefürchtet zu werden.

Eigentlich war De Niro dafür berüchtigt, ungern mit Journalisten zu sprechen - doch da er sein eigenes Geld in das Projekt gesteckt hatte, in dem er nicht nur mitgespielt, sondern auch als Produzent und Regisseur mitgewirkt hatte, war er bereit, eine Ausnahme zu machen.

Es ging los. Ich war etwas nervös, als ich zu der Hotelsuite begleitet wurde, in der das Interview stattfinden sollte. Wie würde De Niro drauf sein? Seine Schauspielkunst und seine kompromisslose Art, sich auf Rollen vorzubereiten, beeindruckten mich zutiefst. Würde er sich im Gespräch ähnlich kompromisslos zeigen?

Gernandt: Mr. De Niro, in ihrem Regiedebüt "In den Straßen der Bronx" spielen sie, eigentlich untypisch, die Rolle des Busfahrers und braven Familienvaters Lorenzo, während Chazz Palminteri den Mafioso Sonny gibt.

De Niro: Eigentlich wollte ich Sonny spielen. Aber es war Chazz' Bedingung, Sonny zu sein. Es war sein Skript, also hatte er das Recht dazu. Für mich war es okay. Die großen Hollywood-Studios wollten jedoch einen renommierten Schauspieler für die Rolle, mich, Al Pacino, jemanden aus dieser Liga. Am Ende habe ich den Film selbst produziert und das finanzielle Risiko auf mich genommen.

Gernandt: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor und Schauspieler Chazz Palminteri?

De Niro: Chazz kenne ich aus New York, wir beide haben einen italo-amerikanischen Background. Er hat die Story zu "In den Straßen der Bronx" geschrieben und das Stück bereits 1989 als One-Man-Show in Los Angeles aufgeführt. Ich hörte 1991 von dem Projekt und war begeistert. Das Buch ist gut strukturiert, spannend. Eine Fabel, eine Geschichte über Moral. Ich sagte ihm, dass ich es gern verfilmen würde.

Gernandt: Wie war es, eine wichtige Rolle im Film zu spielen und gleichzeitig erstmals für die Regie verantwortlich zu sein?

De Niro: Gut! Ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt. Auch weil ich alle Schauspieler bekommen habe, die ich haben wollte - und weil ich Laiendarsteller und Kids engagieren konnte, die noch nie zuvor gedreht hatten. Das macht den Film so authentisch. Lillo Brancato, der meinen Sohn im Alter von 17 spielt, haben wir beim Baden in Jones Beach auf Long Island entdeckt. Außerdem hatte ich mit Jane Rosenthal und Jon Kilik zwei Co-Produzenten, die mir die Gewerkschaft und die "Money people", also die Finanziers, vom Hals hielten. Es ist einem Film nicht zuträglich, wenn die sich zu sehr einmischen.

Gernandt: Wie sieht es denn aus, wenn sie sich zu sehr einmischen?

De Niro: Jedes großes Filmstudio engagiert eine "Bond Company", die dafür zu sorgen hat, dass die Produzenten und der Regisseur den Film rechtzeitig fertig stellen. Für "In den Straßen der Bronx" hatten wir 55 Tage Zeit. Das ist nicht sehr viel. Wenn man den Termin überzieht, sind sie rechtlich in der Lage, dir den Film einfach wegzunehmen. Ein Albtraum! Es ist verständlich, dass so ein Millionen-Projekt kontrolliert werden muss. Aber diese Leute können nerven, denn sie haben vom Filmemachen keine Ahnung. Ich sage nicht, dass sie die Ausgeburt des Teufels sind, aber ein notwendiges Übel.

Gernandt: Wie sind Sie so als Regisseur am Set?

