Jahresrückblick Juni 2008 "Wir sind nicht gut genug"

Jahresrückblick Juni 2008: "Wir sind nicht gut genug" Fotos

Ein Mann teilt aus: Günter Netzer, Ex-Profi und knorriger TV-Fußballkommentator spricht über die Verwandlung des einstigen Proletensports in eine Party, den Konflikt zwischen Ballack und Löw, Defizite bei der EM - und warum es bis zur Weltspitze noch ein weiter Weg ist.

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SPIEGEL: Herr Netzer, beim Endspiel der Europameisterschaft erschienen Sie mit schwarzrotgoldenem Einstecktuch auf dem Bildschirm und forderten die Rückbesinnung auf deutsche Tugenden. Worauf sich mancher Zuschauer fragte, was in den einstigen Fußball-Rebellen gefahren sei. Können Sie es uns erklären?

Netzer: Das Tuch war eine kleine Geste, die ausdrücken wollte: Trotz meiner Distanz als Fernsehmann bekenne ich mich im Herzen zur Nationalelf. Die deutschen Tugenden werden etwas geringgeschätzt, auch von Jogi Löw. Dabei sind wir durch Kampfkraft, Willensstärke, Ordnung, Disziplin groß geworden, das sind unverzichtbare Grundelemente des Fußballs.


Lesen Sie außerdem im einestages-Jahresrückblick 2008:

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Februar 2008: Der Partypräsident

März 2008: 20 Sekunden Todesangst

April 2008: Der Vater, die Bestie

Mai 2008: Trost von Großvater Wen Jiabao


SPIEGEL: Auch Beckenbauer, Ballack und sogar Schweinsteiger beschworen die traditionellen Tugenden, trotzdem war man im Finale Spanien hoffnungslos unterlegen. Ist die angebliche deutsche Siegermentalität nicht eher eine Legende, die seit dem ersten WM-Triumph 1954 gepflegt wird?

Netzer: Nein, wir haben schon eine besondere Siegermentalität, die aus diesen Tugenden erwachsen ist. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass man uns nicht abschreiben sollte. Die Holländer wollten uns im WM-Endspiel 1974 nach ihrem frühen Tor vorführen und haben sich dann gewundert, dass man das mit Deutschen nicht machen kann. Diese Mentalität ist noch vorhanden, aber wir sind nicht gut genug. Das ist die Erkenntnis der Europameisterschaft. Die Holländer, teilweise auch die Russen, die Spanier sowieso haben uns in der Gestaltung des Spiels unsere Grenzen aufgezeigt. Wir konnten da nicht mithalten.

SPIEGEL: Was fehlt?

Netzer: Die Technik am Ball, deshalb ist der Spielaufbau oftmals zu langsam, zu statisch. Wir hatten in den erfolgreichen siebziger Jahren große Spieler, die vom Charakter her urdeutsch waren, aber auf dem Platz auch Ideen und Kreativität entwickelten: Beckenbauer, Müller, Breitner, Heynckes, Wimmer, ich selbst, Overath, Grabowski oder Hölzenbein. Wettkampfhärte und Siegeswillen sind immer noch unsere Trümpfe. Wir haben den Ruf, der uns vorauseilt und eine gewisse Stärke verleiht, auch wenn andere Nationen in dem Bereich aufgeholt haben. Fatal ist, dass seit etwa einem Jahrzehnt die guten Fußballer bei uns rar geworden sind.

SPIEGEL: Man könnte einwenden: WM-Zweiter 2002, WM-Dritter 2006, EM-Zweiter 2008 - so schlecht ist die Bilanz der vergangenen Jahre nicht.

Netzer: Es gelingt uns immer wieder, Spiele zu gewinnen. Weil wir unsere ureigensten Tugenden nach wie vor am besten beherrschen. Man hat jedoch bei der Europameisterschaft sehen können, wo wir trotz einer hervorragenden Platzierung der internationalen Entwicklung hinterherhinken. Polen war in Ordnung, Kroatien war ganz schlecht, Österreich eher schlecht, gegen die Türkei hat wenigstens das Ergebnis gestimmt, gegen Spanien gar nichts. Spielfluss und Harmonie, Kombinationen mit erfolgreichen Abschlüssen, taktische Flexibilität - modernen, guten Fußball hat die deutsche Mannschaft nur gegen Portugal gezeigt.