De Niro: Ich glaube, dass man mit mir sehr gut auskommen kann. Ich hatte bei diesem Film viele Darsteller ohne jegliche Erfahrung. Ich wollte das so. Mit diesen Leuten, darunter auch Kinder, muss man verständnisvoll umgehen, ihnen ein gutes Gefühl geben. Ich habe ihnen gesagt, dass sie vollkommen überzeugt sein müssen von dem, was sie sagen. Am Set weiss ich genau, was ich tue. Und dann arbeite ich so lange daran, bis es so ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Gernandt: Sie scheinen lieber in New York zu drehen als in Hollywood.

De Niro: New York ist eben meine Heimat und der aufregendste Platz der Welt. Beverly Hills und Hollywood sind Inseln der Glückseligen, nicht real. Ich bin ab und an zum Drehen in L.A., leben könnte ich dort nicht.

Gernandt: Wie bewegen Sie sich in New York? Sie werden doch sicher an jeder Ecke erkannt.

De Niro: Ich nehme die Subway, die schnellste Art der Fortbewegung. Meist halte ich mich in Downtown Manhattan, in Tribeca, auf, wo ich lebe. Auf der Straße erkennen mich die Leute manchmal, aber New York ist so schnell, und, Boom, bin ich wieder verschwunden.

Genauso plötzlich war leider auch unser Gespräch schon wieder vorbei. Nach exakt 45 Minuten beendete die Pressebetreuerin das Interview wie abgesprochen, obwohl ich das Gefühl hatte, De Niro hätte auch noch eine halbe Stunde länger gemacht. Jetzt erst erinnerte ich mich an die Kamera in meiner Tasche - nicht aber an die Ansage, keine Bilder zu machen. "Mr. De Niro", fragte ich, "hätten Sie etwas gegen ein gemeinsames Foto?" - "Nein, überhaupt nicht, go ahead!" antwortet er. Und so drückte ich zum Abschied der PR-Frau die Kamera in die Hand, der nichts anderes übrig blieb, als ein Erinnerungsfoto von mir und Robert De Niro zu schießen. Wenn auch nicht, ohne mir noch einen kurzen bösen Blick zuzuwerfen.

"In den Straßen der Bronx", De Niros Hommage an seinen Freund und Mentor Martin Scorsese, wurde nicht zum erhofften Kassenerfolg, erntete aber gute Kritiken - auch für die gelungene Regie. Heute, 20 Jahre nach der Premiere, gilt "In den Straßen der Bronx" als ein Stück Filmgeschichte - mit einem weit weniger bekannten prominenten Förderer: Im Abspann des Films taucht als Co-Produzenten nämlich ein illustrer Name auf - Silvio Berlusconi. Als potenter Geldgeber hatte der damalige Medienmogul De Niros Regiedebüt mitfinanziert. "In den Straßen der Bronx" wird wahrscheinlich nicht nur aus Cineastensicht das erfreulichste Projekt sein, in das Berlusconi je involviert war. Und Robert De Niro ahnte wohl schon damals: Er war ein "notwendiges Übel".

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Was will uns dieser Artikel sagen?
Dieter Hollender, 28.09.2014
Ich habe leider nichts finden können. Wahrscheinlich war noch Platz auf der Seite und gerade keine Werbeanzeige zur Hand.
2. was gibt es hier zu kommentieren?
martin maschmann, 28.09.2014
eigentlich nichts. interessant ist stattdessen immer wieder welche artikel nicht für diskussionen freigegeben werden.
3. Schade
Stefan Thiel, 28.09.2014
Ich hätte gerne auch den Rest des Interviews noch erfahren. Kommt das noch oder war das genug der Aufregung?
4. spät Sommer
urs gfeller, 28.09.2014
Sorry @ber dieser Artikel ist nichts als warme Luft.
5. Mir sagt dieser Artikel...
frank hojenski, 29.09.2014
...das alle deutschen Schauspieler zusammengenommen, diejenigen die uns jeden Abend in Filmen und Serien und völlig überbezahlt "beglücken", nicht annähernd die Qualität eines Robert De Niro haben !
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