SPIEGEL: Modern sei, wenn man gewinnt, meint der griechische Nationaltrainer Otto Rehhagel. Was ist für Sie moderner Fußball?

Netzer: So ungefähr das Gegenteil von dem, was seine Griechen bei der EM gezeigt haben. Wobei ich Ottos Trainerleistung durchaus schätze, auch wenn ich immer noch nicht fassen kann, dass er vor vier Jahren Europameister geworden ist. Spitzenfußball wird heute in hohem Tempo gespielt. Und mit großer Passgenauigkeit, um Ballverluste zu vermeiden. Die Spanier haben das am eindrucksvollsten demonstriert. Jeder muss vielseitig sein, es reicht für einen Abwehrspieler nicht mehr, den gegnerischen Stürmer auszuschalten. Von einem Verteidiger werden technische Fähigkeiten wie von einem Mittelfeldspieler verlangt. Er sollte in der Lage sein, das Spiel zu öffnen.

SPIEGEL: Dass es deutschen Fußballern an Technik mangelt, spricht nicht für die Trainer. Oder?

Netzer: Vielleicht waren Techniker mit ihren Schwächen, die wir ja alle hatten, nicht mehr gewollt von einer Trainergeneration, die den athletischen Fußball favorisierte. Ich erinnere mich an ein Rehhagel-Zitat, Spieler wie Netzer oder Overath wären nicht mehr zeitgemäß. Die Veränderung hin zum Kraftfußball begann Anfang der achtziger Jahre mit Hans-Peter Briegel ...

SPIEGEL: ... der "Walz aus der Pfalz", einem früheren Zehnkämpfer, der 1985 sogar Deutschlands "Fußballer des Jahres" wurde.

Netzer: Trainer bevorzugen Spielertypen, mit denen sie glauben, Erfolg zu haben. Und nachfolgende Generationen eifern den Spielern nach, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. So wurden gutausgebildete Techniker in Deutschland allmählich seltener. Spielfluss und Kombinationsgefühl, eine Voraussetzung für schönen Fußball, haben wir nicht mehr gepflegt. Weder in den Vereinen noch in der Nationalmannschaft. Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat versucht, das zu verbessern, sein Nachfolger Löw arbeitet weiter daran. Es ist der richtige Weg.

SPIEGEL: Beide monieren die mangelnde Schnelligkeit im deutschen Fußball. Laut Klinsmann wird in der englischen Premier League der Ball nach durchschnittlich 1,3 Sekunden weitergespielt, in der Bundesliga hingegen erst nach 2,4 Sekunden.

Netzer: Ich finde es faszinierend, welches Tempo Manchester United oder Arsenal London vorlegen. Dazu bedarf es technisch versierter Spieler, die den Ball beherrschen. Von dieser Qualität gibt es in Deutschland zu wenig.

SPIEGEL: Nach der Kroatien-Pleite bekam der seit 2006 amtierende Bundestrainer erstmals Gegenwind, doch Sie haben sich demonstrativ vor ihn gestellt. Was schätzen Sie an Löw?

Netzer: Die Geradlinigkeit. Löw lässt sich nicht beirren. Aber er ist auch kritikfähig, zugänglich für Argumente, wenn etwas falsch läuft. Das ist schon mal eine erstklassige Voraussetzung, um die Qualität des Teams zu verbessern. Wer die Mannschaft dazu bringt, seine Philosophie im Spiel erfolgreich umzusetzen, ist ein wirklich großer Trainer. Wie bei der EM der Spanier Luis Aragonés und Russlands Coach Guus Hiddink, in früheren Zeiten Ernst Happel und Johan Cruyff. In den zwei Jahren unter Löw hat sich die Nationalelf trotz mancher Einschränkung taktisch und auch spielerisch weiterentwickelt. Ein Fortschritt ist unverkennbar.

SPIEGEL: Wie bei Klinsmann hat man auch bei Löw den Eindruck, dass er sich seine ideale Fußballwelt erschaffen will. Das Trainerteam ist gespickt mit Spezialisten, Laufwege werden am Computer errechnet, im EM-Quartier gab es für jeden Spieler Karteikarten mit individuellem Tagesplan, Chefscout Urs Siegenthaler erstellt Dossiers über die Gegner. Dahinter steht die feste Überzeugung, Leistung im Fußball sei planbar.

Netzer: Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Man kann mit gezielten Übungen die Athletik eines Spielers verbessern, seine Laufleistung durch technische Hilfsmittel überprüfen und steigern. Ich habe Löw gesagt: "Du hast Leute, die im Spiel zwölf Kilometer oder noch mehr laufen, das ist ein wunderbarer Wert. Es nutzt dir nur wenig, wenn sie davon zehn in die falsche Richtung rennen." Was ich meine: Es ist hilfreich für Trainer, viele Daten geliefert zu bekommen, sich nicht mehr wie früher vorwiegend auf das Gefühl verlassen zu müssen. Doch Spiele werden nicht am Computer gewonnen. Auf dem Platz stehen Menschen, deren Stimmungen nicht programmierbar sind. Dass man neuerdings einen riesigen Trainerapparat braucht, kommt mir ein bisschen übertrieben vor.

SPIEGEL: Michael Ballack ging offensichtlich die gesamte Verplanung des Nationalteams während der EM auf die Nerven. Direkt nach dem Endspiel kam es zum Krach mit Manager Oliver Bierhoff, der ihn mit einem Habt-Dank-Transparent in die deutsche Fankurve schicken wollte. Ballack weigerte sich lautstark, Kevin Kuranyi musste schlichten.

Netzer: Ich habe mich in dem Moment an unseren Umgang mit den Fans erinnert. Wir waren damals so arrogant, dass wir gesagt haben: Zu denen sollen wir auch noch hinlaufen? Die sollen froh sein, dass sie uns zusehen konnten! Doch inzwischen hat der Fußball Bevölkerungsschichten erreicht, die ihn lange als Proletensport abtaten. Davon profitieren die Spieler finanziell enorm, und daraus erwachsen Verpflichtungen, gerade gegenüber den Fans. Dass Ballack übertriebene Randerscheinungen nerven, macht ihn mir sympathisch.

SPIEGEL: War Ihnen Michael Ballack denn auch sympathisch, als er den Bundestrainer im "FAZ"-Interview so heftig attackierte wie noch kein Kapitän zuvor in der Länderspielgeschichte? Im Kern warf er Joachim Löw vor, bei seinen Personalentscheidungen unehrlich und respektlos zu handeln.

Netzer: Mir bleibt völlig rätselhaft, warum Ballack mit seiner Kritik an die Öffentlichkeit gegangen ist. Es war ein Angriff auf die Autorität des Bundestrainers, für den er sich dann in einer Presseerklärung und im persönlichen Gespräch mit Löw entschuldigt hat. Wenn er das nicht getan hätte, hätte sich Löw von ihm trennen müssen.

SPIEGEL: Wobei die vielen Querelen nach der EM schon erstaunen. In der Halbzeit des Russland-Spiels verließ der nicht berücksichtigte Kuranyi frustriert das Stadion, worauf ihn Löw für immer aus der Nationalelf warf. Der zum Ersatzmann degradierte Torsten Frings vermisste bei Löw "Rückendeckung, Vertrauen und Respekt". Ballack hielt dem Bundestrainer vor: "Respekt und Loyalität sind doch das wenigste, was man als verdienter Nationalspieler erwarten kann."

Netzer: Wenn ich so etwas schon höre! Die aktuelle Leistung entscheidet über einen Platz in der Nationalelf, nicht die Anzahl der Länderspiele oder frühere Verdienste.

SPIEGEL: Hat Löw das Leistungsprinzip selbst verwässert, weil er an Jens Lehmann und Christoph Metzelder festhielt, obwohl sie in ihren Clubs keine Stammkräfte waren?

Netzer: Darüber kann man reden, natürlich, aber bitte intern, nicht in dieser Form. Ballack ist der beste deutsche Fußballer, hat beidfüßig eine überragende Schusstechnik, von allen Mittelfeldspielern der Welt das beste Kopfballspiel. Aber auch ohne ihn würde die Nationalelf nicht zusammenbrechen. Vielleicht hat er sich ein bisschen überschätzt. Für Frings oder Kuranyi gilt das erst recht.

SPIEGEL: In den Siebzigern haben Beckenbauer beim FC Bayern und Sie bei Real Madrid an die 500.000 Mark im Jahr verdient. Heute kassieren Stars das 30- oder 40fache. Was denken Sie, wenn Cristiano Ronaldo klagt, er sei ein moderner Sklave, weil ihn Manchester United vier Jahre vor Vertragsende nicht nach Madrid ziehen ließ?

Netzer: Das treibt Blüten, da versteht man die Welt nicht mehr. Es ist unfassbar, was diese Spieler alles von sich geben. Aber selbst das regt keinen mehr auf, das ist ja das Verrückte. Die Spieler und ihre Berater haben zu meinem großen Bedauern die Macht im Fußball übernommen.

SPIEGEL: Als ewige Fußball-Wahrheit galt der Spruch des einstigen Dortmunder Idols Adi Preißler: "Entscheidend is aufm Platz." Stimmt das noch, oder ist das Spiel inzwischen mehr ein Unterhaltungsprodukt nach dem Motto: Hauptsache Party?

Netzer: Komfort auf den Rängen und ein gewisses Ballyhoo gehören zur Ware Fußball, wie sie heutzutage angeboten wird. Aber es darf nie passieren, dass der Event wichtiger als die Leistung der Spieler ist, dass die eigentlichen Werte verloren gehen. Es wäre das Ende des Fußballs.

SPIEGEL: Dann ist das Ende offenbar ziemlich nah. Am Tag nach der Endspielniederlage feierten die Nationalspieler am Brandenburger Tor in Berlin, als wären sie Europameister. Lukas Podolski sang mit 100.000 Fans "Humba Tätärä", und Löw kündigte vollmundig an, die Spanier beim nächsten Mal zu besiegen. Die Herren waren auch noch pikiert, weil DFB-Sportdirektor Matthias Sammer die sonderbare Party kritisierte.

Netzer: Für Sammers Aussage empfinde ich eine gewisse Sympathie. Leistungs- und Erfolgsgedanke müssen höchster Anspruch und Anforderung an die Mannschaft bleiben. Auch wenn sich die Spieler bei den Fans für die Unterstützung während der EM bedanken wollten: Sieger können feiern, Verlierer sollten sich fragen, warum sie verloren haben.

SPIEGEL: Wie lange sieht man Sie noch zusammen mit Gerhard Delling im Fernsehen? In den EM-Tagen konnten Sie nicht nur freundliche Worte über sich lesen.

Der Stil sei zu trocken, im Gegensatz zur bunten Computerwelt beim ZDF zu emotionslos, die Sprüche würden keinen mehr vom Hocker reißen, hieß es.

Netzer: Ich bin ja wohl auch alles andere als ein Sprücheklopfer. Der Fußball ist nicht neu zu erfinden, mit mir kann man keine Show machen. In meinem Leben, das ist auch der Erfolg dieser Sendung, bin ich immer authentisch gewesen.

SPIEGEL: Dann lachen Sie wohl eher selten?

Netzer: Was wir da machen, ist eine seriöse Sache. Da verlange ich von mir die notwendige Ernsthaftigkeit. Selbst wenn das trockene Worte sind, wie Kritiker meinen, den Kern der Sache treffe ich. Auch die Akzeptanz auf der Straße und im persönlichen Umgang haben mich veranlasst, bis zur WM 2010 weiterzumachen.

SPIEGEL: Als, wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, "altblonder Schutzengel, der Letzte, der sich mit sittlichem Ernst der Verwandlung des Fußballs in Party, Show und Event widersetzt".

Netzer: Sie werden sich wahrscheinlich über das Ergebnis einer Emnid-Umfrage im Auftrag von "Bild am Sonntag" nicht weniger wundern als ich: Bei den 14- bis 29-Jährigen bin ich der beliebteste Co-Moderator. In der Gruppe also, in die jeder rein will.

Interview: Horst Beckmann, Kurt Röttgen

Zum Weiterlesen:

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1.
Heinz Knauth 18.12.2008
Es fällt beim ewigen Nörgler Netzer auf, daß alle diejenigen, die ihm mal noch nützlich sein können, in seiner Kritik gut wegkommen. So jetzt auch wieder Löw. Ich möchte wissen, was dieser Bundescremer bis jetzt schon geleistet hat. Für das letzte total verhundste Länderspiel hätte man ihn eigentlich entlassen sollen, nachdem er vorher mit seiner überzogenenen "Wer-hat-den-Längsten-Show" eine unsägliche Unruhe in die Mannschaft gebracht hat. Und wer den Klasseunterschied im EM-Finale gesehen hat oder zuvor schon das Hineinstolpern auf den dritten Platz bei der WM, kann doch nicht allen Ernstes behaupten, daß er der Nationalelf inzwischen was Besonderes beigebracht hat. Da lob ich mir die Tante Käthe, die 4 Jahre vorher unter widrigen Umständen mit der Mannschaft beinahe Weltmeister geworden wäre. Und übrigens: die recht positive Länderspielbilanz in der Zeit von Löw sagt überhaupt nichts aus, wenn man sich die Gegner mal geanuer anschaut. Ansonsten finde ich Netzers Interview recht sachlich und überzeugend.
2.
Malte Bruncken 18.12.2008
Ich empfinde die Kritik an der Feier am Brandenburger Tor von den Herren Sammer wie auch Netzer für übertrieben: man kann sich durchaus auch über einen zweiten Platz freuen, sich für den Rückhalt der Fans in anständiger Form bedanken und den positiven Rückenwind einer solchen Veranstaltung mit in die Bewältigung der nächsten Aufgaben nehmen. Dass man sich als Fußballer auch mal live zeigt, ohne dass jeder der sie sehen will gleich richtig Kohle für eine Karte im Stadion anlegen muss finde ich gut und wichtig. Und vor allem: ich sehe einen zweiten Platz als Erfolg. Seit meiner Geburt 1970 war Deutschland entweder mindestens weltweit Dritter oder europaweit Zweiter...außer nach der "Ära" Ribbeck...aber der wird ja zum Glück zumeist geflissentlich und sehr zu recht totgeschwiegen. Sprich: ein Finale kann man verlieren. Wenn die Mannschaft allerdings übernächstes Jahr nach einem Viertelfinalaus gemeinsam nach Berlin reisen würde, dann würde auch ich am Verstand der Betroffenen gelinde zu zweifeln beginnen...und für ausgeschlossen halte ich selbst das in diesen heutigen Zeiten nicht mehr.
3.
Kai Brinkmann 18.12.2008
>Es fällt beim ewigen Nörgler Netzer auf, daß alle diejenigen, die ihm mal noch nützlich sein können, in seiner Kritik gut wegkommen. So jetzt auch wieder Löw. >Ich möchte wissen, was dieser Bundescremer bis jetzt schon geleistet hat. Für das letzte total verhundste Länderspiel hätte man ihn eigentlich entlassen sollen, nachdem er vorher mit seiner überzogenenen "Wer-hat-den-Längsten-Show" eine unsägliche Unruhe in die Mannschaft gebracht hat. Und wer den Klasseunterschied im EM-Finale gesehen hat oder zuvor schon das Hineinstolpern auf den dritten Platz bei der WM, kann doch nicht allen Ernstes behaupten, daß er der Nationalelf inzwischen was Besonderes beigebracht hat. Da lob ich mir die Tante Käthe, die 4 Jahre vorher unter widrigen Umständen mit der Mannschaft beinahe Weltmeister geworden wäre. ----------------- Was für ein blödsinniger Kommentar. Bei der WM 2006 ist niemand gestolpert, sondern unser Team hat zum erstenmal seit 1990 wirklich begeisternden Fußball gespielt. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich das Tor im Spiel gegen die Polen sehe und hoffe nicht, dass ich die anderen Glanzleistungen auch noch im Detail aufführen muss. Schlechte Länderspiele gab´s unter Löw auch, aber die sind eher die Ausnahme. Früher war´s andersherum, auch unter Tante Käthe. Oder haben wir die Färöer usw. schon vergessen. Wenn Netzer ein ewiger Nörgler sein soll, sind Sie erst recht einer.
4.
wolfgang steller 18.12.2008
In der Regel trifft Netzer den Kern der Sache. Zuspitzungen gehören dazu und beleben die Diskudssion. In Sachen Spielqualitäten von Ballack ist interessant, dass er nur die Stärken aufzählt. Viel spielwirksamer sind die großen Schwächen bei Ballannahme und -kontrolle im Mittelfeld. Für einen angeblichen Weltklassespieler katastrophal. Im letzten Spiel versuchte er durch häufiges Direktspiel darüber hinwegzu- täuschen. Das sieht zwar moderner aus, war aber nur selten zielführend.
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